heraus, worauf der Präsident die nächste Sitzung auf eine Stunde später anfetzte. In derselben wurde die Berathung des Militäretats bei den zum Kapitel „Militär-Justizverwaltung" beantragten Resolutionen, betr. Abänderung der Militärstrafprozeßordnung und Verhütung von Soldatenmißhandlungen fortgesetzt. Abg. v. Kardoiff (Rp.) wies die sozialdemokratische Frukti- fizirung des Erlasses des Prinzen Georg von Sachsen zurück. Dieselben sollten sich um die Mißhandlung nicht streikender Arbeiter bei Ausständen kümmern. In der Entrüstung über vorgekommene Mißhandlungen seien alle Parteien einig, aber die Anträge Buhl-Richter seien für ihn unannehmbar, ebenso der Antrag von Gagern. Redner wandte sich schließlich gegen die Unterstellung, als ob in der deutschen Armee ein Duellunwesen herrsche. Abg. v. Marquardsen (ntl.) trat für den Antrag Buhl ein, ohne indcß Werth auf die darin aufgenommene Beschwerdepflicht zu legen. Abg. von Koscielski (Pole) erklärte sich für den Kommissionsantrag, da die Resolution Buhl-R-chter nur zu Parteizwecken gestellt sei. Abg. v. Bar (srs.) trat für volle Oeffentlichkeit des Militärgericytsverfahrens ein unter Hinweis auf andere europäische Staaten. Abg. Hahn (kons.) motivirte namentlich die Forderung der Pflege religiösen Sinnes in der Armee (Punkt 3 der von der Kommission beantragten Resolution). Diese Forderung sei ausgenommen, um die Regierung in ihrem Bestreben, das religiöse Moment zur Geltung zu bringen, zu stärken. Abg. Dr. Schädler (Ctr.) begründete den von ihm in Gemeinschaft mit den Abgg. von Gagern und Reindl eingebrachten Antrag, wonach in den Kommisstonsantrag eingeschaltet werden soll: „unbeschadet der in Bayern bereits bestehenden Regelung." Hierauf wurde die Debatte geschloffen. Angenommen wurde mit 143 gegen 100 Stimmen die Resolution Buhl-Richter, soweit sie für die Revision der Strafprozeßordnung die Grundsätze der Ständiqkeit und Selbstständigkeit der Gerichte, sowie die O ffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens fordert. Angenommen wurde ferner ein Theil des Kommissionsantrags, welcher Erleichterung des Beschwerderechts verlangt. Alle übrigen Anträge wurden abgelehnt.
* Ein Auswanderungs - Gesetz ist nach der .Post' noch in dieser Reichstags-Session zu erwarten. Das genannte Blatt theilt nämlich mit: Unter den vielen Arbeiten, welche den Bundesrath in nächster Zeit beschäftigen dürften, foll sich dem Vernehmen nach auch ein Gesetzentwurf befinden, welcher das Auswanderungswesen betrifft. So sollen, nach uns gewordener Mittheilung, im Auswärtigen Amte bereits die Schritte zur Abänderung der bereits bestehenden Bestimmungen über das Auswanderungswesen geschehen sein und dem Bundesrath ein dahin zielender Gesetzentwurf in allernächster Zeit zugehen. Angeblich soll sich auch der Reichstag in dieser Session noch damit beschäftigen.
* Unter der Spitzmarke: „Die Repräsentationsgelder" schreiben die .Grenzboten': „Gestern Abend fand in den Räumen des Generalkommandos ein Ballfest statt, zu dem der kommandirende General gegen tausend Einladungen an die Gesellschaft von Stadt und Provinz hatte ergehen lassen. Heber sechshundert Personen hatten der Einladung Folge geleistet." So meldet die Zeitung, aber sie meldet nicht, daß bald nach Neun die jungen Herren, und namentlich Offiziere, in Hellen Haufen die Bierwirthschaften aufsuchten und sich dort gütlich thaten. Sie hatten eben ihrer Pflicht genügt, waren vor dem Herrn des Hauses und seinen Damen erschienen und hatten sich dann entfernt. Die Zurückgebliebenen sehnten auch den Augenblick herbei, wo sie es machen könnten wie die Andern. Das ist keine vereinzelte Erscheinung, sondern das wiederholt sich bei jedem Ball, den ein Vorgesetzter gibt. Wer hat denn überhaupt ein Vergnügen dabei? Doch nicht etwa der Gastgeber, der schon Wochen vorher mit den Vorbereitungen zu thun hat und dann froh ist, wenn er sein Haus wieder für sich hat? Oder die Ballväter oder die Ballmütter? Man sehe sich das
ganzen vorhandenen Apparat der Geschichtsforschung durchgeführte Darstellung jener für unser deutsches Vaterland so folgenschweren Geschichtsperiode, eine Auffassung, die freilich trotz des Umschwunges der Geschichtsauffassung über die Reformation in Fachkreisen, wie ich vorhin des Näheren dargelegt habe, von der landläufigen bedeutend abwich. Mag das auf der anderen Seite begreiflicher Weise unangenehm empfunden werden: die historische Wahrheit muß und soll dem Historiker über Alles gehen. Und was auch beschränkte Einseitigkeit oder blinder Fanatismus gegen Janssen vorgebracht, kein Gegner hat ihn einer Fälschung der Quellen, auf welchen sein ganzes Werk fußt, überführen können. Ohne sich einer Uedertreibung schuldig zu machen darf man dreist behaupten: aus dem ganzen nun zur Neige gehenden Jahrhundert hat die katholische Literatur Deutschlands ein zweites Werk von gleich hohem Werthe und gleich bedeutsamer Wirkung nicht aufzuweisen.
