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19.Zobrzang

Freitag, den 26. Februar 1892.

W

auch in Zukunft in immer zahlreicherer Betheiligung sich äußern. Eine solche ist unbedingt nothwendig, wenn die Görres-Geseüschaft sich weiter entfalten und ihren hohen Aufgaben auf allen Gebieten des Wissens gerecht werden soll.*)

*) Anmeldungen zum Beitritt (Mitglieder entrichten 10 M, Tbeilnebmer 3 M. Jahresbeitrag) sind im Allgemeinen an den Generalsekretär Herrn Dr. Cardauns in Köln zu richten. Für Bayern nehmen Anmeldungen auch entgegen: Professor Dr. Göpfert in Würzburg, Regens Dr. Reuter m Bamberg, Lyzeal-Rektor Dr. Diendorf er in Passau, Prof. Tr. Schlecht in Eichstätt, Archivar Dr. Schröder in Augsburg, Stiftsvikar Dr. @Bner in Regensburg.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Februar.

♦ Mit der Niederreißung der Schloßfreiheit soll am 15. Juni begonnen werden, nachdem nunmehr definitiv entschieden ist, daß das DenkMkl Kaiser Wilhelm I. auf der Schloßfreiheit errichtet werden soll.

* Die Kommission des Abgeordnetenhauses nahm das Palizeikosten-Gesctz auch in der zweiten Lesung im Wesentlichen unverändert an.

* Dem Bundesrathe ist der im Reichsersen- bahnamte ausgearbeitete Entwurf eines neuen Betriebs­reglements für die Eisenbahnen Deutschlands zuge­gangen. Dasselbe ist auf der Grundlage des Berner Übereinkommens umgestaltet und möglichst gleichlautend mit den neuen Betriebsreglements Oesterreichs und Ungarns. Fremdwörter sind nach Möglichkeit durch gleichbedeutende deutsche Ausdrücke ersetzt worden.

* Im Reichstag gedenkt Präsident v. Levetzow der 25. Wiederkehr des Eröffnungstages des konstituirenden norddeutschen Reichstages. Er fei überzeugt, damit manche patriotische Erinnerung wachzurufen. Nur noch fünf Mitglieder gehörten dem Hause an, welche an der damaligen Eröffnungsfeier theilnahmen: v. Bennigsen, Graf Hompesch, Richter, Frhr. v. Stumm und Frhr. von Unruhe - Bomst. Unmittelbar darauf seien eingetreten: Bebel, v. Forckenbeck und Reichens­perger, so daß also insgesammt nur acht Abgeordnete aus der ersten Zeit heute noch Mitglieder des Hauses seien, so sehr hätten sich die Verhältnisse seitdem ver­ändert. Das H.us berieth dann den Antrag der Sozialisten auf Aufhebung aller landwirthschastlrchen Zölle. Der Abg. Bock begründete diesen Antrag, in­dem er nach sozialdemokratischer Art den herrschenden Nothstand schilderte, unter Anführung von Ungeheuer­lichkeiten und Unglaublichkeiten. Nachdem diese agi­tatorische Rede zum Fenster hinaus gehalten worden war, was ja wohl der einzige Grund war, aus welchem die Sozialdemokratie ihren bei der Debatte über die Handelsverträge genügsam erörterten und über­dies vollständig aussichtslosen Antrag noch zur Sprache bringen wollten, hätte man die Debatte füglich schließen können. Der Abg. Frhr. v. Manteuffel glaubte jedoch den Ausführungen des Abg. Dr. Bock entgegentreten zu sollen, woraus sich dann eine allgemeine Zolldebatte entwickelte. Der Antrag wurde gegen die Stimmen stens bei Thieren, die schon längere Zeit in Dressur sind — nicht gerade ein seltener, und fast jeder lang­jährige Thierbändiger weiß solche Fälle aus seiner Praxis zu berichten. Wehe aber demjenigen Verwegenen, der, ohne zu wissen, wie er mit jenen vermeintlich „ge­zähmten" Ungeheuern zu verfahren hat, mit ihnen an­zubandeln wagt oder sich auch nur, getäuscht durch die gelassene Ruhe und Gemächlichkeit, die er sie zur Schau tragen sieht, in aller Güte und Freundschaft ihnen zu nähern wagt! Ein furchtbares, blutiges Vorkommmß, von dem ich nahezu Augenzeuge war, sollte mit dies erst schrecklich illustriren. , .

