bjektive Weg. Will man Bismarck in seinem ganzen Werthe beurteilen und feiern, dann gebietet doch die Gerechtigkeit, auch die Schattenseiten seiner Thätigkeit offen und ehrlich einzugestehen.
* Die Ablehnung der Kreuzerkordette K liegt den Mittelparteien schwer im Magen. Sie hatten zur größeren Ehre des neuesten Kursus das Schifflein gar zu gern in den Hafen bugfirt. Nun ihnen das nicht gelungen, machen sie ein großes Geschrei. Hätten unsere Vertreter dem berühmten Kreuzer K. zu einer Mehrheit verhalfen, so toüroe es in der Rütli-Presse geheißen haben: „Seht ihr, daß die Regierung sich auf unsere Kartellmacht verlassen kann! Auf das Centrum braucht sie keine Rücksicht zu nehmen; das ist gar nicht im Stande, ernsthafte Opposition zu machen, sondern muß sich unseren Bewilligungen anschließen, um nicht ins Verderben zu gerathen." Nun haben unsere Vertreter sich die Freiheit genommen, bei der Ablehnung des K zu verharren, und nun wird in der Falschmünzerpresse eine Hetze folgenden Stiles losgelassen: „Kein Volksschulgesetz, keine Kreuzer-Korvette! Also plumpes Eingeständniß der Schacher- Politik! Wie kann man das Centrum als Stütze der Regierungspolitik ansehen, wenn es sogar die äußere Sicherheit und Stärke des Reiches preisgibt!" Der letzte Pfeil prallt auf den Schützen zurück. Denn in der Kommission haben auch die Mittelparteien die Sicherheit des Reiches preisgegeben, indem sie die Kreuzerkorvette ablehnten. In der zweiten Lesung brachte Graf Caprivi als neuen Grund für die Bewilligung einzig dieArbeiternoth zur Sprache. Diesen Grund versprach Graf Ballestrem bis zur dritten Lesung zu prüfen. Derselbe ist zu leicht befunden worden. Daher die Ablehnung. Diese Bewilligungs- frage ist nicht nach „hochpolitischen", sondern nach nüchternen, fachlichen Gesichtspunkten entschieden worden. Wenn aber die Mittelparteiler so lange warten wollen und können, so werden sich im Laufe der Zeit wohl noch Fragen einfteßen. wo die Entscheidung davon abhängt, ob der neueste Kurs es werth ist, daß man ihm ein Opfer bringt. Vorläufig ist nichts zur Kennzeichnung des Centrums, sondern nur etwas zur Kennzeichnung der so hochgeschätzten Rütli-Macht beigebracht worden: „Viel Geschrei und wenig Wolle!"
* „Die Coulissen des Welfenfonds", d. h. die gleich bei ihrer Ankündigung mißtrauisch behandelte Züricher Sensationsschrift, scheinen in der Versenkung zu verschwinden. Der .Franks. Ztg.' wird wenigstens aus Zürich gemeldet: „Der Autor der Welfenfonds- Broschüre verweigerte dem Verleger die Vorlage der Original-Quittungen. Das Nichterscheinen der Broschüre ist wahrscheinlich."
* Der ,Dziennik Poznanski' widmet dem ausgeschiedenen Kultusminister Grafen Zedlitz einen sympathischen Artikel: „Zu den Vorwürfen, welche die unversöhnlichen Gegner des Grasen Zedlitz erheben, gehört auch der, daß er durch zu große Sympathie für die Polen die Staatsinteressen gefährdet habe. Dieser Vorwurf ist durchaus unbegründet, denn Graf Zedlitz hat weder während seiner länzern Verwaltung als Oberpräsident der Provinz, noch während seiner kurzem Amtirnng als Minister irgend welche Beweise seiner Sympathie für die polnische Nationalität als solche oder für die Polen gegeben. An der Spitze der Ansiedelungs-Kommission und der provinziellen Landesverwaltung führte er die gesetzlichen Vorschriften ohne Bedenken aus, und in frischem Andenken ist noch sein Widerstand in der Schul-Kommission gegen das Verlangen der Berücksichtigung der Muttersprache der polnischen Kinder in der Schule. Seine gin^e. sogen. Freundschaft für die Polen beschränkte sich auf die Aus-
„Jch hoffte", so begann der Vorsteher, „unsere Nachforschungen würden einiges Licht in das Dunkel dieser für mich prekären Angelegenheit bringen, habe aber im Gegentheil auch nicht eine Spur des Verdachts ans der Untersuchung bis jetzt geschöpft."
