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Donnerstag, den 25. Februar 1892.
19. Jahrgang
'S Taein «bgg, Dr. Hammacher veznren ourcy oen v ,.v s Sckmidt-^rankfurt (So;/), Frhr D. Sagern
* Die B-ttsschulkommisfion des Abgeordnetenhauses nahm gestern den § 15 mit 16 Stimmen in folgender Fassung an: „Wo die Zahl der Schulkinder einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft in einer Schule anderer Konfession über 30 steigt, kann vorbehaltlich der Bestimmung des § 11 der Regierungspräsident die Errichtung einer besonderen Volksschule für dieselben anordnen, wenn Seitens der zuständigen Organe der betreffenden Religionsgesellschaft ein bezüglicher Antrag gestellt wird. Für diese Anordnung bedarf es der Zustimmung der Gemeinde (Gntsbezirke, Schulverband); die versagte Zustimmung kann bei ländlichen Schulbezirken durch den Kreisausschuß, bei städtischen Schul-
Darauf fand § 11 in folgender Fassung Annahme: Wo drei- und mehrklassige Volksschulen vorhanden sind, sollen in der Regel Kinder nicht gegen den Willen der Eltern oder deren Stellvertreter einer einklassigen Volksschule zugewiesen werden. — Heute stand der § 16 zur Verhandlung, welcher lautet: „Der Religionsunterricht wird nach der Lehre derjenigen Religionsgesellschaft ertheilt, welcher die Schüler angehören, die ihn empfangen." Ein dazu vom Abg. Dr. v. Jadzewski (Pole) gestellter Antrag, welcher den Satz anfügen will: „und unter Mitanwendung ihrer Muttersprache, so lange dieselbe regelmäßig bei dem öffentlichen Gottesdienste für die Gemeinde gebraucht wird," wurde gegen 7 Stimmen abgelehnt. .
* Die Budgetkommission des Reichstages berieth gestern den Etat des Auswärtigen, wobei die Ausweisung des Berichterstatters des ,Berl. Tageblatts Eugen Wolff, aus den afrikanischen Kolonien zur Sprache gebracht und von Vertretern aller Parteien mehr oder minder scharf verurtheilt wurde. Der Chef des Kolonialamts Geh. Rath Kayser erklärte, Wolff sei auf Verfügung des Reichskanzlers ausgewiesen worden, nachdem seine Berichterstattung nach der verunglückten Expedition
(nat.-lib.), Schmidt-Frankfurt (Soz.), Frhr v. Sagern (Sentr.) und Dr. Giese (kons.). Morgen: Anträge aus dem House.
* Dem Reichstage sind Gesetzesvorlagen über den Verrath militärischer Geheimnisse und über den Belagerungszustand in Elsaß-Lothringen int Falle der Kriegsgefahr zugegangen.
* Der Siebener-Ausschuß zur Wetterberatbung der bekannten in der Dezemberkonferenz gestellten Unterricht sreformfrage sollte eigentlich im Februar d. I. zur Begutachtung des noch ausstehenden Thetls feines Pensums zusammentreten. Es gilt für wahrscheinlich, daß der Zusammentritt gegen Ausgang des März erfolgen werde. Den Gegenstand der enbgtltigen Berathuug des gedachten Ausschusses werden die Entwürfe für die Lehramtsprüfungen und für die Schulhygiene bilden, dieselben sind jetzt im Unterrichtsministerium fertig gestelll worden und bedürfen nur noch des Placets des Kultusministers.
* Im kaiserlichen statistischen Amte tagt jetzt eine Kommission von 60 Sachverständigen aus allen Thnlen des Reiches, welche die Werthe der im Jahre 1891 ein- und ausgeführten Waaren festzustellen hat.
habt, auch den ungestörtesten, friedlichen Verkehr zu beobachten, in welchem Batty mit seinen Thieren sich ergehen konnte. Ich habe ihn Vormittags in der Probe an den Käfig gehen sehen, Hand und Arm durch das Gitter streckend und seine Löwen liebkosend und krauend, die sich gemüthlich herandrängten, um sich von ihm tätscheln zu lassen; ich habe ihn das Gesicht gegen das Gitter drücken und seinen Löwen scherzend Rauchwolken einer Cigarre in das Gesicht blasen sehen, vor denen sie pustend und spielend zurücksprangen wie muntere Stubenhündchen, um gleich darauf an's Gitter zu kommen und von Batty's auf'S Neue an das Sitter gedrücktem Gesicht gestreichelt zw werden; ja, ich habe Batty außer der Arbeitszeit zu seinen Löwen, die dabei gemächlich auf ihren Plätzen liegen blieben oder friedlich um ihn her promenirten, in den Käfig gehen und gemüthlich unter ihnen weilen und sich unter ihnen umherbewegen sehen wie unter den harmlosesten Haus- thieren! .
