Handwerk herangedrillt würden. — Die Versammlung verlief ohne Ausschreitungen.
* Der Centralverein für Arbeitsnachweis beabsichtigt, den in Berlin vorhandenen Ueberfluß von Arbeitskräften nach denjenigen Distrikten zu leiten, in denen Arbeitsmangel besteht. Zu dem Zwecke sollm Reisekostenvorschüsse gewährt werden.
* Der bisherige 2. Stabsoffizier der ostafrikanischen Schutztruppe Dr. Schmitt ist zum Reichskommissar für das Schutzgebiet in Neu-Guinea ausersehen.
* Der Afrikareisende Eugen Wolff, bekannt durch seine Ausweisung aus den deutschen Schutzgebieten und die bezüglichen Reichstagsverhandlungen weist im .Berliner Tageblatt' die vom Reichskanzler ihm gegenüber gebrauchte Bezeichnung „Colonialbummler" in scharfer Weise zurück, und kündigt an, daß er sich nach „Sansibar" begebe.
Ausland.
* Prag, 10. März. Die Hörer der medizinischen Fakultät der deutschen Universität bereiteten gestern dem neuen Professor der gerichtlichen Medizin Dr. Palt- auf eine stürmische Demonstration wegen seiner großen Strenge bei den Prüfungen. Die Studenten empfingen den Professor mit Pereatrufen, Pfeifen und Zischen und verließen den Saal, so daß der Professor nicht lesen konnte. Paltauf konnte auch heute keine Vorlesung halten, da kein einziger Hörer erschienen war, dagegen wurde dem beliebten Professor der Anatomie, Chiari, eine stürmische Ovation bereitet.
* Paris, 11. März In der französischen Kammer wurde ein Antrag des Deputaten Dreyfus angenommen, den 22. September als hundertjährigen Jahrestag der Republik zu feiern.
* Petersburg, 10. März. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden in mehreren großen Städten nihilistische Proklamationen und Mauer- anschläge gefunden, in denen die bevorstehende Revolution angekündigt und dem Zaren das Schicksal seines Vaters angedroht wird. Die Polizei entfernte die Maueranschläge, ohne bisher eine Spur der Urheber zu finden. Die Proklamationen wurden noch zu Tausenden in den Häusern vertheilt.
Stadt, Krovmr und Uachbargrdiet.
Fulda, 14. März.
* Wie die .Kölnische Volksztg.' mittheilt, ist be- absichtigt, zum Zwecke eines mündlichen Meinungs- Austausches in Sachen der Sprngrlder-Bkrwkndung unter den einzelnen Kommissionen über die Durchführung des Gesetzes vom 24. Juni 1891 anfangs April in Berlin oder Fulda eine Konferenz abzuhalten. Behufs mündlicher Darlegung der verschiedenen Auffassungen und Erzielung möglichster Uebereinstimmung der Entscheidungen kann ein solches Vorhaben nur als durchaus wünschensweith bezeichnet werden, insbesondere, wenn man erwägt, daß die Beschlüsse der Kommissionen vom Rechtswege ausgeschlossen sind und daher einer Anfechtung nicht unterliegen.
—* Soeben erschien im kirchenmusikalischen Beklag bo« Alohs Maier dahier wieder ein neues Verlagswerk in sehr feiner Ausstattung: „O st ersonn et, Dichtung Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII., für Bariton-Solo und gemischten Chor mit Klavier- oder Orchesterbegleitung komponirt und Seiner Fürst-Bischöflichen Gnaden dem Hochwürdigsten Fürst-Bischof von Breslau Herrn Dr. Georg Kopp in tiefster Verehrung gewidmet von Alexander Seiffert." Der Text lautet:
„Wenn die Natur mit Lenzhauch uns umweht Und junge Knospen sich zur Blüthe regen, Da quillt im Herzen auf ein Gottessegen.
Und wie Maria an dem Grabe fleht Des Sohnes, dessen heil'ge Majestät, Die Gottgesandte, kurz im Grab gelegen, Um dann 'gen Himmel her sich zu bewegen: So stärkt die Seele sich im Lenzgebet.
Gieb Herr, daß wir dem Grab der Erd' entfliehen Als neuer Mensch,
Der in des Himmels Blau vergißt Der alten Erde alte Mühen!
Jedwede Blum' erfrischt der Himmelsthau, Dem Sünder aber sind zum Trost gediehen Die Thränen Christ's und unsrer lieben Frau!"
