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der Verhandlungen über das Schulgesetz. Abg. v. Zed­litz (freikons.) stimmt dem bei und findet, daß das Einbringen des Gesetzes ein Fehler gewesen sei. Abg. Mathy (Pole) bedauert dessen Scheitern. Die Vor­lage wird der Budget-Kommission überwiesen. Nächste Sitzung Montag: Gesetz-Vorlage über die Lehrer-Ge­hälter rc. Schluß ö1/* Uhr.

* Das Schreiben, durch das Emin Pascha aufge­fordert wird, in den Reichsdienst zu treten, ist an die Küste zurückgelangt. Emin hat also von dieser Auffor­derung nie Kenntniß gehabt. Dr. Stuhlmann, der Be­gleiter Emins, ist am 15. Februar mit dem größeren Theile der Emin-Pascha-Expedition in Bukoba ange­langt, nachdem in Undussuma, westlich vom Albert- Nyanca, l*/z° N. Br., Hunger und Krankheit den Vormarsch vereitelt hatten. Emin selbst ist krank und folgt langsam nach.

* Major v. Wißmann reist morgen von Kairo nach Sansibar ab, um die Expedition nach dem Tanganika- See zu führen. Die Expedition soll ungefähr 2 Jahre in Anspruch nehmen. Dr. Baumann, der am 15. Jan. von Tanga aufbrach, ist am Viktoria-See angekommen.

* Der Angriff auf die katholische Mission tn Uganda ist am Donnerstag auch im englischen Unterhause zur Sprache gekommen, und zwar wieder in einer Weise, der man die katholikenfeindliche Tendenz schon von Weitem ansieht, und die klar durchscheinen läßt, daß die Engländer an der Verheerung der blühenden Mission sich schuldig fühlen. Der Parlamentssekretär des Auswärtigen, Lowther, erklärte, weder die Re­gierung noch die britisch-ostafrikanische Gesellschaft habe Informationen erhalten, welche die Meldungen der Blätter vom 26. d. M. hinsichtlich der Vorgänge in Uganda bestätigten. Die Agenten der Gesellschaft seien angewiesen, etwaige authentische Informationen zu tele- graphiren. Die von dem britischen Agenten in Sansibar Portal nach einem Briefe des(protestantischen)„Bischofs" Tucker übermittelten neuesten Nachrichten sprächen nur von gewöhnlichen Schwierigkeiten zwischen den rivali- sirmden Parteien in Uganda. Diese Meldung vom 8. Dezember datire später, als die etwas sensationellen Berichte der französischen Missionare. Die Ostafrikanische Gesellschaft habe in Privatbriefen Klagen über eine un­gehörige Begünstigung der Katholiken Seitens der Be­amten der Gesellschaft erhalten. Es sei guter Grund, anzunehmen, daß Kapitän Lugard vermieden habe, die geringste Parteilichkeit nach der einen oder andern Seite zu zeigen. Portal habe einen kurzen Besuch in Witu abgestattet, der jedoch mit den angeblichen Un­ruhen in Uganda nicht in Zusammenhang stehe. — Eine falsche Geschichtsbildung über die beklagenswerthen Vorgänge werden die Engländer nicht zu Wege bringen; dafür wird schon gesorgt werden, ebenso wie für die Aufdeckung der wahren Motive, welches dieses Krämervolk und seine unter dem Scheine von Missio­naren operirenden Agenten in Ostafrika zu ihrer feindseligen Haltung gegen die katholischen Missionen daselbst bewegen.

* Pose», 27. April. Uebereinstimmenden Nachrichten zufolge ist das Allgemeinbefinden des Prälaten v. P o- ninski in Koscielec ein sehr befriedigendes. Die Wunden heilen gut; auch wird Hr. v. Poninski nicht im geringsten im freien Gebrauch des Armes behindert bleiben, wie man anfangs befürchtet hatte.

„Nun erlaube ich mir noch eine Frage, Herr Buch­halter. Kommt es wohl hin und wieder vor, daß Ihnen oder Ihrem Prinzipal ein solches Telegramm- Formular bei Niederschrift der Depesche unbrauchbar wird, so daß Sie gezwungen sind, es zu vernichten, und wo lassen Sie dann das zerrissene Telegramm?"

Jetzt sah ihn der Buchhalter groß an ... . seine Stint runzelte sich .... also dahinaus ging's! Der Mann da vor ihm spielte sich ja wie ein wirklicher Untersuchungsrichter auf.

