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Zeugniß der großen Beliebtheit für den Verstorbenen waren die vielen von nah und fern erschienenen Leid­tragenden und die Liebesspenden in Gestalt von Blumen und Kränzen. JustuS Hau, am 17. Januar 1835 zu Haselstein geboren, absolvirte daS Lehrer-Seminar zu Fulda und erhielt im Jahre 1864 seine Anstellung als ordentlicher Lehrer an der Stadtschule zu Hünfeld. Am 1. Oktober 1877 wurde er und zwar auf die Dauer von 8 Jahren und nach deren Ablauf auf Lebenszeit zum Bürgermeister von Hünfeld gewählt. Durch seine gediegene Sachkenntniß hatte er bald die städtischen Verhältnisse in einer Weise gefördert, daß die Verwaltung nach innen und außen als Muster hingestellt werden konnte. Mit klarem Blick und Ver- ständniß war er unermüdlich bemüht fortwährend Ver­besserungen zu schaffen, die jedem Einzelnen wie dem Allgemeinen zu Gute kamen. Mit christlich religiösem Sinne ausgestattet, war ihm sein Glaube stets über alles erhaben, weshalb auch seine Arbeiten vom Segen Gottes begleitet waren. Unvergeßlich ist seinen Beamten der Verlust, welchen sie durch seinen Tod erlitten haben, denn grade unter seiner Leitung, welche sich durch stete Gerechtigkeit, gepaart mit Liebe und Upisicht, so sehr auszeichnete, war ihnen die Pflichterfüllung doppelt lieb geworden. Ein Feind aller Parteilichkeit und jeden Haders war er stets bestrebt Friede und Ein­tracht zu halten und mit Ueberlegenheit zu arbeiten und stand ihm hierin die städtische Körperschaft unter­stützend zur Seite. Ganz besonders noch zeichnete er sich während des großen Brandes von 1888 und nach demselben aus. Die äußerst umfangreichen Arbeiten in jener Zeit und die so schwierigen Verhältnisse, welche in der Bauperiode entstanden waren, erledigte er mit Liebe und großer Umsicht. Ein besonderer Freund der Armen, hat er auch auf dem Gebiete der christlichen Charitas vieles Schöne erreicht, was ihm bei jenen ein stetes Andenken sichert. So betrauern wir in dem Verstorbenen einen Mann, der, mit vorzüglichen Eigen­schaften ausgestattet, die Liebe und Verehrung Aller wohl verdiente. R. I. P.

* Eschwege, 20. April. Gestern und heute tagte in den Mauern unserer Stadt die 3. Lehrerversamm­lung der Lehrer an gewerblichen Fortbildungsschulen im Regierungsbezirk Kassel. Mit derselben war eine Ausstellung sämmtlicher Zeichnungen und schriftlichen Arbeiten, welche im Jahre 1891—92 angefertigt waren, verbunden. An der Ausstellung betheiligten sich die Fortbildungsschulen: Kassel, Eschwege, Fulda, Rinteln, Marburg, Schlüchtern, Hersfeld, Großalmerode, Witzenhausen, Ocb, Holzhausen, Karlshafen. Die Ar­beiten methodisch geordnet, waren in der städtischen Turnhalle ausgestellt. Schon am Vorabend war eine stattliche Anzahl der Vertreter der verschiedenen Schulen im Hotel Mösinger versammelt und wurde vom Ver­bands-Vorsitzenden, Rektor Schanze-Eschwege mit warmen Worten begrüßt. Nach Erledigung interner Vereins­angelegenheiten wurde das Programm der Hauptver­sammlung einer Besprechung unterzogen und festgesetzt. Später kam auch Fidelitas bei gemächlichem Zusammen­sein beim Glase Bier zu ihrem Rechte. Heute begannen um 11 Uhr die Hauptverhandlungen in der Turnhalle, in welcher von 8 Uhr ab bereits die Rezensenten Bau­rath Büchling-Eschwege, Zeichenlehrer Kemnitz-Eschwege, (in Vertretung des erkrankten Stadtbaumeisters Engel­hardt), Hauptlehrer Fritz-Fulda und der Dirigent der Kasseler Handwerkerschule, Schanze, thätig waren. Rektor Schanze hielt eine Begrüßungsrede an die Ver­treter der Königlichen Regierung, die städtischen Be­hörden, die aus allen Gauen des Reg. - Bezirks er­schienenen Delegirten und die als Gäste anwesenden Handwerksmeister. Unter den Anwesenden bemerkten wir den Vertreter des Herrn Regierungspräsidenten, Herrn Regierungs - Assessor von Hein-Kassel, Herrn Landrath Grimm - Eschwege, Herrn Superintendenten Dr. Hochhut, Herrn Pfarrer Schaub u. a. Herr Re­gierungs-Assessor von Heinz nimmt sodann das Wort, dankt für die freundliche Begrüßung und weist hin auf das Wohlwollen der Königlichen Sbaatsregierung gegen­über den Fortbildungsschulen. Er gedenkt der zu über­windenden Schwierigkeiten in gedachten Instituten und verlangt einen Lehrer, der nicht nur sein Fach be­herrsche, sondern der auch ein Herz für den Handwerker­stand habe, mit Liebe und Geduld arbeite unter dem Gesichtspunkte: Frömmigkeit, Idealismus, „Nicht für die Schule, sondern für's Leben." Herr Vizebürger- meifter Döhle entbietet Namens der städtischen Be­hörden den Willkommengruß. Superintendent Dr. Hoch­hut weist auf die Denkwürdigkeit dieses Tages hin. An die Begrüßungen schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellungshalle. Die Führung übernahm der Ver- bandsvorsitzenve Rektor Schanze. Alle Ausstellungs­objekte wurden eingehend besichtigt. Nach Wiederauf­nahme der Verhandlung hielt Rektor Schanze den programmgemäß angezeigten Vortrag über „Die Be­deutung und Benutzung des Lesebuchs im Fortdildungs- schulunterricht." Mit Aufmerksamkeit folgten alle An­wesenden dem Vortrag. Von einer Debatte wurde abgesehen. Anschließend folgten die Kritiken der Rezen­senten, die zwar scharf, aber sehr sachgemäß gehalten waren und von den Delegirten nach einigen Entgeg­nungen acceptirt wurden. Im Allgemeinen sprachen sich dieselben anerkennend über die Leistungen der Schulen aus; insbesondere wurden die Arbeiten der Schulen in