Es war zur Zeit des Auftretens des Batty bei Renz in Berlin, als eines Vormittags in der Probe des Cirkus, der ich anwohnte, laute Hilferufe, SchreckenS- qefchrei und donnerndes Thiergebrüll von dem Kastg der Batch'schen Löwen her erscholl, der jenseits der Gardine im äußersten Hintergründe des Stallganges angebracht war. Alles eilte hin, auch ich. Wir, die wir am Eingänge gestanden, hatten den Halbkreis, um die Manege zu beschreiben, in dem schmalen Raum zwischen der Barriere und der ersten Parquetbank, in welchem man sich nicht so schnell vorwärts bewegen konnte, wie die aus den Seitengängen des Stalles, der Manege und dem Stallgang selbst Herbeistürzenden, so daß wir, wenn auch nur um einige Augenblicke ver­spätet, als die Letzten auf dem Platze anlangten. Ich

lexikon' heraus, ein, zumal nach seiner Vollendung, unentbehrliches Nachschlagewerk über alle Fragen der Rechts-, Staats- und Wirthschaflslehre, das bestimmt ist, katholische Prinzipien auf diesen hochwichtigen Ge­bieten allüberall zur Geltung zu bringen. Die philo­sophische Abtheilung veröffentlicht seit 4 Jahren em ,Philosophisches Jahrbuch', in dessen Spalten die Freunde katholischer Philosophie einen trefflichen Sammelpunkt besitzen. Zu erwähnen bleibt ferner noch das ältere .Historische Jahrbuchs das, seit 12 Jahren durch die historische Sektion unter der Redaktion von Professor Dr. Grauert, Dr. Pastor und Dr. Schnürer herausgegeben, sich Anerkennung selbst in den Kreisen nicht katholischer Forscher errungen hat und das heute eine der ersten Stellen in der histori­schen Zeitschriftenliteratur Deutschlands entnimmt.

Ein besonders großartiges und für die Zukunft fruchtbringendes Unternehmen ist das „Historische Institut der Görres-Gesellschaft in Rom", über dessen erfolgreiche Arbeiten im Jahre 1891 em eigener Abschnitt des Jahresberichtes Ausschluß gibt. An den Arbeiten desselben, die sich theils auf die Ge­schichte Deutschlands im Reformationszeitalter, theils auf ' die Geschichte der Päpste des späteren Mittel­alters beziehen, waren 1891 unter der Leitung von Professor Dr. Schlecht aus Eichstädt, die Herren Dr. Hayn und Dr. Meister, sowie für spezielle Gebiete Msgr. Kirsch und Dr. Sauerland be­schäftigt. Der erste Band der Publikationen des In­stituts ist im Druck vollendet.

Ueber diesen streng wissenschaftlichen Forschungen ist sodann eine andere Seite der Vereinsihätigkeit nicht zu vergessen: Die Vertheilung populär-wissenschaftlicher Vereinsschriften mannigfachen Inhalts an die Mitglieder. Drei Bändchen derselben gelangten 1891 zur Ausgabe. Das erste brachte geistreiche „Zehn Vorträge über Kunst" von PH. Veit, herausgegeben von L. Kaufmann. Das zweite behandelte einen für Süddeutschland und speziell für Bayern besonders interkssirenden Gegenstand: „Propst I. G. Seidenbusch und die Einführung der Kongregation des hl. Philipp Neri in Bayern und Oesterreich" von Dr. A. Ebner. Im 3. Hefte entwarf H. K eiter ein getreues kritisches Bild des Charakters und der Dichtungen H. Heine's.

