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lautet, nachdem er soeben die wegen Beleidigung des Bergraths Dr. Schultz gegen ihn erkannte Strafe ab­gesessen hat, die gegen ihn in dem großen Steuer- Skandal verhängte und nun rechtskräftig gewordene Strafe von 4 Monaten 20 Tagen Gefängniß zu Sieg­burg absitzen.

Ausland.

* In Wien steht ein allgemeiner Kutscherstreik bevor. Es hat eine Versammlung von Kutschern der Einspänner und Fiaker beschlossen, falls bis morgen (ben 5. Mai) Mittag die in einem Memorandum an die Regierung aufgestellten Beschwerdepunkte nicht er­ledigt seien, vom 5. d. M Mitternacht an allgemein zn streiken.

* Das vom Tiroler Landtag beschlossene Schul­gesetz hat die kaiserliche Sanktion erhalten und wird nunmehr amtlich veröffentlicht. Aus Anlaß des Zu­standekommens des Gesetzes ist eine Anzahl Ordens­auszeichnungen und Rangerhöhungen einzelnen Per- söhnlichkeiten, die in hervorragendem Maße dabei mitgewirkt haben, zu Tbeil geworden; so dem Stadthalter von Tirol Grafen Merveldt, dem Landeshauptmann Grafen Brandis, dem Bicepräsidenten des Abgeordneten­hauses Dr. Kathrein, dem Beisitzer des Landesausschusses v. Graf, dem Abgeordneten Wildauer, dem Referenten in Schulangelegenheiten Reden und dem Landesfchul- inspektor Haufotte. Die ,Neuen Tyroler Stimmen' in Innsbruck schreiben über das neue Schulgesetz: „Es kann eine theoretisch konfessionelle Schule geben, die bloß auf dem Papiere steht — dafür danken wir, und verlangen die katholische Erziehung der Kinder in der Praxis, und diese haben wir durch das beschlossene Gesetz erreicht. Es wird nun Sache des Landes, der Bezirke und aller jener, die es angeht, sein, das Er­rungene in die Wirklichkeit zu übersetzen. Wir dürfen freilich nicht die Hände in den Schooß legen, die Dinge sich selbst entwickeln lassen und auf das Gesetz bauen. Nein, wir müssen jetzt mit allem Eiser daran gehen, das uns Gebotene, das mit so vieler Mühe Erreichte auszunützen." Das unausgesetzte Streben der Katholiken der übrigen Kronländer Oester­reichs müßte jetzt darauf gerichtet sein wenigstens ähnliche erträgliche Zustände auf dem Gebiete der Volksschule, wie Tirol sie sich zu erhalten verstand, herbeizuführen.

* Daß die große Liebe zwischen Rußland und Frankreich stark im Rosten ist, haben wir seit „Kron­stadt" bei mehr als einer Gelegenheit zu beobachten gehabt. Jetzt tritt diese Erscheinung wieder beim beab­sichtigten Bau der sibirischen Bahn zu Tage. Aus Petersburg kommt nämlich die Meldung, daß der be- regte Bahnbau trotz diesbezüglicher Anerbietungen fran­zösischer Finanz-Konsortien von der Krone selbst über­nommen werden wird.

* Die in Paris gegen die Anarchisten unter­nommenen Maßnahmen werden ununterbrochen fort­gesetzt und neue Nachforschungen angestellt. Die Polizei hat die peinlichsten Vorsichtsmaßregeln in der Um­gebung des Börsenpalastes getroffen, da dieser von anarchistischen Dynamitanschlägen bedroht ist. — Der Justizminister hat an die General-Staatsanwälte die Aufforderung gerichtet, die strikte Ausführung des Ge­setzes über die Fabrikation, den Verkauf und die Auf­bewahrung von Sprengstoffen, insbesondere Dynamit, zu überwachen. — Der bei der Explosion im Restau­rant Very so arg mitgenommene Wirth Very hat sich gestern das linke Auge herausnehmen lassen müssen; die Operation gelang, doch ist Very's Zustand, wie derjenige Hamon's, immer noch überaus kritisch.

