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19. Jahrgang

Mittwoch, den 10. Februar 1892

Roman nach dem Französischen des Lader Didier von £>■ von Remagen.

(21. Fortsetzung.)

Darüber konnte kein Zweifel mehr aufkommen, daß diefelben bisher blos deshalb kein einziges dieser Vögelchen angenommen, die sich so tollkühn auf ihre trügerische Lockpfeife hin in ihr Netz geworfen hatten, weil sie träumten, irgend einen prächtigen Zug zu thun, und keiner dieser Bewerber bisher diesem Traume ent­sprochen hatte.

Ihre Falschheit hatte nicht triumphiren sollen. Der liebe, gütige Gott hatte die armen Heirathskandi- daten der Provinz beschirmt, die man durch eine gewisse Pariser Graziösität hatte blenden wollen. Die Erbitterung war so groß, daß sie unmöglich hätte größer sein können, wenn man die volle Wahrheit der Geschichte der verhaßten beiden Frauen gekannt hätte.

Man ließ sich so von seinem Hasse und Zorne gegen dieselben hinreißen, daß man nicht einmal daran dachte, dem Gerüchte auf den Grund zu gehen. Jeder­mann sagte es und Jeder glaubte es, und das genügte den braven Leuten, um sich gegen die Besitzerinnen von Grange-Verte aufzuregen.

Sozialdemokratie und Arbeit.

Bortraa des Hm.Gymnasial-Oberlehrers Psrs H. Breitung, qebalten im kaufmännischen Verein zu Fulda am 16. Dez. v.Js.

und 3. Febr. d. I.

Eine äußerst wichtige Angelegenheit — man kann wohl saaen neben der Sicherung des Seelenheils die wichtigste Ange­legenheit - ist eine günstige Lösung der sozialen Frage. Die Religion soll uns zu ewigem Glücke befähigen, von der Lösung der sozialen Frage ist das zeitliche Wohlergehen zahlloser Menschen abhängig. Die soziale Frage ist nicht etwa eine neu­entstandene; sie ist schon vorhanden, so lange die Menschen tn gegliederter Gesellschaft leben. Aber in verschiedenen Zeiten tritt sie mächtiger in den Vordergrund. Sind die Verhältnisse der einzelnen Gesellschaftsklassen, die im Leben aufeinander ange­wiesen sind, so geordnet, daß jeder dabei sich wohl befindet; stnd die öffentlichen Einrichtungen wirklich auf das allgemeine Beste gerichtet, dann wird die soziale Frage sich wenig fühlbar machen. Haben aber Selbstsucht, Gewaltthätigkeit, Rücksichts­losigkeit und Unverstand die Verhältnisse zu Ungunsten emes beträchtlichen Theils der Bevölkerung verschoben, dann drangt die Masse der Unzufriedenen auf anderweitige Ordnung oder Lösung der sozialen Frage. So verlangten, um nur einige Vorkommnisse aus der Geschichte zu erwähnen, im alten römischen Staate die Plebejer gegenüber den bevorzugten Patriziern Zu­lassung zu den höchsten Staatsämtern und gleichmäßigere Ver­wendung der Staatsmittel zum Besten des Plebs, in etwa 1*/» Jahrhunderten hatten sie ihre Forderungen durchgesetzt. — Wiederholt erhoben sich in Italien die Sklaven gegen ihre herz­losen Bedrücker, im dritten Sklavenkriege schlugen sie nacheinander 4 römische Heere. — In der sranzösischen Revolution wurden Adel und Geistlichkeit durch den dritten Stand aus ihrer bevor­zugten Stellung verdrängt. — Die Revolution von 1848 räumte mit manchen Resten der alten Feudalrechte aus. — Lauter Lösungen der Versuche zur Lösung Der sozialen Frage.

