durch die Bergbehörden. Nachdem sich noch Abg. Lieber (Ctr.) abfällig über die Vorlage geäußert, wird die Generaldebatte geschlossen. § 80b (Inhalt der Arbeitsordnung) wird mit kurzen präcistrenden Aende- rungen angenommen, daß die Beträge derselben auch den Knappschaftskassen überwiesen werden können und sodann debatteloS die §§ 80e bis 80i. Morgen: Berggesetznovelle. Sekundärbahnen. Schluß 4 Uhr.
* Die Gerüchte über den Tod Emin Pascha's, welche jüngst von Sansibar herüber gemeldet wurden, haben sich nicht bestätigt; hoffentlich bestätigt sich ebenso wenig die Kunde, daß der in seiner Art einzige Gelehrte erblindet sei.
* Die Vermählung des Grafen Herbert Bismarck mit der Komteffe Hoyos ist auf den 21. ds. Mts. festgesetzt.
* Der Rechtsanwalt A. Stein, der jüngst eine Broschüre gegen seinen ehemaligen Parteigenossen Ah l- wardt gerichtet hat, ist wegen einer schon mehrere Jahre sich hinziehenden Hypotheken - Angelegenheit, in welcher er sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht haben soll, gefänglich eingezogen.
* Köln, 11. Mai. Das Jahr 1892 ist für Köln ein an goldenen Jubiläen, die ein öffentliches Interesse beanspruchen, besonders reiches: Den Reigen eröffnete der Central-Dombau-Verein, ihm folgte jüngst der Kölner Männergesang-Verein; am Sonntag sah der Gürzenich die Reichensperger-Feier. Am 27. August d. I. wird ein halbes Jahrhundert vollendet sein, seitdem der hochw. Herr Erzbischof Philippus Krementz zum Priester geweiht wurde. Mit Rücksicht jedoch darauf, daß der hohe Jubilar am 3. Mai kommenden Jahres in der Lage sein wird, auch das fünfundzwanzigjährige Bischofsjubiläum zu begehen, ist die Feier des fünfzigjährigen Priesterjubiläums auf den letztgenannten Tag verschoben, so daß am 3. Mai 1893 der Metropolit der niederrheinischen Kirchenprovinz und Oberhirt des Kölner Erzsprengels, so Gott will, das seltene Doppelfest des goldenen Priester- und silbernen Bischofs-Jubiläums feiern wird.
* Bochum, 10. Mai. Nachdem das eingeleitete Ermittelungsverfahren hinreichende Verdachtsgründe ergeben hat, ist jetzt Seitens der Königlichen Staatsanwaltschaft in Essen gegen den Geheimen Kommerzien- rath Baare die formelle Voruntersuchung wegen wissentlichen Meineids eröffnet worden. Mit dieser für Herrn Baare jedenfalls betrübenden Thatsache mag es zusammenhängen, daß sich in der von ihm abhängigen Presse seit einigen Tagen eine merkwürdige Aufmerksamkeit bemerkbar macht. So wurde vorgestern von einem der Belastungszeugen gegen Baare, Herrn H. Quant ius, behauptet es sei gegen letzteren Untersuchung eingeleitet wegen schweren Diebstahls, Meineides und Wechselfälschung. Obschon nun es völlig unklar geblieben ist, wie der Sache des Herrn Baare damit gedient werden könne, wenn wirklich der Nachweis erbracht würde, daß der eine oder andere von den ca. 150 Belastungszeugen ein zweifelhaftes Subjekt sei, haben wir doch, sagt die ,Wests. Vlksztg.', an kompetentester Stelle Nachfrage darüber gehalten, ob wirklich gegen den Arbeiter Quantius gerichtliche Untersuchungen irgendwelcher Art schweben. Die uns gewordene Auskunft lautet dahin, es sei völlig unwahr, daß gegen Quantius wegen schweren Diebstahls und Meineids Anzeige erstattet oder gar Untersuchung eingeleitet sei. Dagegen hat allerdings ein in Diensten des Herrn Baare stehender Arbeiter vor kurzer Zeit gegen den Arbeiter Quantius Anzeige erstattet wegen einer Wechselfälschung, welche derselbe angeblich tm Jahre 1883 (!) begangen haben soll. Quantius behauptet mit größter Entschiedenheit, daß der Aussteller den Wechsel selbst unterschrieben und ihm vor Zeugen, die er namhaft macht, ausgehändigt habe, als Valuta für eine von ihm gelieferte Arbeit. Die Untersuchung wird
ja hoffentlich Aufklärung hierüber geben; jedenfalls darf man es aber jetzt fchon als einen höchst auffälligen Umstand bezeichnen, daß der Denunziant neun Jahre hat verstreichen lassen, ehe er seine Anzeige erstattet hat. An Glaubwürdigkeit hat Letztere dadurch gewiß nicht gewonnen.
