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JM 42

SoilNlag, ben 21. Feoruar 1692.

19. Jahrgang

Erscheint täglich, Sonn- und Farlage ausgenommen. - Inserate kosten die einspattige Zeile oder deren Raum 15 Pf bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. -

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Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen m^Fulda^und^auswarts^Mark^bO^Psenmg^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^

Dopst £eo XIII.

an die Kath. Arbeitervereine Deutschlands.

Auf die unseren Lesern bekannte Adresse, welche Herr Kardinal Melchers im Auftrage der katholischen Arbeitervereine Deutschlands dem hl. Vater am Neu­jahrstage überreichte, ließ Se. Heiligkeit den katholischen Arbeitervereinen durch genannten Herrn Kardinal folgen­des Antwortschreiben übermitteln:

„Leo XIII. Papst. Geliebter Sohn! Gruß und apostolischen Segen! Voll von Kundgebungen kind­licher Liebe fanden Wir das von dir überreichte Schreiben der katholischen Arbeiter aus ganz Deutsch­land, welche in gegenseitiger Liebe und zur Verthei- digung ihrer gemeinsamen Interessen zu ehrbaren Ge- uossenschaften vereinigt sind. Die Gesinnungen, welche in diesem Briefe ausgedrückt sind, entsprachen wunder­bar der Hoffnung, von welcher Wir bei Abfassung der Encyklika über die Lage der Arbeiter geleitet wurden. Für die väterliche Sorgfalt, mit der Wir Uns ihrer Sache angenommen, entbieten die Arbeiter Uns mit liebevollem Herzen warmen Dank; die Trostsprüche, welche Wir ihnen spendeten, haben hohe Freude in ihren Gemüthern wachgerufen; den Vorfchriften und Mahnungen, die Wir ihnen zum Frommen des allge­meinen Wohles ertheilten, bringen sie folgsamen Willen entgegen. Das aber hat Uns mit noch größerer Freude erfüllt, daß diese geliebten Söhne feierlich erklären, es liege ihnen nichts mehr am Herzen, als fest und treu zu stehen zu dem Glauben ihrer Väter, und diesen Glauben nicht nur in Worten, sondern auch in Werken zu bekennen, und daß nur sehr Wenige von den katho­lischen Arbeitern Deutschlands sich abgewandt von ihrem ererbten Glauben und ihren religiösen Pflichten. Diese Glaubenstreue der Arbeiter erweckt in Uns die berechtigte Hoffnung, daß auch die andere Klasse der Gesellschaft, deren Rechte und Pfl chten Wir in Un- serm Hirtenschreiben vorgezeichnet haben, ihrerseits den Arbeitern das gewähren wird, was Wir als uoth- wendig dargethan haben, um die Eintracht unter den beiden Klassen herbeizuführen. Um so freundlicher winkt Uns jene Hoffnung entgegen, als Wir aus dem zugesandten Schreiben ersehen, daß das Sinnen und Trachten des erhabenen Fürsten, der das Deusche Reich regiert, ständig auf Herstellung des fozialen Friedens gerichtet ist, und daß die vor Kurzem gegebenen Gesetze darauf abzielen, das Heil und Wohlergehen der Ar­beiter zu fördern. Aus allen diefen Gründen hat Uns die Kundgebung der Gesinnungen der Arbeiter nicht nur große Freude bereitet, sondern sie bietet Uns eine wahrhaft große (erhebende, angenehme) Genugthuung, da es scheint, daß in dem großen Deutschen Reiche von günstigem Erfolge gekrönt werden jene sorgen­vollen Bemühungen, die Wir aufgeboten haben, damit das LooS Derjenigen gebefsert werde, die sich von dem Lohne ihrer Arbeit ernähren. Sehr angenehm wird es Uns sein, wenn du, geliebter Sohn, durch den Uns die Kundgebungen Unserer lieben Kinder überkommen sind, denselben zur Kenntniß bringst diese unsere Ge­fühle des Wohlwollens und der Genugthung, sowie die Hoffnung, die Wir hegen, daß sie ihren heiligen Glauben stets durch einen christlichen Lebenswandel bekunden werden. Inzwischen flehen Wir zu Gott, daß Er ihnen Stütze und Hilfe sei in ihrem mühe­vollen Leben und sie überhäufe mit den Reichthümern Seiner Güte, und ertheilen, als Zeichen Unserer väter­lichen Zuneigung, dir, geliebter Sohn, und allen Mit­gliedern der katholischen Arbeiter-Vereine Deutschlands in aller Liebe den Apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei St. Peter am 26. Januar 1892. im 14. Jahre unseres Pontifikates. Leo P. P. XIII."

