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Freitag, den 4. März 18S2.

19. Inbrgang

WdakrWZeitllng

Erscheint tSglich, Sonn- und Ke..rtage ouägenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Riederholungen entsprechender 'Jiabatt.

v^rketsöhrlicher NlvnnementsrreiF ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden Gra'isbeilaae ,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

R. Die Religion und die Gefahren der Sozialdemokratie.

Endlich ist man an maßgebender Stelle zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Kirche zn Hilfe ge­rufen werden muß im Kampfe gegen die Sozialdemo­kratie, daß das Volk vor diesen Gefahren nur bewahrt werden kann dadurch, daß ihm die Religion erhalten bleibt, daß eine Rettung aus dem Verderben nur da­durch möglich ist, daß die verlorene Religion wieder­gegeben wird. Ob letzteres freilich möglich ist, ist eine andere Frage. Wer die religiöse Verwüstung kennt, welche die Sozialdemokratie unter ihren Anhängern angerichtet hat, wird eine Rettung der Verlorenen nur durch besonderes Eingreifen Gottes für möglich halten. Die Sozialdemokraten behaupten steif und fest, die soziale Frage und die Weise der Lösung, wie die Ge­nossen sie anstreben, sei eine rein volkswirthschaftliche Angelegenheit und habe mit der Religion nichts zu thun. Es könne Jemand Sozialdemokrat und zugleich ein Katholik sein; letzteres sei eben seine Privatsache. Warum aber greifen denn die Sozialdemokraten, wo immer sie können, die Religion an? Warum sind sie so ernstlich darauf bedacht, ja recht viele antireligiöse Lektüre unter den Arbeitern zu verbreiten? Warum gibt es gar keine Nummer einer sozialistischen Zeitung oder Zeitschrift ohne die gehässigsten Angriffe auf die Religion? Warum sind sie so eifrig darauf bedacht in der Privatagitation, erst den Arbeitern die Religion zu nehmen, ehe sie sie zu ihren wirthschastlichen Lehren zu bekehren suchen? Die Sozialdemokraten betrachten unsere Religion thatsächlich als das Haupthinderniß ihrer Lehre und damit haben sie vollkommen recht. Denn ihre Lehre steht in vielen Stücken in direktem Widerspruch mit der katholischen Glaubenslehre. Man kann die Probe machen und einen echten Sozialdemo­kraten auf unseren katholischen Katechismus prüfen. Weun er sich zur Lehre der Sozialdemokratie voll und ganz bekennt, wird er fast jeden Abschnitt des Katechis­mus streichen müssen.

Wer den Sozialdemokraten glaubt und ihre Lehre für eine blos wirthschaftliche Caprice hält, der ist ver­sucht zu der Meinung: Man muß die Sozialdemo­kratie bekämpfen, indem man die nationalökonomischen Jrrthümer derselben aufdeckt und dem Volke klar macht. Von dieser Art der Bekämpfung darf man für das gewöhnliche Volk nicht viel Erfolg erwarten und dies aus folgendem Grunde. Volkswirthschaftlich, also rein materiell betrachtet, ist die sozialistische Lehre ein wissen­schaftliches Problem der Nationalökonomie und muß auch wissenschaftlich auf seine Wahrheit und Falschheit geprüft werden. Die Führer der Sozialisten wissen das recht wohl. Deshalb suchen sie den Arbeitern das Bewußtsein beizubringen, daß die Wissenschaft dem ge­meinen Mann nicht verschlossen sei. Die Sozialdemo­kraten halten sich durchschnittlich für wissenschaftlich ge­bildet, weil sie „wisstnschaftliche" Bücher gelesen und volkstpissenschaftliche Vorträge über alles Mögliche und Unmögliche gehört haben. Daß ein ganz gewöhnlicher sozialistischer Arbeiter bei der Rechtfertigung seiner Ansichten sich auf die „Wffsnschaft" beruft, ist sehr

Drei Gage bei den Trappisten.

(3. Fortsetzung.)