Gegenwärtig hat sich neben dem Bürgerstand ein vierter, der sogenannte Arbeiterstand herausgebildet, und die soziale Frage ist heutzutage oft schon als Arbeiterfrage bezeichnet wor­den weil es sich dabei besonders um die materielle Stellung und Ernährung der Arbeiterbevölkerung handelt. Vielleicht mehr als je in der Vergangenheit wird eben die soziale Frage erörtert; -er Unzufriedenen, welche eine andere Ordnung der Dinge ver­langen, sind mehr, als vielleicht je zuvor. In unserem Bater- lande sind weit übei eine Million, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, Unzufriedene gibt's ohne Zweifel weit mehr und zwar in den verschiedensten Ständen, Fabrikarbeiter, Dienstboten, Handwerker, stellenlose Kaufleute, mittellose Studirende, Lite­raten, ja hier und da auch ein Fabrikant ober Kapitalist. Die Hochburg des Königthums endlich, die Armee, soll längst nicht mehr frei von sozialistischen Elementen sein.

Damit soll keineswegs gesagt sein', all' die vorhandene Un­zufriedenheit fei berechtigt; im Gegentheil, an den Klagen der Unzufriedenen ist vieles grundlos und übertrieben, von den Zielen der Sozialisten vieles unerreichbar. Aber die soziale Frage in wieder einmal brennend geworden; jeder ernste um das Wohlergehen seines Volkes besorgte Mann muß sich für die Lösung der Frage interessiren. „ , ,rr .

Freilich läßt sich eine Sache, die mit allen Verhältnissen tn Produktion, Erwerb, Betrieb, Verkehr rc. ic. zusammenhängt, nicht mit ein paar Sätzen abmachen oder in einem Vortrage nach allen Beziehungen klar stellen. Indes wird es uns wohl gelingen, wenn wir einen Punkt herausgreisen, uns darüber deutliche Anschauung zu verschaffen und uns ein zuverlässiges Urtheil über manche sozialistische Pläne zu bilden. Nehmen wir heute einmal folgenden Punkt: Die Sozialdemokratie in ihrer Beziehung zur Arbeit.

Was ist Arbeit? — Ist der Begriff „Arbeit" wohl so ge­läufig, daß es einer eigentlichen Feststellung dieses Be­griffes nicht bedarf? Eine Menge Jrrthümer grassiren in der Welt und werden von vielen in ihrer Falschheit nicht erkannt, weil die betreffenden Begriffe nicht klar durchschaut werden. Fragen wir darum zu allererst: Was ist Arbeit? Was heißt arbeiten? — Arbeiten heißt thätig sein, sich beschäftigen; indes nicht jede Beschäftigung ist Arbeit. Arbeit steht im Gegensätze zu Vergnügen. Wer zu seinem Vergnügen mustzirt, eine Tour

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Alle müffen mit der Hand arbeiten, auch Gelehrte und Künstler, und dann jeder mit dem Kopfe; es soll eben jeder zur allgemeinen Ernährung beitragen." „Für jede Arbeitsstunde erhält der Arbeiter einen Zettel oder ein Blech, worauf steht, wie lange er gearbeitet hat, und gegen Borzeigen oder Abliefern diefer Mar­ken erhält er dann aus dem Magazin Lebensmittel, Kleider und andere Berbrauchsgegenstände. Je weniger einer braucht, desto weniger mag er arbeiten." Bei solcher Einrichtung würben faule Kapitalisten, träge Fabrikanten, lungernde Staats- und Kirchenpfründner und all das müßige Volk, von dem Karl Marx so gerne redet in Wegfall kommen; es wäre nicht wie im jetzigen verrotteten Staate einem Bruchtheil der Gesellschaft möglich, vom Ertrage des Schweißes und Blutes der Arbeiter sich zu mästen. Dagegen würde in Folge der allgemeinen Be- theiligung die Arbeit in kürzerer Zeit sich bewältigen lassen und es ergäbe sich im sozial. Staat eine Herabminderung der Ar­beitszeit auf 3—4 Stunden pro Tag. Die übrige freie Zett würden bann bie Arbeiter zum guten Th eil zu geistiger Be­schäftigung, zu Lektüre, zu weiterer Ausbilbung auch in Kunst ober Wiffeufchaft verwenden; bie Bildung und geistige Tüchtig­keit des Volkes würde einen ungeahnten Aufichwung nehmen.