Eschwege, Kassel, Fulda und Großalmerode als gut bezeichnet, was Niemanden Wunder nehmen kann, da diese Schulen bereits viele Jahre bestehen und an den­selben Orten geeignete Kt äste zu dem schwierigen Unter­richt zur Verfügung stehen. Lehrer Jäger-Eschwege er­stattete sodann den Rechenschaftsbericht. Die Rechnung wurde revidirt und dem Veibandskassirer Decharge er- theilt. Zum Verbandsorgan wurde die in Wittenberg bei Herross erscheinende „Fortbildungsschule" gewählt und soll diese Zeitschrift fortan auf Kosten der Schulen gehalten werden. Als Ort und Zeit der nächsten Ver­sammlung wurde Kassel gewählt und die Versamm­lung in die Osterferien verlegt.

* Kassel, 22. Apiil. Der Herr Handelsminister hat die hiesige Handelskammer auf wiederholte An­regung in dieser Beziehung dahin benachrichtigt, daß die Fertigstellung der Kanalisation der Fulda be­schleunigt werden und innerhalb des jetzigen und nächsten Jahres fertiqgestellt werden solle.

* Marburg, i23. April. Wie der Reichsherold mittheilt, schweben gegen dessen Herausgeber, den anti­semitischen Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel, 21 Prozesse.

Orb, 22. April. In der Sitzung der Gemeinde­bevollmächtigten vom 18. d. Mts. wurde das Gesuch der Nachtwächter: „Erhöhung ihres Gehalts" da­hin genehmigt, daß dieselben mit je 20 Mark aufge­bessert werden. Dieselben bekommen nun incl. 10 Mk. für Unterhaltung ihrer Laternen 120 Mk.

* Hanau, 22. April. Das Gesuch des Arbeiter- Komito's, am 1. Mai einen öffentlichen Umzug abhalten zu dürfen, ist, wie im Vorjahre, auch diesmal von der Polizeibehörde im Interest: der öffentlichen Sicherheit abschlägig beschieden worden.

* Frankfurt, 23. April. Das hiesige Polizeiprä­sidium hat an die auswärtigen Polizeibehörden nach­folgendes Telegramm gerichtet: „Nach Unterschlagung von 2 Millionen Mark, verbunden mit Buchfälschungen, ist der Bankkassirer Rudolph Jäger von hier flüchtici geworden. Derselbe ist 44 Jahre alt, 171 Zentimeter groß, hat dunkle, hochstehende Haare, blaue Augen, Bollbart, welcher auf den oberen Backenseiten, au denen sich Narben befinden, abrastrt ist. Er truc dunklen Lodenanzug und dunklen Lodenhut. Um Fest­nahme Jägers, auf dessen Ergreifung 1000 Mk. Be­lohnung ausgesetzt sind, wird ersucht." lieber den Verbleib Jägers ist noch nichts bekannt. Die Mit­theilung, daß Jäger die ihm von Verwandten anver­trauten Depositen unterschlagen habe, hak sich nicht bestätigt; er hat diese Gelder s. Z., und zwar ohne Drängen, zurückgegeben. Während die Familie und Freunde Jägers meinen, daß er sich das Leben ge­nommen habe, wird allgemein angenommen,' daß der Flüchtige noch am Leben ist, am Leben zu bleiben gedenkt und sich in Sicherheit befindet. In der Tages­kasse Jägers soll man einen ganzen Pfennig und eine Bibel gefunden haben. Jäger hat sich vermuthlich mit erheblichen Mitteln von hier wegbegeben und etwa eine halbe Million mitgenommen.