Indem wir andere Punkte, wie die Unterstützung katholischer Forscher zu wichtigen Untersuchungen oder Reisen, Dotirung der Bibliothek des katholischen Campo santo in Rom :c. übergehen, heben wir schließlich noch eine sehr erfreuliche Thatfache aus dem Jahresberichte hervor, daß nämlich die Mitglied erzähl der Gesellschaft seit dem vorigen Jahre sich wiederum gemehrt hat und nunmehr den bisher höchsten Stand von zufammen 2636 Mitgliedern und Teilnehmern erreicht hat. Wir glauben in dieser Thatsache den Beweis hiefür sehen zu dürfen, daß das Wirken der Görres-Gesellschaft für die katholische Sache auf dem Gebiete der Wissenschaft in immer weiteren Kreisen erkannt und gewürdigt wird. Möge diese Würdigung schäft wegen desto deutlicher zu sein, noch etwas sausen- ber als der Dresseur es gethan, der heulende, brüllende Tiger unterwarf sich dem wohlbekannten, mit über­wältigender Kühnheit gehandhabten und auf ihn ein­fahrenden Zuchtmittel erfchreckt und in gewohnter Weise — und Uhlmann war Sieger! Er fungirte von diesem Vorgänge ab gegen hohe Gage allabendlich in den Vorstellungen als Tigerdresseur, bis ihm zu seinem Bedauern bald darauf Krankheit und Tod des präch­tigen Thieres den kühn eroberten Posten wieder raubte. Dann kehrte er ruhig wieder zu seinen Schreibstücken, Rechnungen und Cireusbauten zurück, — er war „Per- rnissionär" bei Renz, d. h. derjenige Geschäftsführer, welcher der Gesellschaft vorausreist, in den einzelnen Städten die Cirken in den Stand setzt oder neu er­richtet, die behördliche Erlaubniß einholt re.

Die Uhlmann'sche That, für einen Laien etwas Un­geheuerliches, war für einen Thierbändiger vom Fach, dem jenes unbedingte, siegesgewisse Selbstvertrauen ein altgewohntes, erfahrungsbestätigtes Requisit, gleichsam ein entscheidendes technisches Werkzeug war, und der sich vor jedem Jrritirtwerden darin durch Gewohnheit und Uebung gesichert wußte, nicht gerade etwas Außer­ordentliches gewesen. Der Fall, daß ein Thierbändig^c nach kurzer Bekanntschaft mit einem Thier, ja selbst schon am zweiten oder gar am erften Tage dieser „Be­kanntschaft" zu ihm in den Käfig geht, ist — wenig-

vmielMruyer Raihgeher für Landwirtyschafl, Gartenbau unh Hauswesen" in Fulda und auswärts 1 Mark oO ^enrnj.

* Die Görres-Geseüschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholische» Deutschland

versendet soeben ihren Jahresbericht pro 1891. S;ie die Generalversammlung, welche vom 5. bis 7.

ktober 1891 in Hildesheim abgehalten worden war, unter den Zusammenkünften dieser Gesellschaft einen Ehrenplatz beanspruchen darf, so zeichnet sich auch der im Anschluß an dieselbe erstattete, nunmehr vorliegende Jahresbericht durch Reichhaltigkeit und vielseitiges Interesse aus, und wenn eine Durchsicht des 60 Druck­seiten starken Heftes für jeden Freund wissenschaftlichen Lebens unter den deutschen Katholiken hocherfreulich und anregend ist, so mag es zumal für den, welchem es vergönnt war, an der Versammlung zu Hildesheim Antheil zu nehmen, kaum etwas Angenehmeres geben, als an der Hand dieses Berichtes sich jene Tage noch­mals ins Gedächtniß zurückzurufen, die so reich waren an wissenschaftlicher Belehrung durch Vorträge und Diskussion, so reich an Kunstgenüssen bei den Wande­rungen durch Alt-Hildesheims unvergleichliche Denk­mäler, so reich an Anregung und Ermunterung durch den herzlichen, persönlichen Verkehr mit so vielen her­vorragenden und begeisterten Vertretern und Freunden katholischer Wissenschaft ans allen Gauen Deutschlands.