Die Pflege der christlichen Liebe und Gerechtigkeit in dem Arbeitgeber und der christlichen Zufriedenheit und Demuth in dem Arbeiter ist das Fundaments-Prinzip der Arbeiter-Politik der Trappisten.

Bei ihnen erfreut sich pbe Arbeit ver gleichen Ach­tung, denn jche Arbeit ist ein Theil des großen Gan­zen. Dieser ist Ackei bauer, jener Hirt, Kunstschlosser, ; Schneider, Bäcker, Koch, Lehrer, Priester, ein Frater, ! ein Oberer u. s. w., aber im Wesen sind sie alle gleiche i Diener, Kinder desselben Vaters des Ordens, der Alle mck gleicher Liebe umfaßt und in seinen Schooß auf­nimmt.

Man glaubte bisher, daß das ungarische Volk sozia­listischen Ideen nicht nahe treten kann, da der unga­rische Bauer wenigstens mit seinem Schicksale zufrieden sei. Nun haben aber die kürzlich in Süd-Ungarn vor­gekommenen Bauern - Bewegungen klar bargelegt, daß es herzlosen sozialistischen Hetzern gelungen ist. sich dem ungarischen B mer ebenso zu nähern, wie dem Deut­schen oder dem Franzoien.

Und faktisch ist heute der Bauern-Sozialismus bei

gewöhnlich. Daß ein gewöhnlicher Mann zu der wissen­schaftlichen Prüfung des Sozialismus nicht fähig ist, bedarf keines weiteren Beweises. Es mag ja wohl nichts schaden, die Arbeiter auf die volkswirthschaft- lichen Jrrthümer der Sozialdemokratie so weit wie mög­lich aufmerksam zu machen. Aber damit ist der Gefahr der Verführung keineswegs ganz vorgebeugt. Wenn der Arbeiter blos auf diese Art der Widerlegung an­gewiesen ist, dann wird einer der sozialistischen Wort­helden ihn bald zum Gegentheil bekehrt haben. — Eine andere Art der Widerlegung würde dem Arbeiter viel einleuchtender sein. Man verhelfe ihm zu einem felbstständigen Geschäft oder einem Besitz an Grund und Boden. Dann hat er von der Sozialdemokratie nur Schaden zu fürchten und damit ist ihm das Urtheil gegeben. Doch dieser Weg ist nicht allgemein möglich. — Es bleibt nur der eine eingangs erwähnte Weg übrig: Durch die Religion muß das Falsche des Sozialismus dargethan werden. Die Wahrheiten unserer katholischen Religion stehen felsenfest durch göttliche Autoxität; was also mit ihnen in Widerspruch steht, das muß falsch sein, mag es unserem beschränkten Menschenverstände noch so wahrscheinlich sein oder auch von den „Männern der Wissenschaft" vertreten weiden. Die Grundsätze des Sozialismus widersprechen aber schnurstracks unserem katholischen Glauben. Also ist der Sozialismus eine Irrlehre.

Deutsches Keich.

Berlin, 2. März.

* Eine Versammlung von Vertretern der hiesigen katholischen Vereine beschloß, am 14. März, dem To­destage Windthorst's ein R.qiriem in den hiesigen katholischen Kirchen abhalten zu lassen.

* Es wird bestätigt, daß gegen die .Kölnische Zeitung' Untersuchung wegen Majestätsbelridigung, enthalten in einer Besprechung der Ansprache des Kai­sers beim Festmahl des brandenburgischen Provinzial­landtages, eingeleitet ist.