Deutsches Keich.

Berlin, 19. Februar.

* Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Ministers des Innern, Herrfnrth, wird in parla­mentarischen Kreisen sür unbegründet erklärt.

* Zum Schulgesetz bemerkt der englische .Standard': „Es steht fest, daß Wilhelm II., einerlei, ob in seiner Eigenschaft als deutscher Kaiser oder König von Preußen, den ernsten Wunsch hegt, eine christliche und moralische Nation als Volk zu besitzen. Ob die Methoden, die er zu diesem Endzweck anwendet, sich als weise und richtig bewähren werden, muß die Zeit lehren. Unglück­licherweise stehen viele seiner Unterthanen dem von ihm verfochtenen Prinzip nicht allein feindlich gegen­

über, fondern erblicken darin zudem den Versuch, den deutschen Geist der klerikalen Autorität unterzuordnen. Wir glauben nicht, daß sie in dieser Hinsicht Befürch­tungen zu hegen brauchen. So weit wir urtheilen können, erblicken wir in den Paragraphen der Unter­richtsvorlage keine Spur von Intoleranz und noch viel weniger von Verfolgung. Die Vorlage ist einfach eine praktische Ausführung des Prinzips, daß Kinder so gut wie weltlichen auch religiösen Unterricht empfangen müsfen."

* Die Kommission für das Bolksschnlgesetz lehnte gestern mit allen gegen die Stimmen der Freisinnigen und Nationalliberalen den Antrag Grimm ab, der die in Nassau bestehenden Bestimmungen über die Si­multanschulen und das in Wiesbaden bestehende Si­multanschulsystem auftecht erhalten wollte. Gegen den Antrag hatte auch der Kultusminister sich erklärt. Sodann wurde der Antrag des Centrums ange­nommen, wonach die Aufhebung einer Volksschule so­wie jede Umwandlung ihrer konfessionellen Verfassung der Genehmigung des Ministers bedarf. Bei § 15 entspann sich darüber, für wie viel Kinder eine be- fondere konfessionelle Schule errichtet werden solle, eine sehr lange Debatte, mit vielen Anträgen, die Montag fortgesetzt wird.

* Die Budgetkommisfion des Reichstags setzte gestern die Berathung des Marineetats fort und strich 636515 Mk. als Kosten der vermehrten Jn-Dienst-Haltungen. Auch bei den Besoldungen des Werftbetriebes wurden 77300 Mark gestrichen. — Die Kommission erledigte heute das Ordinarium des Marineetats. Bei der Be­rathung der einmaligen Ausgaben machte Staats- Sekretär Hollmann Mittheilungen über die neue Kon­struktion der Schiffspanzer und über die Bedeutung der Kreuzerkorvetten und des Kreuzerkrieges. Abg. Richter verlangte Vorlegung eines bestimmten Flotten- plancs. Abg. v. KoscielSki befürchtete^ daß neue Ver­besserungen in den Panzerplatten nur zur Erfindung neuer Geschosse führen würden. Abg. Fritzen erklärte, daß man den Schiffsbau nicht stocken lassen könne, daß aber möglichst langsam und vorsichtig vorgegangen werden müsse. — Weiterberathung morgen.