Dem Falkenauge Linde's entging die Veränderung in den Gesichtszügen des alten Mannes nicht. In vertraulichem Tone fügte er daher hinzu:

„Sie können sich denken, weshalb ich diese Frage an Sie richte. Die Beantwortung derselben fasse ich als reine Gefälligkeit Ihrerseits auf. Eine persönliche Anspielung liegt mir gänzlich fern."

„Nun, es liegt ja auch meiner Ansicht nach gar kein Grund vor, weshalb ich Ihnen diese Gefälligkeit nicht erweisen sollte," antwortete der schnell besänftigte alte Mann. „Meines Wissens habe ich ebensowenig wie auch mein Prinzipal in der letzten Zeit, in den letzten vierzehn Tagen ein Formular fortwerfen müssen .... es wird überdies augenblicklich sehr wenig depeschirt, wir sind mit unserem Geschäftszweige noch in der sogenannten tobten Saison. Wenn ich genöthigt bin, ein Formular zu zerreißen, so werfe ich die Fetzen in der Regel in den Papierkorb."

„So, so! in den Papierkorb. Nun, ich danke für Ihre freundliche Auskunft." Linde verabschiedete sich rvsch.

Er eilte mit den Akten zum Richter.

Dieser, ein kleiner, dicker Herr mit kurz geschorenem Haar und Bart und kleinen, lebhaften Augen hörte aufmerksam an, was der Beamte ihm mitzuth eilen hatte, von Zeit zu Zeit Beifall nickend oder den Kopf hin und her wiegend.

Ausland.

* Ueber die bevorstehende Maifeier wird aus Oesterreich gemeldet, daß die Landeschefs die Weisung erhalten haben daß die Sonntags im Betriebe stehenden Staats- und Privatindustrien durch die Maifeier nicht gestört werden. Diejenigen Arbeiter, welche auch am 2. Mai feiern würden, seien zu entlassen.

* Die Stimmung der Pariser Bevölkerung ange­sichts des 1. Mai wird immer pessimistischer; man sieht ein, daß die Polizei außer Stande ist, auch nur den allergeringsten Theil der an sie gestellten An­suchen um Schutz nachzukommen; Paris wird geradezu mit Drohbriefen überschwemmt. Sollte in diesen Tagen ein neuer anarchistischer Anschlag erfolgen, so würde die Panik in Folge der erregten, nervösen Stimmung verhängnißvolle Folgen nach sich zu ziehen im Stande sein.

* Auch in Rom sind Vorkehrungen für den 1. Mai in umfassendem Maße getroffen, so wurden u. A. die vatikanische Adelsgarde und die Palastwache von heute ab zu fünftägigem Dienst einberufen.

* Der in Rom stattgehabte Kongreß der Vereine vom Rothe« Kreuz ist zu Ende. Derselbe hat das Programm vollständig erledigt und alle Fragen im vollsten Frieden gelöst. Man kann nur wünschen, daß sich die Worte, mit denen der Kongreß geschlossen wurde, erfüllen: „Mögen, wie hier im Saale, die Fahnen der Nationen stets in Freundschaft und Ein­tracht beisammenstehen, auf daß die Kongresse des Rothen Kreuzes zu harmlosen Unterhaltungen von Müßiggängern werden können." Leider ist dazu keine Aussicht vorhanden.

* Die Nachrichten über das Befinden der Königin von Rumänien lauten ungünstig. Sie leidet an Schreck­krämpfen. Ihre Übersiedelung in die Umgebung von Salzburg ist fraglich.

* lieber die innere Lage in Griechenland melden Blätter sensationelle Dinge, die wir hier verzeichnen wollen, ohne aber an die Ernsthaftigkeit des Gemeldeten glauben zu können. Es heißt nämlich, der gestürzte Minister Delyannis versuche, eine antidynastische Partei zu bilden. Hierin läge ja nun nichts Unglaubbares, es wird jedoch weiter gemeldet, daß auch Trikupis das gleiche Ziel verfolge und sich infolge dessen dem Dely­annis jetzt genähert habe. — Man bedenke: Delyannis- Trikupis, die beiden Feinde, Leiter der beiden maß­gebenden Parteien des Landes, jetzt vereint in einer antidynastischen Bewegung! — Der Gedanke an einen Aprilscherz liegt hier nahe genug.

Stadt, Provinz und Dachbargebiet.

Fulda, 30. April.