* Eisenach, 23. April. Der Kaiser begab sich gestern Abend gegen 10 Uhr an den Bahnhof, bestieg dort seinen Salonwagen und fuhr mit seinem Sonder­zug wieder nach Wasungen, von wo aus er sich früh Morgens ins Jagdrevier begab. Heute Morgen kurz nach 8 Uhr kehrte er hierher zurück und begab sich so­fort auf die Wartburg. Der hiesige Aufenthalt des Kaisers erleidet erfreulicher Weise durch den Trauerfall in der Familie keine Veränderung. Doch sind die übrigen Reisedispositionen des Kaisers nunmehr insofern andere geworden, als der Kaiser morgen nicht nach Schlitz reift. Der Kaiser fährt vielmehr morgen Vormittag gegen 11 Uhr in Begleitung unseres Groß­herzogs direkt nach Schwerin zu dem Begräbniß seiner Großtante, der Großherzogin-Mutter Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin. Die Reisen nach Karlsruhe und Neunkirchen, die der Kaifer im Zusammenhang mit der Reise hierher geplant hatte, sind zunächst auf­gegeben. (E. T.)

* Schlitz, 22. April. Für den Besuch Sr. Ma­jestät des Kaisers hat man Abstand genommen, öffent­liche Aufforderung an die B-wohner ergehen zu lassen betreffs Schmückung der Straßen und Häuser — nur ist allgemein Beflaggen der Gebäude vorgesehen —, da man annimmt, daß Seitens der Bewohner schon alles geschehen wird, um dem Städtchen ein freund­liches Ansehen zu geben. Es werden in Folge dessen auch Seitens der Gemeinde keine Fichten angefahren zur Schmückung der Straßen.

* Heiligenstadt, 22. April. Herr Seminarlehrer Christian Werner vom hiesigen königl. katholischen Lehrer-Seminar wird am l.Mai d. I. die hiesige An­stalt verlassen und die Kreis - Schulinspektion des Be­zirkes Daun (Eifel) übernehmen. Herr Werner ist ein Sohn des EichSfeldes, am hiesigen Seminar ausgebil­det, in Dessau im Schulamte als E.ementarlehrer prak­tisch thätig gewesen und wirkte seit 1870 zuerst als Präparandenlehrer und 1872 als königlicher Seminar­lehrer an der hiesigen königl. Lehrerbildungs - Anstalt. Derselbe ist zwar nur ein seminaristisch gebildeter Semi­narlehrer, aber ein tüchtiger Schulmann und wird seine Stelle als königl. Kreis-Schulinspektor zum Segen seiner ihm unterstellten Lehrer voll und ganz ausfüllen, zumal derselbe schon verschiedentlich als Seminarlehrer einzelne

Schulen zu prüfen beauftragt worden ist. Herr Werner hat sich auch als pädagogischer Schriftsteller einen Namm gemacht.

Vermischtes.

* Um den mit dem Plakat-Ankleben an Privat­häuser verbundenen Unzuträglichkeiten ein Ende zu machen, ist in Marburg behördlicherseits eine orts- statutarifche Regelung des Plakatwesens in Aussicht genommen worden. Es wird beabsichtigt, an den be­lebtesten Straßenecken große Plakattafeln oder Plakat­säulen aufzustellen, deren Benutzung der städtischen Kontrolle und Abgabepflicht unterliegt. Verdient Nach­ahmung !

* Der „Verein deutscher Tabakfabrikanten und Cigarrenhändler" hatte beim Bundesrathe petitionirt, den Cigarrengeschäften auch an Sonntagen das Offen- Halten der Läden bis zum Abend zu gestatten. Der Unterstaatssekretär von Rottenburg hat darauf, nach dem .Vorwärts', die Antwort ertherlt, daß der Bundes­rath Ausnahmebestimmungen für den Cigarrenhandel nicht für gut fand, so daß vom 1. Juli ab die Cigarrenläden höchstens fünf Stunden offmge- halten werden dürfen.