* Der Reichstag nahm heute die 1. Berathung des vom Staatssekretär des Reichsjustizamts Bosse vorge­legten Gesetzentwurfs betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht vor. Abgg. Oechelhäuser (ntl.), Hültzsch (kons.), v. Helldorf (kons.) und Schenck (dfr.) sprachen sich sehr anerkennend über die Vorlage aus, während Abg. Spahn (Ctr.) mehrere Bestimmungen desselben als abänderungsbedürstig erklärte. Der Ent­wurf wurde darauf einer 14er Kommission zur Vor- berathung überwiesen. Dann wurde die Berathung deS Militäretats zu Ende geführt. Abg. Richter (dfr.) er­klärte, daß die freisinnige Partei nur deshalb daraus verzichte, weitere Abstriche zu beantragen, weil dies ja doch aussichtslos sein würde. Die starke Inanspruch­nahme des Kredits für militärische und Marinezwecke sei indeß in volkswirthschaftlicher Hinsicht bedenklich. Darauf wurden die einmaligen Ausgaben des Ordi- nariums und Ext.raordinariums mit den von der Kom­mission beantragten Abstrichen genehmigt. Unter den bewilligten Forderungen befinden sich auch die sehr bedeutenden für artilleristische Zwecke und zur Be­schaffung von Handwaffen und Handmunition. Nächste Sitzung: Dienstag. Zweite Berathung des Telegraphen­gesetzes ; Wahlprüfungen.

* In der 18. Plenarsitzung vom 19. Febr. setzte das Abgeordnetenhaus die 2. Berathung des Eisen­bahn-Etats fort. Beim Kapitel „Einnahmen" kommt der Antrag Broemel (dfr.) auf Tarifresorm zu Be­rathung. Abg. Broemel (dfr.) begründet seinen An­trag, indem er die Einstellung einer Einnahmeerhöhung von 5°/0 in den Etat tadelt, die willkürlich und nur zur Balancirung des Etats erfunden sei. Redner spricht für Herabsetzung der Tarife im Allgemeinen und der Personentarife im Besonderen. Wenn das Haus den Minister nicht zwingen könne die Tarife herabzusetzen, so sei daraus nicht zu folgern, daß es darüber nicht sprechen dürfe. Redner weißt auf die Widersprüche hin, deren man sich bediene um die Ver­zögerung der Tarifresorm zu bemänteln und verwirft namentlich das Maybach'sche Reformprojekt. Die reichen wohlhabenden Leute suche man zu verbilligen, die Preise für die Arbeiter wolle man aber nicht herabsetzen. Min. Thielen betont, daß die Einstellung der Erhöhung der Einnahmen um 5°/0 mit Bewilligung des Finanzministers geschehen und vollständig gerecht­

fertigt sei. Maybach's Projekt sei 'nur ein Fühler gewesen, werde weiter ausgearbeitet und demnächst dem Landeseisenbahnrath vorgelegt werden. Broemels Zahlenangaben seien falsch. Redner gibt ein Verzeich- niß der preuß. Tarife mit denen von 4 anderen Staaten und kommt zu dem Resultat, daß der preuß. immer noch der niedrigste sei. Er wendet sich gegen das viele Reisen und weist darauf hin, daß die Tarifermäßigung einen Ausfall von 51 Millionen bringen werde, der durch Steuern ersetzt werden muß. Schließlich legt er die Gründe der jetzigen Mehrbenutzung der 4. Klasse dar. Finanzmin. Miquel verwahrt sich gegen die Unterstellung als sei die Einstellung höherer Einnahmen gegen bessere Ueberzeugung geschehen und wendet sich gegen die Angriffe auf die Staatsbahnen, die Verstaatlichung der Bahnen als eine Ruhmesthat der preußischen Re­gierung bezeichnend. Die Regierung werde nie zu einer Reform drängen, die 51 Millionen Ausfall bringe. Die Verbesserung des Eisenbahngarantiegesetzes stellt er in Aussicht, wenn man mit den Verstaatlichungen zur Ruhe gekommen sein werde. Abg. von Oppeln (kons.) dankt für die Ablehnung der Tarif.niedrigung, die die Landwirthschaft des Ostens vor Arbeitermangel bewahre. Abg. Brömel (dfr.) vertbeidigt sich gegen die Angriffe der beiden Minister und räth dm Land- wirthen im Osten, ihre Leute besser zu bezahlen, dann würden sie bleiben. Abg. v. Puttkamer-Plauth (kons.) will eine Verbilligung der Fahrpreise, aber nicht auf Kosten der Staatsfinanzen und spricht Brömel das Verständniß für die Verhältnisse im Osten ab. Abg. Dr. Ham mach er (ntl.) hält seine Auslassungen über den Mißbrauch des Eisenbahn-Garantie-Gesetzes auf­recht und betont, daß er früher und auch jetzt noch für Verstaatlichungsei. Abg. Gulich (freik.) ist gegen Tarifermäßigung, da dadurch die Steuern erhöht werden müßten, schildert die Arbeiterverhältmsse im Osten und macht Vorschläge, das AuSwarwern derselben nach den Jndustriebezirken zu erschweren. Ein Antrag Hammacher auf Ueberweisung des Antrags Brömel an die Budget­kommission wird wie dieser selbst abgelehnt. Nächste Sitzung: Morgen. Fortsetzung. Schluß 33/< Uhr.