* Aus Uganda hat Kardinal Lavigerie einen von Mengo im Oktober 1891 datirten Brief erhalten, in welchem die „Katholiken von Uganda" Kunde geben von ihrer bedrängten Lage.

„Sie könnten, so schreiben sie, mit eigener Kraft und der Hilfe Gottes die Mohamedaner, die sie früher felbst aus ihrem eigenen Lande vertrieben, wohl verjagen und seien auch auf dem Punkt, ihre Macht zu brechen; „aber die europäischen Offiziere, die soeben hier angekommen sind, verbieten uns, diese Feinde der Religion auszurotten; sie wollen ihnen sogar einen großen Theil von Uganda geben. Aber wir wollen das nicht, denn wie können wir zulassen, daß die Mohamedaner bei uns «in Königreich gründen, das nie bestanden hat, und fortfahren, alle Tage unsere Frauen und Kinder fortzunehmen? Die Eng­länder arbeiten eifrig daran, dem König all' fein Ansehen zu rauben, welches sie dem Katikiro (ersten Minister) verleihen wollen; denn dieser ist das Haupt der protestantischen Religion. Die Angehörigen dieser Partei nehmen täglich die Grundstücke des Königs fort, die Leute tödten sie ohne Grund. Eines Tages verlangte der europäische Offizier (wohl Lugard) vom König Barken, und da diese nicht sofort erschienen, wurde der Offizier vor aller Welt zornig auf den König und sagte: Wir werden dich tödten, wenn wir größere Streitkräfte haben, wir lieben dich nicht. In Folge dessen drangen Nachts zwei Männer der Partei des Katikiro in das Haus des Königs, um unseren Kabaka zu tödten. Aber Gott schützte ihn. Wir faßten die Mörder, welche ihren Plan eingestanden. Der englische Resi­dent verbot jedoch ihre Strafe, weil er diejenigen liebt, die sich in der protestantischen Religion unterrichten lassen. Das hatte Alle in Schrecken versetzt; denn man hatte in Uganda noch niemals einen Mann unseres Volkes dem König nach dem Leben trachten und dafür leer ausgehen sehen Jetzt fragen die Heiden die Christen: ..Sind das die Bräuche Europas? Ent­scheidet man so einen solchen Prozeß? Ein König hat nicht viel zu bedeuten!" Aber man hat das Verbrechen so beurtheilt, weil tue Protestanten das ganze Land aufessen und alle Katholiken t) erjagte wollen. Die Protestanten nehmen uns unser Land fort; spricht der König ein Urtheil nach der Gerechtigkeit, so wollen sie sich nicht unterwerfen; verläßt ein Mann ihre Religion, weil er den wahren Glauben vorzieht, fo ergreifen sie ihn, nehmen ihm, was er hat und jagen ihn ans seiner Würde­

stellung. So gibt es in Uganda noch die Religion der Flinte. Alles das kommt von den europäischen Offizieren, welche den Protestanten ihre ganze Kühnheit verliehen haben. Wir Katho­liken sind zahlreich: 30,000 wenigstens, zahlreicher als die Pro­testanten. Deshalb hassen uns die Europäer so sehr; sie möchten, daß die Partei der Protestanten die stärkere wäre. Was sollen wir nun thun? Sollen wir den Kampf gegen die europäischen Offiziere aufnehmen, welche einzig hieher gekommen sind, um unser Land zu Grunde zu richten? Es ist sicher, daß wir, wenn nöthig, unsere Religion mit Gewalt vertheidigen werden, wenn .die europäischen Offiziere fortfahren, hier die Religion Christi vernichten zu wollen. Wir bitten dich, o Herr, und bitten alle großen Führer der katholischen Religion: Helft uns, habt Mit­leid mit uns! Schickt uns Europäer, die gut sind. Gibt es aber keine gute Soldaten im Lande Europa, so laßt uns allein fertig werden. Wenn Gott will, wollen wir sterben. Aber wir können es nicht ertragen, daß der europäische Resident Uganda in drei Reiche theilt, das der Mohamedaner, des Katikiro und des Ka­baka (Königs). Wir können nicht länger die Streitigkeiten dulden, welche die Heiden abschrecken und der wahren Religion entfremden."