Ausland.
* Die Vorlagen, betreffend die Valutaregu- lirung werden am Sonnabend im österreichische» Ab- geordurtenhause eingebracht. Der Finanzminister wird die Vorleguog mit einer einleitenden Rede begleiten, an die sich voraussichtlich alsbald längere Debatten knüpfen werden. — Die Delegationen Oesterreichs und Ungarns fallen Anfangs Herbst zusammentreten, um das gemeinschaftliche Budget zu berathen. Für das Heer ist eine Mehrforderung von über 4 Millionen zu erwarten.
* Der ungarische Handelsminister von Baroß ist im Alter von 44 Jahren gestorben. Baroß war der populärste Minister Ungarns. Aus seiner Initiative ging die Verstaatlichung der Eisenbahnen und der Zonentarif hervor; er hatte einen wefentlichen Antheil an der Schaffung der neuen Handelsverträge; er war es auch, der endlich an die Beseitigung der Schifffahrtshindernisse auf der Donau durch Regelung des Eisernen Thores herantrat. Sein früher Tod hat im ganzen Lande tiefe Trauer hervorgerufen, die sich namentlich auch bei der am Mittwoch stattgefundenen Leichenfeier in imposanter Weise bekundete: Budapest war im Trauerschmuck, die Börse und die großen Geschäfte waren geschlossen; eine ungeheure Volksmenge folgte dem Zuge.
* Die Aufhebung der russischen Getreideaussuhr- Berbote wird sich allmählich vollziehen. Zunächst wird die Ausfuhr von Mais und Hafer freigegeben, darauf wird die Freigabe der Weizenausfuhr und schließlich, falls sich die Ernte-Aussichten nicht verschlechtern, wahrscheinlich zum 1. Juli a. St. die Roggenausfuhr.
* Der vorgestern in Petersburg verstorbene Stadthauptmann Gresser galt für den besten Polizeimeister, welchen die Newa-Residenz seit Trepow gehabt hat, dessen Thätigkeit die Kugel der Wera Sassulitsch am 5. Februar 1878 ein Ziel setzte. Obgleich Trepow von seiner Verwundung genas, wurde er doch nicht mehr in sein Amt eingesetzt, und seit 11 Jahren ist die Polizei von Petersburg durch General Gresser geleitet worden, welchem der jetzige Zar ein ebenso großes Vertrauen entgegenbrachte, wie sein Vater dem Deutschen Trepow (eigentlich Trephof, welcher im Dezember 1889 in Kiew starb). Wenn immer der Zar eine Ausfahrt machte, jagte ihm Gresser voraus, wo irgend etwas Besonderes los war, erschien bald der unermüdliche Stadthauptmann. Nur einmal, im Juni 1883, als in Petersburg anläßlich der KrönungSfeierlichkeiten Pöbelexzeffe stattfanden und nicht sofort unterdrückt wurden, schien die Stellung Gresser's erschüttert zu sein, allein die Wolke zarischer Ungnade ging vorüber und als der Stadthauptmann im Mai 1887 durch rechtzeitige Verhaftung der Attentäter das Leben feines Herrn wirksam beschützte, erhielt Gresser von der Zarin ein Geschenk von 100.000 Rubel und vom Zaren eine Pension von 6000 Rubel, welche auch noch seinen Kindern zu Gute kommen soll. Zwei Monate vorher hatte ein Mann auf den Stadthauptmann geschaffen, ihn aber nicht getroffen, worauf der Attentäter sich dann felbft entleibt haben foll. Ob Gresser jetzt doch ein Opfer der Nihilisten oder nur eines allzu erfinderischen Heilkünstlers geworden ist, wird man wohl bald erfahren. Der Tod des ebenfalls mit „Vitalin" behandelten Generalmajors Baranow scheint für letztere Annahme zu sprechen.
