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Donnerstag, den 14. April 1892.

19. IahrgMg

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Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden Gratisbeilage .Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Deutsches Keich.

Berlin, 12. April.

* Der Kaiser hat auf Vortrag des Ministers der Auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Caprivi, das in der DiSziplinarsache gegen den Gesandten z. D., Grafen Limburg-Stirum ergangene Erkenntniß durch Kabinets- ordre vom 11. d. bestätigt und gleichzeitig dem Grafen Limburg die gegen ihn festgesetzte Strafe • der Dienst­entlassung im Gnadenwege erlassen.

* Die Kaiserin Friedrich hat sich mit der Prin­zessin Margarethe zunächst zur Feier des Geburtstages der Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe nach Bonn begeben, wo sie etwa 8 Tage verweilen wird. Dann nimmt sie einen mehrmonatlichen Sommeraufent­halt in Homburg v. d. H. Der Kaiser und die Kaiserin statteten der Kaiserin Friedrich vor deren Abreise einen Abschiedsbesuch ab.

* Wie der ,Pol. Korresp.' aus Berlin geschrieben wird, dürften, nachdem die Ermittelungen in Betreff der neuen Einkommensteuer abgeschlossen sind, auf Grund derselben die Arbeiten für die Fortführung der Steuer­reform im Finanzministerium und die Vorlagen für die nächste Landtagstagung in Angriff genommen werden. Es handelt sich um die Umgestaltung der Grund- und Gebäudesteuer, die voraussichtlich eine Kom­munalsteuer wird, um die Reform des Kommunal- Steuerwefens und um die unterschiedliche Be­steuerung des fundirten und unfundirten Einkommens. Man dürfe annehmen, daß der Wunsch, derartige große, alle Kreise berührende Gesetzentwürfe vor ihrer Ein­bringung im Landtage zur öffentlichen Diskussion zu stellen, auch diesmal Berücksichtigung findet.

* Eine Ausstellung von Arbeiterwohlsahrtseinrich- tuugen soll in Berlin am 27. April stattfinden. Die Ausstellung umfaßt Bibliotheken, verschiedene Fabriken, ein Volksmuseum, die Gewinnung und Verarbeitung des Eisens veranschaulichend, eine Sammlung eigen­artiger astronomischer Unterrichtsmodelle, Abbildungen von Wohnungen für kleine Leute und dioramenartige Darstellungen mustergiltiger Wohlfahrtsanstalten, aus denen sich vielleicht mit der Zeit ein „Museum für Wohlfahrtspflege" entwickeln wird. Ein Erholungshaus aus dem Saarbrücker Revier, Wohnungen, Speisesäle. Badeeinrichtungen der Spandauer Fabriken, welche dem Kriegsminister unterstellt sind, bilden den Stamm. Aber neben diesen fiskalischen Einrichtungen werden auch solche von Industriellen dieser Abtheilung der Aus­stellung angehören. Mit der Ausstellung, welche von der Centralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen eingerichtet wird, sind Vorträge verbunden über ver- chiedene Einrichtungen dieser Art.

* In der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des preußischen Staates für das Etatsjahr 1890/91 sind Mindereinnahmen an Pachtgeldern von Domänen­vorwerken im Gesammtbetrage von 97,000 M. ver­zeichnet als Folge des Erlasses von Pachtgeld-Rück­ständen, darunter 40,000 M. Pachtgelder, welcher dem konservativen Abg. v. Oppen erlassen sind. Letzterer

Am Postschatter.

Kriminal-Roman aus dem Verkehrsleben von Th. Schmidt.

(8. Fortsetzung.)

Der Arzt untersuchte sofort die Kopfwunde. Seine Mienen nahmen einen besonderen Ausdruck an. Dann sich zu dem alten Manne wendend, bemerkte er diesem, daß die Wunde höchst gefährlich sei und die durch den Blutverlust verlorenen Kräfte allmählich durch Ruhe und Fernhaltung aller Gemüthsbewegung wieder ersetzt werden müßten.

Bäumer mußte dem Vater deL jungen Mädchens erzählen, wo und wie er dieses gefunden habe; als er damit geendet, meinte der Arzt:

„Nächst Gott, Herr Droop, verdanken Sie diesem Herrn die Rettung Ihres Kindes. Hätte Herr Bäumer den etwa zwölf dis fünfzehn Minuten weiten Weg bis um die Thalsenkung genommen, dann hätte er nur noch eine Leiche vorgefunden. Die Dame wäre unfehl­bar während dieser Zeit verblutet."

Mit bewegter, von Thränen erstickter Stimme er­griff jetzt der alte Mann Bäumers Hand.

„Herr Bäumer," begann er, „Sie sind ein kühner und edler Mensch! Sie haben mit Gefahr Ihres eigenen Lebens dasjenige meiner einzigen Tochter ge­rettet .... eine solche That kann kein Mensch mit irdischem Gute belohnen .... ich bin daher in Ihrer

................. j.j

Pachterlaß wird damit begründet, daß Herr v. Oppen nicht allein mit den allgemein ungünstigen Konjunk­turen der Landwirthschaft zu kämpfen gehabt, sondern auch Meliorationen ausführte, welche den erhofften Ertrag nicht erzielten.

