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V 80 Donnerstag, den 7. April 1892. 19. Jahrgang

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Erfieint tSalüb Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pst, bei Wiederholungen entbrechender Rabatt. „

. «etteljährlich^Abonnemtnlspreis o^e Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage 'Sterne und Blumen und der alle 14 Tage erscheinenden Gratisb g ’ ,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswyen in Fulda und auswärts 1 Mark oO Psennrg.

Fassung der Regierungsvorlage an. Nächste Sitzung Mittwoch. Kleine Vorlagen. Schluß 5 Uhr.

* In der 47. Plenarsitzung vom 5. April trat das Abgeordnetenhaus in die Berathung des Nach- ttagsetats (Gehalt des Ministerpräsideuten)pro 1892/93. Abg. Hob recht (ntf.) stellt den Antrag, da sich vor­aussichtlich an diese Position eine mehttägige Debatte über die innere polittsche Lage knüpfen werde, dieselbe in Anbetracht der geringen Besetzung und der Ge­schäftslage des Hauses von der Tagesordnung abzu­setzen. Sämmtliche Parteien erklären nur gegen ver­einzelte Stimmen damit einverstanden zu sein. Die Position wird abgesetzt. Sodann werden debattenlos in 1. und 2. Lesung genehmigt: Die Vorlage bett, die Erweiterung der Bahn Stargardt-Küsttin und die Vorlage bett. Aufhebung der kirchlichen Steuerfreiheit der Angehörigen der Universität Kiel. — Nächste Sitzung Mittwoch. Tagesordnung: Kleine Vorlagen. Schluß 11»/, Uhr.

* Posen, 4. April. 3m ,Kuryer' wird von einem Landwirth darauf hingewiesen, daß seit dem 16. Aprll 1886 bis zum Schluß des Jahres 1891 57245 Hektar polnischen Grund und Bodens für 35 Millionen Mk. an die Ansiedelungs-Kommission verkauft worden seien. Hiervon seien allein 56,000 Hektar von 98 polnischen größeren Grundbesitzern verkauft worden. In den letzten Jahren sei das Tempo beim Ankauf zwar etwas langsamer geworden, dies sei jedoch kein Verdienst der Polen, denn noch im letzten Jahre seien 32 polnische Besitzungen der Ansiedelungs-Kommission zum Ankauf angeboten worden; die letztere beeile sich jedoch nicht mit neuen Erwerbungen, da der Andrang von Kolonisten kein zu großer sei. Im Hinblick auf die obigen Zahlen - Verhältniffe werden die polnifchen Landwirthe aufgefordert, an die Zukunst zu denken, den in ihrem Besitz befindlichen Grund und Boden zu erhalten, sowie fleißig und umsichtig zu bewirchschaften.

* Mainz, 4. April. Durch die liberalen Blätter läuft folgende Mittheilung: „Für den Standpunkt des jungen Großherzogs ist es nicht ohne Bedeutung, daß er gegenüber einer Anordnung hessischer Schul­lehrer über den preußischen Schulgesetz-Entwurf äußertt, daß die Bestrebungen der Schule darauf gerichtet sein müßten, das die Konfesiionen und Stände von einander Trennende so viel als möglich zu beseitigen oder wenigstens zu mildern, vor allem aber die Menschen zu versöhnen und nicht gegen einander aufzuhetzen." Vor einer eigentlich«, Kritik dieser Kundgebung müßte man den Wortlaut genauer kennen. In der vorliegen- dm Fassung fordert sie den schärfsten Widerspruch heraus.

Ausland.

* Schon wieder ist ein Dynamitdiebstahl ausgeführt worden: Nach einem Telegramm aus Lüttich sind aus dem Kohlenbergwerk von Banneux unweit Lüttich 200 Patronen, 25 Kilogramm Dynamit ent­haltend, entwendet worden und ist die Untersuchung eingeleitet. ,

* Bekanntlich hat Fürst Bismarck seine Geburts­tagsfeier dadurch verherrlicht, daß er unmittelbar hinter seinem Lob der Bochumer Schienen von „F u s ang el ei" und „ausländischer Bezahlung" sprach. Auf diesen groben Klotz wird der grobe Keil gesetzt durch folgende Antwort der,Westfäl. Volksztg/: „Daß Fürst Bismarck systematisch bettiebene Urkundenfälschungen und Betrügereien als Unregelmäßigkeiten und Nach- lässtgkeiten zu beschönigen versucht, ist für den gestürzten Machthaber eben so bezeichnend, als der Umstand, daß er sich die Schimpfworte nationalliberaler Winkelblätter aneignet, um den Gegner Baare's zu treffen. Die in den Schlußworten liegende Insinuation ist deratt, daß wir es verschmähen, darauf irgend etwas zu entgegnen. Fürst Bismarck kann sich gratuliren, wenn er in dieser Beziehung so makellos dasteht, wie der Redakteur Fus- angel. Letzterer nimmt. von Niemanden Trinkgelder, vom Auslande so wenig, wie vomJnlande." Werdas stark findet, möge sich erinnern, daß der Fürst ange­fangen hat. Auch ein „Zeitungsschreiber" braucht sich nicht beschimpfen zu lassen, nicht ein Mal, wenn die Beschimpfung von einer fo „liebenswürdigen, humanen und harmonisch abgestimmten" Persönlichkeit wie dem Fürsten Bismarck ausgeht.