Allgemeineren Werth noch erhält der Bericht durch die theils wörtliche, theils auszugsweise Wiedergabe der mannigfaltigen in Hildesheim gehaltenen Vorträge. An der Spitze des Heftes steht die herrliche Gedächtniß- rebe auf Domdekan Dr. I. B. Heinrich von Mainz, welche der Präsident der Görres-Gesellschaft, Profesfor Dr. Frhr. von Hertling, dem verewigten Mit­begründer der Gesellschaft widmete. Daran reihen sich die herzlichen Begrüßungsworte, welche der hochw. Herr Bischof Dr. Sommer wer ck von Hildesheim an die Versammlung richtete: eine geistvolle, packende Parallele zwischen Görres und Windthorst; sowie ein pietätvoller Nekrolog auf Prälat Joh. Janssen aus der Feder von Professor Dr. Pastor. Nicht minder interessant sind die Vorträge von Oberlehrer Beelte über die kirchlichen Kunstdenkmale und von Pastor ® tuen über die Holzarchitektur Hildesheims,desgleichen die überraschenden Mittheilungen von Gymnasiallehrer Dr. P laß mann über seine neuesten Entdeckungen be­züglich der veränderlichen Sterne.

Jndeß nicht blos ein Bericht über die Generalver­sammlung, sondern über die gesammte Thätigkeit der Görres-Gesellschaft im Jahre 1891 wird in dem vor­liegenden Hefte geboten, — eine Thätigkeit, so um­fassend und vielseitig, daß wir uns hier auf Andeu­tungen beschränken müssen. Wie bekannt, zerfällt die Görres-Gesellschaft z. Z. in drei Hauptsektionen, eine staatsrechtliche, philosophische und historische. Die Grün­dung einer vierten, naturwissenschaftlichen, wurde in Hildesheim angeregt und wird auf der diesjährigen Generalverfammlung in Breslau zur Ausführung ge­langen.

Die staatsrechtliche Sektion gibt das .Staats-

Die Dressur wilder Were.

(Schluß.)

Von der zutreffenden Richtigkeit des hier Darge­legten gab einst ein Geschäftsführer des Cirkus Renz einen kühnen und glänzenden Beweis. Der Dresfeur eines Tigers, der in den Vorstellungen des Cirkus ge­zeigt wurde, war an einem Schlagflusfe plötzlich ver­storben. Die Glanznummer des Programms war da­durch unmöglich gemacht, das werthvolle Thier für den Cirkus unbrauchbar geworden, da ein Mann fehlte, um die Produktion mit ihm auszuführen. Da erbot sich der Geschäftsführer des Cirkus, Uhlmann, zu der gefährlichen Funktion. Uhlmann war kein Thierbändiger von Fach, nicht einmal ein „Mann von der Cirkuskunst", sondern ein schlichter Xylogroph. Später hatte ihn irgendwelcher Zufall als Geschäftsführer zu Renz gewirbelt, hier hatte er längere Zeit hindurch die Vorführung des Tigers mit angesehen, hatte mit richtigem Blick erkannt, worauf es ankam, — daß Peitsche und unüberwindlicher sieges­gewisser Muth die Talismane seien, vor deren Zauber­kraft sich der Tiger beuge — hatte sich auch wohl zuvor schon dem Thier ein wenig genähert, und er entschloß sich jetzt kurz, das Wagestück zu unternehmen. Der Versuch wurde in der Probe vorsichtig gemacht, unb — er gelang! Uhlmann handhabte die Peitsche ebenso furchtlos und, um der noch so neuen Bekannt­