„Mein Liebchen, was Willst Du noch mehr?" — Gerechte und gleichmäßige Bertbeilung der Lasten, Verringerung der Ar­beitszeit und Arbeitslast, ein durchweg auf hoher Bildungsstufe stehendes und darum jedenfalls auch sittlich reifes Volk! — M. H., lauter Aussichten, die zu schön sind, um wahr zu sein; trügerische Versprechungen, Träume und Selbsttäuschungen! — Ich will heute nicht näher Hinweisen auf die allgemeine Sklaverei im sozialisti­schen Staate, auf die Unmöglichkeit einer gleichmäßigen Verthei- lnng, Ueberwachnng und Abschätzung der Arbeit, auf das noth- roenbig werbenbe Heer von Aufsehern nnb Beamten ober, um mich sozialistisch auszubrücken, von Faullenzern. — Ich möchte bloß im Anschluß an das, was wir vorher über den Begriff von Arbeit gehört haben, die Haltlosigkeit der sozialen Pläne klar machen. Ich brauche dabei wohl nicht besonders zu betonen, daß die gegenwärtigen Zustände nicht in allweg gesund sind; das ist ja jedem Vernünftigen klar, und daher schon seit Jahren das Bestreben, zu Gunsten der gedrückten Bolksklasse Aenderun- gen herbeizuführen. Aber, m. H., die Sozialdemokraten geriren sich so, als ob sie allein eigentliche Ar- beiter wären, als ob bloß ihre Arbeit derGemein- famfeit zu gute käme,.als ob sic allein produktive Arbeit verri chteten.

1) Unter Arbeitern im engeren Sinne versteht man, aller­dings besonders bei dem Ausdruck „Arbeiter-Bevölkerung", die nicht für eigene Rechnung, fondern in fremdem Betriebe thätigen Lohnarbeiter ober Tagelöhner. Damit will aber keineswegs ge­sagt fein, baß bet kleine Handwerker oder 'Grundbesitzer nicht ebenso wohl arbeite, wie der Lohnarbeiter. Steigen wir weiter hinaus, so muß einer schon ein ziemlich bedeutendes Kapital be­sitzen, wenn er der Nothwendigkeit überhoben sein soll, bei feinem Betriebe selbst mit Hand anzulegen. Alle diese Leute verrichten Arbeit, und zwar der Lohnarbeiter zumeist körperliche Arbeit, der kleine Geschäftsmann wahrscheinlich mehr körperliche Arbeit, als der bloße Lohnarbeiter, aber daneben auch geistige in seinem Sorgen, Einrichten, Anordnen; der größere Gefchästsman viel­leichtweniger körperliche, aber in den weitaus meisten Fällen um fo mehr geistige Arbeit. Da indeß der Mensch eine geistige Seele belltzt und damit auch geistige Ziele für Zeit und Ewigkeit zu verfolgen hat: fo muß die auf diese Ziele gerichtete Bethatigung der geistigen Kräfte ebenfalls Arbeit genannt werden, abgesehen davon, daß bei solcher Thätigkeit auch der Körper wenigstens ,n seinen Nerven mit angestrengt wirb.

2) Es ist eine große Selbsttäuschung, wenn die Sozialdemo­kraten glauben, sie allein verrichteten soziale Arbeit, nur ihre Arbeit, oder sagen wir lieber nur die körperliche Arbeit, werde für das Gefainmtwohl gethan. Haben der Arzt und der Jurist ihr langjähriges Studium bloß um ihrer Gesundheit und ihrer eigenen Prozesse willen gemacht? Oder dienen sie nicht mit ihrer geistigen Thätigkeit den Anderen, ähnlich wie der Lohnarbeiter mit seiner körperlichen? Würde hier Jemand einwenden: Ja, aber die haben doch ihren Berus gewählt, um darin ihr Aus­kommen zu finden! — so würde ihm mit Recht entgegengehalten: Wenn sie wirklich an erster Stelle ihr sicheres Auskommen und nicht das Wohl ihrer Mitmenschen im Auge gehabt haben solk-

Der erste Anfall von Wuth hatte ihn veranlassen können, Charbonneau nach Grange-Verte zu schicken; darüber hinaus war er aber nicht gegangen, und er beabsichtigte auch weiter nichts wehr zu thun. Er batte der wilden Bestie den Maulkorb abgenommen; mochten die armen Frauen zusehen, wie sie sich gegen dieselbe veetheidigten; er begnügte sich damit, dazu beizutragen, daß sie aufhören mußten, als reiche Frauen betrachtet zu werden. Seiner Rache war auf solche Weise Ge- nugthuung geleistet.