* Wie die ,Nordd. Allg. Zrg.' hört, wird die Frage der Penfionirung der im Kommunaldienst angestrllten Militäranwärter demnächst durch Gesetz geregelt werden. Das Blatt schreibt: „Es kann zur Zeit kein Zweifel darüber bestehen, daß jeder Kommunalverband nur ver­pflichtet ist, bei Penstonirung von Beamten diejenige Zeit in Anrechnung zu bringen, die in diesem Kom- munalverbande geleistet worden ist, daß ihm also eine Verpflichtung zur Anrechnung der Militärdienstzeit nicht obliege. Bei den augenblicklich über eine Aendemng des Militärpensionsgesetzes stattfindenden kommissarischen Verhandlungen bildet diese Frage einen der wichtigsten und schwierigsten Punkte. Eme Einigung konnte bisher nicht erzielt werden, ob die Pension, welche auf die anzurechnende Zeit fällt, auf das Reich übernommen werden soll, oder ob im Wege der Reichsgesetzgebung die Kommunalverbände der einzelnen Bundesstaaten verpflichtet werden sollen, den der Anrechnung ent­sprechenden Mehrbetrag aus ihren Mitteln zu zahlen. Es darf angenommen werden, daß für die nächste Reichstagssession ein Gesetzentwurf fertig gestellt wird, welcher in der einen oder anderen Richtung dieser Frage zum Austrag zu bringen bestimmt ist."

* Dieser Tage trifft Dr. Bumiller in Berlin ein, um im Auftrage Wißmanns die auf die Fort­schaffung des Dampfers bezüglichen Fragen zu er­ledigen.

* Hildesheim, 10. April. Der unermüdliche Be- kämpfer des Impfzwanges, Herr Butlerbrodt hier- selbst, hat endlich einen Erfolg zu verzeichnen. Das Abgeordnetenhaus hat in der Sitzung vom 30. v. Mts. beschlossen, die gegen die Zwangsimpfung ge­richtete Petition Butterbrodt's der kgl. Staatsregierung zur Erwägung dahin zu überweisen, ob nicht nach § 18 des Reichs - Jmpfgesetzes Zwangsimpfungen auf Grund der in den einzelnen Bundesstaaten bestehenden Bestimmungen lediglich bei Ausbruch einer Pocken- Epidemie zulässig seien, und bejahenden Falles, ob nicht in Zukunft in epidemiefreien Zeiten von solchen Zwangsimpfungen Abstand zu nehmen sei. In Aus­führung dieses Beschlusses ist die Uebersendung der Petition an das kgl. Staatsministerium erfolgt.

* Remscheid, 9. April. Das Verfahren gegen Herrn Pfarrer Thümmel in Remscheid wegen Beschimpfung des hl. Rocks in Trier ist eingestellt worden.

* Die Frage der Zulassung von Männer-Orden in Württemberg, welche besonders auf dem von Zehn­tausenden besuchten Ulmer Katholikentage angeregt wor­den war und dann in Petitionen für und wider ver­handelt wurde, ist mit der kürzlich erfolgten einstim­migen Ablehnung des Ministeriums keineswegs er­ledigt. Wenn das Ministerium Mittnacht etwa des Glaubens gewesen sein sollte, die katholische Bevölkerung werde die Zurückweisung ihrer Petitionen ohne Wider- Schuld. Sollte ich jemals einen Theil dieser vergelten können, so stehe ich mit Allem, was ich mein nenne, Ihnen zu Diensten."

Bäumer entzog ihm verlegen die Hand und sprach: „Der Dienst, den ich, Herr Droop, Ihrer Tochter leistete, verdient gar keine Belohnung. Diese liegt schon in dem glücklichen Gelingen meines Wagnisses. Ich erfüllte nur meine Pflicht als Mensch und Christ . . . jeder andere Mann an meiner Stelle hätte dasselbe gethan.

Der Arzt, ein Mann, etwa zehn Jahre älter als Bäumer, trat nun schnell zu dem bescheidenen jungen \ Mann heran, und diesem auf die Schulter klopfend, ! sagte er freudig bewegt:

„Gut fo, Herr Sekretär! Das nenne ich mannhaft gesprochen. Hier meine Hand, ich wünsche mir einen solchen Mann als Freund. Wir sind uns zwar nur oberflächlich bekannt ..."

„Man kennt Sie aber als einen edlen Menschen­freund", nahm der An geredete das Wort. „Das genügt, j Schlagen wir ein! Abgemacht! ..."

„Ich habe noch eine Birte an Sie, Herr Droop", i wandte Bäumer sich an den alten Herrn. „Würden Sie mir gestatten, daß ich mich von Zeit zu Zeit nach dem Befinden der Patientin erkundige?"

