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JV 104 Samstag, den 7. Mai 1892.

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19. Jahrgang

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An die Katholiken Deutschlands!

Der gewaltige Kampf zwischen Christenthum und Gottlosigkeit, welcher die Völker Europas seit Jahr­hunderten erschüttert, hat in unseren Tagen einen be­sonders hefttgen Charakter angenommen. Auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens erhebt theorettsch und praktisch die Gottlosigkeit ihr Haupt.

An den Hochschulen wird die Christusleugnung offen vertreten. Grasser Materialismus und Atheismus wird in Hörsälen gelehrt, in welchen die Lehrer und Beamten ihre wissenschaftliche Ausbildung erhalten. Ein rattonalistischer, irreligiöser Geist herrscht vielfach in den Mittelschulen nud dringt mehr und mehr auch in die Volksschule herab. Die Presse und Literatur trägt den Unglauben in weite Kreise und die Agitation der Sozialisten entfremdet die Volksmassen in Stadt und Land der christlichen Gesinnung und Gesittung.

Mit dieser theoretischen Entwicklung der Gottlosig­keit geht die praktische Hand in Hand. Unter der glän­zenden Hülle eines allseitigen Kultur-Fortschrittes, nationalen Reichthums und politischer Machtstellung hat sich in allen Staaten Europas eine Verwirrung des sittlichen und religiösen Lebens entfaltet, welche die soziale Ordnung in ihren Grundfesten bedroht. Die Heiligkeit der Ehe, das Recht des Eigenthums und die Wicht des Gehorsams gegen die rechtmäßige Autorität ist nicht blos in zahllosen Schriften angezweifelt, son­dern auch thatsächlich durch grauenhafte Unthaten be­droht.

Der Anfang, der Mittelpuntt und das Endziel dieser gegen das Christenthum ankämpfenden gottlosen Bestrebungen ist der Kampf gegen die katholische Kirche, ihre apostolische Autorität und ihr von Christus dem Herrn bestelltes Oberhaupt. Die Meister der Gottlosig­keit wissen, daß sie ihren letzten und endgiltigen Sieg nur erlangen würden, wenn die katholische Kirche ver­nichtet wäre. Darum bieten sie Alles auf, um die Un­abhängigkeit des heiligen Stuhles und die Souveränität des Papstes durch revolutionäre Gewalt zu unterdrücken, die Freiheit der Kirche zu hemmen und der Entfaltung des religiösen Lebens entgegen zu treten.

Mit tiefstem Schmerze sieht die Christenheit ihr erhabenes Oberhaupt dieser Unabhängigkeit und Frei­heit beraubt. Leo XIII. ist ein Gefangener in seinem Palaste und die Feinde der Kirche erlauben sich unge­straft die gemeinsten Beschimpfungen seiner erhabenen Person wie derjenigen, welche ihm huldigen. Unglück­seliger Weise werden die Absichten der gegen das Christenthum verschworenen geheimen Gesellschaften nicht durchschaut. Mißtrauisch oder gleichgiltig gegen die kirchliche Autorität verfallen die Staaten mehr und mehr der Macht der Revolution, welche heute die Maske des Liberalismus trägt, um morgen die Anarchie zu entfefseln.

So schreitet denn in allen europäischen Ländern die Entchristlichung unaufhaltsam fort, die Sittenlosigkeit wächst von Tag zu Tag und gräßliche Unthaten kün­digen TodeSflecken gleich, die Auflösung der gesellschaft­lichen Ordnung an.

Am Aostschalter.

Kriminal-Roman aus dem Berkchrsleben von Th. Schmidt.

(25. Fortsetzung.)

XII.

Eine Droschke hält vor dem Droop'schen Hause. Mit einigen derben Flüchen entsteigt derselben ein ältlicher Herr, vom Kutscher unterstützt. Da wird auch schon die Hausthür schnell geöffnet und Droop eilt dem Ankommenden entgegen.

„Herr Major Bäumer?" fragt er. ,

„Der bin ich! Und Sie sind wohl der Herr Rentier Droop, wenn ich recht rache?"

„Seien Sie uns herzlich willkommen!" antwortete der alte Herr, indem er sich verbeugte.