* Im Jnseratentheil unseres heutigen Blattes finden die verehrl. Leser vorläufig ven vom 1. Mai ab gültigen Fahrplan unserer beiden Rhönbahnen Fulda- Gersfeld u. Fulda-Hilders-Tann. Den Fahrplan der sämtlichen für die Station Fulda in Betracht kommenden Eisenbahnzüge wird die Expedition unserer Zeitung den Lesern in den nächsten Tagen ebenfalls übermitteln.

* Ueber geistliche Konferenzen schreibt der ,Boni- fatiusbote': „Als eine That von segensreichen Folgen begrüßen wir das Uebereinkommen, welches unter dem

„Ihre Vermuthungen, mein Herr Linde," sagte er, nachdem Jener geendet, „sind scheinbar richtig . . . . ich sage: scheinbar, denn Sie werden einsehen, daß der Thäter nach einem bestimmten Plane verfuhr. Zu diesem gehörte auch die absichtliche Benutzung des For­mulars älterer Bezeichnung. Er wird dieses schon seit Langem zu seinem verbrecherischen Zwecke aufbewahrt haben, um später bei der Untersuchung des Falles be­weisen zu fönnen, daß ein solches Formular im Post­dienstzimmer zur Zeit der That Überhaupt nicht vor­handen war. Ich gestehe aber auch zu, und darin haben Sie recht, daß auch Jemand im Adens'schen Ge­schäfte diesen Abriß in gleicher Absicht schon eine Zeit lang verwahrt haben und von der Verschiedenheit der Bezeichnungen der Formulare keine Ahnung haben konnte. Rach meiner Ansicht zeugt der Streifen, wenn ich beide Möglichkeiten mit einander abwäge, gegen Ihren Freund. Das werden Sie einsehen müssen. Allerdings sind die gleichmäßig vergilbten Ränder an dem Abriß sowohl, als auch diejenigen an den aus dem Adens'schen Ge­schäfte stammenden Formularen überraschend.....

indeß können beide Theile ein gleiches Alter haben. Nun, es ist immerhin schon ein schwacher Anhalt. Sie haben übrigens eine bemerkenswerthe Kombinationsgabe . . . ich mache Ihnen mein Kompliment!"

Linde machte ein Gesicht, das im Zweifel ließ, ob es freundlich oder ärgerlich sein sollte.

„Wichtiger," begann der Richter aus's Neue, „ist für mich Ihre Erklärung, daß der Verhaftete nicht nöthig hatte, aus Geldverlegenheit die That zu begehen, da er, wie Sie behaupten, in geordneten pekuniären Verhältnissen lebte, ja sogar noch an seine Mutter kleine Ersparnisse von seinem Gehalte abgab. Ihrem Wunsche, auf diese vorgelegten Indizien hin Ihren Freund aus der Haft zu entlassen, kann ich leider nicht entsprechen, um so mehr jetzt noch nicht, weil ich mich noch nicht in der Sache genügend habe informiren tonnen ....

Segen und der freudigen Zustimmung unseres Hoch- würdigsten Herrn Bischofs Seelsorgspriester der Stadt Fulda und Umgegend dahin getroffen haben, daß sie viermal im Jahre zu geistlichen Konferenzen (Vorträgen und Berathungen) im katholischen Vereinshaus „Har­monie" dahier sich versammeln wollen. Gegenstand derselben bilden nach einer kurzen Exhorte (Ermahnung) über einen Zweig des geistlichen Lebens — Vorttäge und Berathungen über Fragen der Seelsorge, der Gottesgelehrsamkeit u. s. w. Bereits hat eine solche Kon­ferenz zu Anfang dieses Jahres stattgefunden. Nach dem, was wir darüber gehört, hat sie alle Theilnehmer sehr befriedigt. Die nächste ist auf kommenden Donners­tag, den 5. Mai, 3 Uhr Nachmittags, festgesetzt. Nach einer Exhorte des Herrn Dechant Endres über den Anschluß an den bereits viele tausend Mitglieder zählenden Priesterverein „Zum göttlichen Herzen Jesu" wird Herr Pfarrer Müller von Flieden über die Frage sich verbreiten, ob und in wie weit die Bethei­ligung der Seelsorger an der Gründung und Leitung von Darlehnskassm zur Erhaltung und Hebung unseres Bauernstandes empfehlenswerth ist. Daran wird sich schließen die Lösung anderer bereits gestellter oder noch zu stellender Fragen. — Wir freuen uns über das Unter­nehmen um so mehr, als in der Kirche Gottes solche Konferenzen von Anbeginn in Uebung waren und überall höchst segensreich gewirkt haben. Um wie viel mehr sind sie jetzt am Platze, wo alle Berufszweige zu Vereinen sich zusammenthun und in Versammlungen ihre Angelegenheiten gemeinsam berathen. Möge die Betheiligung aus recht weiten Kreisen erfolgen. Fulda ist ein Knotenpunkt, wo in fünf Richtungen Bahnzüge ein- und auslaufen und so günstig liegen, daß, wer gegen 2 Uhr ankommt, gegen 7 Uhr wieder ab- fahrm kann. Jeder Priester der Diözese ist zur Theil- nahme berechtigt und fteundlich eingeladen."