„Ich auch nicht, lieber Herr Kollege, rein gar nichts habe ich entdeckt. Der Verbrecher muß demnach in Ihrem Amte stecken," bemerkte der untersuchende Beamte. Ich mache mir selbst Vorwürfe, daß ich nicht schon längst telegraphisch nach Bäumer habe fahnden lassen. Dieser nur allein kann der Thäter sein, wofür auch feine Abwesenheit seit heute Morgen 9 Uhr spricht. Der Bote von vorhin will ihn in dem bezeichneten Otte, nach dem er mit seiner Braut und deren Vater gefahren sein soll, nicht haben erforschen können. Wer weiß ob diese letzteren Personen nicht mit ihm unter einer Decke stecken. Trifft Bäumer heute Abend vor zehn Uhr nicht wieder ein, dann muß ich einen Steckbrief gegen ihn erwirken."
„Was Sie da sagen, mag ja soweit richtig sein, ich kann mir aber gar nicht denken, daß Bäumer der Verbrecher sein soll, es wäre ja unerhört, und vollends unwahrscheinlich klingt Ihre letzte Vermuthung in Bezug auf die Braut und ihren Vater. Nein! Nein! Droop ist ein Mann mit gewöhnlicher Bildung, allein auf seinem Namen ruht keine Makel; wenigstens ist hier im Orte nichts Nachtheiliges von ihm bekannt."
„Wir werden ja sehen, was die Untersuchung hier im Amte, zu der ich jetzt schreiten muß, ergibt. Vorläufig ist der Verdacht gegen Bäumer."
Man forschte nun eifrig im Amtslokale nach. Zu
Hebung des Verbots des Privatunterrichts der polni schen Sprache in der Provinz Posen, welches eine de- monströsen Anordnungen seines Vorgängers gewesen ist, — sowie darauf, daß er dem Kaiser den öom Apostolischen Stuhl ernannten und heute unsere Erzdiözese glücklich verwaltenden Erzbischof zur Bestätigung empfohlen hat. Diese Anordnungen sind jedoct. nicht aus irgend einer besondern Cvnnivenz gegen do polnische Nationalität, sondern einfach aus dem Gerechtigkeitsgefühl hervorgegangen, was von unserer ganzen Gesellschaft mit Dank anerkannt worden ist." Der ,Dziennik' schließt: „Graf Zedlitz hat sich unter uns ein gutes Andenken gerade deshalb gesichert, weil er der erste Staatsmann und hochstehende Beamte ist. welcher das System der rücksichtslosen Verfolgung als tadelnswerth und schädlich verworfen und dem Gefühl der Gerechtigkeit und der Rücksicht auf fremde lieber« zeugungen — wenn auch nur in schwachen Anfängen — Rechnung getragen hat."
* lieber das Verhalten der polnischen Fraktion im Reichstag, die bekanntlich für Bewilligung der Kreuzer- Korvette K stimmte, während das Centrum dieselbe einstimmig ablehnte, schreibt der in Posen in polnischer Sprache erscheinende ,Orendownik': Die polnische Fraktion habe durch ihr Verhalten zeigen wollen, daß die Polen, trotz des Rücktritts des Grafen Zedlitz, ihren Standpunkt nicht aufgeben, und daß sie bereit seien, mit ihren Stimmen jede Forderung der Regierung für Heer und Marine zu bewilligen. Der .Orendownik' habe von seinem Standpunkte nichts gegen dies Verhalten der polnischen Fraktion einzuwenden; denn, ob so oder so, hätten die Polen alle Lasten mit zu tragen. Doch sei es bei diesen andauernden Beweisen der Loyalität der Polen nothwendig, Maß zu halten, und ein Gleichgewicht zwischen den Pflichten, welche den Polen das preußische Unterthanen-Verhältniß aus- ertegt, und den Pflichten gegen sich selbst einzuhalten. Die Loyalität sei gegenwärtig nothwendige Bedingung der friedlichen sozialen und nationalen Entwickelung der Polen unter preußischem Scepter, aber nur diejenige Loyalität, welche den Interessen und der Existenz der Polen dienen könne. Eine solche Loyalität, welche jeden Augenblick auf die Knie falle und sich aufs Tiefste verneige, rufe nicht allein unter den Deutschen Mitleid, sondern auch unter den Polen große Verwirrung der Gemnther hervor.