* Das neue italienische Kabinet ist eine Schwergeburt. Die Mitglieder des Rudini'schen Kabinets
Frau verwundert an. Sie war gewohnt, daß ihr Mann, wenn er einmal ausging, vor 10 Uhr nicht zurückkehrte. Jetzt war es kaum 9 Uhr. Ihre Ueberraschung wurde aber noch größer, als Linde mehrmals schweigend im Zimmer auf- und abging, dann plötzlich vor ihr stehen blieb und ihr in freundlichem, fast scherzendem Tone mittheilte, daß er morgen früh nicht zur Gerichtsverhandlung nach W. fahren werde,
„Ja, aber Linde, Du bist doch vorgeladen, wirst Du denn so ohne Weiteres fortbleiben dürfen?"
„Ohne Weiteres bleibe ich nicht zurück, liebes Frauchen. Ich habe eine bestimmte Veranlaffung dazu."
Dann nahm Linde seinen Spaziergang im Zimmer wieder auf.
„So geht es!" sagte er nach einer Weile. So muß es gehen. Morgen früh statte ich dem Hecht einen Befuch ab."
Die Frau verstand ihren Mann heute nicht. Q .oe plauderte dann noch eine halbe Stunde mit; über allerlei Dinge und legte sich um 10 Uhr zur Ruhe.
Ob er sie wohl fand? . . . —
XVII.
Am Morgen des 26. Oktober gegen 6 Uhr sieht man eine verschlossene Droschke über das Pflaster der Stadt D. dem Bahnhof zurollen. Als sie vor dem Droop'schen ~ ause angelangt ist, wird der eine Vorhang von en zurückgeschlagen, dann beugt sich ein
r ann vor und späht mit brennenden Augen
nach den Fenstern desselben. Eins derselben wird in demselben Augenblicke yastig geöffnet, ein junges Mädchen erscheint in dem Rahmen und nickt mit thränen- leeren Augen dem Manne in der Droschke zu. Noch lange, nachdem diese ihren Blicken entschwunden, steht die Dame mit über die Brust gekreuzten Händen und schaut in's Leere.
Die Begrüßung der Beiden hat nur einen Augenblick gedauert, denn der Wagen rollte unbarmherzig weiter, allein diese kurze Spanne Zeit hat den beiden sich eben anblickenden jungen Menschenkindern gezeigt, was 6 Wochen Trennung, was Schmach und Gefäng- niß während dieser Zeit angerichtet haben. Und doch . . . wie leuchteten ihre Augen auf, wie jubelte Jedem das Herz in der von Kummer und Sorge bewegten Brust! Jeder Blick war durchglüht von der Hoffnung: ein froheres, freudigeres Wiedersehen wartet doch einst unser.
Die Spruchliste der Geschworenen war dem Angeklagten am Tage vor der Hauptverhandlung vorgelegt worden; da auf derselben der Name eines Verwandten des Ring, des Feindes Droop's, verzeichnet stand und Bäumer dessen Urtheilsipruch als parteiisch finden konnte, ersuchte er den Richter, daß dessen Name von der Liste gestrichen werde, was auch geschah.
Da die Verhandlung in W. um lO’/g Uhr Mor- . gens begann, der Zug dahin um 9Vs Uhr Morgens ' abging und nur 30 Minuten fuhr, so war vorauszu
waren im Amte geblieben» um die Geschäfte bis zur Neubildung weiterzuführen. Nach umständlichen Verhandlungen übernahu. endlich Giolitti den Auftrag zur Neubildung des Ministeriums. Die Mitglieder des neuen Kabinets wurden bereits genannt und das Dekret, welcher die Enthebung Rudini's von seiner Stellung genehmigt, wurde erlassen. Da scheinen neue Schwierigkeiten aufgetaucht zu sein; vor Ablauf dieser Woche ist auf die endgiltige Bildung des'Kabinets nicht zu rechnen. In Folge des Rücktritt des Kabinets Rudini hat auch der zum italienischen Botschafter in Berlin designirte Graf Taverna die Enthebung von feinem Posten, den er noch gar nicht angetreten hatte, verlangt.
* New-Aork, 12. Mai. Dem ,Herald' wird aus Caracas (Venezuela) gemeldet, daß bei Losteques ein Kampf zwischen 400 Mann Regierungstruppen, welche eine Abtheilung Ingenieure begleiteten, und 300 Insurgenten stattgefunden habe. Letztere hätten sich unter Verlust von etwa 100 Todten und Verwundeten zurückgezogen, während der Verlust der Regierungstruppen auf 25 Tobte und 13 Verwundete angegeben werde.
Stadt, Provinz und Dachdargebiet.
Fulda, 13. Mai.