„Sehr gern, Herr Bäumer! Ich bin Ihnen äußerst dankbar für das freundschaftliche Interesse, welches

spruch hinnehmen und nunmehr die ganze Angelegenheit auf sich beruhen lassen, so dürfte die durch den mini­steriellen Entscheid hervorgerufene Auflegung allein schon diese Selbsttäuschung gründlich zerstört und der Regie­rung gezeigt haben, daß sie durch ihre ganz unverständ­liche Haltung den entgegengesetzten Zweck erreicht und der ganzen Bewegung eine Wendung gegeben hat, die ihr am allerwenigsten erwünscht sein kann. Diese Wendung läßt sich kurz dahin kennzeichnen, daß sich der Katholiken Württembergs, die bis dahin die Zu­lassung der Orden mit einem gewissen Gefühl des Ver­trauens auf die Gewährung ihrer berechtigten Forde­rung angestrebt hatten, jetzt eine allgemeine Unzufrieden­heit, gepaart mit hochgradiger Erbitterung, bemächtigt hat. Die Erbitterung ist um so größer, als die in dem ministeriellen Bescheide enthaltene Stelle, wo von dem der katholischen Kirche angeblich bewiesenen Wohl­wollen die Rede ist, in weiten Kreisen als ein Hohn aufgefaßt wird. Diese Empfindung hat in sämmtlichen katholischen Blättern des Landes mehr oder minder deutlichen Ausdruck gefunden, und aus allen sprach klar und entschieden der Entschluß, für die Zulassung der Orden fernerhin mit verstärktem Nachdruck und noch regerem Eifer als seither einzutreten. Sogar das Amtsblatt für Ehingen, der ,Volksfreund für Ober­schwaben', schreibt: „In ganz Württemberg sind gegen- wärttg landaul und landab die Gemüther des kathol. Volkes durch das unerwartete Resultat in der Männer- Ordens - Frage in Aufruhr versetzt. Obgleich die Hoffnung auf Gerechtigkeit den maßlosen Umtrieben der Gegner gegenüber von Tag zu Taz mehr herabgestimmt wurde, hatte an eine solch' schroffe Abweisung doch Niemand gedacht. Man kann das Geschehene fast nicht begreifen angesichts der täglichen Wahrnehmung, welche fast schrankenlose Freiheit den Aposteln des Umsturzes und Unglaubens gewährtwird. Wir leben in einer ernsten Zeit und die Regierungen müß­ten geradezu blind sein, wenn sie die gewitterschweren Wolken nicht sähen, von welchen die herrschende Gesell­schaft durch das rothe Gespenst bedroht ist. Nach 1848 war man froh um die Mönche. Sie haben zur Wieder­herstellung der Ordnung und des Gehorsam» gegen die Obrigkeit mehr als Bajonette und polizeiliche Maß­nahmen genützt. DaS weiß man maßgebenden Ottes recht gut, aber dennoch dürfen sie nicht in das Land.

Ausland.

* Der französische Armee-Intendant hat dem Kriegs­ministerium einen Bericht bezüglich der Verpflegung der Stadt Paris im Falle einer Belagerung derselben überreicht. Drei Millionen Einwohner würden danach durch die centralisirte Vettheilung von Lebensmitteln Seitens des General - Intendanten verpflegt werden können. Die Kosten werden auf 500 Millionen Francs geschätzt.

* Rom, 9. April. Bis jetzt bestehen in 80 Städten Italiens Komitees zur Feier des fünfzigjährigen Bischofs-Jubiläums Papst Leo XIII. Auf Kosten der italienischen Regierung wird die Kirche

Sie hierdurch für mich und die Meinigen an den Tag legen; hoffentlich kann das arme Kind selbst bald ihren Dank persönlich ihrem Retter aussprechen."

Als Bäumer nach einer halben Stunde, während welcher die Verunglückte wieder zum Leben erwacht war, die Landstraße betrat, war die Dunkelheit bereits angebrochen. Langsam wanderte er der Stadt zu. Mit einem seltsamen Gefühl sann er über die Erleb- nisfe des heutigen Tages nach. Er ertappte sich zu­letzt dabei, daß seine Gedanken, so oft er auch an Anderes denken wollte, doch immer wieder zu dem bleichen Mädchen zurückkehrten.

Wo Hatteer doch schon früher mit ihm gesprochen? Richtig! Es war int verflossenen Winter!

Er erinnerte sich, die märchenhafte Erscheinung auf dem Balle gesehen .zu haben, nicht auf dem nur von „Honoratioren" besuchten Klub - Balle — zu diesem hatten ihre Eltern keinen Zutritt — nein, in der Schützenhalle, nach einem Concert hatte er mit ihr getanzt. Sie war damals erst aus der Pension ins Elternhaus zurückgekehrt.

An jenem Abend unterhielten sich alle anwesenden jungen Männer lebhaft über die blondlockige, junge Mädchenerscheinung. Man hielt sie für die schönste von allen jungen Damen in D. Damals hatte er eine seltsame Empfindung verspürt, als er sie angeredet, um gleich darauf mit ihr durch die Reihen der Tänzer