(Was jede Hausfrau wissen soll.) Gegen rauhe Hände gebrauche man Citronensast. — Mit warmer Milch und Wasser kann man Oeltuch ohne Seife reinigen. — Eine heiße Schaufel über Möbel gehalten, nimmt weiße Flecke davon weg. — Streue Sassafrasrinde unter getrocknete Früchte, um die Würmer davon zu halten. — Eine Hand voll Heu mit Wasser in einen neuen Eimer gethan, nimmt den Geruch der Farbe mit fort. — Tintenflecke auf Seiden-, Woll- und Baumwollstoffen lassen sich mit Terpentin entfernen. — Mache saure Gurken nie in einen Topf ein, in welchem Schmalz gewesen ist. — Eine Mischung von Bienenwachs und Salz macht alte Bügeleisen io glatt wie Glas. — Fische lassen sich viel besser abschuppen, wenn man sie einen Augenblick in heißes Wasser hält. — Zähes Fleisch kocht ebenso weich wie anderes, wenn man dem Wasser ein wenig Essig zufügt. — Um das Weiße von den Eiern schnell zu schlagen, thue eine Messerspitze voll Salz hinein; je kühler die Eier sind, desto schneller geben sie Schaum.

(Im Kleiderladeu.) Chef: „Seien Sie nicht so nervös!" — Kommis: „Herr Prinzipal, ich bin nicht nervös." — Chef: „Gewiß sind Sie nervös. Gestern, als Sie einem Kunden seinen neuen Anzug zeigten, haben Sie wieder so mit der Hand ge­zittert, daß Sie alle Knöpfe 'runtergeschüttelt haben!"

(Auf dem Ball.) „Sie Bedauernswerther, die wievielste Tour tanzen Sie schon mit der Baronin?" — „Ach, denken Sie sich nur, die zwölfte Tortour!"

Literarisches.

Der Karthäuser-Ordeu. Ein Beitrag zur Kenntniß der Orden im Allgemeinen und des Karthäuser - Ordens im Beson­deren, sowie das Wesen und die Geschichte desselben. Von einem Karthäuser der Karthause Hain bei Düffeldorf. Preis geheftet 30 Pfg.

Die Herausgabe dieser Broschüre ist von dem Wunsche ver­anlaßt, die in manchen Kreisen sich vorfindenden irrigen, bezw. schiefen Ansichten über religiöse Orden im Allgemeinen und über den Karthäuser-Orden im Besonderen, richtig zu stellen. Seit­dem nämlich der Kulturkampf die Ordensleute zwang, Deutsch­lands Gaue zu verlassen, war es in der Reihenfolge der Jahre fast unausbleiblich, daß selbst unter dem katholischen Volke, weil es eben keine Ordensleute mehr vor Augen hatte und so daS Leben und Wirken derselben nicht mehr beobachten konnte, sich Ansichten und Urtheile über Orden und Ordensgeistliche bilde­ten, die mit der Wirklichkeit mehr oder weniger in Widerspruch stehen.

Dieses Schristchen sucht nun in kurzen, aber klaren Zügen dem -Leser ein anschauliches Bild vom Ordensstande überhaupt und insbesondere vom Karthäuser-Orden zu entwerfen, der an letzter Stelle nach zwanzigjähriger Abwesenheit in die deutsche Heimath zurückgekehrt ist.

Möge denn diese kleine Broschüre den angegebenen Zweck erreichen und, von Gottes Segen begleitet. Jenen über daS Leben der Ordensleute Aufschluß und Klarheit verschaffen, denen es daran gebricht. Möge sie namentlich auch solchen jungen Leuten zu Händen kommen, die Neigung und Beruf zum Kloster­leben in sich fühlen, und denen es vielleicht nur noch an einer äußeren Veranlassung fehlt, um dem Rufe Gottes zu folgen und, gleich dem heiligen Bruno, der Welt gänzlich zu entsagen und sich im Ordensstande dem Dienste Gottes ausschließlich zu weihen. ______________

* Die Nr. 17 der ,Gefiederte« Weltt, Zeitschrift für Bogel-Liebhaber, -Züchter und -Händler, heraus- gegeben von Dr. Karl Ruß (Magdeburg, Creutz'sche Verlags- Buchhandlung, R. & M. Kretschmann), enthüll: Aus meinen Vogelstuben. — Salvadoris Angriffe gegen den Vogelschutz und die Vögel (Fortsetzung). — Der große Würger. — Kanarien­vögel zum Ein- und Ausfliegen gewöhnt. — Briefliche Mit­theilungen. — Aus den Vereinen: Berlin („Ornis"); Lübeck. — Anfragen und Auskunft. — Briefwechsel. — Die Beilage enthält: Anzeigen.

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