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IS. Jahrgang

Samstag, den 2. April 1892.

J\t 76

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Fuldae

iir das 2. Quartal 1892 wer- ■ o uen fortwährend von allen Post­

anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.

Ende des Menschen, welche den Himmel auf Erden sucht, mit Bebel „den Himmel aber den Engeln und Spatzen überläßt."

Dom Tode erstanden.

Novelle von I. Rüttgers.

(Schluß.)

Auch diese Geschichte will ich Ihnen erzählen", antwortete Susanna ruhig dem Baron, welcher mit einem mitleidigen Lächeln auf den Lippen kopfschüttelnd dastand. „Vor 20 Jahren wurden wir zur Pflege zu einem Kaufmanne gerufen, welcher sich durch Gift das Leben hatte nehmen wollen. Der Unglückliche war m schlimmer Verfasfung und wollte von einer Pflege nichts wissen, aber wir redeten im so lange zu und stellten ihm die Verwerflichkeit seines Schrittes so über- reuaend vor Augen, daß er uns schließlich eingestand, daß er habe sterben wollen, weil er es nicht hatte ertragen können, seine Unterschrift zurückgewlesen sehen zu müssen. Es handelte sich um 10,000 Thaler, eine Summe, welche wir zusammenbringen konnten, wenn wir all unsere Ersparnisse zusammenrafften. Wir liehen ihm das Geld - es brachte ihm reichen Segen, aber nicht minder uns, denn wir beließen es rn seinem Geschäfte, und so waren wir an seinem Gewinne mrt- betheiligt. Die Firma Vincent ist heute nicht bloß eine der angesehensten, sondern auch der vermögendsten in ganz Marseille, und wir besitzen augenblicklich etwas über 300,000 Thaler. Diese Summe erhält Gabriele,

der sozialdemokratischen Zeitung fand ich em Referat über eine Rede, worin ein katholrfcher Gelehrter nur aefaat hatte, „daß der Darwinismus eine unbewiestne Hypothese, sei." Das klang der sozialdemokratischen Zeitung so sonderbar, daß sie für nöthig hielt, mehrere Ausrufungszeichen hinter diese „unmoderne Ansicht

$ Die atheistische und darwinistische Anschauung über den Menschen ist für die Sozialdemokratie fehr noth- wendig, damit ihr System irgend ein Fundament habe. Ist der Mensch nämlich em Geschöpf Gottes, so ist er nicht unabhängig, sondern er muß den Willen Gottes als Richtschnur feines Lebens nehmen.

Würde der Sozialdemokrat einen Gott annehmen und die Erschaffung des Menschen durch Gott, dann müßte er auch zugeben, daß Gott den Menschen als - rL. z So tritt nm (Mn ft nlP

und seien berechtigt, die jetzige Gesellschaftsordnung ein­fach von Grund aus umzuwerfen.

Die Lehre von der Erbsünde ist ihnen auch em großer Stein des Anstoßes. Von einem dem Menschen von Geburt aus eigenen Hang zum Bösen wollen sie absolut nichts wissen. Sünde gibt es bei ihnen über­haupt nicht. Gefängnisse und Zuchthäuser wird es im sozialdemokratischen Staat nicht geben, die wenigen Verbrecher, die es dann noch geben wird, werden tm Jrrenhause von ihrer „Verrücktheit" kurlrt

Die Schwierigkeit fühlen die Sozialisten wohl. Wenn die Erbsünde und deren trauriges Angebinde thatsächlich dem Menschen anhastet, dann laßt sich nut solchem Menschenmaterial der schöne Zukunftsstaat mcht einrichten. Derselbe erfordert paradiesische Menschen. Weil man nun aber einmal den Himmel auf Erden haben will, deshalb leugnet man die offenkundige That- sache, daß der Mensch von Geburt aus Neigungen zum ^o^Daß"die Menschheit für ein übernatürliches Ziel,

kaufe?" sagte Susanna, welche die Gedanken des Barons sofort errieth. „Ich bm der Meinung, daß es passender sei, Ihnen diese Schmach zu ersparen. Sie lassen Ihre Gläubiger zusammenkommen, wir be­friedigen dieselben und Niemand wird ahnen daß Sre die Erbschaft unseres Vaters verschwendet haben.