* Von den gesammelten Schriften und Denkwürdig­keiten Maltke's ist heute ein neuer Band erschienen. Derselbe enthält Beiträge zur Lebensgeschichte des großen Schlachtendenkers und umfaßt das Wichtigste, was der Familie an schriftlichem Material zur Ver­fügung ,stand: Aufzeichnungen und Tagebücher, Per­sonalpapiere, eine Novelle, die Moltke in seiner Jugend verfaßt hat, und feine letzte Niederfchrift: „Trostge­danken über das irdische und Zuversicht auf das ewige Leben."

* Die Evangelische Gesellschaft für Deutschland in Elberfttd-Barmen verwendet ihren Jahresbericht für 1891. Recht interessant ist es zu erfahren, wie diese Gesellschaft, mit dem ausgesprochenen Zweck, „zur Ausbreitung der evangelischen Heilswahrheit auf Gmnd des Wortes Gottes und der reformatorischen Bekmnt- nißschristen in Deutschland beizutragen," ihre Aufgabe zu erfüllen bestrebt ist. Hauptmittel sind auSgebreitete Kolportage, freiwillige Tractatvereine, Hausbesuche, die „manchmal schroffe Abweisung finden", Bibelbesprech­stunden und Versammlungen, wie sie an andern Orten schon bestehen, Männer- und Jünglings-, Frauen- unb Jungfrauen-Bereine u. s. w. Und dann heißt eS auf einmal ganz harmlos: „In Köln wird seit einem Jahre unter den Katholiken gearbeitet." Die,Köln. VolkSztg.' gibt der Gesellschaft den Rath, sich in Köln um ihre Glaubensgenossen zu kümmern; über Mangel an „Arbeit" wird sie nicht zu Hagen haben; setzt sie die offizielle Proselytenmacherei fort, so möge sie sich auf „schroffe Abweisungen" gefaßt machen.

* In der Plenarsitzung vom 5. April nahm das Herrenhaus die Vorlage betr. die Reisediäten der Einschätzungsbeamten in der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Fassung und das Tertiärbahngesetz in der

Deutsches Keich.

Berlin, 5. April.

* Graf Zedlitz-Trützschler wird sich, wie man hört, ganz ans dem öffentlichen Leben zurückziehen und sich der Bewitthschastung feiner Güter widmen, die er in den letzten Jahren durch Ankäufe bedeutend vermehrt hat. — Nach der ,Köln. Ztg.' wird Graf Zedlitz seinen Wohnsitz in Großenbohran, Kreis Freystadt, Reg.-Bez. Liegnitz nehmen.

* In einer erst nach Ausbruch der Krisis er» schienenen Broschüre des Prof. Gneist „Die staats- rechtlichm Fragen des preußischen Bolksschulgesetzes" (Berlin, Jul. Springer) macht derselbe zum Schluß den Vorschlag, den Entwurf, wenn er ans der Kom­mission oder auch aus dem Landtage herauskomme, dem Staatsrach zur Begutachtung und neuen Re­daktion zu unterbreiten. Er suchte diesen Vorschlag in eingehender Weise mit der historischen Entwicke­lung und der derzeitigen Gestaltung der Verhält­nisse der Volksschule zu begründm. „Hierbei mag es", schreiben die ,Berl. Pol. Nachr/, „von Interesse sein, zu erfahren, daß derselbe Gedanke bereits im Verlause der Vorverhandlungen über die Einbringung des Bolks­schulgesetzes und zwar von Niemanden anders als von dem Kaiser selbst angeregt worden war. Als es sich um die Ettheilung der Genehmigung zur Einbringung der Vorlage handelte, trug Se. Majestät, wie aus bester Quelle verlautet, mit Rücksicht auf die Bedeu­tung und die Schwierigkeit der Entscheidung der streitigen Prinzipienfragen Bedenken, diese Genehmig­ung ohne weiteres zu ertheilen, und schlug die vor­gängige Berathung durch den Staatsrath vor, ließ diese Bedenken aber aus Vorstellung des Kultus- Ministers, welcher namentlich die erhebliche Ver­zögerung der Vorlegung durch die Einschaltung der Begutachtung durch ben Staatsrath betonte, toiebet fallen." — Wir lassen bahingestellt, bemerkt bie,Germ?, ob baS Ganze nicht nochmals ein Versuch ist, der Be­hauptung liberaler Blätter Glauben zu verschaffen, baß der Kaiser von Anfang an Bedenken gegen den Ent­wurf geäußert habe und nicht erst in der viel be­sprochenen Kronrathssitzung vom 17. März.

