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sondere auch nach Grundbesitz. Sie bilden dadurch eine wirth- schaftliche Gefahr für das Volksvermögen und die soziale Ent­wickelung, und eine politische Gefahr wegen ihrer durch das Ordens-Vermögen zu sehr gesteigerten Macht. In so mannig­faltiger Weise aber auch die Begründung der Eingaben gehalten sein mag, so sollte doch deren Schluß-Bitte möglichst übereinstim­mend dahin gefaßt werden: Es möge die Königl. Staatsregie­rung an ihrer Entschließung festhalten, wodurch seiner Zeit das Gesuch um Zulassung von Männer-Orden abgelehnt wurde. Außer den Versammlungen regt der Landcsausschuß auch noch wieder­holt den Gedanken an, daß nunmehr auch die evangelischen Kirchengemeinde-Räthe in Form von durch die Vermittelung der kirchlichen Behörden einzureichenden Eingaben an die Königl. Staatsregierung an der Bewegung gegen die Männer-Orden sich Letheiligen möchten."

Schon bei der Bewegung gegen die Jesuiten hat der Evangelische Bund ganz dasselbe Manöver gemacht. Eine Gruppe des Evangelischen Bundes leitete durch vertrauliches Rundschreiben den Spektakel ein, der aber dann unter anderer Firma ausgeführt werden sollte. Das ist ja sehr bescheiden, aber wir müssen die Herren gegen ihre eigene Bescheidenheit in Schutz nehmen. Dem Verdienst seine Krone. Wenn Männer des Evangeli­schen Bundes die Regie führen, so sollen sie nicht hinter den Koulissen bleiben; für ihre That gebührt ihnen die Ehre des Hervorrufs und die sämmtlichen sonstigen Auszeichnungen, die ein geschickter Bühnenkünstler bean­spruchen darf. Ueber die von dem löblichen Landes­ausschuß vorgeschlagene Begründung der Ordenshetze verlieren wir nicht viele Worte: sie ist des Ausschusses, wie des Bundes überhaupt, vollkommen würdig und wirft wieder ein grelles Licht auf die Redensarten, mit welchen der Bund sich gegen den Borwurf der konfessio­nellen Hetze zu vertheidigen pflegt.

Stadt, Provinz und Dachbargediet.

F u"l d a, 28. April.

* Dem ,Kirchl. Amtsbl.' unserer Diözese entnehmen wir nachstehende Personalien: Bom 1. Mai ab ist der vom Magistrat zu Naumburg zum Frühmeßbenefieium präsentirte Stadlkaplan Medler in Fulda kanonisch bestellt worden. Bon demselben Datum ab werden Kaplan Bermoser in Großenlüder zum Kaplan in Marburg, Kaplan Gruß in Neustadt zum 3. Stadt- kaplan in Fulda und Diözesanpriester Kehl zum Kap­lan in Neustadt beiteHr.

* Da die Restaurationsarbeiten in der Marien- kapelle des Domes erfreulicherweise beendet sind, wird nächsten Sonntag wieder der erste Gottesdienst daselbst gehalten werden und zwar Morgens 5 Uhr mit Beginn der beliebten und stark besuchten MaianÜacht. Am Frauenberge wird die Maiandacht um dieselbe Zeit gehalten, während dieselbe in der Hospitalskirche zum hl. Geiste am Vorabende um 5 Uhr und in der Stadt­pfarrkirche um 78/4 Uhr Abends beginnt.

* Ein Schuldotationsgrfttz sei zwar, meinen die ,Berl. Pol. Nachr.', für die laufende Session nicht in Aussicht genommen, aber es stehe zu erwarten, daß im Verwaltungswege den Lehrern diejenige Verbesserung ihrer Lage verschafft werde, welche die Staatsregierung durch Aufnahme der bezüglichen Bestimmung in den Entwurf eines Volksschulgesetzes als nothwenvig aner­kannt habe. Ob das mehr ist wie ein Beruhigungs­pulver für die Lehrer, welche sich bei dem Liberalis­mus bedanken können, daß durch sein Wüthen gegen das Volksschulgesetz auch die Dotationsfrage gescheitert ist?