Tante Aglae hatte ihn ganz richtig beurtheilt, da sie sagte; „Sein Schweigen ist uns durch seine Eitel­keit gesichert; er wird niemals dafür sorgen, daß man erfahre, er habe der Tochter eines Galeeren - Sklaven einen Heiraths-Antrag gemacht."

Antoine, der treue Diener von La Milliete, war einer der Ersten, die das eigenthümliche Gerücht er­fuhren, daß die Erbin mehr Schulden als Vermögen besitze. Der Alte, der vor Tante Aglae eine hoch- achtungsvolle Furcht und für Fräulein Florence eine bewundernde Verehrung hegte, eilte mit aller Schnel­ligkeit, die seine Beine erlaubten, seinem Herrn ent­gegen, um ihm seine Entrüstung über das böswillige Geschwätz mitzutheilen. Francis kam todtmüde von der Jagd zurück; seit dem frühesten Morgen schon hatte er die Fluren dnrchstreift, und trotz allem Jagen durch

macht und dergleichen, von dem sagt man nicht, er arbeite. Arbeit ist eine mit Kraftanstrengung und so mit einer gewissen Last und Selbstüberwindung verbundene Thätigkeit, deren Zweck die Hervorbringung oder die Erhaltung eines Gutes oder eines Nutzens ist. Somit arbeitet z. B. wer zur Gewinnung von seinem oder der ©einigen Unterhalt, zur Mehrung seines Ver­mögens sich anstrengt. Da der Mensch ferner eine geistige Seele hat, fo arbeitet, wer in Erwerbung nützlicher Kenntnisse oder in Mittheilung solcher an andere sich abmuht, wer also studirt ober lehrt. Endlich ba wir zu einem sittlichen und übernatürlichen Leben bestimmt sind, so arbeitet, wer um seine eigene ober um anberer sittliche Vervollkommnung unb Heiligung sich ernst­lich bestrebt.

Danach hätten wir auch eine Unterscheidung der Arbeiten in geistige und körperliche zu machen, je nachdem eine Arbeit vorzugsweise mit geistiger oder körperlicher Krastanwen- bung verrichtet wirb. — Des weiteren unterscheidet man pro­duktive und unproduktive Arbeiten. Unter produktiver Arbeit versteht man in der Regel jene, durch welche ein neues materielles Gut erzeugt oder gewonnen wird, sei es, daß man der Natur Stoffe entnimmt, wie bei Bergbau, Jagd, Fischsang, — ober die Natur zur Hervorbringung neuer Werke veranlaßt, wie bei Land- und Forstwirthschast, — oder daß man, wie bei den verschiedenen Gewerben und Fabriken, Naturstoffe zum menschlichen Gebrauch umsormt. Alle diese Betriebe produziren irgend ein materielles Gut. — Auch der Handel, durch welche die Güter ober Maaren unter ben Menschen verbreitet werben, wird oft als produktive Arbeit angesehen, und zwar mit Recht, denn entweder werden durch den Kaufmann Maaren verbessert und dann wird ja durch solchen Betrieb ein neuer höherer Werth erzeugt, oder die Maaren werden aus einer Gegend, wo sie nicht gebraucht werden, und deshalb geringeren Werth besitzen, in eine andere Gegend geschafft, wo sie fehlen, unb ihnen so ein höherer Werth verliehen; unb auch in diesem Falle verdient der Handel ebenso wie z. B. der Bergbau unter die produktiven Arbeiten gezählt zu werben. — Freilich giebt’S auch manche Hanbelsgeschäste, welche Weber in der einen noch in der andern Hinsicht als produktive Arbeit angesehen werben können; z. B. der Zwischenhanbel beim Viehverkauf, bie Börsenjobberei; diese Geschäfte werden als besonders lukrative, gewinnabwerfende, oder rentable betrieben. — Dies ist ein anderer Unterschied ber Arbeiten. Der Gewinn einer Arbeit wirb gesunden durch Vergleichung der aufgewandten Sraftanftrengung mit dem er­zielten Resultat. Je mehr das erziette Gut bte Arbeititraft übertrifft, desto lukrativer oder rentabler ist die Arbeit. Mit einem Minimum von Arbeit ein Maximum von Gütern er­reichen, würde den höchsten Grad von Rentabilität einer Arbeit darstellen. Das Streben an eigener Arbeit zu sparen, ist der Natur gegenüber, deren Kräfte man in seinen Dienst stellt, voll­kommen erlaubt; den Mitmenschen gegenüber kann es leicht zu Wucher, Bedrückung und herzloser Ausbeutung führen.