Die sehr effektvolle Komposition dieser finnigen Dichtung eignet sich für alle größeren Kirchenchöre bei weltlichen Cäeilien-Aufführungen und für die Chöre höherer Lehranstalten, Gymnasien, Seminare rc. Daß dieses aus einem hiesigen V.rlage hervorgegangene Werk nicht allein wegen des hohen Autors der Dichtung, Papstes Leo XIII., sondern insbesondere auch in Anbetracht seiner Widmung bei unseren Lesern, zumal bei den musikverständigen, großes Interesse finden wird, steht außer Zweifel. Es witd recht Vielen eine willkommene Oftergabe sein.
* Nachstehenden Artikel, der für viele Leser unseres Blattes von besonderem Interesse sein dürfte, finden wir soeben in der .Oberh. Zkg.'. Dieselbe schreibt aus Marburg vom 12. ds. Mts.
Gestern am 11. März vollendete Herr Geh. Regiernngs- Rath Professor Dr. Franz Melde Hierselbst sein sechzigstes Lebensjahr. Es ist Sitte geworden in Deutschland, der Feier des 60. Geburtstages hervorragender Männer der Wissenschaft der Literatur und der Künste besonders zu gedenken, und so kommen wir denn auch diesem Brauche nach, um unserem hochverehrten Mitbürger die herzlichsten Glückwünsche darzubringen ■ Wir erfüllen'damit nur eine Pflicht, wenn wir diesen Tag nicht
vorübergehen laffen, ohne dem hochgeschätzten Jubilar unsere Ehrerbietung zu bezeigen. Franz Melde ist am 11. März 1832 zu Großenlüder als jüngster Sohn des Apothekers Ludwig Melde geboren. Er besuchte von 1844 bis Ostern 1853 das Gymnasium zuFulda und studirte hiernach auf unserer Landes- Universität Marburg Mathematik und Naturwissenschaften. Nach trefflich bestandenem Fakultäts-Examen wurde er 1858 Affistent an dem hiesigen mathematisch-physikalischen Institute. Im folgenden Jahre wurde er auf Grund seiner Differtation „über einige krummen Flächen, welche, von Ebenen, paralell einer be- stlmmten Ebene, durchschnitten, als Durchschnittsfigur einen Kegelschnitt liefern", zum Doctor philosophiae promovirt 1860 habilitirte er sich als Privatdozent für Physik; er schrieb zu diesem Zwecke die Dissertation „über die Erregung stehender Wellen eines fadenförmigen Körpers" und vertheidigte dieselbe öffentlich am 2t. November des genannten Jahres. 1864 wurde er zum außerordentichen Professor der Physik befördert und 1866 nach dem Tode des Geh. Rathes Professors Dr. Christian Ludwig Gerling zum ordentlichen Professor der Physik und Astronomie, sowie zum Direktor des mathematisch-physikalischen Instituts Hierselbst ernannt, um das er sich die wesentlichsten Verdienste erworben hat und das ihm seinen gegemvärtigen musterhaften Zustand verdankt. In der wissenschaftlichen Welt genießt er den Ruf eines der hervorragendsten Gelehrten seines Faches; sein Hauptfeld ist die Akustik rc. Seine Forschungen auf diesem Gebiete sind von großer Bedeutung. Er ist ein vortrefflicher, von seinen Hörern hochverehrter Lehrer. Auch als Fachschriftsteller hat er eine sehr rühmenswerthe Thätigkeit entfaltet. Es würde zu weit führen, wollten wir feine Schriften einzeln angeben; nur seine „Akustik" (Leipzig 1833) und seines Buches über „Chladnis Leben und Wirken" (Marburg 1888) wollen wir hier gedenken. Die verdienstvolle Thätigkeit des Professors Melde, fand in den maßgebenden Kreisen die gebührende Anerkennung. Nachdem er früher schon mit dem Rothen Adler-Orden dekorirt worden war, wurde ihm im Mai vorigen Jahres von Sr. Majestät dem König der Charakter als „Geh. Regierungsrath" verliehen. Vermöge seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit erfreut sich Herr Professor Melde der allgemeinen Hochschätznng und Beliebtheit. 8
Anläßlich seines 60. Geburtstages hat der Hauptaus- schuß des Rhönklubs in Fulda nicht verfehlt, den Herrn Geheimrath mit einem Glückwunschtelegramm zu ehren. Derselbe ist ein hervorragender Freund der Rhön und hat einen ihrer schönsten Punkte, die "Milseburg", bekanntlich mit einem Orientirungsstein beschenkt.
