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Beilage zu Nr. 88 der „Fuldaer Zeitung".

Sonntag, den 17. April 1892.

^Ofterfreude.

Strahlende Sonne, vergolde die Berge!

Grünt und verjüngt euch, ihr Hügel!

Schmückt euch, ihr Fluren, mit festlichem Kleid!

Der euch erschaffen.

Sprengte das Siegel,

Das Ihn verschlossen in Grab und Leid.

Lobsingt ihr Völker vieltausendtönig, Jesus dem Sieger, dem glorreichen König!

Schmerzhafte Mutter, gebeugt und verlassen, Freu' Dich, denn himmlische Chöre

Schweben hernieder und wünschen Dir Glück!

Glorreich erstanden,

König der Ehre

Ist nun Dein Sohn; o wie strahlet sein Blick.

Hold Dir entgegen, wie wonnetönig

Grüßt Dich, o Mutter, der glorreiche König!

Weinende Frauen, ihr Töchter von Sion!

Stillt eure Seufzer und Zähren,

Schaut in das Grab, das den Meister umschloß!

Göttliches Wunder

Wird euch erklären

Lächelnd ein himmlischer Freudengenoß:

Freut euch, verkündet es jubeltönig, Jesus er lebt, euer glorreicher König!

Furchtsame Jünger, im Saale verschlossen,

Kleine, verzagende Heerde,

Arm und verwaiset, in Roth und in Leid!

In eurer Mitte

Steht der verklärte

Hirte und Meister in strahlendem Kleid:

„Friede mich Euch!" — o wie wonnetönig

Tröstet und grüßt euch der glorreiche König!

Streitende Kirche, du Braut des Gesalbten, Klagend in Thränen und Banden:

Freu' Dich des siegreichen Bräutigams heut'!

Der aus dem Grabe

Siegreich erstanden:

Er ist Dein Hort und Dein Führer int Streit Bis alle Völker millionentönig

Jubelnd Ihn preisen den glorreichen König! 8.

Schutz der Kinderaugen!

Das schöne Frühlingswetter lockt nicht nur Alt und Jung in das Freie, auch die Kinder des zartesten Alters werden auf den Armen oder im Drückwagen in die frische Luft gebracht, wo ihre Wangen sich röthen und bald ein gesunder Schlaf sich einstellt. Gar oft aber sieht man, wie bei solchen nützlichen Ausflügen die Kleinen aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit in eine Lage gebracht werden, die ihnen nicht nur höchst unbequem und lästig sein muß, die ihnen sogar nicht selten Schmerzen und kürzeres oder längeres Lei­den zuzieht.

Wir meinen die unmittelbare starke Einwirkung grellen Lichtes auf die zarten Augen! Wie häufig wird der an dem Kinderwagen angebrachte Schirm, der gegen Regen und Zugwind, aber auch gegen die Sonne schützen soll, zurückgeklappt und das Kleine starrt mit den Aeuglein hinauf in den Hellen Himmel, und dasselbe ist der Fall, wenn es auf dem Trage­kissen hinauskommt, ohne daß ein Schirm über ihm ausgespannt wird. Daß ihm solches nicht wohlthut, sehen wir an seinem Zwinkern mit den Augen, an dem Bemühen, sie geschlossen zu halten, das können wir ja auch an uns selbst empfinden und merken es täglich. Legen wir uns nur einmal auf einer Garten­bank auf den Rücken und schauen hinauf in die blaue Luft, wie schnell werden wir diese Lage aufgeben! Und doch sollen dies die zarten Kinder aushalten, deren schwache Augen doch weniger vertragen als die der Erwachsenen, da sie nicht so geübt und abgehärtet sind und dies besonders nach dem Stubenleben während des langen Winters nicht sein können. Warum haben denn unsere Hüte und Mützen vorstehende Ränder und Schirme? Doch nur, um das von oben blendend in die Augen fallende Licht abzuhalten. Warum meiden unsere Damen so ängstlich die Sonne und nehmen in den ersten Frühlingstagen nicht selten neben dem Muff den Sonnenschirm? Letzteren sehen sie bei ihren Aus­gängen als unentbehrlichen Begleiter an, da sie sich der Einwirkung Ser Sonne oder auch des Hellen Him­mels durchaus nicht aussetzen mögen. Und doch muthen sie dies oft ihren Kindchen zu und wundern sich dann, wenn deren Augen gerörhet und die Kleinen selbst licht­scheu sind. Es gibt eine „Blindheit der Neugeborenen", die durch eine Entzündung der Augen hervorgerufen werden kann, wenn das neugeborene Kind innerhalb der ersten sieben Tage seines Lebens starkem Tages­licht ausgesetzt wird, und jede Hebamme oder Wärterin sorgt deshalb dafür, daß das Zimmer der Wöchnerin während dieser Zeit dunkel gehalten werde. Da läßt es sich nun leicht verstehen, daß auch während der ersten Lebensjahre überhaupt die Augen der Kinder empfindlicher sein müssen, als die der Erwachsenen, und mancher Kopfschmerz und manches Augenüöel, das die ganze Jugendzeit hindurch sich unangenehm bemerk­bar macht, könnte vielleicht vermieden werden, wenn man besser auf die Augen der Kleinen bei deren Aufent­halt im Freien geachtet hätte.