—* Privaten Nachrichten zufolge wird es immer wahrscheinlicher, daß am 3. Pfingsttage eine ganz außergewöhnlich große Anzahl Fremder hier eintrifft. Es sollen aus einzelnen großen Städten geschlossene Prozessionen zum Grabe des hl. Bonifatius beabsichtigt fein. Bestimmte Nachrichten hierüber werden uns die nächsten Tage bringen. Es ist immerhin nothwendig, die Vorbereitungen in größerem Umfange zu treffen. Heute Abend findet wieder eine Sitzung der vereinigten Komitee's statt. Es wurde gestern beschlossen, ein weiteres „Ordnungs-Komitee" zu bilden und zu dessen Vorsitzenden Herr Schlossermeister Franz Fleischmann gewählt. Bei einem großen Menschen - Andrang würde es ohne ein solches den meisten Fremden zur Unmöglichkeit werden, auch nur die Bonifatius-Gruft zu passiren. — Es steht zu erwarten, daß alle Kreise der Bevölkerung ihr Möglichstes thun, damit die Gäste der Stadt Fulda in jeder Weise befriedigt werden. Die Dekoration wird, ohne luxuriös zu sein, in ihrer würdigen Ausführung dem künstlerischen Geschmack wie den örtlichen Verhältnissen Rechnung tragen.
* Am nächsten Sonntage, den 15. d., Morgens 8 Uhr, wird unser Hochwürdigster Herr Bischof dem Diakon Thielcman« aus Volkmarsen in der Seminariums- kapelle die hl. Priesterweihe ertheilen.
* Die drei gefürchteten Eisheiligen, Mamertus, Pankratius und Servatius (11., 12., 13. Mai) haben diesmal von ihrer gewohnten Strenge keinen Gebrauch gemacht. Wenngleich man sich an der milden, angenehmen Temperatur erfreut, vermißt man doch allgemein den zum Gedeihen der Saaten nothwendigen Regen.
* Der auf gestern anberaumte zweite Termin zum Berkans des dem Benediktiner-Nonnen-Konvente dahier gehörigen, der Gartenwirthschaft ,Bellevue' gegenüber gelegenen und zu Bauplätzen geeigneten Grundstücks konnte nicht stattfinden, da Kaufliebhaber nicht erschienen waren. Wie bekannt, hatte Herr I. Jacobson im ersten, am 20. v. M. abgehaltenen Termine das Höchstgebot von 21,300 M. abgegeben.
* In den älteren preußischen Provinzen fand vorgestern (Mittwoch) der alljährliche Buß- und Brttag statt. Der Gesetzentwurf über die Verlegung des Buß- und Bettages auf einen Mittwoch im November hat vor Kurzem die Genehmigung des Abgeordnetenhauses erhalten.
* Im Abgeordnetenhause erklärte Minister Herr- furth gelegentlich der Annahme der Landgemeindeordnung
sehen, daß sämmtliche geladenen Zeugen oder doch die Mehrzahl derselben diese Fahrgelegenheit benutzen würden. Aus diesem Grunde hatte Bäumer gewünscht, daß er schon mit dem um 6>/r Uhr früh abgehenden Zuge fahren dürfe. Er mochte sich nicht von der Menge begaffen lassen, auch hatte der Richter in W. angeordnet, daß der Angeklagte ihm um 1h8 Uhr Morgens zu einem letzten Verhör vorgeführt werde.
Man hatte den Verhafteten auf besonderen Wunsch seiner Verwandten, welche von Tag zu Tag gehofft, ihn srei werden zu sehen, trotz der entgegensteyenden Be- stiuMmng in D. in Hast gelassen. Von Rechtswegen hätte Bäumer schon nach den ersten Verhören dem Gericht in W. überwiesen werden müssen.
DaS Sitzungs-Zimmer des Schwurgerichts in W. ist geöffnet. Die Uhr zeigt 10 volle Stunden an. Allmählich füllt sich der weite, saalartige Raum mit Zuschauern aus allen Gesellschafts-Klaffen, vorzugsweise mit solchen, die den besseren Ständen angehören. Trotzdem viele Personen aus D. neben mancherlei Unkosten auch noch einen ganzen Tag in ihren Geschäften durch das Beiwohnen der Verhandlung verfäumen, sind doch zahlreiche Neugierige erschienen, um den letzten Akt des Drama's zu Ende gehen zu sehen. Auf einer der letzten Bänke nimmt soeben eine junge, tiefverschleierte Dame Platz.
| (Fortsetzung folgt.)