* Neue Frachtbriefe? Durch viele Tagesblätter läuft in jüngster Zeit die Nachricht, daß demnächst ein neues Eisenbahn-Frachtbrief-Formular zur Einführung komme. Hierauf Bezug nehmend wandte sich eine Hanauer Firma an die König!. Eisenbahn - Direktion, erhielt aber unter’m 9. März von der König!. Güter- Abfertigungsstelle die Mittheilung, daß ihr betreffs Umänderung der Frachtbriefe dienstlich noch nichts bekannt sei.
* In der am Freitag in Kassel abgehaltenen Sitzung des Provinzial-Ausschusses für die Provinz Hessen- Nassau lag eine Anfrage des Ober-Präsidenten vor, ob ein Polizei-Statut, betreffend die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbc für zweckmäßig erachtet werde. — Die Anfrage wurde einstimmig verneint und zwar, wie man der ,Franks. Ztg.' mittheilt, aus den Gründen, aus denen die Landes-Ausschüsse der beiden Bezirke (Kassel und Wiesbaden) die Frage bereits ihrerseits verneint hatten. Für den Beschluß waren maßgebend folgende Gesichtspunkte: 1) Ju den verschiedenen Landestheilen der Provinz seien keinerlei einheitliche, sondern völlig verschiedene Gewohnheiten und Bedürfnisse vorhanden; 2) Zur Zeit sei mindestens der Erlaß solcher Vorschriften verfrüht; es sei nothwendig, erst Erfahrungen zu sammeln; 3) Nach § 105« der Gewerbe-Ordnung seien die oberen Verwaltungsbehörden ermächtigt, besonders an Sonn- und Feiertagen herantretende örtliche Bedürfnisse zu berücksichtigen. Von dieser Bestimmung ordnungsmäßig einen recht umfassenden Gebrauch zu machen, sollte der Ober- Präsident die kompetenten Verwaltungsstellen veranlassen. — An Stelle des Stadtrath Mouson-Frankfurt, der die Wahl in die Berufungskommission für die Einkommensteuer abgelehnt hat, weil er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Veranlagungskommission Seitens der kgl. Regierung ernannt worden ist, wird der bisherige Stellvertreter Rechtsanwalt Dr. P. Hertzog zum Mitglied und an dessen Stelle Kaufmann I o u tz-Frankfurt a. M. zum Stellvertreter erwählt. Der Ausschuß beschließt ferner einen umfangreichen Entwurf der Geschäftsanweisung einstweilen zu genehmigen, ihn in Druck legen zu lassen und den Landesdirektor Sartorius-Wiesbaden, Dr. Lieber- Camberg, Dr. B. Geiger-Frankfurt mit Berichterstattung in der nächsten Sitzung zu beauftragen. — Der Verwaltungsbericht der landwirthfchaftlichen Be- rufsgenoffenschaft pro 1890 und 1891 wird vorgelegt und genehmigt. AuS ihm ist zu entnehmen: Die Verwaltungskosten belaufen sich pro 1889 auf 53,689 M. 83 Pfg., pro 1890 auf 52,712 M. 71 Pfg., pro 1891 auf 52,153 M. 87 Pfg. Die Entschädigungen pro 1888 28,851 M. 72 Pfg., 1889 39,571 M. 77 Pfg., 1890 91,498 M. 75 Pfg., 1891 178,782 M. 62 Pfg. Die Rücklagen zum Refervefond pro 1888: 1819 03 1889: 33,449.80, 1890: 54,691.38, 1891: 71,247.94. Es wird beschlossen, den Provinzial-Landesdirektor zu ermächtigen, die Werthpapiere des Reservefonds bei einer öffentlichen Kaffe zu hinterlegen, oder sie bei der Reichsbank in offenes Depot zu legen; oder, soweit die Natur der Papiere dieses zuläßt, in das preußische Staats- oder Reichs - Schuldbuch einzutragen.. Die übrigen Punkte der Tagesordnung betrafen Verwaltungs-Gegenstände. Bemerkenkwerth ist die von dem Ausschuß abgelehnte Zumuthnng, dem Pedellen der Regierung von Wiesbaden eine monatliche Vergütung
von 6 M. dafür zu bewilligen, daß er die Briefe der Schiedsgerichte zur Post bringen muß, weil ein Re- gierungs-Rath Seitens der Staatsbehörde zum Vorsitzenden derselben ernannt ist und naturgemäß beren Geschäfte mit bearbeiten muß. Weder in Kaffe! noch sonstwo werden derartige Beträge figuibirt.