Es ist wirklich manchmal unbegreiflich, wie unvor- sichtig und geradezu leichtsinnig oft die Kinder in dieser

Beziehung behandelt werden und die- nicht nur von unwissenden oder gleichgiltigen Kindermädchen, sondern sogar von den Müttern selbst. Da sahen wir z. B. in einem Zoologischen Garten eine Mutter vor einem Thierbehälter stehen, sie selbst schützte sich mit ihrem Sonnenschirm, obgleich sie der Sonne den Rücken zu­kehrte; neben ihr stand das Kindermädchen und trug ohne allen Schutz nach oben in schöne Decken einge­hüllt den Säugling, der auf dem Rücken liegend in den wolkenlosen Himmel starrte und augenzwinkernd nichts von den Liebkosungen der zärtlichen Mama wissen wollte. Als wir einmal ein Kindermädchen, welches an einem warmen Februartage das ihm anvertraute Kind im offenen Wägelchen direkt gegen die Sonne fuhr, auf das Unzweckmäßige seines Thuns aufmerksam machten, gab es die Antwort, die „Madam" habe be­fohlen, daß das Kind in die Sonne komme. Gewiß aber hatte Letztere nicht gemeint, daß ihr Kind in die Sonne sehen solle.

Solche Beobachtungen kann man fast täglich machen. Sie sollten die Eltern veranlassen, dafür zu sorgen, daß die Augen ihrer Kleinen nicht der direkten Ein­wirkung der Sonne oder auch des blendenden Lichtes in der Luft ausgesetzt werden. Sollten unsere Bemerk­ungen dazu beitragen, manchem Kindchen den Aufent­halt im Freien behaglicher und zuträglicher zu machen, dann haben sie ihren Zweck erreicht.__________________

Auszug aus den Registern des Standesamts Fulda

vom 8. bis 14. April 1892.

Aufgebote.

9. April. Kaufmann Alexander Julius Ringel v. Nieder­scheld und Elisabeth Bramm v. hier. 12. Bahnmeister Rein­hard Loh von Dutenhofen und Maria Louise Neef v. Solingen.

Geburten.

6. April Martin Ernst, S. des Blechschlägers Georg Kilian. 6. Theodor Heinrich, S. des Musikmeisters Friede. Heinrich Adam Stiehl. 2. Maria Blandina, T. des Handelsmannes Johannes Andreas Döring. 9 Maria Gertrude, T. des Schlossers a. B. Balthasar Scholl. 10. Karl, S. des Barbiers Franz Ludwig Christian Wilhelm Eller. 10. Anna, T. des Hilfsschaffners Lorenz Schmidtmeyer. 13. Friedrich Wilhelm, S. des Schlossers a. B. Christian Wilhelm Gehl.

Sterbefälle.

4. April. Franz Joseph Jestädt, Maurer, v. Almendorf, leb. St., 29 I. 11 M. 8. Johann Heinrich Roßbach, leb. St., 20 I. 9 M. 21 T- 11. Johannes Hexhert, Schneiber und Auszüger, v. Mittelkalbach, Wittwer, 84 I. 10 M. 7 T. 11. Joseph, S. des Hüttners Franz Schönher zu Fliehen, 6 I. 8 M. 11 T. 12. Jebde, geb. Silberschmibt, Wittwe des Leber- hänblers Menko Trepp, 62 I. 3 M. 11 T. 12. Rudolf Orf, Schlosserlehrling, v. Lehnerz, 16 I. 2 M. 18 T. 13. Heinrich Franz Xaver Gräuel, Schuhmacher, verh., 53 I. 11 M. 2 T.

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