Wie vernichtet, saß der Baron auf seinem Stuhl. Sein unbeugsamer Stolz litt unsäglich ob der De- müthigungen, welche er sich gefallen lassen mußte , da es für ihn keinen anderen Ausweg mehr gab,als von zwei Nebeln das kleinste zu wählen. Wohl oder übel, er mußte sich jetzt schnell entscheiden. „

Ich bin mit Allem einverstanden . sagte.er ton los, „aber ich will mit der ganzen Sache nichts zu tbun babeu. Ich will mich dieser Verbindung Nicht widersetzen, Gaspard mag feine zukünftige Gattin hier einführen und sie mag dann schalten und wallen, wie es ihr beliebt. Ohnehin bin ich alt und will mich um zeitliche Angelegeheiten nicht mehr bekümmern.

Die beiden Frauen erhoben sich.

Lebe wohl, Bruder", sagte Veronika, dem Baron die Hand reichend, „wir werden uns m diesem Leben nicht mehr wiedersehen, denn wir kehren für immer m unser kleines Haus in der Laurentiusstraße zuruck. Diese Kinder sollen nicht wissen, daß Sie uns so nahe

trÖ9* Der.Reichsanzeiger' schreibt: Wie wir hören ist cs richtig, daß der Staatssekretär des Innern, Staats- Minister von Bötticher an Allerhöchster Stelle die Entlassung aus den von ihm bekleideten Aemtern erbeten hat. Aber wir dürfen hinzufügen, daß Seme Majestät der Kaiser und König das Gesuch m einem huldvollen Handschreiben abz»lehnen geruht hat. Seine Majestät hat dem Minister den Wunsch zu er­kennen gegeben, ihn in feinen derzeitigen Stellungen im Reick und in Preußen verbleiben zu sehen.

* Zur Freigabe des Welfenfonds schreibt die,Nordd. Allg. Ztg.' daß derselbe, welcher nach den tm Vertrage von 1867 vorgesehenen Aufrechnungen nahezu 42 Mill. Mark beträgt, im Staatsschuldbuche eingetragen 'st, und dort zur Verfügung der Krone Preußen stehm bleibt, während die Zinsen von 4 pCr. dem Fcket- kommiß-Nutznießer, soweit sie nicht durch die Kosten der Verwaltung in Anspruch genommen werden, zu- ^*n$)er .Reichsanzeiger' veröffentlicht folgende Ver­ordnung, betreffend das Inkrafttreten der auf die Sonntagsruhe im Handelsgewerbr bezüglichen Besttm-

die katholische Kirche, Abneigung und Vorurthell gegen das Centtum haben den Ausschlag gegen die Volts- schul-Vorlage gegeben. Die Wendung vom 18. Marz versetzte den konservativen Grundsätzen einen Schlag und die Autorität der Krone wie der Regierung im Jnlande wie gegenüber dem Auslande wurde aus das Schwerste geschädigt. Graf Zedlitz ist geschettert. weil er ein den preußischen Katholiken erträgliches Vo s- schul-Gefetz mit dem Centrum machen wollte. Um diese Thatsache richtig zu würdigen, muß man sichine Bedenken vergegenwärtigen, welche vom katholisch-kirch­lichen Standpuntte aus gegen wichtige Stimmungen des Entwurfs vorlagen, so daß von einer Begeisterung für denselben in den katholischen Kreisen keme Rede sein konnte. Ueber die Folgerungen, welche aus der wiedereinmal aufgedrängtenErkenntlich zu ziehen sind, daß man die preußischen Katholiken un entscheidenden Augenblicke immer noch nicht als gleichwerthig und gleichberechtigt, das Centrum immer noch als verdäch­tig betrachtet, wäre Vieles zu sagen. Die römische .Voce della VeritL' ist fehr besorgt um die zu­künftige Haltung des Centrums und beklagsi ,daß dem- felben in diefer wichtigen Zett die Führung Windthorst s seble. Die heutigen Führer hätten erst noch Vertrauen zu erringen und würden sicherlich in diesem Augenblicke bereuen, auf die Rückkehr der Jesuiten und auf die vollständige Unabhängigkeit, aus die Windthorst ,o elfer- süchtig war, verzichtet zu haben, jedenfalls beweise der jetzige Augenblick, daß die Unabhängigkeit mehr werth sei, als alle doch nur opportumsttschen Freund­schaften mit der Regierung. Schließlich ermahnt das Blatt das Centrum, die vortheilhafte Stellung, m der Windthorst die Partei zurückließ, nicht zu kompromitttren.

* Die .Nordd. Allg. Ztg.' versichert neuerdings wieder aufgetretenen Gerüchte gegenüber wiederholt, daß weder das Hausministerium noch die Pnvatschatulle des Kaisers und Königs sich mrt Anleihe - Absichten

r. Die Sozialdemokratie und der erste Glaubensartikel.