Dieses Schreiben hat Kardinal Lavigerie schon vor mehreren Tagen erhalten. Er zögerte aber aus leicht begreiflichen Gründen mit dessen Veröffentlichung. Zu letzterer ging er erst über, als auf dem Wege über Sansibar die Nachricht von den betrübenden Religions- kämpfen eintraf.

Stadt, Provinz und Dachbargebiet.

Fulda, 5. Mai.

* Der an die Katholiken Deutschlands gerichtete Aufruf zur „Wallfahrt nach Fulda für den hl. Vater" ist uns heute aus Mainz zugegangen. Der gleich­zeitigen Veröffentlichung wegen werden wir den­selben erst in der morgigen Nummer unseres Blattes zum Abdruck bringen. Dem Aufruf sind zahlreiche Unterschriften beigefügt.

* Bei dem schon erwähnten Abbruch des alten städtischen Brauhauses „auf der Doll" ereignete sich gestern Abend gegen 7 Uhr ein sehr bedauernswerther Unglücksfall. Einem mit dem Losbrechen eines Balkens beschäftigten, verheiratheten Vorarbeiter wurde von diesem die Kinnlade zerschlagen, wobei er vom ersten Stockwerk herabstürzte und auch noch einen Armbruch erlitt. Der Verunglückte mußte sofort in's Landkcanken- haus verbracht werden.

* Im Anschlüsse an die in der vorgestrigen Nr. d. Bl. enthaltene Mittheilung, betreffend den Schutz der städtischen Anlagen, geht uns aus hiesiger Stadt das Folgende zu: Man wird trotz aller Maßregeln der Polizeibehörde, der Warnungen von Eltern, Lehrern u. s. w. zur Schonung der Vögel keinen Erfolg er­zielen, wenn es noch gestattet ist, Hunde, sei es mit oder ohne Maulkorb, in den Anlagen frei umher­streifen zu lassen. Die in niedere Sträucher nistende Vögel werden durch solche Hunde gänzlich vertrieben. In die Anlagen anderer Städte dürfen Hunde nur an der Leine mitgenommen werden.

Im Monat April ds. Js. wurden von den Metzgern und Privaten der Stadt Fulda geschlachtet: 47 Ochsen, 2 Bullen, 30 Stiere, 46 Kühe, 33 Kal­binnen, 460 Kälber, 309 Schweine, 37 Hammel und Schafe, fowie 3 Ziegen in einem Gesammtgewicht von 76,175 Kilogr. Außerdem wurden dahier 3,566 Kilogr. Fleisch- und Fleisch und Fleischwaaren eingebracht, so daß mithin der Gesammtverbrauch in der Stadt Fulda pro April 1992 79,741 Kilogramm beträgt.

* Die Ziehung der 4. Klaffe der 186. Königlich Preußischen Klaffenlotterie beginnt am 16. Mai und endet am 4. Juni d. I. Die Erneuerung zu dieser Klasse muß bis zum 12 Mai, Abends 6 Uhr, plan­mäßig geschehen.

* Ueber den neuen Sommer-Fahrplan der Staats­bahn schreibt man dem .Hanauer Anzeiger' aus H a n a u:

Mit dem 1. Mai d. I. ist ein Fahrplan der Königl. Eisen­bahn-Direktion Frankfurt a. M. in Kraft getreten, welcher nicht ermangeln wird, große Enttäuschungen in den Kreisen des hiesigen verkehrtreibenden Publikums hervvrzurusen. Nicht nur, daß die beiden Lokal-Züge zwischen Hanau und Fulda ohne jeden Ersatz aufgehoben sind, es wird auch die Verkehrs - Ver­besserung der schnelleren Beförderung von und nach Leipzig und Berlin durch die Mittags-Schnellzüge dadurch wett gemacht, daß fortan Morgens kein direkter Anschluß an den Blitzzug nach Ber­lin in Elm vermittelst eines vorher daselbst von hier eintreffen­den Personenzuges mehr gegeben sein wird. Ein fernerer, ebenso unerwarteter wie empfindlicher Schlag ist aber das Aufhören jeder direkten Verbindung mit Kassel zur Mit­tagszeit. Die Beziehungen zur Hauptstadt des Regierungs- Bezirkes sind Seitens der zweiten Stadt desselben naturgemäß lebhafte und eine der beliebtesten Verbindungen war der Mittags 113 nach Bebra abgehende Schnellzug, mit welchem man vor 6 Uhr Abends Kassel erreichte. Der neue Schnellzug 2« ab Hanau entbehrt nun jeden Anschlusses von Bebra nach Kassel, so daß man, um Abends 6 Uhr in Kassel ein­zutreffen, bereits mit dem Personenzuge ll8 von hier abreisen muß, um 7 Stunden (einschließlich eines über einstündigen Aufent­haltes in Bebra) unterwegs zu sein. Die Sache ist um so schlim­mer, als auch kein Mittagszug Über Friedberg nach Kassel geht, denn der 12«2 abgehende Zug fährt nur bis Marburg. Bliebe noch — freilich schon auf einem Umwege — der Mittagszug 125 ab Frankfurt, aber der entsprechende Zug aus Hanau trifft erst 7 Minuten nach Abgang des ersteren in Frankfurt ein, so daß auch hier jede Verbindung mangelt und man auf den Schnell­zugs-Verkehr mit Kassel nur auf die Früh- und Abendzüge an­gewiesen ist. Hier muß entschieden Wandel geschaf­fen werden. Daß auf die großen durchgehenden Verbindungen aller Werth gelegt und alle Kosten verwendet werden, während der Provinzial- und Lokal-Verkehr benachtheiligt wird, ist eine Erscheinung, die schwer mit den sonst an maßgebender Stelle ausgesprochenen Grundsätzen sich vereinbaren läßt.

* Der Sommer - Fahrplan bringt auch eine ganz besondere Einrichtung, welche vorerst bei den Tages- Schnellzügen zwischen Berlin - (Magdeburg) - Köln und später auch zwischen Berlin - (Leipzig-Nordhausen) -Frank­

furt a. M. getroffen wird. Diese Züge werden aus neuen, durch Seitengänge und Brücken mit einander verbundenen vierachsigen Personenwagen I. und II. Klaffe zusammengesetzt, welche sich durch ruhige Gangart, größere Eleganz und Bequemlichkeit auszeichnen und von denen je einer im Zuge mit Büffetraum versehen ist. Sämmtliche Plätze sind nummerirt und es findet auf den Ausgangs-Stationen bis 1/2 Stunde vor Abgang des Zuges Vorverkauf der Plätze nach Wahl der Reisenden gegen 1 Mark Gebühr statt. Reisende, welche vom Vorverkauf keinen Gebrauch machen, wer­den nur befördert, soweit Platz vorhanden ist.

* Die für Vergütung der int Monat April d. I. verabreichten Fourage maßgebenden Durchschnittspreffe der höchsten Tagespreise sind mit einem Aufschläge von5 vom Hundert für die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld und Schlüchtern wie folgt festgesetzt: Hafer 6.99 Heu 2.89 Stroh 2.50 pro Centtrer.

* Der neue OberPräfideut von Hessen-Nassau Herr Geh. Rath Magdeburg, begibt sich am 10. d. M. zur Uebernahme seines neuen Amtes nach Kassel.

* Hersfrld, 2 Mai. Herr Landrath Freiherr von Schleinitz erläßt folgende Bekanntmachung: „Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878, wonach die Abhaltung von Hauskollekten wegen Beschädigung durch Hagelschlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Orts­vorstände des Kreises, die Landwirthe in ihren Ge­meindebezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Nothwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschlag hinzuweisen.

* Kassel, 4. Mai. Der Hauptgewinn der Braun­schweiger Thalerloose in Höhe von 150,000 Thaler ist in die hiesige Bankkollekte von Plaut und Kompagnie gefallen.

