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Dienstag, den 5. April 1892.
19.Ikhrgang
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geben werden.
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10'201,447
Leitung, daß die angekündigte Veröffentlichung von Belgien für aus dem Welfenfonds ausgefolgte Beträge auf einer Fälschung beruhe, erschien heute der hiesige Depositar der betreffenden Dokumente bei Ihrem Korrespondenten, legte demselben die hundert Belege vor und ermächtigte ihn zu folgenden Mittheilungen: Wie aus dem Augenschein zu entnehmen ist, sind die Quittungen thatsächlich von den höchsten Würdenträgern, von Offizieren u. s. w. unterzeichnet. Sie lauten auf Summen
L°^°usendMark bis zu zwanzigtausend Thalern; das Verblüffendste sind Quittungen Preußischer Minister, hoher Geistlicher und eines Parlamentariers ersten
mit Beschlag belegten Vermögens des Königs von Hannover. Die Quittungen machen den Eindruck der Echtheit, soweit der Augenschein eben ein Urtheil er- möglicht. lieber die Flugschrift „Die Kouliffen des Welfenfonds , die sich unter der Presfe befindet, wurde Ehrern Korrespondenten Folgendes mitgetheilt: Der wesentliche Theil der Flugschrift bringt das genaue Datum und den Betrag der quittirten Summe eines jeden Beleges. Ueberdies enthält sie Angaben über die Aussteller, die eine geringe Personalkenntniß der Aussteller verrathen. Als Beweis der bona fides wird
troffenen katholischen Geistlichen zu theil. Es hat sich nämlich ergeben, daß durchweg der größte Theil der gesperrten Gehaltsgelder dem Sperrgelderfonds gar nicht zugeführt worden sind. Emer Pfarrei z. B. waren 103 Mark gesperrt, während nur 12 Mk. dem Sperrgelder-Sammelfonds übergeben worden find. Einem andern Pfarrfonds find z. Z. einige Tausend Mark gesperrt, aber nur — wie wir hören — 90 Pfg. aus dem gedachten Sammelfonds zu empfangen das Recht zugestanden worden. Auf betreffende Vorstellungen hat die Regierung erwiedert, daß der übrige Theil der Sperrgelder dem Kirchen- und Schulgelderfonds
Baptisten
Engl. u. schott. Hochk. Methodisten u. Quäk. Apost. Kirche (Jrv.) Deutschkatholische
Freireligiöse
Dissidenten
Sonstige Christen
Juden
Bekenner and. Relig.
Mit unbest. Angabe des Bekenntnisses
Ohne Angabe des Bekenntnisses
m der That von S. kommend am Spät-Nachmittag
Die sofort von diesem Beamten mit großer Umsicht eingeleitete Untersuchung in D. hatte folgendes Resultat:
Das zu der Geldsumme verwendete Kouvert war aus grauem Papier mit Stoffunterlage hergestellt. Die Seiten desselben waren bei der Anfertigung so gefalzt, daß mittelst zweier Siegel der Verschluß hinreichend gesichert war. Auf der Vorderseite zeigte das Kouvert in der linken oberen Ecke die Worte: Werthinhalt Mk......
Etwa einen halben Zentimeter unter dieser Angabe bemerkte man quer der Länge nach über dasselbe einen, in Schwarzdruck hergestellten dicken Strich, welcher die Werthangabe deutlicher in die Augen fallen ließ. Die Größe des Kouverts gestattete, daß die Banknoten aus- gebreitet in dasselbe gelegt werden konnten.
Der eben genannte Strich war, wie die Untersuchung ergab, von dem Verbrecher für seine unsaubere That ins Auge gefaßt worden. - Mit einem scharfen Messer war auf dem Strich der Länge nach ein zwölf Zentimeter langer Schnitt ausgeführt, hierauf der Inhalt dem Briefe vorsichtig entnommen und an dessen Stelle einige der Größe entsprechende Streifen Packpapier gelegt. Um die offene Stelle wieder zu ver-
1,360 4,514 13,833 23,969
2,175 3,232
16,081
929
7,304 20,273
3,039 372,058
328
2,871
nur auf die Annahme und Weiterbeförderung des sraa- lichen Gegenstandes.
Hiernach hatten Befassung mit dem Werthbriefe gehabt: der Postsekretär Bäumer bei der Annahmestelle und der Assistent Zeits bei der Expeditionsstelle; ersterer war nicht im Dienftzimmer anwesend, sondern mit seiner Braut auf einer Vergnügungstour.
Die postseitige Behandlung ergab sich aus den bezüglichen Büchern, darnach war der Brief vorschriftsmäßig expedirt worden.
Bäumer wurde vor Abend nicht zurück erwartet.