* Zur Gleichstellung -er Lehrer an höheren städti­schen Schulen mit denen an den staatlichen Anstalten schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/ in einem Leitartikel: „Es dürfte gelingen, noch in der laufenden Session einen Modus zu finden, nach welchem auch den städti­schen höhern Lehrern in Zukunft das zustehen soll, was für die staatlichen Seitens der Unterrichtsverwaltung trotz der augenblicklichen, nicht gerade leichten Finanz­lage in Preußen erreicht worden ist. Zur Erleichterung des sich Hineinfindens der Kommunen in die neue Ordnung dürfte sich vielleicht empfehlen, denselben bis zu einem gewissen Grade Freiheit insofern zu lassen, ob sie das Prinzip der Dienstalterszulagen einführen oder es beim Aufrücken in Stellenetats belassen wollen. Letzteres würde den Vorzug gewähren, daß sie nie über einen gewissen Durchschnittssatz hinauszugehen brauchen. Es darf nicht bezweifelt werden, daß auch noch sonst den minder leistungsfähigen Gemeinden an Erleichterung Manches geboten werden könnte. Denn es liegt, wie der Unterrichtsverwaltung, auch der Regierung über­haupt völlig fern, in die städtischen Budgets die ge­ringste Unordnung oder gar Verwirrung zu bringen. Ebenso aber sollten auch die städtischen Gemeindewesen, welche höhere Schulen unterhalten, es in ihrem eigensten Interesse richtig finden, wenn die noch schwebende Frage bald einer sachgemäßen Lösung entgegengeführt wird."

* Die Umwandlung des hiesigen Realprogymnasiums in eine lateinlose Realschule mit wahlfreiem Latein­unterricht von Sexta bis Quarta ist, dem ,F. K.' zu­folge, vom Herrn Kultusminister genehmigt worden un^sind somit die Wünsche der hiesigen Bürgerschaft in Erfüllung gegangen.

* Zum Berechtigungswesen hat der Kultusminister neuerdings eine wichtige erläuternde Verfügung ge­troffen. Danach können Schüler, welche einen sechs­jährigen Schulkursus an einer bisher siebenjährigen Anstalt durchgemacht haben, die Berechtigung zum

Subalterndienst nur durch das Bestehen einer Prüfung erwerben.

* Man liest in auswärtigen Blättern: Nicht, überall dürfte es bekannt sein, daß die Gattin -es verstorbenen Dichters Friedrich von Bo-rnste-t, Mathilde geb. Oster­wald, aus Hessen stammt. Sie ist eine Tochter des Obersten Osterwald, der von 1839—1854 das 2. Kurhessische Infanterie-Regiment führte. 1868 ist er als Pensionär in Fulda gestorben. Badenstedt hatte seine Gattin, der er unter dem Anagramm ihres Vor­namens „Edlihtam" die Lieder des Mirza-Schaffy gewidmet hat, auf Escheberg im Hause des bekannten Barons v. d. Malsburg kennen gelernt.

* Der heute dahier abgehaltene Viehmarkt war mit 527 Stück Rindvieh und 2 Pferden befahren. Der Handel in Fettvieh gestaltete sich lebhaft. Für gute Ochsen wurden 700—900 Mk., für Stiere guter Qua­lität 600—700 Mk., für Milchkühe 300-350 Mk. bezahlt. Der nächste Viehmarkt findet am 19. kom­menden Monats statt.

* In einer am 21. d. M. im „Deutschen Haus" zu Kassel stattgefundenen Ausschußsitzung des Vereins zur Förderung der Bienenzucht im Rcg.-Bez. Kassel ist u. a. beschlossen worden, die 17. Wanderversamm­lung dieses Vereins in diesem Jahre im „Frankfurter Hof" zu Bebra am letzten Montag des September oder am ersten Montag des Oktober abzuhalten. Ferner wurde bestimmt, auch in diesem Jahre wieder zwei Vereinsbienenstände zu errichten und die Leitung der­selben den Herren Lehrern Jakob-Wolsershausen und Freytag-Besse übertragen.

* Kassel, 26. April. Dem Landrath Trott zu Solz in Jülich, Reg.-Bez. Aachen, ist die kommissarische Verwaltung des Landrathsamts im Kreise Roten­burg übertragen worden.