Nachdem wir nun den Begriff der Arbeit uns vorgefuhrt und einige besondere Arten, der Arbeiten definirt haben, hören wir, was für Pläne die Sozialdemokratie bezüglich der Arbeit hat. . .

Bekanntlich hat schon früher der Kommunismus in seinem konsequentesten Vertreter, Proudhon, den Grundsatz ausgesprochen: Eigenthum ist Diebstahl. Etwas bescheidener waren die ftan- zösischen Kommunisten Fourier und Considerant; sie verlangten nicht die gänzliche Aufhebung des Eigenthums, sondern nur eine über bie ganze Erbe auggebreitete und organifirte Assoziation der Familien zur Arbeit und Theilung des Gewinnes. Bebel, der ja lange als Autorität unter den deutschen Sozialisten galt, sagt: „Alle liebel der sozialen Ordnung ohne Ausnahme kommen vom Privateigenthum; darum müssen Grund und Boden Maschinen, Werkzeuge und Verkehrsmittel dem Privat­besitz entzogen und gesellschaftliches Eigenthum werden." — Nach sozialistischen Ideen soll ber gesammte Betrieb ber Land- wirthschaft, ber Gewerbe, des öffentlichen Verkehrs verstaatlicht, d. h. burch den Staat angeorbnet und geregelt werben, und sämmtlicher G-winu dem Staate als einzigen Eigenthümer zu­fallen. Der Staat weist jedem einzelnen das zu seinem Unter­halt Erforderliche an. — Und wie wird es gewonnen ? „Alle, bie gesund sind", sagt Bebel, „müssen arbeiten. Jeder muß in einer Fabrik, einem Handwerk ober auf bem Felde arbeiten.

Nur Madame Leponchet wagte trotz ihrer großen Trauer über den fchnellen und unerwarteten Tod ihres Mannes eine furchtsame Frage über diesen Gegenstand, als ihr Gustav Fabries in Gesellschaft feiner Mutter den ersten Beileidsbesuch machte: „Also diese arme, hübsche Florence soll wirklich keinen rothen Heller mehr besitzen?"

„Glückliche Umstände haben mir erlaubt, den Ab­grund zeitig genug zu bemerken," antwortete Fabries mit Zurückhaltung.

„Wirklich glücklich," erwiderte spöttisch die schöne Wittwe; „denn Du gingst wahrlich mit Riesenschritten auf diesen Abgrund zu, armes Vetterchen."

„Ich muß zur Ehre dieser beiden Frauen gestehen, daß sie aufrichtig sind. Die alte Tante hat nicht im Entferntesten geleugnet."

Er machte dabei eine Anspielung auf das andere, weit schrecklichere Geheimniß, welches auf Florence lastete; aber seine Mutter und seine Cousine bezogen seine Worte einfach auf den pekuniären Ruin, während er an die Schande, den moralischen Ruin dachte.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, müssen wir lagen, daß seine sonst habsüchtige und zu schlechten Handlungen fähige Seele nicht so weit herunterge­kommen war, daß er selbst sich zum Kolporteur des verhängnißvollen Familiengeheimnisses gemacht hätte.