19. Jahrgang
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2KT Hierzu eine Beilage.
3Wegen des hl. Osterfestes wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Dienstag ansgegeben.
(*) Gstern ist wieder gekommen!
Die gesammte Christenheit feiert wiederum eines der schönsten ihrer Feste, nach all' dem Leiden ein Fest der Freude. Ist die Gegenwart mit all' ihren sozialen Wirren nicht so recht geeignet, die Gedanken auf dieses Fest hinzulenken? Gewiß, es ist hohe, sehr hohe Zeit, auf daß Ein- und Umkehr gehalten werde auf der abschüssigen Bahn, die wir betreten haben.
Auf die Charwoche folgt das Osterfest, wie auf dm Winter mit seinem schneeigen Leichentuche, welches die Erde monatelang bedeckt hat, der warme belebmde Frühling. Und wie die Erde alsdann gleichsam erwacht von ihrem Schlafe, so weckt sie auch des Menschen Herz auf am Osterfeste. Leider, leider deckt ewiges Eis so manches Herz, es will niemals wieder Frühling darinnen werden. „Aber geht nur hin, wenn euch die Osterglocken rufen, kehrt ein in dem Hause, das Gott geweiht ist. Vielleicht ist es noch Zeit, auch in eurem Herzen wieder Frühling werden zu lassen."
Das Fest der Auferstehung des Herrn löst uns das Räthsel des Daseins und bestärkt uns in dem Glauben an eine ewige Gerechtigkeit und Liebe, die auch dem ärmsten Dulder zu theil wird, sobald er seiner Pflicht und seinem Berufe nicht untreu wird und dem göttlichen Rathschlusse gehorsam bleibt bis zum Tode! Und dieser Gehorsam ist es, welcher siegreich alle Armuth, alles Leid, alle Verachtung, alle Ungerechtigkeit und Unvollkommenheit menschlicher Einrichtungen überwindet. Wer diese Wcchrheitm nicht empfindet oder in sich aufnimmt, wird niemals mit sich und der Menschheit zufrieden werden!
Wohl sind die äußeren Loose und Güter nicht gleich und oft auch nicht nach Verdienst an die Menschen vertheilt. Dürfen wir aber deshalb an der Gerechtigkeit zweifeln? So weit wir auf das Bestehen der Menschheit zurückblicken können, sind immer und immer wieder von derselben Versuche gemacht worden, das Räthsel des Daseins zu lösen. Schon die Weisen des Alterthums fanden, daß nicht die äußeren, sondern die inneren Güter für die Glückseligkeit entscheidend seien. Und ist Dies etwa in den Tausenden von Jahren anders geworden? Nicht die irdischen Güter sind es, die den Menschen glücklich machen. Auch heute noch steht der alte Spruch fest, daß Niemand vor seinem Tode glücklich zu preisen ist. Es liegt darin ein Stück Wahrheit und eine hohe Beruhigung für alle nicht mit Glücksgütern Gesegneten, — aber die Lösung des Räthsels ist es noch nicht. Andere moderne Volksbeglücker meinen, daß die Ursache alles Elendes in den Gesetzen und staatlichen Ordnungen zu suchen sei, und daß man eine neue gesellschaftliche Ordnung und eine gerechtere Bertheilung der Güter anstreben müsse. Auch
Am Kostschalter.
Kriminal-Roman aus dem Berkehrsleben von Th. Schmidt.
(10. Fortsetzung.)
„Wirklich, Herr Bäumer? Freut Sie das?" sagte «röthend das Mädchen. „Und nicht wahr, Sie be- suchen uns jetzt auch wieder? Meine Eltern sehnen sich sehr nach Ihrer Gesellschaft."
„Ich bitte um Entschuldigung, mein Fräulein! Ich war in letzter Zeit sehr beschäftigt, daher die Versäum- niß. Ich will Ihnen auch den weiteren Grund sagen: Ich bereite mich augenbliÄich auf da- höhere Examen vor und kann mich deswegen sehr wenig in der Gesellschaft zeigen. In etwa sechs bis acht Wochen werde ich D. überhaupt verlassen müssen auS Anlaß meiner demnächstigen Prüfung ..."
„Wie? Sie müssen D. verlassen! Wußten Sie ■ 'Mß^Myn länger?" fragte Bertha überrascht.
>«* weiß es erst seit heute Morgen, Fräulein A und ich kann wohl sagen, es scheint mein Verlassen dieser Stadt eine Nothwendigkeit auch für Sie und die Ihrigen zu sein."
„Für mich und meine Eltern! O, Herr Bäumer, nehmen Sie mir nicht den Glauben an Ihre Liebenswürdigkeit! Das, ti as Sie soeben sagten, war unge- echt, grausam."
in diesem Stteben liegt ein Stückchen Wahrheit, denn es läßt sich nicht bestreiten, daß viele Einrichtungen, Gesetze und Sitten der Menschen noch recht unvoll- kommen und zuweilen ungerecht sind. So lange es aber Menschen gibt, werden auch Unvollkommenheiten bestehen.