Unter dem ersten Glaubensartikel behandelt der katholische Katechismus verschiedene Glaubenssätze; ent­sprechend den Worten „Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde werden der Reihe nach erklärt: Begriff Gottes, seine Eigenschaften und das Dafein Gottes, die Schöpfungs­lehre, die Lehre von den Engeln, von der Erschaffung q«m s7ll i svlä’ä äs“ sar«

empfohlenen Zeitschriften befindet sich immer auch eme solche „zur Verbreitung der atheistischen Weltanschau­ung." Sie stützen sich dabei auf „die Ergebnisse der modernen Wissenschaft." Die gelehrten Umversttats- vrofefsoren sagen es, folglich muß es wahr sein: Das ist die Glaubens regel diefer Leute. In ihren irre­ligiösen Behauptungen stützen sie sich nur auf dre sog.

wissenschaftlichen Größen", von einer Begründung fshrer Ansichten ist natürlich keine Rede: den Glauben an die Offenbarung Gottes haben sie über Bord ge­worfen und beugen dann ihren Verstand unter die Autorität von Menschen. Der vollständige Unglaube unter der «roßen Masse ist erstaunlich groß, in Fabnk- städten ist dieser sogar schon unter die Schuljugend ge­drungen. Dem Verderben wird menschlicher. Berech­nung nach nicht mehr zu steuern sein Zu verantworten werden es haben jene „wissenschaftlichen Großen .die nach einer treffenden Bemerkung des verstorben Pro- feffors v. Hettinger „den Unglauben beim Champagner­glas aushecken, dessen Konsequenzen die Proletaner brn > . ^"^iche'Glücksettgkeit erschaffen, dafür'von der Schnapsflafche ziehen werden." - W setzen sch 2tu^X^^Ürü^^en Wen mspiünglich ansge- aber die so vernünftig fem wollmden Leute über die Gott ubernatur q, Stammeltern aber

fonnenslaren Beweise für das Dasein- Gottes wegr Met W^^-chln Ausstattung verlustig gegangen

Das Schlagwort, das schon Schulknaben nn M s katholische Glaubenslehre stimmt erst recht

Wissenschaft" den Genossen beizubringen, naMlich aus den entsprechenden Quellen: Darwin, Haeckel, Brehm rc. Von den Eigenschaften Gottes und dem Geheimmß der hl. Dreifaltigkeit ist demgemäß gar keine Rede bet den Sozialisten. . . ,

Selbstverständlich hat für die Sozialdemokratie das höchste Jnterefse die Frage über die Entstehung und die Natur des Menschen. Sie bekennt sich rundweg und in allen Stücken zu dem Darwinismus und erklärt

Berlin, 31. März.

* Eine Warnung für das Centtum war die jüngste Krisis in Preußen. Mißtrauen und Mißgunst gegen wenn sie den Chevalier heirathet, wir denken, daß sie hinreichen wird, um den ganzen Plunder zurückzu- kaufen." c „ . ,

Das genügt", antwortete der Baron, dem es in seinem Kopfe bunt umherwirbelte, fast starr vor Staunen. , <,

Sie haben alle Ursache, Gott zu danken, welcher alles in dieser Weise gefügt hat", fuhr Susanna fort. Ehe wir Gaspard kennen lernten, war es unsere Ab­sicht, dieses Vermögen den Armen zu hinterlassen, denn wir wollten es nie genießen, da es über unsere be­scheidenen Verhältnisse geht, in welchen wir stets ge- le6t haben, und da wir uns in unserer Einfachheit aerobe so glücklich gefühlt haben, als wenn wir alles in Hülle und Fülle gehabt hätten. Jetzt wird dieses Vermögen zu dem schönen Zwecke dienen, unsere Familie vor der Schande zu bewahren, daß dieses schöne stolze Schloß vielleicht um einen Spottpreis m die Hände von Emporkömmlingen fällt. Das heM, noch eine Bedingung müssen wir stellen: Diese Kinder dürfen von alledem nichts wissen, und Sie geben Gas­pard durch ausdrücklichen Vertrag die ganze Besitzung ^^Umuhig rückte ^der Baron bei diesen Worten auf ^'"b^Zicher^ Sie^e^vor^ daß ich das Ganze zurück-

----------scheint täglich, Gauu- und Feiere KuRauu.^5

Vierteljährlicher Abouuementsprers und Hauswesen- in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pienmg. _ ■.