* DaS Projekt der Schloßlotterie zur Verbesserung der Aussichten des KaiserschloffeS in Berlin ist, nach der ,Freis. Ztg/, noch keineswegs gescheitert oder auf- gegeben. Nach wie vor liegt das Projekt dem Minister deS Innern vor. Theilweise dieselben Hände, welche auch bei der SchloUreiheitslotterie die Fäden gezogen, find auch hier im Spiel. Für das Projekt, so wird von dieser Seite verbreitet, mache sich ein Interesse aeltenb, dem gegenüber auch die Minister, wenn anders ujnen ihr Portefeuille lieb wäre, keinen Widerstand leisten könnten. Bis jetzt hapert es noch in Betreff der Bildung eines Konsortiums für die Uebernahme der Loose. Dagegen verstchert die ,Nat.-Ztg/, ihr sei schon vor einiger Zeit von zuverlässiger Seite berichtet worden, daß der Kaiser sich gegen das Projekt er»

Blauveilchen

Vernahmst du nicht die Kunde, Und willst noch traurig sein? Blauveilchen blüht im Grunde! Der Frühling zieht herein!

Hat dich deS Veilchens Bläue Je um den Lenz Betrogen? Blau ist die Färb' der Treue; Hat Treue je gelogen?

Drum kann's so schlimm nicht werden,

So lang noch Veilchen blüh'n, So lang in Treu' auf Erden Noch Menschenherzen glüh'n l

Darfst hoffen noch, darfst trauen, —

WaS ficht der Trug uns an? — Aus Hand und Wort noch bauen: Die Treue ist kein Wahn! Sch.

Am Mostschatter.

Kriminal-Roman aus dem BerkehrSleben von Th. Schmidt.

(2. Fortsetzung.)

„Säumer ist eben ein Neuling! Wer weiß, mit welcher Aengstlichkeit er bei seinem Thun verfahren ist, und wenn dieser nicht der Fall, dann ist er erst nach dem Wiederverschließen des Briefes ans das Fehlen deS Gewichts-Vermerks aufmerksam geworden," warf der Jnfpettor ein. „Da dann ein zweiter Oeffneu der

Briefes diesen unfehlbar beschädigt haben würde, so stellte er sich — eS ist mir ganz begreiflich — durch diese Unaufmerksamkeit selbst eine Falle."

Mit ben Worten: „Wann ist Ihnen, Herr ZeitS, bet fragliche Bries übergeben worben?" toanbte bet Inspektor sich an bat anwesenben Assistenten.

„Heute Morgen, kurz vor Abgang beS Zuges nach ©., etwa um 9 Uhr," lautete bie Antwort beSselben.

„Wie lange kann bet Brief wohl in Ihren Hänben gewesen sein?"

„Kaum 10 Minuten. Herr Bäumer schien ihn ver- geffen zu haben, benit ich mußte mich sehr beeilen, wollte ich benselben noch mit abgehen lassen lassen."

„Diese verspätete Uebergabe ist ganz erklärlich," murmelte bet Inspektor.

„War, währenb Sie ben Brief unter Hänben hatten, Jemanb in Ihrer Nähe?"

„Jawohl, Herr Inspektor, bet Postschaffner Witths!"

„So! . . . Gut!"

„Haben Sie," so toanbte Jener sich an Witths, „ben Aussagen bes Herrn Zeits noch etwas hinzuzu» fügen?"

„Ja, ich habe selbst gesehen, baß Herr Zeits über ben Brief quittitte, ihn hierauf in ein Geldbund ver­schloß und bann bieseS in ben von mir hingehaltenen Beutel warf, eine Veränderung kann mit dem Briefe demnach nicht vorgenommen sein."

„Diese Aussagen werden Sie eventuell eidlich er­härten müffen; können Sie das vor Ihrem Gewiffen?"

„Ja wohl, Herr Inspektor, wir können eS," aut- »orteten Beide.

Rach Angabe deS Zeits hatte Bäumer um 9 Uhr Morgens, nachdem er ben Brief übergeben, bas Bureau verlassen. Sein Dienst war beenbet.

Die ihm gebotene freie Zeit wollte er zu einer Laub- Partie nach bem 2 Stunden weit von D. entlegenen Babeorte B. verwenden.

Der im Nebenzimmer beschäftigte Freund des Bäu­mer, Ober - Sekretär Linde, wurde ebenfalls befragt, allein dieser konnte gar keine Angaben betreffs der Briefes machen, da er gestern an feinem dienstfreien Tage das Pofidienstzimmer nicht betteten hatte. Wei­tere, als nur auf den Brief sich beziehende Angaben wünschte der Inspektor nicht von ihm zu hören.

Auf die Vernehmung des übrigen Personals — es waren dies nur Unterbeamte — verzichtete man.

Während dieser Untersuchungen im Dienstzimmer war der alte Vorsteher nicht von der Seite deS In­spektors gewichen. Eine innere Stimme bezeichntte ihm laut die Person deS Verbrechers; so viel er sich auch ?egen diese verschloß, immer wieder erhob sie sich und ordette ihn zum Reden auf. Nur mit aller Anstren­gung vermochte er sich aufrecht zu erhalten. Bis jetzt hatte man ihn noch nicht über Bäumer's außerdienst-