* Hanau, 3. Mai. Da in Folge der regner­ischen kalten Witterung am letzten Sonntag von einer programmmäßigen Feier des 1. Mai in den Garten­räumen der Rosenau Abstand genommen werden mußte, so ist von sozialdemokratischer Seite beabsichtigt, am nächsten Sonntag, falls die Witterung günstig ist, da­selbst eine Nachfeier zu veranstalten. —

* Wernshausen, 3. Mai. Der hiesige Bahnhof soll erweitert werden durch Neuanlage von drei Ge­leisen nordwestlich des Bahnhofs. Die Erweiterung baut die Werrabahn, und die Staatsbahn verzinst die Anlage, soweit dieselbe von der Staatsbahn benutzt wird. Das jetzige Hauptgeleise für die Werrabahn- züge würde fortan Seitens der Staatsbahn in Be­nutzung genommen, soweit es das Bahnhofsterrain in Wernshausen betrifft. Geleise 2 und 3 bleiben für die Werrabahnzüge. Geleise 4 bis 6 würden Rangir- Geleise. — Dementsprechend müßte auch der jetzige Güterschuppen weiter zurück, neu angelegt werden. Ob dieses Projekt noch in diesem Jahre zur Ausführung gelangt, ist insofern fraglich, weil die Werra-Eisenbahn solches in der nächsten Generalversammlung ben Aktionären zur Genehmigung vorlegen muß und die Generalversammlung erst im Herbst stattfindet.

* Geisa, 2. Mai. In dem benachbarten Dörfchen Wiesenfeld wurde in voriger Woche innerhalb zweier Tage achtmal Brandstiftung versucht, in einigen Fällen mit Erfolg. Mittwoch früh gegen 9 Uhr begann der erste Brand. Mit Hülfe der Geisaer Feuerwehr war derselbe nach Mittag gelöscht. Nachmittag gegen 2 Uhr brach zum zweiten Male Feuer aus, etwas von der ersten Brandstätte entfernt. Die Geisaer Feuerwehr kam abermals zur Hilfe und rettete soviel als möglich. Die Abgebrannten waren versichert. An demselben Tage kam es noch zu etlichen Versuchen. Ebenso am nächsten Morgen. Endlich, Donnerstag Nachmittag gegen 5 Uhr, loderte ganz plötzlich fast mitten im Dorfe, von den früheren Brandstätten entfernt, eine Scheune auf. Rettung war unmöglich. Die abermals herbeigeeilte Feuerwehr von Geisa beschränkte das Feuer auf seinen Herd. Während man noch die glühenden Trümmer löschte, tönte der neue Schreckensruf „Feuer" durch das Dorf. Es brannte eine Scheune am Nordende des Dorfes. Die Bevölkerung war rathlos. Die nächsten Häuser wurden ausgeräumt, aber dem energischen Ein­griff der Feuerwehr gelang es, das Feuer, nachdem auch diese Scheune niedergebrannt, zu dämpfen. Es war der achte und bis dato letzte Versuch, ein Zeugniß ganz unerhörter Frechheit. Die beiden Letztbetroffenen waren nicht versichert. Man vermuthet einen Racheakt. An der Brandstätte wurden von den Gendarmen zwei Personen als verdächtig verhaftet: ein alter Mann und ein 13jähriges Mädchen. Das Weitere werden die Gerichtsverhandlungen ergeben.

* Groß-Eichen (Ober-Hessen), 3. Mai. Von einem tragischen Unglücksfall wurde die Familie des hiesigen Gastwirths und Kaufmanns Rock heimgesucht. Der einzige erst zwanzigjährige Sohn derselben war mit einem anderen Manne mit Abladen von Bauholz beschäftigt. Beide trugen ein Stück in der gefährlichen Weise, daß dasselbe dem einen Träger auf die linke, dem anderen auf die rechte Schulter zu liegen kam. Beim Abwerfen des Holzes erhielt der junge Rock einen so schweren Schlag in das Genick, daß er zusammenbrach. Nach drei Tagen ist er gestern Abend seiner schweren Verletzung erlegen.

* Alsfeld, 2. Mai. Dermalen sind die Vorarbeiten zu einer gründlichen Renovation unseres alten Rath-