* Dem Bundesrath ist, wie bekannt, der Entwurf eiurs Gesetzes betr. den Verkehr mit Wein, weinhal­tigen und weinähnlichen Getränken zugegangen. Der 13 Paragraphen enthaltende Entwurf zerfällt in 2 Theile. Der erste behandelt gesundheitspolizeiliche Vor­schriften, der zweite verkehrspolizeiliche Fragen. Dem Wein oder weinähnlichen Getränken dürfen nicht hinzu­gesetzt werden: lösliche Aluminiumsalze (Alaun und bergt), Baryumverbindungen, Borsäure, Glycerin, Ker­mesbeeren, Magnesiumverbindungen, Salicylsäure, un­reiner (freien Amylalkohol enthaltender) Sprit, unreiner (nicht technisch reiner.) Stärkezucker, Strontiumverbin­dungen, Theerfarbstoffe oder Gemische, welche einen dieser Stoffe enthalten. Wein oder weinähnliche Ge­tränke, denen einer dieser Stoffe zugesetzt ist, dürfen gewerbsmäßig weder feilg. halten noch verkauft werden; eben so wenig Rothwein mit mehr Gehalt an Schwefel­säure in einem Liter Flüssigkeit, als sich in zwei Gramm neutralen schwefelsauren Kaliums vorfindet. Ausge­nommen davon sind rothe D-ffertweine ausländischen Ursprungs. Als Verfälschung des Meines im uns ebenso auf der Tagesordnung, wie der Fabriks- und Gewerbe-Sozialismus.

Gegen Beide aber ist die einzige Panacöe jenes Sysiem, dessen Vertreter die Trappisten sind.

Ich wiederhole den Söhnen meines Vaterlandes: Gehet hin und lernet das Leben und die Thätigkeit, das System und den Geist der Trappisten kennen, und ich zweifle nicht daran, daß auch rhr gleich mir von dem Wunsche beseelt sein werdet: O! Wenn nur auch in Ungarn solche segensreichen und fruchtbringenden Nieder- lüssungen christlicher Arbeitsamkeit existiren würden, o! wenn wir nur auch Trappisten hätten!'.

Jene acht Trappisten, die sich im Jahre 1869 in der Nähe von Banjaluka, in einer Wildniß am Vrbas- j Ufer niederlieben, sind sozusagen mit leeren Händen ge­kommen. Sie brachten kein anderes Kapital mit außer ihre Holzschuhe, den groben Habit von Filz, Ascese, Gebet und arbeitsgewohnre Hände.

Heute, da ich bnfe Zeilen schreibe, sind sie erst im 22 Jahre ihrer Niederlassung, und cs hat sich die Z ihl der Trapp sten auf 150 vermehrt, obwohl, wie schon erwähnt, 60 Mann nach Afrika gingen, um : ein neues Kloster zu gründen, und auch der Tod sich । jährlich feine Opfer aus ihrer Mitte holt.

Mit dem Kloster ist ein großes Waisenhaus ver-

Sinne des Nahrungsmittelgesetzes ist nicht anzusehen die Kellerbehandlung und Haltbarmachung des Weines durch Zusatz von Klärungsmitteln (Ei­weiß rc.), von Kochsalz, Tannin, Kohlensäure, schwef- licher Säure oder daraus entstandener Schwefelsäure. Der zugesetzte Alkohol darf nicht mehr als ein Raum- theil auf 100 Raumtheile Wein betragen. Ferner ist nicht als Verfälschung anzusehen der Ver­schnitt mit Wein, die Entsäuerung durch reinen gefällten kohlensauren Kalk, endlich der Zusatz von Zucker, wodurch indessen der Weingehalt an Extrakt­stoffen rc. nicht unter die bei ungezuckertem Wein des Weinbaugebietes, dessen Namen der Wein führt, in der Regel beobachteten Grenzen herabgesetzt werden darf. Als Weinfälschung wird angesehen ein Auf­guß von Zuckerwasser auf ganz oder theilweise ausge­preßte Trauben oder auf Weinhefe, ein Aufguß von Rosinen, Corinthen, Saccharin, von Säure oder säure­haltigen Körpern oder von Bouquetstoffen, von Gummi oder anderen Körpern, welche den Extraktgehalt erhöhen. Weine, die auf solche Weise hergestellt sind, dürfen nur unter einer sie von Wein unterscheidenden Bezeichnung, wie Tresterwein, Hefenwein, Rosinenwein, Kunstwein rc. feilgehalten oder verkauft werden. Bei der Her­stellung von Dessertweinen ausländischen Ursprungs gilt der Zusatz von Rosinen zu Most oder Weinen nicht als Verfälschung. Dagegen finden die eben mit- getheilten Vorschriften auf Schaumwein keine Anwen­dung. Als Verfälschung gilt indessen die Verwendung von Saccharin und ähnlichen Süßstoffen bki der Her­stellung von Schaumwein oder Obstwein. Zuwider­handlungen gegen das Gesetz oder der Verkauf von wiffentlich gefälschtem Wein, der annehmen läßt, daß der Wein einen verbotenen Zusatz nicht erhält, soll mit Gefänqniß bis zu sechs Monaten und mit Geldstrafe bis 1500 Mark bestraft werden.