* Frankfurt a. M., 27. April. Die Belohnung für Ergreifung des flüchtigen Rothschild'schen Kassirers, Jäger, ist von 1000 auf 3000 Mark erhöht worden. — Die Affaire Jäger zeitigt recht häßliche Folgen. Bei der Untersuchungsbehörde sind nämlich gegen ver­schiedene Personen Denunziationen eingelaufen, sie hätten von dem Flüchtling Geld erhalten. Unter diesen Anzeigen befand sich auch eine, welche ein hiesiger Ge­schäftsmann gegen seinen Konkurrenten eingesandt hatte. Er sollte von Jäger zum Betrieb seines Geschäfts größere Summen erhalten haben. Man hielt bei dem Denunzirten Haussuchung und nahm die Bücher fort, prüfte solche und fand, daß die ganze Angabe auf Un­wahrheit beruhte. Da der in seiner Ehre tief Gekränkte den Namen des Denunzianten erfuhr, hat er nunmehr gegen denselben wegen wissentlich falscher Anzeige Straf­antrag gestellt.

* Wiesbaden, 26. April. Gestern ist durch die königl. Regierung die vom Ministerium der geistlichen Unterrichts- und Medizinal - Angelegenheiten am 5. April d. I. ertheilte Staatsgenehmigung zum Neubau einer zweiten katholischen Kirche zu Wiesbaden ein­getroffen.

* Höchst, 25. April. Eine neue Gehaltskala für die Elementarlehrer haben die Stadtverordneten einstimmig genehmigt. Darnach beginnt das Anfangs­gehalt mit 1200 Mk. und steigt bis 2400 Mk. Dieses Maximalgehalt ist erreichbar mit 30 Dienstjahren. Das Gehalt der Lehrerinnen beginnt mit 1000 Wtf und steigt bis 1400 Mk. nach vollendetem 15. S)ienft= jahre. * k'Ä

* In Brückenau befindet sich zur Zeit auch der Reichstagspräsident v. Levctzow auf der Auerhahnjagd.

* Darmstadt, 27. April. Die Kaiserin Friedrich stattet morgen ihrer Mutter, der Königin von England, in unserer Stadt einen Besuch ab.

Vermischtes. __

* Soest in Westfalen, 25. April. Bei dem Zahnarzt D'ham wollte sich gestern der 14jährige Sohn des Gutsbesitzers Schulze Bergede einen Zahn ziehen lassen. Der Knabe, der Furcht zeigte, wurde chloroformirt, das Zahnziehen ging dann gut von Statten, der Patient selbst wachte jedoch nicht mehr auf, er war in der Chloroformnarkose gestorben. Der Fall ist um so betrübender, als der junge Schulze der einzige Sohn seine Eltern war.Z *

* Saarbrücken, 27. April.UHerr v. Stumm hat anläß­lich des Kaiserbesuchs den rothen Ädlerorden zweiter Klasse er­halten.

(Die Gebote der Anarchisten.) Die spanischen Blätter ent­halten eine in spanischer Sprache gedruckte „Verordnung" für die Anarchisten, die man in den Taschen Deboche's und Ferreira's gefunden hat. Wir entnehmen der ,Epoca' den Wortlaut dieses kuriosen Schriftstückes, das nachstehende Artikel enthält: 1) Der anarchistische Genosse hat vor Allem sein Leben für Nichts zu achten. 2) Er kennt kein anderes Vaterland, als die soziale Re­volution, und keinen andern Feind, als das Kapital und die be­sitzende Klasse. 3) Die Anarchisten erkennen keine andere Justiz an, als das aus ihrer Mitte ernannte „Ehrengericht", gegen dessen Urtheilssprüche es keine Berufung gibt. Die Anarchisten sind unter einander unverletzlich ; Jeder muß jederzeit bereit sein, sein Leben für die Bertheidigung seiner Genossen zu wagen. 5) Die erste Pflicht eines Anarchisten ist die soziale Revolution. 6) Sie haben jede revolutionäre Bewegung, welche nicht gegen das Kapital gerichtet ist, von sich zu weisen. 7) Es gibt keine Ent­schuldigung für einen Anarchisten, eine ihm durch das Loos zu­gefallene Dienstleistung abzulehnen; nur Krankheit entschuldigt. 8) Ohne Ermächtigung der „Versammlung" darf kein Anarchist ein öffentliches Amt bekleiden. 9) Alle Anarchisten müssen sich unter einander lieb haben, aber alle Geheimnisse anderer Ver­einigungen auskundschaften. Der wichtigste Dienst eines Anar­chisten für die gute Sache ist die Angabe von solchen Genossen, die etwa mit den Behörden Beziehungen Pflegen. 16) Die Anar­chisten erklären sich für die Revolution mit all' ihren Folgen

