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Beilage zu Nr. 36 der „Fuldaer Zeitung".

* Die konfessionelle Schule und die Freimaurer.

Nach den in diesen Tagen im Abgeordnetenhause von Seiten der liberalen und Fortschrittspartei gehal­tenen Reden — so liest man in der,D. Reichsztg/ — wissen wir nichts Zeitgemäßigeres, als diesen Reden gegenüber einige der Brüder Maurer zum Worte kom­men zu lassen, um einmal die Forderungen des Libe­ralismus und der Freimaurerei für die Schule zu vergleichen.

Die Antwerpener Loge erklärte 1863: „Die In­tervention der Geistlichen beim Unterrichte .... ver­nichtet die Aktion des Lehrers vollständig, paralysirt sie, beraubt die Kinder jeglichen moralischen, logischen und rationellen Unterrichtes. Der Katechismus-Unter- richt ist das größte Hinderniß zur Entwickelung der Fähigkeiten des Kindes; der menschliche Geist würde, wenn er von diesen Dingen befreit würde, normaler und moralischer werden."

Die Loge von Löwen: „Pauperismus und Igno­ranz findet ihre Stütze im Evangelium."

Minister Br. Van Humbeeck sagte am 21. August 1878 im Senate: „Die in den 10 Geboten Gottes, in den Geboten der Kirche enthaltenen Lehren sind ein­fach die Negation der Gewissensfreiheit, die Lehre einer Sekte."

Die in Paris erscheinende geheime Freimaurer-Zei­tung ,Le Monde nrngonnique' schrieb zur Zeit auf die Frage: „Soll der Religions-Unterricht aus der Schule verbannt werden?" : „Der Grundsatz einer übernatür­lichen Autorität, der dem Menschen seine Würde raubt, ist unnütz zur Kinder-Erziehung und im Stande, die Kinder zum Aufgeben aller Sittlichkeit zu zwingen; folglich ist es nothwendig, darauf zu verzichten."

1867 faßte in Lausanne der Kongreß der Inter­nationale solgende Resolution: „Jede religiöse Unter­weisung muß aus dem Unterrichts-Programm gestrichen werden."

Der italienische Freimaurer-Kalender von 1881 schrieb: „Wir haben wohl nicht nöthig, zum hundert­sten Male zu versichern, daß die obligate Laienschule immer unser heißester Wunsch ist."

Finden wir in all' diesen Sätzen nicht eine innige Gedanken - Verwandschaft mit den gehaltenen Reden? Aber wie sollte es auch anders sein?

Am 3. August 1877 sagte der Freimaurer Goblet d'Äviella in der Brüsseler Loge des amis philantropes : „Gerade die liberale Partei ist die beste Alliirie der Freimaurerei." An einem andern Orte sagte er: „Die Freimaurerei ist durch ihre Organisation im Stande, mit ihrer großen Feindin, der römischen Kirche, zu rivalisiren. Dadurch wird sie auch die natürliche, ich möchte sagen nothwendige Ergänzung der liberalen Partei."

Ein Wftr der Wicht.

Roman nach dem Französischen des Xaver Didier von H. von Remagen.

(25. Fortsetzung.)

„Und hat ihr Benehmen gegen Dich einen herzlichen Charakter angenommen?"

„Allerdings nein. Aber Sie kennen doch diese schüchterne Seele besser als ich, und ihre Schweigsam­keit, die zuweilen in Verlegenheit ihren Grund hat, darf Sie nicht mehr überraschen, als es mich beunruhigt."

„Mein lieber Francis, nichts beunruhigt mich so sehr, als Deine Hoffnungen. Ihre eigene Offenheit wird Florence besser bewahren, als alle Berechnungen menschlicher Klugheit. Wenn Nichts das Hinderniß beseitigt, das zwischen Dir und Florence besteht, so wird Nichts in der Welt ihre Rechtlichkeit beugen können."

„Das Hinderniß? Noch immer? Ist es denn nicht in diesem Augenblicke durch den Edelmuth Fräulein Raymond's weggerückt?"

„DaS ist bei Weitem nicht Alles."

„Mein Gott, was gibt's denn nun noch?"