Wie schon oben bemerkt, fabelt man von Batty, daß er seine Macht über die Löwen der Einwirkung irgend einer asiatischen Pflanze verdankt habe. Er sollte den Saft dieses WnuSerkindeS der asiatischen Flora den Thieren einflößen und mit demselben zugleich seinen eigenen Körper bestreichen, um die betreffende Wirkung hervorzubringm. Englische Zeitungen meldeten die»
* Vie Encyclim des hl. Vaters an die Franzosen
erregt in Frankreich unbeschreibliches Aufsehen. Wir haben die Tendenz der Eneyeliea bereits mitgetheilt. Der Papst erließ an die Erzbischöfe, Bischöfe, den sonstigen Klerus, sowie an alle Katholiken Frankreichs eine Eneyclica, in welcher er dem Schmerze über die Verschwörung gewisser Männer zur Vernichtung des Christenthums in Frankreich Ausdruck gibt, die Mahnung an alle Katholiken richtet, für die Beruhigung des Vaterlandes einzutreten und die Pflicht Aller betont, die gegebene Regierung anzuerkennen unb nichts zu ihrem Sturze zu unternehmen. Mit Rücksicht auf den von mancher Seite gemachten Hinweis, daß die Katholiken die Republik wegen ihrer antichristlichen Gesinnungen mit gutem Gewissen nicht annehmen können, bemerkt die Eneyeliea, man müsse zwischen der konstituirten und der gesetzgebenden Gewalt unterscheiden; deshalb mögen alle Guten sich vereinigen, um mit verfassungsmäßigen Mitteln die Mißbräuche der Legislative zu bekämpfen. Schließlich spricht sich die Eneyeliea gegen die Trennung des Staates von der Kirche und für die Konkordatspolitik aus.
Papst Leo verkündigt hier eine Politik, die uns durchaus sympathisch ist und zweifellos das Richtige für Frankreich trifft. Weder die Napoleoniden noch die Orleanisten sind fähig und — würdig, die Monarchie in Frankreich wieder aufzurichten. Also entschließe man sich, die Republik als gegebene Staatsform anzuerkennen und sie von der jetzigen Freimaurerwirthschaft zu säu- bern Aber unter den Konservativen Frankreichs hat bis jetzt eine solche Politik keinen Boden finden können. Die Geistlichkeit wird natürlich der Eneyeliea Folge leisten, aber kaum der Adel. Ohne den AUl ist jedoch eine konservative Politik in Frankreich undurchführbar, er ist dort der einzige Körper, welcher durch seine gewaltigen materiellen Mittel der Börse und der Freimaurerei gewachsen ist. Unter allen Umständen wird die Eneyeliea zur Folge haben, daß die französischen Katholiken endlich einmal mit aller Energie den Kultur- kämpfern entgegentreten.
Wie erzählt wird, ist Minister des Aeußern R i b o t auf das Eintreffen der päpstlichen Eneyeliea durch eine Mittheilung des Botschafters beim Vatikan, Lefebvre de Behaine, vorbereitet worden. Man erwartete sie mit einiger Ungeduld, und sie sollte vor Donnerstag publizirt werden, wodurch die Stellung der Regierung wesentlich günstiger gewesen wäre, weil ihre Ansicht und milde Praxis gegenüber der Kirche nach einer so klaren, offenen Anerkennung der Republik begreiflicher erschienen wären. Run traf aber die Eneyeliea verspätet ein.
Die royalistische .Gazette de France' schreibt: Es habe sich nichts geänbert; immer stehen noch bte Kirche mit ihren ewigen Wahrheiten unb bie Revolution mit ihrer unverbesserlichen Freimaurerei einanber gegenüber. Der Papst sage, er hoffe, bie Regierungsmänner werden seine wohlgemeinten Worte würdigen.
Zelewskis exeentrisch geworden und er gegen den Gouverneur gehetzt habe. — Eine Debatte veranlaßte ferner die Forderung von 500,000 Mark zu geheimen Ausgaben. Richter erklärte, sich darüber erst entscheiden zu können, wenn die Vorlage über den Welfenfonds dem preußischen Landtage zugegangen sein werde. Staatssekretär v. Marschall koustatirte, daß zu Zwecken der inneren Politik, seit er im Amte, niemals Gelder aus dem Geheimfonds verwendet worden seien, auch für Wolffs Telegraphenbureau und für Zeitungen würben Gelder daraus nicht gegeben. In Frankreich sei übrigens auf Anregung eines radikalen Deputirten der geheime Fonds von 700,000 auf 1 Million Frcs. erhöht worden. Die 500,000 Mark wurden schließlich mit 16 gegen 6 Stimmen bewilligt. Dagegen stimmten Sozialdemokraten und Freisinnige.