So wird denn sein Werk ihn überdauern und noch für spätere Zeiten segensreich wirken und, wie schon geschehen, so auch in Zukunft, Manchen, der mit gutem Willen und objektiven Blickes dasselbe studirt, auf den Weg der Wahrheit zurückführen.
Janssen war ein Mann von seltener Treue, Siebens»
gezwungene Lächeln an, mit denen sie den Tanzenden zuschauen. Wie die jungen Herren denken, wissen wir schon. Bleiben also nur die tanzenden Damen. Und für solche Feste — auf Staatskosten? Rücksicht auf die Gesellschaft, höre ich einwenden. Freilich muß ein hoher Würdenträger in der Gesellschaft verkehren, aber darum braucht er doch nicht solche Feste zu geben, die dem Staate so viel Geld kosten und so wenig Vergnügen machen. Wenn der Staat seinen Beamten dazu kein Geld mehr gäbe, könnte man hoffen, daß auch mancher Privatmann diese überflüssigen Bälle abschaffen würde, und damit fiele auch der letzte Grund, der angeführt wird, namentlich die Verpflichtung einer Gegenleistung. Wenn durchaus getanzt werden muß, so findet sich auf einem neutralen Boden Gelegenheit genug. In derselben Nummer, die den Bericht über das Ballfest bringt, steht folgende Anzeige: Den hochverehrten Mitgliedern der Provmzialressonrce und andern (so!) Sozietäten empfiehlt zum Coiffuren (!) der Damen sechs bis sieben seiner tüchtigsten Coiffeusen. Hochachtend u. s. w. Also selbst die Friseure würden nicht' zu kurz kommen. Und was könnte der Staat dabei sparen! Vielleicht mehr, als wenn er Eisenbahnarbeiter entläßt."
* Spandau, 17. Febr. Aus den Militärwerkstätten werden weitere 250 Arbeiter entlassen.
* Aus Münster, 14. Febr., wird der .Germania' berichtet: Der Geh. Kommerzienrath Baare aus Bochum, Mitglied des Provinzialrathes, ist bisher zu dem bekanntlich am letzten Sonntage eröffneten Landtage der Provinz Westfalen nicht erschienen. Statt i seiner traf zunächst ein Entschuldigungsschreiben ein, indem Herr Baare zugleich sein Kommen für Montag, 8. d., anzeigte. Seitdem ist derselbe aber dennoch zu den Sitzungen des Provinziallandtages nicht erschienen, wohl aber ein neues Schreiben desselben, welches, unter Berufung auf ein beigefügtes ärztliches Attest ausführt, daß ihm (Baare) die Theilnahme an den Landtagsarbeiten in Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand untersagt sei. Der Geh. Kommerzienrath Baare ist doch in der That zu beneiden, da er mit dem ehemaligen Reichskanzler Fürsten Bismarck das Glück theilt, einen guten Leibarzt zu haben, der ihm genau angibt, wann es für Hochdenselben ersprießlich ist, aus der Einsamkeit in die große Welt hinauszutreten. Hierorts waren Viele sehr gespannt darauf, den Mann nach Allem, was vorgegangen, einmal von Angesicht zu Angesicht zu sehen.