Aber der Priester, der von seinem Versprechen der Verschwiegenheit noch nicht entbunden war, begnügte sich in tiefer Trauer zu erwidern:

„Florence hat allein das Recht, es Dir zu sagen."

Francis fühlte sich plötzlich von der Höhe seiner Hoffnungen in das Gewirre neuer, gewichtiger Räthsel hinabgeschleudert, und er erschöpfte sich vergeblich in Bitten und Vorwürfen. Der Wille des alten Mannes war und blieb fest. In einem wahren Fieber er­wartete seit dieser Stunde Francis die Rückkehr Florencens. Von dem eigentlichen Unglück der letztern war trotz der Anwesenheit Charbonneau's und der Mitwissenschaft Fabries Nichts zur Kenntniß des Publikums gelangt. Es war fast ein Wunder, vor dem Taste Aglae staunte. Florence war weniger über­rascht davon; sie wußte allein, wie sie der Habgier Charboüneau's durch regelmäßige, stets größere Sen­dungen den Mund gestopft hatte, ohne daß Jemand etwas davon hätte bemerken können. Es war dies

Sonntag, den 14. Februar 1892.

die nothwendige Folge jenes schwachen Augenblickes, wo sie in Todesangst dem ehemaligen Galeerensklaven ans Grange-Verte das Geld in den Hut schüttete; sie hatte ihm damals ungezählt gegeben, jetzt mußte sie unaufhörlich mehr geben. Dafür hatte sie denselben aber auch endlich vermocht, daß er nach St. Sym- phorien, einem kleinen Dorfe zwischen Vienne und Lyon zurückkehrte, wo er unter Polizeiaufsicht stand, und von wo er sich, Dank Ser Protektion des Advo­katen Fabries, eine Zeit lang hatte entfernen können, ohne eine Verfolgung fürchten zu müssen.

Diese Protektion war ganz bedeutend geschwunden. Gustav Fabries war zu sehr mit seinem neuen Hei- rathsprojekte beschäftigt, als daß er sich noch ferner um seinen ehemaligen Verbündeten hätte kümmern können, von dem er in Folge der Verhältnisse kaum einen Tag Vortheil gehabt hatte. Er fühlte selbst einige geheime Scham, dem Elenden gegenüber gleich­sam verpflichtet zu sein, dem er die Entdeckung des unglückseligen Familiengeheimnisses verdankte. Diese ganze Angelegenheit, die nunmehr schon einige Monate alt war, versetzte Fabries in eigenthümliche Gereiztheit. Er hatte wahrhaft keine schöne Rolle dabei gespielt und konnte nur noch eine lächerliche Rolle. darin spielen. Seine Eitelkeit fühlte sich tief verletzt. Die Heimkehr Charbonneau's nach St. Symphorien war ihm daher eine Erleichterung des Herzens und da auch das Gerede über Florence allmählig einzuschlafen be­gann, so achmete er wieder freier auf, wie nach einem Alpdrücken. Jetzt konnte er sich auch ganz seiner schönen Cousine Anais Leponchet widmen, wenigstens soweit es der gute Ton und die junge Wittwenschaft derselben erlaubten.

Es waren also Enthüllungen von keiner Seite zu fürchten, und die Gefahr, ans welche Florence und ihre Tante sich in frommer Ergebenheit vorbereitet hatten, schien beschworen zu sein. Auf der andern Seite konnten die Illusionen Audebrands, die durch keinen Schimmer aufgeklärt wurden, um so länger fortbestehen und selbst die Worte des alten Pfarrers hatten ihn zwar erschrecken, aber nicht erschüttern können.

XL

Monate und Jabre sind verflossen, in Folge deren la Milliete und Grange Verte von ihren Bewohnern aufgegeben wurden; das alte Haus Jean Grandins, so schön restaurirt von der spätem und augenblicklichen Besitzerin, öffnet nur noch an wenig Tagen des Jahres seine Thüren und Fenster, wenn zwei alte Damen dorthin kommen, um in der schönen Jahreszeit die reine Luft des Laudes zu trinken und miteinander sich über die tollen Capricen der Jugend zu entsetzen.