„Danke. Muß gleich um Gefälligkeiten bitten, kann nicht recht auf Füße verlassen, bitte wenig unterstützen. Sie haben teufelmäßiges Pflaster hier im Neste. Bin wie gerädert von Fahrt vom Bahnhof bis hier. So, merci! Das ist mal wieder egaler Weg", sagt der alte Soldat, als er die Steinplatten vor der Hausthür erreicht hat. „Bitte um Entschuldigung, daß ich nicht geschrieben habe und jetzt so ohne vorhergehende An­meldung Ihnen ins Quartier rücke. Erster Brief ist verspätet in meine Hände gelangt. Glaubte dann auch,

In dieser schauerlichen Noth kann nur die über­natürliche Macht des barmherzigen Gottes helfen. Ver­gebens kämpft das glaubenstteue katholische Volk gegen die Uebermacht der Gottlosigkeit, vergeblich erheben die Bischöfe und Priester ihre Stimme, vergeblich ver­kündet unser hl. Vater Leo XHL die ewigen Wahr­heiten der entchristlichten Welt: wenn Gott nicht mit seiner mächtigen Hand eingreift, um die Fürsten und Völker zur Umkehr zu rufen. Diese göttliche Hilfe zu erflehen ist unsere einzige Hoffnung und unsere heiligste Pflicht.

Wo aber können die deutschen Katholiken besser ihre Gebete niederlegen, als an dem Grabe des hl. Boni­fatius, welcher seit Jahrhunderten als Apostel der Deutschen verehrt wird.

Durch Erlaß vom 10. April d. I. hat der Hoch­würdigste Herr Bischof von Fulda seine Diözesanen eingeladen, in diesem Jahre besonders zahlreich zu dem Grabe des hl. Bonifatius zu wallfahren, um Gott zu danken für die glückliche Restauration der Grab-Kapelle des Heiligen und um Gott die großen Anliegen unserer Kirche wie unseres Vaterlandes zu empfehlen.

Im Anschluß an die Oberhirtliche Mahnung laden wir alle Katholiken Deutschlands ein, an dieser Wall­fahrt sich zu betheiligen.

Mit Genehmigung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Fulda wird daselbst D ienst ag, den 7. Juni, eine General-Kommunionund einHochamt nebst Predigt stattfinden, in welchem der heilige Bonifatius angefleht wird, durch feine mächtige Für­bitte dem deutschen Lande das Christenthum, das er ihm lehrte, zu erhalten und dem heiligen Stuhle, dem er so treu ergeben war, Hülfe in schwerer Noth zu erwirken.

Seit Jahrhunderten haben unsere Vorfahren zu dem Grabe des Apostels der Deutschen gewallfahrt und wir selber haben im Jahre 1870 uns daselbst ver­einigt, um den in Gesangenschaft gerathenen heiligen Vater Pius IX. Gottes Schutz zu empfehlen. So wollen wir denn auch heute wiederum am Grabe des heiligen Bonifatius uns zusammenfinden, um unseren heiligen Vater Leo XIII., dessen 50jiihriges Bischofs- Jubiläum wir in diesem Jahre zu feiern das Glück haben, der Barmherzigkeit Gottes zu empfehle« und die Befreiung des hl. Stuhles aus seiner unwürdigen Lage zu erflehen.

Sicherlich wird auch diese Wallfahrt, zu der wir die deutschen Katholiken auf Dienstag, dcu 7. Juni d. I., den dritten Tag der heiligen Pfingst-Oktav, mit welcher die Oktav des hl. Bonifatius-Festes zusammenfällt, ein­laden, zur Quelle reichlichen Segens werden.

Dieses hoffen wir in Anrufung des heiligen Geistes, der allezeit die Kirche mit seinen Tröstungen erfüllt, und im Vertrauen auf die Fürbitte des großen Heiligen, den Gott uns zum Apostel und Patron gegeben hat.

Mainz, den 1. Mai 1892.

A. von der Acht, Landtagsabgeordneter in Köln.

Franz Graf Ballestrem, Reichstags- und LandtagS- abgeordneter in Plawuiowitz.

Ferdinand Graf von Bissingen in Schramberg. Graf Droste zu Vischering Erbdroste in Darfeld.

wäre Unsinn, schlechter Scherz, was d'rin stand; ist es auch wohl noch, wie? Den soll der Teufel lothweise holen, der den Hermann in solche Patsche gebracht hat."

Sie hatten jetzt das Innere des Hauses erreicht. Im Zimmer läßt der alte Haudegen, vor Zorn wie ein Puter glühend, sich mit einigen „Ahs" und „Puhs" in einen bequemen Sessel fallen.

Der Herr Major sieht trotz seines rheumatischen Leidens recht gesund und kräftig aus. Seine Gesichts­züge sind regelmäßig, fast schön zu nennen, trotz seiner achtundvierzig Jahre würde er noch bei jüngeren Damen reussiren. Sein Haar und Bart sind kurz geschoren, was ihn aber durchaus nicht häßlicher macht, denn er hat eine schöne gewölbte Stirn, die durch das kurze Haar freier in der Form hervortritt. Sein Auge blickt streng, aber nicht abstoßend, frei und offen sieht er Jedem in die Augen. Rückhaltlos sagt er seine Mei­nung und sollte er auch bisweilen damit verletzen.

Nachdem Droop einen Sessel dicht an den Sitz des Majors gerückt hatte, fragte er ihn, ob er sich schon aus seinen Briefen genügend in der häßlichen Ange­legenheit informirt habe.