* Nach erfolgter Genehmigung des Herrn Ober- präsidenten findet Freitag, den 28. d.. Mittags 2 Uhr, im Sitzungs-Zimmer des König!. Polizei-Präsidiums zu Frankfurt a. M. eine Sitzung der Aerztekammer für die Provinz Hessen-Nassau statt. Auf der Tagesordnung steht u. A.: Die Erweiterung der Disziplinar- Befugniffe der Aerztekammem. Ref.: Dr. Endemann (Kassel) und Dr. de Bary (Frankfurt a. M ). Antrag der Aerztekammer der Provinz Westpreußen, bett. Erstattung von Obergutachten für die Unfall-BerufS-Ge- nossenschafteri. Ref.: Dr. Marens (Frankfurt a. M.) und Dr. von Heusinger (Marburg). Antrag der Aerztekammer der Provinz Brandenburg-Berlin: „Die Zu- laffung zur Physikats-Prüfung soll nicht vom Doktortitel abhängig fein." Antrag derselben Kammer: „Der Doktor-Titel wird nur nach absolvirtem Staats-Examen verliehen."
* In der Schwurgerichts-Verhandlung gegen die Wittwe Seipel rc, die am Freitag noch nicht zu Ende kam, wurde zunächst der Mitangeklagten Reichert Gelegenheit gegeben, ihre in der vorigen Sitzung gemachte Aussage noch einmal zu bekräftigen und in einigen Punkten zu vervollständigen. Danach hat die R. nach ihrem Eintritt bei der Wittwe Heil mit derselben ein kurzes Gespräch geführt über Strümpfe, die einmal die S. für Ferd. Heil gestrickt. Dann kam gleich die S. und gab der Heil nicht nur einen Schlag, sondern mehrere. Nach dem Zuschlägen sagte sie ganz aufgeregt und schnaufend: „Du stehst mir nun nicht mehr auf! Du hast mich oft genug in's Unglück gebracht!" Beim Hingang hat die S. die R. angewiesen, zuerst hinauf zu gehen, während sie, die S., unten stehen bleibe, nachher solle dieR. ihr zu Hilfe kommen, wenn es noth thun werde. Gleich nach dem Verlassen des Hauses, das die S. zugeschloffen, hat die S., mit geballten Fäusten sich vor sie hinstellend, „als wenn sie sie selbst tobt machen wolle," gedroht — wenn sie etwas verrathe, wäre es ihr Unglück. Die R. bestätigt bestimmt, der Hammer gehöre der S., ihre Jungen hätten immer damit gespielt. Trotz wiederholten Vorhalts aber bleibt sie dabei, daß sie nuc mitgewesen, aber nicht thätig geworden sei. Die sachverständigen Aerzte erklären, daß der Leichenbefund mit der Darstellung der R. übereinstimme. Die weiter abgchötten Zeugen deponiren über den Aufenthalt der beiden Angeklagten in Hanau, über die Mittheilung der Kinder an die S., da sie vom Bahnhof heimkehrte, daß die Heil tobt aufgesunden worden sei, und das anscheinend gleichgiltige Verhalten der S. Von einem Mädchen aber wurde bezeugt, sie sei verlegen und roth gewesen und habe geäußert: „Ich glaube. Du bist verrückt!" und von einer Nachbarin, daß sie gesagt — man meint, Gott selbst habe ein Zeichen an der Heil gethan, ihre Jungen hätten zu ihm gebetet, daß in der Diebstahlssache nichts aus dem Termin in Hanau werden möge. Der alte Peter Hagemann will über sein Verhältniß zur Heil keine Auskunft geben, während er in der Voruntersuchung erklärt hat, daß Alles, was die S. von seinen Drohungen und Nachstellungen gegen Jene behauptet, rein zum Lachen sei. Zwei Quartier-Genossen des Ferdinand Heil und seine Schlafwirthin in Frankfurt bestätigen dessen Anwesenheit dort zur Zeit der That und sein Erschrecken bei der Nachricht vom Tode der Mutter. F. Hcil selbst, 26 Jahre alt, durchaus kein Adonis, gibt sein intimes Verhältniß zu der S. schon mit 17, 18 Jahren zu, will aber trotz verschiedener, verdächtiger Stellen in Briefen an die S., die zur Vorlesung kamen, irgend etwas über die That nicht von ihr gehört