Gustav Fabries hat noch immer nicht den Prozeß gefunden, der seinen Ruhm begründen sollte; aber er hat ein altes Fräulein geheirathet, dessen Häßlichkeit zu auffallend war, als daß ein Mann dieselbe über dem Retchthume hätte übersehen können.

Francis, der wackere junge Mann, hatte, als la Milliete an den neuen Besitzer überging, aus seinem frühren geliebten Eigenthum nichts gewünscht, als das lebensgroße Portrait seines verstorbenen Vaters, dieses im glänzenden Nimbus seines Amtes doppelt impo­santen strengen Richters.

Bei diesem Bilde holte sich Francis Kraft, wenn eine vorübergehende Schwäche seine Entschlüsse wan­kend zu machen drohte. Dank diesem verkörperten Bilde der Pflicht, als welches er den Hingeschiedenen Vater betrachten mußte, hatte der freiwillig Verbannte den Muth erringen können, den Blick und das Herz nicht eher wieder nach Paris zu wenden, bis das Opfer er­füllt war, das die Pflicht seiner hochherzigen Freundin auf­erlegte. Denn das Herz in seiner Brust hatte das Bild seines Ideals nicht vergessen, und sein Wille hatte sich ein Beispiel an der Kraft genommen, die ein edles Mäd­chen ihn gelehrt, aber die Hoffnung war nicht er­storben.

Eines Tages erhielt FranciL Audebrand aus Paris folgende Depesche: „Mein lieber Freund! Heute theilte mir der Arzt, der in dem bewußten Hause den Kran­ken besucht, mit, daß dessen Tage gezählt sind. Die junge Dame wird bald eine Waise sein. Dein Freund Jean Auber."

In einem abgelegenen Viertel von Paris bewohnte ein gebrochener Manü und ein junges, bleiches schweig­sames Mädchen ein hübsches Häuschen. Früher wohnten drei Menschen in dem hübschen Häuschen mit den grünen Fensterläden, aber schon vor einem halben Jahre hatte man die dritte Person, eine alte Frau, zu Grabe getragen. Es war Tante Aglae gewesen; der Gram um ihren unglücklichen Bruder und das geknickte Lebensglück ihrer Nichte Florence hatte ihr Herz, das selbst längst gebrochen war, endlich stille stehen heißen.

Die junge Morgensonne blickte durch die grünen

halbgeschlossenen Fensterläden in die kleine Stube hinein; auf dem Tische stand ein Rosenstöckchen und ein mun­terer Kanarienvogel schmetterte an der Wand sein Lied. Gar seltsam kontrastirten mit diesem Gesang des Vöge­leins die Seufzer eines Mannes, der in weißes Linnen gebettet in einer Ecke des Zimmers sich unruhig auf dem weichen Lager hin und her wälzte. Es war Ray­mond, Florencm's Vater, der ehemalige Galeerensträf­ling. Gram und Gewiffensbisfe hatten mehr als das Alter seinen Rücken gekrümmt und daS Haar gebleicht; er hatte nicht mehr Kraft, noch Willen, noch Lebens­zweck. Eine Krankheit, deren Ausgang dem Auge deS Arztes nicht zweifelhaft sein mochte, hatte ihn nieder­geworfen, und mit unermüdlicher Liebe pflegte die brave Tochter den Vater Tag und Nacht. Aber ihre auf­opfernde Liebe konnte dem Tode nicht wehren.

(Schluß im Hauptblatt.)

Vermischtes.