* Bochum, 15. Febr. In der ,Wests. Vztg.' lesen wir, daß die Zeugen verdächtigt werden, von denen bekannt geworden, daß sie für Herrn Baare belastend ausgesagt haben. So soll der Zeuge Lüning bereits dreimal wegen Betrugs mit längeren Gefängniß- ; strafen bedacht worden fein und gegen Quan tius ; ein „geradezu vernichtendes Material" vorliegen. Dem j gegenüber schreibt die .Westfälische Volkszeitung', daß ; sie nicht wisse, in wie weit diese Behauptungen be- i gründet sind; es komme aber auch gar nicht darauf i an; denn die Aussagen des Lüning und Quantius bilden nur ein Glied in der langen Kelte von Schuldbeweisen, welche gegen Baare vorliegen, und als solche werden sie ihre Wirkung auch bann thun, wenn nach- gewiesen werden sollte, daß der eine oder andere Zeuge die verbotenen Wege, auf welche man ihn gelockt, später auf eigene Rechnung weiter beschritten habe. Denn das sei doch klar, daß es geradezu ein Wunder genannt werden dürfte, wenn nicht die Leute, welche Jahre lang Urkundenfälschung und Betrug betreiben mußten, in ihrem Rechtsbewußtsein schließlich so sehr abgestumpft worden wären, daß sie auf eigene Faust den Versuch gemacht hätten, sich widerrechtliche Ver» mögensvoitheile zu sichern, wenn auch nicht gerade aus Kosten der Eisenbahn-Verwaltungen.
* Trier, 17. Febr. In Folge eines Schlaganfalls starb heute der hochw. Herr Weihbischof Feiten.
* Man lieft in der.Germania': Die Magdeburger Zeitung ist unvorsichtig genug, auf unsere an dieMck-
würdigkeit und Güte, ein tief gläubiger, frommer Priester; reich wie ein Greis an vielseitigem und tiefem Wissen; ein gülden Kinderherz voll Unschuld, Liebe, Nachsicht und Gutherzigkeit; ein ganzer Mann an Energie und Thätigkeit. Als ihn einst ein nicht katholischer Professor und Gelehrter unter Hinweis auf seine vielen Werke erstaunt fragte: „Wie bringen Sie das Alles fertig ?" antwortete Janssen lächelnd: „Ich stehe früh auf." Frühaufstehen, sogar sehr früh war in der Thal eines der Geheimniffe feiner Erfolge; außerdem Bienenfleiß, peinliche Ordnung und Pünktlichkeit und überhaupt die gewissenhafteste Hingebung. Daß Janssen persönlich jemals einen Feind gehabt, kann man sich nicht wohl denken.
Wie Pius IX., so erkannte auch Leo XIII. in hohem Maße die Verdienste Janssen an. Groß war seine Freude, als der hl. Vater ihm die Vergünstigung gewährte, eine eigene Hauskapelle zu haben und mit dem Heiland im Altarssakramente gleichsam unter einem Dache zu wohnen. Wohl freute sich Janssen wenn seine Werke Anerkennung fanden; wohl erfüllte ihn die hohe Auszeichnung, welche Leo XIII. ihm schon im Jahre 1880 durch Erhebung zum päpstlichen Hausprälaten zu Theil werden ließ, jederzeit mit dankbarster Freude: doch war es nicht der Ruhm, den er
theilung über die Errichtung eines Denkmals für „Philipp den Großmüthigen" in Kassel geknüpfte kurze Bemerkung über die Doppelehe jenes hessischen Landgrafen einzugehen und ihrem Aerger darüber Ausdruck zu geben. Das kulturkämpferische Blatt sagt u. A.: „Die mit der Doppelehe des Landgrafen Philipp im Zusammenhang stehenden Vorgänge find ebenso wenig wie diese selbst evangelischerseits jemals gebilligt worden. Aber sie sind durch das Martyrium, daS Landgraf Philipp um seines evangelischen Glaubens willen erlitten hat, reichlich gesühnt, und sie schmäler« in feiner Weise die Verdienste, die er sich um die Durchführung der Reformation in seinen Landen erworben hat." Es ist ja sehr schön, daß die,Magdeb. Ztg.' den Bigamisten preisgibt. Aber fühlt sie denn nicht den Schlag, den sie felbst sich dadurch versetzt, daß sie unmittelbar darnach diesem Bigamisten „V e r- bienfte" um die Ausbreitung einer neuenReligion zuerkennt, ja sogar ihn zum Märtyrer stempeln will? Worin besteht denn eigentlich das Martyrium Philipps des Großmüthigen? Wenn das Blatt dann ferner dem „allerchristlichsten" König Ludwig XIV. gegen uns aufspielen will, so ist das ein total verfehltes Unternehmen. Diesen „allerchristlichsten" König, der nach dem Vorgang gewisser deutscher Förderer der neuen Lehre daheim die Protestanten verfolgte, während er sie in Deutschland aus selbstsüchtig politischen Zwecken unterstützte, geben wir ihm neidlos preis. Nicht minder hinkt der Vergleich mit einzelnen Päpsten, die kein einwandfreies Leben geführt haben, was sich die ,Magdeb. Ztg.' selbst sagen könnte.