* Auf der Tagesordnung einer am Freitag statt- findenden Sitzung der Bundesrathsausschüsse für Handel und Gewerbe, für Eisenbahnen, Post und Telegraphie und für Justizwesen steht der Entwurf des Elektrizitätsgesetzes. Derselbe wird also voraussichtlich dem Reichstage zu Beginn seiner nächsten Session zugehen.
* Reichskanzler Graf Caprivi begibt sich nach dem Osterfeste zur Kur nach Karlsbad.
* Vor dem hiesigen Landgericht begann heute der Prozeß gegen den Bankier Polke, der des Betrugs in 32 Fällen beschuldigt ist. Die Verhandlungen werden sich mehrere Tage hinziehen.
* Köln, 31. März. Die General-Versammlung des katholischen Vereins für jugendlich e Arbeiter in Köln tagte hier am Montag Abend. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache über die Bedeutung des Vereins und mit der Mit- theilung einer neuen Geschäftsordnung, welche am 1. Januar 1892 in Kraft getreten ist. Die Jahresberichte der Präsides bieten ein erfreuliches Bild segensreicher Thätigkeit der einzelnen Zweigvereine. Dem St. Josephs- asyl gehören 320 jugendliche Mitglieder an, die sich jeden Sonntag Nachmittag in dem eigenen Vereinslokale in der Weißgerbereckgasse versammeln, dort durch
nächst ließ der Post-Inspektor sich die in Betracht kommenden Bücher vorlegen. In das am Schalter geführte Annahmebuch war der Brief vorschriftsmäßig eingetragen ; dasselbe war der Fall in dem bei der Expedition geführten Abschriftsbuche. Dann durchforschte er den Papierkorb nach Theilen von Telegramm-Formularen, diese fand er nicht, wohl aber fielen ihm einige Bruchstücke Packpapier von derselben Dualität, wie das in dem Briefe vorgefundene, in die Hand. Diese boten ihm scholl einen Anhalt. Nachdem er das Packpapier zu den Akten gelegt, ließ er sich dieselbe Anzahl Scheine geben, wie sie ursprünglich von dem Absender in den Brief hineingelegt sein sollten.
Er stellte fest, daß das Gewicht der sieben Scheine, des Konverts und der von dem Absender beigegebenen ■ Schriftstücke ein höheres war, nämlich vierundfünfzig i Gramm, demnach war der Brief nach der Beraubung \ um fünf Gramm leichter geworden. Das war schon - ein sehr wesentlicher Anhaltspunkt. Bei dieser Wahrnehmung erhellte sich denn auch das ernste Gesicht des Beamten und ein „Ah!" entschlüpfte seinen Lippen.
„So, jetzt endlich erhellt sich das Dunkel."
Mit diesen Worten wendete er sich an den Vorsteher, der sofort begriff, daß dieses Resultat den Inspektor wiederum einen Schritt dem vermeintlichen Thäter, Bäumer, näher brachte.
„Wenn Bäumer," so bemerkte der Direktor verlegen, „den Inhalt des Briefes an sich genommen und diesen durch werthlose Papierstreifen ergänzt hätte, dann würde er auch genau das ursprüngliche Gewicht wieder hergestellt habrn." (Fortsetzung folgt.)
oiel und Lektüre sich unterhalten, belehrende und er» ende Vorträge hören und gemeinschaftliche Andacht n. Die Wirksamkeit der übrigen Vereine ist durch Mangel eines eigenen Lokals und anderer Sorbe« fingen eint beschränktere. Sie versammeln die
i gtieder des Sonntags-Nachmittags zur Unterhaltung, i tirung und zu gemeinsamem Gottesdienst. Alle ; bex auch gemeinschaftliche Kommunion. Herr Dom- k-vnular Dr. Velten gab verschiedene Anregungen über Ves Raffungen von Unterhaltungsschriften und über eine wirkungsvollere Verbindung der Vereine mit der Bürgerschaft.
* Münster,4. April. DieGörres-Gesellschaft ii» d demnächst ein neues wissenschaftliches Unternehmen । '< Leben rufen, das vorzugsweise bie Arbeiten deS ii'nonschen Institutes der Gesellschaft zu Rom ver- off nllichen soll, also namentlich Quellen und Forsch- un.ien aus römischen Archiven, besonders dem vati- f ücben. Herausgeber sind die Herren Professoren Finke in Münster, Dr. Dittrich in Braunsberg, D'. Granert in München, Dr. Höffer in Breslau und i. r. Pastor in Innsbruck. Erste Veröffentlichung s. llen die von Prof. Dr. Dittrich gesammelten und b arbeiteten Briefe des Nuntius Morone sein, dessen Depeschen vor Kurzem vom preußischen historischen Institute in Rom herausgegeben sind. Morone weilte als Nuntius 1536 bis 1538 in Deutschland, also in der Reformationszeit und in der Periode der Vorbereitung des Tridentiner Konzils.