* Die 15. deutsche Karawane wird die Pilgerfahrt ins heilige Land am Dienstag den 26. April d. I. in München beginnen und über Salzburg und Wien nach Belgrad, Sophia und Konstantinopel (3 Tage Aufenthalt) fortsetzen; Smyrna soll am 5., Beirut am 9. Mai erreicht werden. Von da aus kann jeder die Hin- und Rückfahrt über den Libanon bis nach Da­maskus ausführen. Die Verehrung der Sanktuarien Palästinas wird in Galiläa beginnen und sich bis Jerusalem (Ankunft am 21. Mai, Himmelsfahrtsfest am 26. Mai) und die Taufstätte am Jordan fortsetzen. Die weitere Reiselinie ist: Jaffa, Port-Said, Suez­kanal, Jsmailiya, Sagasik, Kairo (Pfingsttage) und Alexandrien. Hier wird sich für die Heimfahrt die Gesellschaft in drei Gruppen gliedern, wovon die erste sich am 7. Juni nach Brindisi einschifft, über Bari und Neapel nach Rom (4 Tage Aufenthalt) und von dort über Assisi, Loretto, Mailand und Einsiedeln (Schweiz) nach München reist, wo sie am 22. Juni, also nach 58 Tagen, die Fahrt beendigen wird. Die zweite Gruppe schifft sich in Alexandrien am 8. Juni nach dem Piräus ein, besucht Athen, Nauplia, Mykene, Tyrius, Korinth und Patras, fährt mit einem Lloyd- dampfer über Korfu nach Brindisi und setzt die Heim­fahrt über Loretto,. Verona und Innsbruck nach München (bis 21. Juni) fort. Die dritte Gruppe wählt die schnellste und billigste Heimreise, schließt sich der ersten Gruppe bis Brindisi an und eilt von dort über Bari, Loretto, Verona und Innsbruck nach München, wo sie schon am 14. Juni, also 2 Tage vor dem Frohnleich- nahmSfest, eintreffen soll. Gesammtkosten: für die erste und zweite Gruppe 1450 M., für die dritte 1300 M. Diesem Pilgerzuge können sich auf der Fahrt durch Oesterreich auch katholische Oesterreicher, ebenso Schweizer und Holländer, wie in früheren Jahren, und einige katholische Frauen anschließen. Laien mögen sich durch einen Seelsorger empfehlen lassen. An un­seren früheren Zügen haben sich im Ganzen 318 Per­sonen, darunter 124 Priester betheiligt. DaS Reise­programm versendet Kanonikus Geiger in München, Kaulbachstraße 31.

* Was die Influenza den Krankenkassen kostet, zeigen zwei Beispiele: Der Kranken- und Sterbekassen-Verein „Zukunft" in Berlin hatte im November und Dezember durch die Influenza 894 Krankenanmeldungen und mußte in beidenMonaten zusammen 33,390,57 M. an Krankenunterstützungen zahlen. Die Leipziger Ortskrankenkasse hat infolge der übermäßigen Anforderungen ein Defizit von 75,000 Mark.

Literarisches.

„Gott will es!" Missionsblätter für Afrika und die Süd- see-Jnseln. A. Riffarth, M.-Gladbach. (Vierteljährlich 75 Pf.) Die Hefte 2 und 3 dieser empfehlenswerthen hochinteressanten Zeitschrift enthalten an größeren Artikeln: Bagamoyos nächste Umgebung und die katholische Mission. — Die katholischen Missionen Afrikas. — Vom Filialkloster der St. Benediktus- Missions-Genossenschaft „Maria Hilf" zu Tutzing am Starn­bergersee. — Aus dem Reiche des Mahdi. — Blutiges aus Kaiser Wilhelms-Land auf den Südsee-Jnfeln. — Vom Nyassa- See. — Sklavenjagden und Sklavenhandel. — Näheres über den Tod des Hauptmanns Baron v. Gravenreuth. — Das Neger-Königreich Dahome. — Afrikanische Post. — Außerdem enthalten die Hefte 4 Illustrationen und als Extrabeilage eine Karte der deuffchen Südseebesitzungen.

Die Nr. 7 der „Gefiederten Welt", Zeitschrift für Bogel- liebhaber, -Züchter und -Händler, herausgegeben von Dr. Karl Ruß (Magdeburg, Creutz'sche Verlagsbuchhandlung, R. & M. Kretschmann), enthält: Weitere Beiträge zur Kenntniß des schwarzkehligen Laufhühnchens (Turnix nigricollis). — Die Züch­tung der chinesischen Zwergwachtel (Schluß). — Der Waldkauz in der Gefangenschaft. — Ein Besuch im Draueck (Schluß). — Mancherlei. —^Aus den Vereinen: Köln am Rhein; Mainz; Ausstellungen. — Anfragen und Auskunft. — Briefwechsel. — Die Beilage enthält: Anzeigen.

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