* In der 24. Sitzung vom 2. März trat das Abgk- ordnktrnhans in die 2. Berathung des Polizeikosten­gesetzes. § 1 setzt für die Städte, welche Kgl. Polizei- Verwaltungen haben, den Kostenbeitrag fest. Dazu sind eingegangen ein Antrag von Jtzenplitz (kons), Krause (nl.) und Krail (Ctr.), die Herabsetzung der dortigen Normen verlangen mrd ein Antrag Kelch (nl.), welcher Pensionirung der Berliner Nachtwächter will, insofern dieselben 3 Jahre im Dienste sind. Die Abgg. Langer- Hanns und Eberty (dfr.) wenden sich entschieden gegen die Vorlage und bezeichnen vorzüglich die Höhe der für Berlin ausgeworfenen Kosten als zu hoch, während Abg. v. Eynern (nl.) unter Hinweis auf die reichlich fließenden Einnahmequellen die für Berlin festgesetzten Sätze angemessen findet. Minister Herrfurth bittet alle Anträge abzulehnen, da die Regierung in Bezug auf die Normen bis an die Grenzen der Möglichkeit ge­gangen sei und eine Herabsetzung derselben den Zweck der Vorlage in Frage stelle. Bezüglich des Antrags Kelch führt er aus, daß die Nachtwächter in Berlin, welche sich Anstellungsberechtigung erworben hätten, in den Polizeidienst übernommen werden würden. Abg. Krause (nl.) befürwortet seinen Antrag; v. Eynern's Ansichten über Berlin theile er nicht. Nachdem noch Abg. Meyer-Berlin (dfr.) in gewohnter humoristischer

bunden, in welchem arme oder elternlose Knaben aus Bosnien und der Herzegowina in körperliche und gei­stige Pflege ausgenommen werden; gegenwärtig sind über 130 Waisenkinder in demselben.

Die Trappisten haben Anfangs nichts gehabt, und nun besitzen sie eine große Anzahl von Pferden, die sie selbst züchten, einen schönen großen Kuhstall mit mehr als 100 der schönsten Milchkühe, mit einem Worte, eine so prächtige Viehzucht, daß sie der besten unseres Vaterlandes würdig zur Seite gestellt werden kann.

Man staunt mit Recht über so riesige Erfolge in kurzer Zeit und es drängt sich wohl jedem Besucher die Ueberzeugung auf, daß über diesen von heiligem Eifer beseelte Männer der Arbeit und des Gebetes ein mäch­tiger organisatorischer Geist walten müsse, in dem sich alle diese verschiedenen Zweige der Kunst und Industrie, Kultur und Wissenschaft zu einem harmonischen Ganzen vereinigen — von dem alle Ideen und Antriebe zu neuen Schöpfungen ausgehen — dessen rastlos wach­sames Auge die Thätigkeit jedes einzelnen seiner Kinder ruhig überschaut — und dazu zählen auch die vielen fremden hier beschäftigten Arbeiter, zu dem Alle mit vollem und freudig stolzem Vertrauen ausbl'cken, dessen natürlich liebendes Herz seine belebenden Strahlen über Alle gleichmäßig ergießt.