So liegt denn auch in dem Aufbaue einer neuen gesellschaftlichen Ordnung ebensowenig die Lösung des Räthsels. Diese ruht in der Auferstehung Christi, darin, daß nach dem Rathschlusse unserer allmächtigen Gottes, das Leid der Menschen und selbst der Tod nur ein Durchgangspunkt ist, um die Menschheit chrem höheren Ziele entgegen zu führen. Wenn das Leben des Menschen sich nach seinem Verdienste gestaltete, so würde alles Streben des Menschen in Lohnsucht ausarten. Und ginge unser Leben ohne Leiden, ohne Täuschungen und Anfeindungen dahin, so würden alle höheren Güter des Geistes und des Herzens, Geduld, Ergebung, Kraft und Stärke im Leid, Verachtung des äußeren Lohnes und Liebe sogar für die Feinde nicht vorhanden sein und geübt werden können. Im Gegentheile allerdings tritt an diese Stelle die Selbstsucht, wie wir sie heute in so manchen Gestaltungen allüberall wuchern sehen, zum Schaden des gesammten Menschengeschlechts.
Wie vor Jahrtausenden und heute in abermals Tausenden von Jahren, ist die höchste Aufgabe der Menschen die Treue in seinem Berufe, Dankbarkeit für sein Leben und Vertrauen auf den Rathschluß und die Vorsehung Gottes, welcher auch Christus unterthan war, um dadurch sein Werk eigentlich erst zu vollenden. Christus gehörte zu den ärmsten seines Volkes, „denn er hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegen konnte"; er duldete Schmach und Verachtung, ob er wohl hätte Freude mögen haben; er hat mehr gelitten, als irgend Einer, obwohl er es am wenigsten verdiente.
Und größer noch als der Schmerz über seine physischen Leiden war seine Seelenqual über die Bosheit und Sündhaftigkeit der Menschen, die er so sehr geliebt hatte. Im größten Leide betete er: „Ist es möglich, so gehe dieser Kelch vorüber," aber er fügte hinzu: „Richt mein, sondern dein Wille geschehe!" Er war gehorsam bis zum Tode am Kreuz und wurde damit zum Erlöser für die gesammte Christenheit. Er wurde am wenigsten verschont, aber auch am meisten verherrlicht, es durfte nicht zu Ende gehen mit seinem Tode. Sein gekreuzigter Leib wurde das Samenkorn des Glücks und der Versöhnung für Millionen. Und als Auferstandener wirkt er fort in alle Ewigkeit als Beispiel und Trost für alle Diejenigen, welche trotz ihres Fleißes und der Treue arm und mühselig und beladen bleiben.
Wenn die Osterglocken ertönen, dann folgt ihrem Rufe. Kehret ein in dem Hause des Herrn und hört und beherzigt die Worte die euch entgegengebracht werden, auf daß der Frühling einzieht in eure Herzen! Das walte Gott!
Sie drehte ihm den Rücken zu, und so sehr sie sich auch ansttengte, die hervorbrechenden Thränen zurückzuhalten, jetzt vermochte sie es doch nicht mehr.
Bäumer befand sich in einem unbeschreiblichen Zustande, jetzt war er sich klar des Gefühles, das er mit Macht hatte zurückdrängenwollen; jetzt übermannte es ihn. Mit einem Schritte war er an ihrer Seite, und ihre Hand erfassend, sagte er mit bewegter, tteuherziger Stimme:
„Wie? Sie weinen, Fräulein Bertha? Haben meine Aeußerungen Sie verletzt, oder ist es wahr, was ich mir als das höchste Glück erwünschte: Können Sie Interesse daran haben, ob ich bleibe oder gehe?"
Darauf begann sie schüchtern:
„O Hermann, träume ich ober ist es Wirklichkeit? Du Einziger, willst mich unbedeutendes Mädchen zu Dir erheben? Ich soll das Glück, ach, das langersehnte, genießen, Dir ganz zu gehören? O, sag' eS mir noch einmal, ich kann es sonst nicht fassen."
„Nicht einmal, nein tausendmal will ich es Dir wiederholen, daß Dein Besitz mich zu dem Glücklichsten des Erdenrundes macht, ja ich bin jetzt durch Dich so glücklich, daß ich allen Denen in diesem Augenblicke verzeihe, die mich tief kräntten."
„Dich lieben Mann kränkten? O, wer könnte das gewagt haben?"
Deutsches Keich.
Berlin, 14. April.