und haben derselben ihre ganze Intelligenz, Energie und Be­harrlichkeit zu widmen.

* Stndio's Klage. Morgens steh' ich auf und frage: Werd' ich heut' bezecht? — Abends sink' ich hin und klage: Ach, ich hatte recht!

* Galgenhumor. Gefangener (sieht durch's Gitterfenster in den Regen): „Das ist ja ein schauerliches Wetter! Heut' ziehen mich keine vier Pferde aus dem Hause!"

Neueste Kost.

* Schwerin i. Mecklbg, 27. April. Die feierliche Bei­setzung der reiche der Großherzogin-Mutter in der Heiligen- bluls-Kapelle des Domes hat heute unter dem Geläute aller Glocken und unter Geschützsalven statrgefunden. Um 2 Uhr fand ein Trauergottesdienst in der Schloßkapelle am Sarge statt. Der Kaiser führte die Großherzogin Marie zur Trauerstätte. Die fürstlichen Leidtragenden folgten. Nach dem Gesänge und der Rede des Hofpredigcrs Wolff wurde der Sarg, begleitet vom Oberstallmeister von Brandenstein und den obersten Hofchargen, nach dem mit acht Pferden bespannten Leichenwagen getragen. Hinter dem Sarge schritten der Kaiser, der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der Großfürst Wladimir, die Herzoge Paul und Johann Albrecht und ein zahlreiches Trauergefolge. Am Dome empfing die Geistlichkeit und die Leibkompagnie des Regi­ments Nr. 89 den Trauerzug. Der Sarg wurde vor den Altar gestellt. Superintendent Bard sprach ein Gebet und, während die Beisetzung erfolgte, den Segen. — Der Kaiser ist Abends nach Meppen abgereist.. _______________________ _____

Literarisches.

Maiandacht für das christliche Volk von C. Britz, so be­titelt sich ein 88 Seiten starkes, sehr empfehlenswerthes Büchlein, das in der Bonifatius-Druckerei in Paderborn erschienen und durch alle Buchhandlungen für 25 Pfg. zu beziehen ist. Dasselbe eignet sich sowohl zum privaten, wie auch zum gemein­schaftlichen Gebrauche, denn die 31 Betrachtungen über das Leben, Leiden und Sterben der hl Mutter Gottes, welche das Schrift- chen enthält, sind zum Vor- und Nachbeten eingerichtet. Der Inhalt ist sehr ansprechend, erbauend, und oftmals auch sehr ergreifend. Wir hoffen, daß das Büchlein immer weitere Ver­breitung finden und reichen Nutzen stiften wird.

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’trömung sehr unbeständig; feit

früh wieder Südwind und Fallen des Barometers. Die Minimaltemperatur der letzten 24 Stunden — 3,6 0 C.! Starke Reifbildung.

Das Minimum, welches gestern bei Bornholm lag, ist mit zunehmender Tiefe nach Wisby fortgeschritten und veranlaßt an der ostdeutschen Küste starke südwestliche Winde; ein anderes Minimum ist an der Westküste Schottlands erschienen. Am höchsten ist der Luftdruck über Südwest- und Südost-Europa. In Deutschland ist das Wetter andauernd kühl, im Norden trübe mit Regenfällen, im Süden stellenweise heiter ohne nennenswerthe Niederschläge.

Letzte Beobachrung 11 Uhr Morgens.

Luftdruck — 734,4 mm., — Lufttemperatur - 11,00 C. — Luft­feuchtigkeit — 86i/o. — Wolkenzug — SW. — Windrichtung — S4. — Himmelsansicht bewölkt.

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