* Mülheim, a.. Rh., 2. April. Bei der vorgestern hier abgehaltenen Gewerbegerichts-Wahl der Arbeiter sind die Sozialdemokraten der Bürgermeistereien Mülheim und Merheim sehr rührig gewesen; von den 1800 Wählern, die erschienen waren, stellten sie 1500 und setzten demgemäß alle ihre Kandidaten, zehn an der Zahl, durch.
* Während derBerathung der Volksschul-Vorlage wurde viel Lärm gemacht mit der »»geblichen „Stirn» mung in Süddeutschland". Dieser Humbug war um so unverschämter, als man in Bayern und Württemberg die konfessionelle Volksschule seit Jahrzehnten besitzt und die bezügl. Gesetze zum Theil viel kirchlichere Bestimmungen enthalten als der preußische Entwurf. Selbst von demokratischer Seite Hal man in Württemberg zugegeben, daß der preußische Entwurf nicht soweit gehe, als das württembergische Gesetz, gegen bag- fein Mensch zu ogitiren sich einfallen läßt. Der größte Radau wurde in dem badifchen Musterlande geschlagen. Der Mannheimer Amtsverkünbiger, eines der verbreitetsten Blätter Badens, läßt jetzt durch die Art seines Siegesjubels einen tiefen Blick in die letzten Gedanken der Opposition gegen bie Zeblitz'schen Vorlage ttzun. Nachdem er seinen Lesern mit wirklich monumentaler Dreistigkeit die Behauptung vorgesetzt, der Kaiser habe sich nie für den Gesetzentwurf ausgesprochen, ja sogar von Zeit zu Zeit eine gewisse Gegnerschaft gegen den Gesetz - Entwurf hervortreten lassen, feiert er bie in der Entlastung bes Kultusministers hervorgetretene Wendung in einem das „Heilige Lachen" überschriebenen Leitartikel. „Ein humorvolles, ein heiliges Lachen" löst sich vom liberalen Herzen! „Denn die grimmigsten Feinde, bie Anhänger ber veralteten, ab st er benb en Weltanschauung sinb zurück- geschlagen, das Bürgerthum steht in seinen besten Schichten bereits mit beiben Füßen in einer ganz neuen Zeit; seine Gegner wurzeln noch in einer gänzlich absterbenden Welt. ... Die Hand der Wissenschaft ist freilich eisern; sie räumt mit dem vermoderten romantischen Trödel unerbittlich auf. Sie will bie Menschheit bereits auf Erden beglücken; ... sie zeigt, wie der Mensch sicy selber Gespenster und Schatten schafft, mit denen er sich quält und ängstigt. . . . Auf allen Gebieten ringt das Alte mit dem Neuen, ringt der Aberglaube mit der Wissenschaft. Trotz der Gewißheit des Sieges kämpfen mit dem Muthe der Verzweiflung die Epigonen der Barbarei mit dem Heros der Neuzeit und Zukunft, der wissenschaftlichen Erkenntniß, ... sie tragen dabei den Leichnam ihrer tobten Weltanschauung voraus." So geht es burch zwei lange Spalten hindurch. Die christliche Weltanschauung wird hier eine veraltete, absterbende, tobte, ein Leichnam genannt, als öermobernber romantischer Trödel, Aberglaube, Barbarei — der „Wissenschaft" und dem „Bürgerthum" gegenübergestellt, und in ber Wendung in Preußen ein Sieg der modernen Weltanschauung über die christliche gefeiert! Kann man einen schlagendem Beweis erbringen für die Richtigkeit und Berechtigung des Wortes Caprivi's: „Im Grunde handelt es sich um Christenthum ober Atheismus!"
Ausland.
* I« Prager Landtage kam es Sonnabend zu einem Wortgefecht zwischen Professor Braf und dem Führer der Jungezechen, Gregr. Ersterer rief Gregr „Unverschämter Bube" zu. Durch Vermittelung Dritter wurde nach der Sitzung iudeß durch gegenseitige Ehrenerklärungen die Sache beigelegt.
* Das nationale Sekretariat der franzöfischen Arbeiter hat anläßlich ber bcvorstehen Maifeier ein öffentliches Schreiben an die französischen Arbeiter gerichtet; in demselben wird an die Opferwilligkeit Aller appellirt, damit die diesjährigen Kundgebungen am 1.