„Hm) ja, glaube das! Hermann soll ja wohl einen Werthbrief beraubt haben . . . ist's nicht so?"

Freiherr zu Franckenstein, Reichstagsabgeordneter zu Ullstadt.

Frank, Oberlandesgerichtsrath, Mitglied der II. Kammer zu Darmstadt.

Eduard Fuchs, Landtagsabgeordneter in Köln.

Joseph Fuchs in Danzig.

Pius Gabler in Würzburg.

Ferd. Graf von Galen in Dinklage.

Dr. Heinr. Geier, Architekt in Mainz.

v. Gliszczynski, General-Major z. D., Mitglied des Abgeordnetenhauses zu Buuzlau.

A. von Grand-Ry, Reichs- und Landtagsabgeordneter in Bon«.

Eugen Haffner in Mainz.

P. Hauptmann, Landtagsabgeordneter in Bon«.

F. Hitze, General-Sekretär, Reichs- und Landtags­abgeordneter in M.-Gladbach.

Clemens Graf von Hoensbroech, in Kallenberg.

Wilhelm Graf von Hoensbroech, Schloß Haag.

Alfred Graf von Hompesch in Rurich.

Adalbert Huh«, Stadtpfarrer zum hl. Geist in München.

Friedrich v. Kehler, Mitglied des Reichs- und Land­tags zu Berlin.

Fritz Freiherr von Ketteler in Eringerfeld.

Dr. Fr. I. Knecht, Domkapitular und Geistl. Rath zu Freiburg i. Breisgau.

Gottfried Freiherr von Korff in Sutthausen.

Jakob Lindau in Heidelberg.

Joseph Lingens, Reichstagsabgeordneter in Aachen.

Fürst Karl zu Löwenstein in Kleinheubach.

Felix Freiherr von Lotz in Terporten.

Fritz Graf von Lotz in Wissen.

Heinrich Maas in Kempen.

L. Marbe, Rechtsanwalt, Mitglied der II. Kammer in Freiburg.

Dr. E. Marcour, Chefredatteur der Germania in Berlin, Ed. Müller, Justizrath in Koblenz.

Dr. Oberdoerffer in Köln.

H. Oster, Prov.-Landtagsabgeordneter in Aachen.

H. Jos. Patheiger in Trier.

Sigmund Freiherr von Pfetten-Arnbach in Nieder- arnbach.

Graf Friedrich von Praschma in Falkenberg.

Konrad Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos in Moos.

Rudolf Probst, Abgeordneter der II. Kammer in Stuttgart.

Dr. Pruner, Domprobst in Eichstätt.

Nicola Racke in Mainz.

Prof. Dr. Rebbert in Paderborn.

Graf von Rechberg, Mitglied der I. Kammer in Donz­dorf.

Rochus von Rochow in Dresden.

Dr. Rody, Pfarrer in Oestrich.

Dr. Schmitt, Rechtsanwalt in Mainz.

Franz Freiherr von Schorlemer in Metternich.

Friedrich Graf zu Stolberg in Brustawe.

Freiherr von Stotzingen in Steißlingen.

Dr. med. Urfey in Krefeld.

Adolf Graf von Walderdorff, Reichstagsabgeordneter in Regensburg.

Franz Freiherr von Wambolt in Groß-Umstadt.

Schnaubend und pustend stößt er die Worte her­vor, ein Zeichen, daß er sich in heftiger Aufregung befindet.

„Ja, so sagt man!" antwortete Droop. „Ich habe schon Alles versucht, um Ihren Neffen aus der Unter­suchungshaft zu befreien. Daß Hermann ohne Schuld im Gefängniß sitzt, steht bei seinen Freunden uner­schütterlich fest. Ich theilte Ihnen bereits mit, daß der arntirende Untersuchungsrichter ein Bekannter von Ihnen sei."

„Kenne Korff, war 'n guter Kerl, hatte früher ge­sunde Ideen ... na, wird jetzt aber auch so ein ver­knöcherter Bureaukrat geworden sein, läßt sich denken."

„Er ist ein tüchtiger Jurist und hat sich, soviel ich weiß, der Sache Ihres Neffen mit anerkennens- werthem Eifer angenommen, allein vergebens; denn als ich zum letzten Male bei ihm war und ihm eine be­deutende Summe Geldes als Kautionsdepositum für den Verhafteten beim Gericht niederlegen wollte, sagte er mir rund heraus, das könne er nicht annehmen. Er bemerkte mir unverblümt, daß alle Anzeichen gegen Ihren Neffen seien. Er könne die Haftentlassung Bäumers nicht verantworten. Der Plan, welcher von dem ober den Verbrechern angelegt ist, scheint ein wohlberechneter zu fein, denn man hat trotz aller aus-