* Der dem Bundesrathe jetzt zugegangene Gesetz­entwurf über das Auswanderungswrse» regelt die ganze Materie einheitlich. Die Auswanderungsfreiheit wird zwar nicht beschränkt, der Entwurf enthält aber Vor­kehrungen, daß die Auswanderer vorher ihre öffent­lichen und rechtlichen Verpflichtungen erfüllen müssen, und scharfe Bestimmungen gegen die Verlockungen zur Auswanderung. Etwas schwerer als jetzt wird aber das Auswandern doch gemacht. Der Geschäftsbetrieb der Auswanderungsunternehmer und die Beförderung der Auswanderung wird unter genaue Kontrolle gestellr.

* Ueber Verhandlungen mit dem Herzog von Cum­berland berichteten neulich verschiedene Blätter. Ein hannoverscher Provinzialbeamter sollte zur Anknüpfung solcher Verhandlungen nach Gmunden entsandt worden sein. Man hatte daran die Vermuthung geknüpft, daß es sich bei dieser Sendung um den wegen des Wrlfrn- fouds zu erzielenden Ausgleich handele. Hierzu wird nun liberalen Blättern noch geschrieben: „Diese An­nahme dürfte sich bestätigen: darüber hinaus aber sollen die Verhandlungen, nach einem mit größter Be­stimmtheit auftretenden Gerücht, einen weiteren Um­fang nehmen. Möglicher Weise würde es erneut dem Herzog von Cumberland nahe gelegt werden, die Thron­folge im Herzogthum Braunschweig anzutreten, selbst­verständlich gegen die von ihm bisher vergeblich ge­forderte formelle Berzichtleistung auf Hannover. Jeden­falls ist dies Gerücht Gegenstand lebhafter Erörterungen in den zunächst betheiligten Kreisen." In wie weit diese Gerüchte eine reelle Grundlage haben, bleibt ab­zuwarten. » m

* Was ist der Sozialismus? Der Pariser,Figaro, hat für seinen monatlich erscheinenden Courier (geistreiches Frage- und Antwortspiel) einen Preis von 100 FrcS. ausgeschrieben für die beste Definition des Begriffes: Sozialismus. Es liefen 600 Antworten ein. Wir heben folgende heraus: „Der Kutscher des gnädigen Herrn, der ihm ohne Schwierigkeiten seinen Sitz auf dem Bock überlassen würde, um dessen Platz in dem gepolsterten Coups einzunehmen." „Ein Kukuk, welcher die Eier im Nest der andern zerbricht, um die seiuigen dahin zu legen." „Der Sozialismus ist das Recht, nicht vor Hunger sterben, das die Unglücklichen in einem Lande haben, wo so viel Leute an Verdauungsbeschwerden zu Grunde gehen." „Der Sozialismus ist der Egoismus