haben, obwohl der Verkehr noch lange nach dem Tode feiner Mutter fortgedauert hat und erst wegen der Lider- lichkeit und der Diebstähle der S. abgebrochen wurde. Auf das Bestimmteste bestreitet er, die bei der S. Vorgefundenen Düten mit der Firma eines Frankfurter Händlers nebst deren Inhalt ihr zugebracht zu haben, während das seiner Mutter gegenüber geschehen sei. Es traten darauf die Zimmerleute Krieger, Vater und Sohn, vor, deren Wahrnehmungen im vorigen Sommer zuerst auf die richtige Spur in der Sache leiteten. Einer der Söhne der Seipel gab ihnen auf dem Sachsenhäuser Bahnhof, als sie, wie gewöhnlich, Samstags nach Salmünster heimfuhren, ein lose zugebundenes Cigarrenkistchen zur Besorgung an seinen Bruder mit. Die Beiden bemerkten darin einen Zettel, den sie wiederholt lasen und dessen Inhalt sie (das Kistchen ist im Eisenbahnwagen stehen geblieben und in Verlust gerathen) übereinstimmend dahin angeben: Lieber Bruder--Morgen werde ich
der Mutter (die damals Strafe verbüßte) schreiben. Es kommt täglich heimlich Polizei in den Arrest der Mutter und forscht nach, wie es damals zugegangen ist mit der Zimmer - Mai the (Wittwe Heil). Sage es Niemand weiter als der Broni (Reichert), aber heimlich, und wenn Du den Zettel gelesen hast, so verbrenne ihn. Die S. versichert, sie habe nichts aus der Strafanstalt an den Sohn gelangen lassen und nichts von ihm erhalten, und der habe nur aus Ängst so geschrieben, weil er wohl von Nachforschungen gehört habe. Einige weitere Vernehmungen beziehen sich auf die Ankäufe der Wittwe Heil von Fleisch und Brod an dem Samstag, wobei sie Geld gezeigt. Neben den mehrfachen Bezeugungen der tödtlichen Feindschaft der S. gegen die Heil und der öfteren Aeußerungen der Letzteren, die S. bringe sie noch einmal in ihrem Hause um, sie verfolge sie auf Weg und Steg, sind die Depositionen derEhesrauen Dickert und Fischer be- merkenswerth, die der S. in's Gesicht sagen, sie habe ihnen die Männer verführt. Der Ersteren hat sie angedroht, sie schmeiße sie noch einmal tobt, wie bie Zimmer-Marthe. Die S. behauptet, bas sei Alles gelogen, die Weiber seien ihre Feinbe, bie Fischer habe sowohl bie R. als bie Hau gekauft, worüber bie Fischer in leidenschaftliche Aufregung geräth Nun folgt eine Reihe von Zeuginnen, die mit den Beiden zugleich Insassen des hiesigen Gefängnisses waren und die Gespräche derselben meist durch bie Wände mit angehört haben. Dieselben betrafen Mittheilungen der Einen an bie Andere darüber, was sie in den Verhören ausgesagt und darin über die Aussagen der vernommenen Zeugen erfahren haben, sowie Beredungen, wie sich darauf hin zu verhalten sei. Am umfänglichsten ist der Bericht der Ehefrau Bieber. Danach sagte die S. der R., sie habe den P. Hagemann als den Thäter angegeben — sie werde den Gerichtsherren die Zeugen als lauter Feinde bezeichnen — die Hauptsache sei, daß es Niemand gesehen habe — wenn sie, die R., nur nicht gestraft werde, wenn sie, die S., auch ihre Strafe bekomme, dann (nach der Klage der R., ihr Mann, den sie erst kurz vorher ge- heirathet hatte, wolle sich scheiden lassen) ach was! sie, die S., gehe mit ihr nach^Amerika, wenn die Sache vorbei sei. Die R. ihrerseits hat der S. zugeruft n, ihretwegen sitze sie nun schon 8 Wochen — das Grethchen (die Hau) habe gezeugt und geschworen — sie, die S, solle, wenn sie ihr gegenüber gestellt werde und ie, die R., über die Drohungen gegen die Heil aussage, das zugestehen — die Hausmann habe sie Beide an dem Samstag