* Der Reichstag trat heute in die 2. Berathuug des Telegraphen-Gesttzes ein unb nahm nach ben Anträgen der Kommission bie §§ 1 und 2 in solgenber Fassung an: „§ 1. Das Recht, Telegraphen-Anlagen für den allgemeinen Vermittelungs-Verkehr zu errichten und zu betreiben, steht ausschließlich dem Reiche zu. Unter Telegraphen-Anlagen sind die Fernsprech-Anlagen mit einbegriffen. § 2. Die Ausübung des in § 1 bezeichneten Rechtes kann für einzelne Strecken ober Bezirke an Privat-Unternehmer und auch an Gemeinden für den Verkehr innerhalb des Gemeinde-Bezirks verliehen werden, wenn die nachsuchende Semeinbe bie genügenbe Sicherheit für einen orbnungswäßigen Betrieb bietet unb bas Reich eine solche Anlage weder errichtet hat, noch sich zur Errichtung und zum Betriebe einer solchen bereit erklärt." Abgg. Schrader, Dr. v. Bar und Dr. Siemens (bfr.) wollten dem Reiche nur das Monopol zum Betriebe elektrischer Leitungen zur Uebermitthing von Erklärungen und Gesprächen gegen Bezahlung einräumen. Für das Monopol in dem ge-
allen Ernstes, und es wurde zur Zeit seines Auftretens allgemein geglaubt; ich erinnere mich, ganz wissenschaftlich gehaltene „Essays" von Botanikern darüber gelesen zu haben, welche Pflanze die betnffenbe sein könne, wie ihre Wirkung auf die Thiers unb auf Batty zu erklären sein dürfte re. Aehnliche Sagenkreise wurden schon früher auch um andere berühmte Tierbändiger gewoben. Es ist Thorheit, an solche Märchen zu glauben. Mein guter alter Freund Batty hat diese Fabel, die er der Welt gegenüber mit mysteriösem Lächeln und mysteriösem Schweigen passiven liefe, mir gegenüber nie aufrecht zu erhalten gesucht, sondern lachend von sich gewiesen, und wenn ich auch nicht in der Lage bin, verehrter Leser, Dir das eigentliche System seiner Dressur zu enthüllen, da er dies für sich behielt, und weil bei feinen Exerzitien mit den Thieren außer fei mm Löwen- Wärter Cooper niemals Jemand zugegen fein buriie, ;o muß ich doch leider als Grundgeheimniß der Bändigung und Dresiur reißender Thiere ein weit p osaycheres an- füliren als in jenem romantischen boianischen Märchen gegeben war. Die drei Zauberworie, auf Innen alle aghmung und Dressur reißender Thiere beruht, heißen Peitsche, Gew öhnung und Muth! E-m Peitsche freilich, die hier lediglich Züchtigungsinitt.l im tminen» testen Sinne ist und, mit Draht durchflochten, wie ein biegsamer Eisenstab in Gestalt einer Putsche wirki; ein
Die Dressur wilder Hhiere.
(Fortsetzung.)
Batty's Herrschaft über die Thiere war eine absolute — sowohl wenn er „wie ein Wetterstrahl" unter sie fuhr, wie wenn er in „gemächlichem" Beisammensein friedlich mit ihnen verkehrte. Ein toller Landsmann von ihm, ein wettsüchtiger reicher Engländer, ging in Berlin eine Wette um 300 Pfd. Sterling (6000 Mark) mit ihm ein, laut welcher Batty seinem größten männlichen Löwen, „Prinee", bei der Fütterung seine Fleisch - Portion, nachdem das Thier dieselbe gepackt habe, wieder entveißen solle, unb Batty hat, io ungeheuerlich es klingt, die Wette gewonnen! Man hatte dieselbe, da man eine Intervention von Seiten ber Polizei fürchtete, so gehalten, baß Niemand außer den unmittelbar Betheiligten vorher etwas erfuhr; nach Austrag der Sache drang sie jedoch in die Oeffsntlich- keit, erregte ungeheueres Aufsehen und steigerte m hohem Maße den Ruhm Battys, wie sie einen Sturm des Unwillens gegen den wettsüchtigen Engländer hervor- rief, welcher bann, dem Druck ber öffentlichen Meinung weichenb, es vorzog, Berlin eiligst zu verlassen. Gab • jener Fall einen neuen außerordentlichen Beweis von der Macht Batty's über die Thiere in der Durchsetzung seines Willens, so habe ich andererseirs Gelegenheit ge-
Nun, es gebe jetzt Niemanden, der regiert; man wisse noch nicht, welcher Freimaurer berufen werben wird. Der ,Te mps' lobt außerordentlich den Geist, in welchem die Eneyeliea gehalten sei. Es sei fürder kein Zweifel mehr möglich. Der Papst mache es allen Katholiken zur Pflicht, die Republik anzuerkennen. Man dürfe nichts unrernehmen, um sie zu stürzen oder deren Form abzuändern. Es sei merkwürdig, daß der Papst mit solcher Offenheit bie Verfassung ber sranzösischen Republik anerkennt und sich sogar zu liberalen Maximen bekennt, die er auch unseren Katholiken einflößen möchte. ,Le Jour' erklärt die Eneyeliea für eines der größten politischen Ereignisse unserer Zeit. Die .ßiberte' glaubt nicht, daß bie Eneyeliea bie Absichten ber französischen Katholiken ernstlich beeinflussen werde; wohl- tbätig werde sie aber auf den Klerus wirken. Die Radikalen bleiben dagegen dabei, daß Rom mit äußerstem Mißtrauen zu behandeln unb bie antiklerikale Politik nun erst recht zu verschärfen sei.
Deutsches Leich.
Berlin, 23. Februar.