* Wie bekannt, war von den städtischen Körper­schaften schon in den vorigjährigen Etat für Errich­tung einer städtischen Badeanstalt in der Rosenau die Summe von 8000 M. eingestellt worden. Der Aus­führung dieses Vorhabens stellten sich jedoch einige Schwierigkeiten entgegen, welche jetzt beseitigt sein dürften. Im Interesse unserer badeluftigen Männer­welt wäre nun dringend zu wünschen, daß mit dem Bau dieser so nothwendigen Einrichtung thunlichst bald begonnen würde, wenn dieselbe noch für diese Session dem allgemeinen Gebrauch übergeben werden soll.

* Nach § 40 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 (G. S. S. 191) sind die Berufungen gegen die Veranlagung der Einkommensteuer Seitens der Steuerpflichtigen bei dem Vorsitzenden der ©teuer» veranlagungskommissiou einreichen. Die Königliche Re­gierung zu Kassel, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten, bringt diese gesetzliche Vorschrift mit der Warnung zur öffentlichen Kenntniß, daß Be­rufungsschriften, welche zu Unrecht bei der Regierung oder bei dem Vorsitzenden der Berufungskommission eingehen, dem Beschwerdeführer ohne Weiteres porto­pflichtig werden zurückgegeben werden.

* Eine neue kriegsmmisterielle Verfügung, die be­sondere Beachtung verdient, ist bei den diesjährigen Kontrollversammlungen bekannt gegeben worden. Danach steht es im Mobilisimngsfalle dem Einberufenen frei, während des Feldzuges sich neben dem zu liefern­den, deS eigenen Schuhwerkes zu bedienen, falls dieses Sie können also bestimmt behaupten, daßSie ein solches Formular, wie daS von dem Kaufmann Adens mitge- brachte, nicht mehr auf dem Poftamte vorräthig Haden?"

„Jawohl, das kann ich!"

„Gut! Es sollte mich freuen," sagte der Richter freundlich, „wenn Ihr Freund, dessen Onkel ein alter Bekannter aus früheren Jahren von mir ist, bald wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte. Ich habe schon sämrntliche Polizei - Organe in der Umgegend in Be­wegung gesetzt; Jeder, der hier nur in einiger Beziehung zur Post und zu dem Absender des fraglichen Briefes steht, wird scharf beobachtet."

Linde verabschiedete sich. Des Richters Ansicht über den Formular-Abriß überzeugte ihn und das verstimmte ihn noch mehr. War der Freund wirklich der Thäter: „Fast möchte man sagen: Ja! Sollte er wirklich in einem schwachen Augenblicke, gedrängt durch momentane Geldverlegenheit, sich vergessen haben?" Er konnte es sich nicht denken. Der Freund hatte Bekannte, die ihm jeden Augenblick aus der Verlegenheit geholfen hätten.

Er ließ sich die Einzelheiten der Untersuchung noch einmal durch den Kopf gehen und kam zu der Ueber- zeugung, daß er vielleicht an Stelle deS Inspektors mit Bäumer ebenso verfahren haben würde. Alles, Alles zeugte gegen den Freund, nur der eine Umstand, daß derselbe, wenn er die Absicht verfolgte, einen Brief zu berauben, doch nicht solche, jedem Postbeamten in D. bekannte Packpapier-Fetzen würde benutzt haben. Auch der Richter hatte das zugegeben, aber auch sogleich da­bei bemerkt, daß Derjenige, der den Brief beraubte — Bäumer — in diesem Umstände einen Entlastungsgrund habe suchen können, denn ganz treffend habe sein Freund beim Verhör betont, daß dieser Umstand wiederum da­für spräche, einem Postbeamten das Verbrechen in die Schuhe zu schieben.

(Fortsetzung folgt.)