Dec Vorsteher, ein alter, im Dienst ergrauter Mann, toQr aufct sich. Daß ihm, der fünfzehn Jahre zur größten Zufriedenheit seiner Vorgefetzten in D. gewirkt hatte, ein solcher Fall aus seinem Postamte verübt werden konnte, das regte ihn auf. Allerdings war, wie er sich bei ruhiger Uederlegung des Falles sagen mußte, noch nichts erwiesen, was darauf deuten ließ, daß die Beraubung durch sein Personal geschehen war, allein auch die bloße Untersuchung in D. durch den Postinspektor, der ja mit jedem eingehenden Zuge ein» treffen konnte, beunruhigte ihn.
Der von der vorgesetzten Behörde von dem Vorfälle telegraphisch benachrichtigte Postinspektor, welcher tn der Nähe von S. beschäftigt war, traf denn auch
* Nach amtlicher Uebersicht waren die Religi-us- bekeuutuiffe in der Preußischen Bevölkerung während der letzten Decennien in folgenden Ziffern vertreten:
, 1871 1880 1885 1890
Evang. Kirche 16,040,695 17,627,658 18,244,405 19 230376 Röm.-kath. Kirche 8,""°""" ------- ----— ' '
Griech.-kath. Kirche Brüder!. (Herrnh.) Mennoniten
; ” den fortwährend von allen Post-
anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.
daS Abgeordnetenhaus zunächst die 1. Berathung der I Ranges. Die Belege selbst sind sehr verschiedene« fotm Abg. Schüller (frk.) tadelt Aussehens, theilweise auf Vordruck-Formularen ausae- tx Verbindung Breslau s mit den oberschlesi- 1 stellt, mit handschriftlichen Vermerken verleben und schen Städten, während Abg. Kletschke (nl.) über die I lauten auf den WelUZM obeTbie SBeSffia des ©FXfiXm?ffL? । m,t Uschlag belegten Vermögens des Könia/ von
-oezng auf Eisenbahnbauten klagt. Regierungsseitig wird erwidert, daß gerade die gegenwärtige Vorlage für diesen Zweck 12 Millionen verlange. In längerer Rede klagt Abg. Lückhoff (frk.) gleichfalls über die Vernach- lässtgung Schlesiens und findet in derselben die Schuld des Webernothstands Schlesiens. Man sehe bei den jetzigen Bahnbauten weniger auf das allgemeine Interesse, als auf etwaige Rentabilität. Minister Miquel tritt diesen Ausführungen entgegen. Man könne doch nicht verlangen, daß die Rücksicht auf Rentabilität. .......utr oona naes totrD
be? i,Snte gesetzt werde. Eine Reihe von I vorerst ein Facsimile einer der höchsten Persönlichkeiten hnnn^n fctoirb “iv Äußert und so- 1 beigegeben. Die vollständige Enthüllung der Namen
be Vorlage an bte Budgetkommisston verwiesen, soll erst im zweiten Theile der Facsimile-Ausqabe qe- Folgt 1. Lesung der Vorlage betr. Einfühmng der 1 0 1 y e ye
Landgemeinde - Ordnung in Schleswig-Holstein. Ein Theil der Konservativen will derselben zustimmen, vorausgesetzt, daß der Termin zur Jnkrafttretung verlängert wird, ein anderer Theil derselben erklärt sich dagegen Minister Herrfurth begrüßt es als günstiges Omen, daß am Tage des Inkrafttretens der Landgemeinde- ordnung für die alten Provinzen, für Schleswig-Holstein dieselbe hier zur Erörterung komme. Die Vorlage geht an eine 24er Kommission. Nächste Sitzung: Dienstag. Tag.-Ord.: Nachtragsetat, kl. Vorlagen. Schluß 3 Uhr. «»„^. ^„derlin hat vergangene Nacht wieder ein Milttarposteu von der Waffe Gebrauch gemacht. Derselbe stand vor der Kaserne des 3. Garde-Regiments z. F. in der Wrangelstraße auf Posten, als ihn ein 20iähriger Arbeiter zur Zielscheibe seiner Witze machte. Der Soldat verbat sich das, und als dies nichts fruchtete, lud er vor den Augen des Mannes das Gewehr. Plötzlich zog dieser ein Messer und drang aus den Poften ein, welcher nun Feuer gab. Der Angreifer wurde im Rücken verwundet und mußte vom Platze getragen werden. Gleichzeitig wurde ein zweiter öfterer Arbeiter leicht verwundet. Auch dieser Arbeiter soll sich an der I Belästigung des Postens betheiligt haben.
• Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Kunert ist in Breslau auf der Straße an der Seite seiner Gattin verhaftet worden. Anscheinend ist von I
Am Mostschatter.
Kriminal-Roman aus dem Berkehrsleben von Th.Schmidt.
(Nachdruck verboten.)
I.