* Die durch das Scheitern der Volksschul-Vorlage geschaffene iunerpolittsche Lage hat jetzt eine sehr beach- tenswerthe Erörterung vom Standpunkte der Centrums- Partei gefunden in der am Dienstag Abend abgehaltenen Versammlung des Breslauer Centrums-Vereins. Wie überhaupt die polittsche Führung der preußischen Katholiken in hervorragendem Maße auf schlesische Parteigenossen übergegangen ist — Graf Ballestrem, Frhr. v. Huene und Dr. Porsch — so hat der Breslauer Centrums-Verein bis in die jüngste Zeit durch eine große Rührigkeit sich bemerkbar gemacht, an der man anderwärts sich ein Beispiel nehmen könnte. Insbesondere pflegt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Porsch, dort die im Vordergründe stehenden Fragen in vortrefflichen Darlegungen zu behandeln. Dieses Mal sprach er über die Volksschul-Vorlage und ihre Geschichte; der stenographische Bericht über diese Rede liegt noch nicht vor. Die einleitende allgemeine Rede hielt der Vorsitzende der Centtums-Fraktion des Deutschen Reichstages, Graf Ballestrem, der zugleich Vorsitzender des Breslauer Centrums-Vereins ist. In dieser Rede sind im Wesentlichen alle Gesichtspunkte berührt, welche in Folge Vertagung der Erörterung über den Nachttags - Etat im Abgeordnetenhause zunächst nicht zur Erörterung gelangt sind. Vor Allem sind zwei praktische Gefichts- puntte aus denselben hervorzuheben. Wir stehen vor dem Ungewissen: es ist möglich, daß trotz des Mitte März Vorgefallenen noch eine Fortsetzung der christlich- kouservattven Politik stattfindet, es ist aber auch möglich, daß eine Hinwendung zu liberaler Politik geschieht; das Centtum wird je nachdem seine Stellung nehmen. Das Centtum betrachtet ferner nach wie vor als seine oberst.en Ziele: die volle Freiheit der Kirche, die christliche Schule in Verbindung mit der Kirche und die Gleichberechtigung der Katholiken auf allen Gebieten des Staatslebens, Wie es da in allen diesen Beziehungm noch fehlt, führte der Herr Graf kurz unb schlagend durch; in letzterer Beziehung hob er besonders die Ausschließung der Katholiken von den höchsten Aerntern hervor. U. A. ist gegenwärtig kein Katholik Minister und keiner in denjenigen hohen Hofämtern — das des Fürsten Radolin gehört dazu nicht—welche vorzugsweise das Ohr des Kaisers besitzen, wie man sich auszudrücken pflegt. Wir fügen noch hinzu, auch als Rath geb er hat in der ganzen Krisis von Mitte März kein Katholik das Ohr des Kaisers gehabt, und bekanntlich wurden auch die Verantwortlichen, vor Allem die Grafen Caprivi und Zedlitz, nicht erst zur Audienz befohlen oder zum Bericht aufgefordert, was doch das Nächste war, sobald der Kaiser die Lage der Dinge für gefährdet hielt, sondern die Entscheidung wurde über ihre Köpfe hinweg getroffen. Auch diesen Punkt berührt die Rede des Herrn Grafen Ballestrem, dem für sein wohlüberlegtes, durchaus treffendes Mannes- Wort zur redeten Zeit und sein felsenfestes Vertrauen
„Und doch ist es so! Doch was rede ich jetzt noch davon! Vielleicht erfährst Du es später .... wir wollen unS jetzt nur unseres Glückes freuen.“
Hand in Hand gingen die Glücklichen nun der Stadt zu. Ein schöneres Paar war wohl noch nie des Weges Gewandelt. Mit leuchtenden Augen sah sie oft zu seiner hönen, männlichen Gestalt auf und konnte die Bemerkung dabei nicht unterdrücken, daß sie ihn schon beim ersten Begegnen noch vor seiner muthigen That in ihr Herz geschlossen habe, gleich den meisten Mädchen im Orte.
Er drückte ihre Hand.
„Auch einem Andern erging es so, Bertha! Als ich Dich dann später in meinen Armen zur Waldschenke trug, da war mein Schicksal besiegelt."
Vor der Stqdt trennten sie sich und lange noch, nachdem sie seinen Augen entschwunden, stand der junge Mann in Gedanken.
War, so frug er sich, ihres Gleichen wohl in D. zu finden? Nein, gewiß nicht! Ein solcher Kleinod gab eS nicht unter all' den Damen seiner früheren Bekanntschaft. Wer waren denn nur die Eltern, daß man so unchristlich den Stab über die Familie brach? Nur Derjenige, der wie er im Kreise dieser biederen^ Menschen verkehrte, konnte sich ein Urtheil über diese schlichten alten Leute bilden. Mit Recht sagte Bäumer sich,