Ausland.
* Wien, 17. Febr. Im Abgeordnetenhaus brachte die Regierung eine Nothstands - Vorlage ein. Darin werden 360,000 Gulden für die durch Noth- stand betroffenen Gegenden der einzelnen Landestheile verlangt.' — Eine weitere Vorlage beansprucht 500,000 Gulden behufs Ertyeilung einmaliger Aushülfe an Staats- und Staatseisenbahn - Bedienstete, außer den Beamten der acht höheren Rang- bezw. Dienst- Klassen. — Polnischen Blättern zufolge herrscht in Kongreßpolen Geschäftsstockung, weshalb zahlreiche Arbeiter-Entlassungen statthaben. Die Regierung will helfend eingreifeit.
* Die französische Deputirteukammer hat gestern ihre Sitzungen wieder aufgenommen. Der Sozialist Latargue brachte u. A. einen Antrag ein, die neuen Zolltarife auf Lebensmittel wieder abzuschaffen.
* lieber das Befinden des Papstes zirkuliren seit gestern wieder ungünstige Gerüchte, die noch verstärkt wurden durch den Umstand, daß der päpstliche Leibarzt während der Nacht im Vatikan verblieb. Thalsache ist, daß sich der Papst infolge des Todes feines intimen Freundes Boccali etwas angegriffen fühlt, daß aber irgendwelche Befürchtungen nicht vorliegen.
* Die italienische Kammer beschäftigte sich gestern mit den jüngst stattgehabten Ordnungswidrigkeiten auf den Universitäten. Von den 4 Rednern verlangte Boirghi, die Disziplin herzustellen und den Studenten, die nicht lernen wollten, das Handwerk zu legen, während Martini der Ansicht war, man müsse die Universitäten freigeben, die Studenten aber den gemeinen Gesetzen unterordnen. Baccelli endlich befürwortete die Errichtung einer Hochschule nach deutschem Muster. Colajanni, der erklärt hatte, daß man mit den Studenten die radikale Partei treffen wolle, zog sich vorn Vorsitzenden deswegen einen Verweis zu. Die Berathung gelangte nicht zum Abschluß.
* In serbischen parlamentarischen Kreisen verlautet, die Regierung sei bemüht, die Demission des Skupsch- tina-Präsidenten Pasik nicht vor die Skapschtina zu bringen; sie suche denselben zu bewegen, Urlaub zu nehmen, um so die Demissionsfrage zu umgehen, von deren Austragung die Regierung große Aufregung besorge.
* In den letzten Tagen find in Charkow nihilistische
suchte. Was er suchte, war der Sieg der Wahrheit, war die Ehre und der Ruhm der hl. kath. Kirche; dafür hat er unermüdlich gearbeitet und sein ganzes Leben geopfert. Dieses Ziel zu erreichen hat er sich Alles versagt, was ihm die Welt Angenehmes bieten konnte. Sogar die höchste kirchliche Würde, welche er erlangen konnte, die Würde eines römischen Kardinals, die ihm der hl. Vater nach dem Hingang des Kardinals Hergenröther anbot, glaubte er unter Hinweis auf sein Lebenswerk ablehnen zu müssen. Und wenn er trotzdem das erhabene Ziel nicht ganz erreichte, so bleiben seine Verdienste ungeschmälert. Gott hat den Willen für die Thal genommen. Er wird uns einen neuen Janssen geben, der, was der tobte Janssen begonnen, weiter führen und vollenden wird. Janffen hat feine Schule gebildet und seine Schüler werden ihm folgen. Auf dem Gebiete der Geschichte regt sich's überall. Die kath. Geschichtswahrheit ist vollkommen auferstanden in unserem Vaterlande.
Nun so ruhe denn in Frieden, du unermüdlicher Träger der Wissenschaft und des Ideals! Möge daS göttliche Kind, das dich am Vorabend des Festes der Wiederkehr seiner Geburt zu sich berufen hat, dir reichlich belohnen, was du ihm zu Ehren, der Kirche zur Verherrlichung gewirkt und geschaffen hast!