Die Beamten des Postamts in D., einer süddeutschen Provinzialstadt, befanden sich am Morgen des 8. Septembers 1886 in großer Aufregung. Dieselbe war veranlaßt durch das Eintreffen eines Diensttelegramms aus S., welcher Ort zehn Meilen von D. entfernt mit diesem an derselben Eisenbahnroute liegt.
Der Inhalt des verhängnißvollen Telegramms war folgender:
„Werthbrief von gestern Abend mit dreitausend Mark, adressirt an Stark u. Zo. hier, ist nach geschehener Anzeige des Empfängers seines Inhalts beraubt. Da Brief, anstatt Banknoten, unter anderen werthlosen Papierftreifen, einen Streifen Post-Formular- Papier enthält, so ist anzunehmen, daß die Beraubung von einem Beamten geschehen ist. Vorgesetzte Behörde durch Telegramm benachrichtigt."
Da aus dieser Mittheilung nicht ersichtlich war, wie die Beraubung des Gelbbriefes geschehen, so beschränkten sich bie Ermittelungen, welche ber Vorsteher des Postamts in D. sogleich vornahm, vor ber Hanb
Deutsches Keich.
Berlin, 2. April.
* »ei ben kaiserliche« Majestäten fanb gestern Abenb ein Diner statt, zu bem u. A. geloben waren: Ministerpräsibent Graf zu Eulenburg, Staatsminister Dr. von Bötticher unb Gemahlin, Staatsminister von Heyben unb Gemahlin, Staatsminister Dr. Bosse, der Kriegsminister von Kaltenborn-Stachau unb Gemahlin, ber kaiserliche Botschafter Graf Münster, ber Präsident des Abgeorbnetenhauses von Köller unb ber Vizepräsident Frhr. von Heeremann, sowie ber Präsident des Reichstags von Levetzow.
... 1 Der' vatikanische .Moniteur be Rome' schreibt, bte Krisenliisuttg in Preußen habe Niemanben befriebigt. Die Stellung Eulenburg's sei erschüttert, noch ehe es entschieben sei, welchen Kurs er nehmen werbe. Zwischen Konservativen unb Liberalen stehenb, werbe er schließ- Ach die tüchtigste Waffe gegen bie Sozialdemokratie, bte konfessionelle Schule, preisgeben müssen, bas Zentrum aber habe seine volle Aktionsfreiheit wieber- I gewonnen unb brauche ben Kampf nicht zu fürchten.
* Unter der Ueberschrift „Intimes ans Friedrichsruhe erhält bte .Köln. Volksztg/ eine Zuschrift aus Berlin, wonach in der letzten Krisis e8 eine Phase gegeben hat, in welcher Anfühlungen diskretester Natur in Friedrichsruhe unternommen worden sind, um zu erforschen, ob Fürst Bismark geneigt fein würde, das Reichskanzleramt und Ministerpräsidium wieder zu übernehmen. Fürst Bismarck habe den Eindruck gemocht, daß er es wohl thun werde, unter der Voraussetzung, daß er nicht nach Berlin zu kommen brauche. Die Zuschrift deutet an, daß das Entlassungsgesuch des Ministers von Bötticher mit diesen Anfühlungen zu- sammenhänge; denn auf Bötticher hat Bismark einen tiefen Groll. Den Unterhändler spielte „ein längst halbirter Staatsmann a. D., welcher im gleichen Maße das Vertrauen des Kaisers wie des Fürsten besitzt"
* Der Geburtstag des Fürsten Bismarck ist am Freitag an verschiedenen Orten Deutschlands von seinen Getreuen gefeiert worden, so in Dresden, München, Stuttgart, Breslau, Wiesbaden, Kiel. In Berlin hatte der Allgemeine deutsche Verband eine Feier in ber Philharmonie veranstaltet, bei ber Professor Delbrück bte Festrebe hielt. In Friebrichsruhe waren, wie berichtet wirb, über 5000 Telegramme, 500 Einschreibebriefe, 200 Packete unb unzählige Briefe eingegangen. Zahlreiche Deputattonen erschienen in Friebrichsruhe, um bem Fürsten persönlich ihre Glückwünsche barzu- bnngen. Vor bem Schlosse hatte sich im Laufe des Dages eine große Menschenmenge angesammelt. Als der Fürst um 5 Uhr Nachmittags eine Ausfahrt unternahm, stürmte die Menge fast ben Wagen. Um 7 Uhr tturbe bem Altreichskanzler von ben Hamburgern ein Fackelzug gebracht.
* In ber 46. Plenarsitzung vom 2. April setzte
Zusammen 24,693,169 27,279,111 28,318,470 29 955 281
Im Laufe ber 19 Jahre feit 1871 haben sich die Katholiken stärker vermehrt als bie Evangelischen unb diese noch mehr als die Juden. Bon den neben der evangelischen Landeskirche bestehenden protestantischen Kirchen hat die apostolische und englische Hochkirche m w I unbM‘,,Deit'
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