19. Jahrgang
Was wollen wir und was der Kbera- lismus bezüglich der Schule?
Wir wollen die Bildung des Volkes, in erster Linie der Jugend. Das ist ein Fundamentalsatz des Christenthums nach dem Befehle unseres Herrn : „Gehet hin in die ganze Welt und lehret alle Völker. Darrn liegt das Leben der katholischen Kirche. Ohne Lehre kein Glaube, ohne Glauben kein Leben nach Gottes Willen. Bildung, Aufklärung, Unterricht der Jugend wollen wir als treue Katholiken; aber nicht Flunkerei, die aufbläht, sondern reelles Wissen, das für ein glückliches Leben fähig macht.
Wir wollen, daß die Religion die Grundlage der Erziehung sei, weil diese allem die christliche Erziehung auf festen Boden stellt, der allem Stand hält in den Stürmen der Versuchung und in den Kämpfen des Lebens. Der Liberalismus will die Religion aus der Schule hinauswerfen und ferne Erziehung auf die hohlen Phrasen moderner Wissenschaft stellen, die nur zu oft mit allem, was heilig und sittlich ist, den ärgsten Spott treibt und selbst die natürliche Sittlichkeit untergräbt.
Wir wollen eine Schule, die dem w ahren Fo rtschritt dient, der da aufgebaut ist auf ein solides Fundament. Dieses Fundament sind die alterprobten Lehren der christlichen Religion, welche die Kultur bei den rohen Völkern begründete und immer weiter entwickelte. Der Liberalismus baut Phantasieschlösser auf hohlen Phrasen. Was Fortschritt, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Sinne dieser Leute ist, hat sich in der französischen Revolution gezeigt. Ihr Fortschritt ist Aufgeben des Christenthums und Rückkehr zum alten Hcidmthum: also eigentlich Rückschritt um 2000 Jahre.
Wir wollen, daß der ganze Unterricht von religiösem Geiste getragen sei, weil jeder gedeihliche Unterricht erziehlich sein muß und die allem sicheren Grundsätze der Erziehung in der Religion zu finden sind. Es soll also die Religion nicht nur Fach- qeqenstand sein, sondern den ganzen Schulunterricht durchdringen. Der Liberalismus will „Freiheit der Entfaltung," das heißt die Freiheit, die Religion anzugreifen. ...
Wir wollen den Schul zw a n g gegenüber gewissenlosen Eltern, die ihre Kinder ohne die nothwendige Bildung aufwachsen lassen würden. Aber nur einen Schulzwang in eine solche Schule, in der das Theuerste der Menschen, die Religion, sorgsam gehütet und gepflegt wird; ein solcher Zwang allein ist Wohlthat; aber wir wollen keinen Schulzwang, wenn die Religion als Aschenbrödel behandelt oder gar in Gefahr gebracht oder geraubt würde, denn das wäre Gewissenszwang. Für solche Fälle wollen wir Unterrichtsfreiheit. Daß unsere „modernen Pädagogen" für einen wahrhaft christlichen Religionsunterricht keine Gewähr bieten, ist wollen für katholische Schüler Lehrer, die selbst überzeugungstreue Katholiken sind, die in ihrem sittlichen Leben ein schönes Vorbild für die Jugend
Ein Mer der Wcht.
Roman nach dem Französischen des Xaver Didier von H. von Remagen.
(18. Fortsetzung.)
Ich weiß nicht; die Unglücklichen glauben, und ich denke mit einigem Rechte, daß die Reichen ihnen viel schulden, und daher dispensiren sie sich gern von der Dankbarkeit."
„Aber die Reichen entledigen sich selten dieser Schuld mit der zärtlichen Hingebung, wenn ich so sagen darf, die Sie den Armen gegenüber an den Tag legen?
Florence schien nicht im Geringsten überrascht von der Wärme der Worte noch des Tones, womit Francis dies sagte. Sie wußte genau, daß Francis gleichfalls die Hütten befuchte und stets ihre Spuren bei den Armen fand. „ c t ,
„Ja, Herr Audebrand, Sie dürfen das Wort Zärtlichkeit gebrauchen, da eS paßt; ich fühle für meine Armen wirklich ein zärtliche Liebe, vielleicht die größte, die ich fühlen kann." „ m ,
Diese Gelegenheit legte die größte Versuchung nahe, einen Protest gegen diese Behauptung zu wagen; aber Florence hatte mit einer solchen Einfachheit gesprochen, daß sie an keine triviale Auslegung ihrer, Worte hatte denken können. Und warum sollte er sie da verwirren.
Erscheint töglich, Sonn- und get.rtage flu8{9ln0®^tn^eä‘t|ig^^bet°6enetci^i{4nO^nnta^^^e^Shtne™ n b SVumeI^N'nschein^den Gr-üisb-iwae ^jährlicher Atonnement-pre.s in Fulda und auswärts 1 Work 50 Psenmg. ~ -.
find, denn der Lehrer kann das den Kindern nicht geben, was er selbst nicht hat.
Wir wollen für die katholische Jugend katholische Schulen, für Andersgläubige Schulen ihres Bekenntnisses, d-mit die sittlich-religiöse Erziehung nicht eine Ironie ist. Dieses Verlangen ist eine Gewissenspflicht für uns. Dementsprechend müssen auch die Lehrerbildungs-Anstalten, die Lesebücher und andere Lehrbücher eingerichtet sein.
Wir wollen jenes Aufsichtsrecht für die Kirche, welches ihr nach ihrer Natur und göttlichen Sendung mit vollem Rechte gebührt. Zur vollen Entfaltung der hohen Ausgabe der Kirche bedarf sie naturnothwendig des Rechts der Kontrole, daß diese ihre Aufgabe nicht unmöglich gemacht werde dmch glaubenslose oder glaubensfeindliche Lehrer. Wir tasten aber nicht an das Recht des Staates auf die Schule, der den Zeitumständen entsprechend das Maaß des Wisfens der einzelnen Staatsbürger bestimmen und demgemäß auch kontroliren kann. Der Liberalismus will vor allem die Schule dem Eu flnsse der Kirche entziehen. Er haßt die kirchliche Schulaufsicht, weil er die Kirche haßt. .
Die Geschichte lehrt, daß die Wahrheit immer siegt. Auch in der Schulsrage wird sie siegen, auch wenn sie noch so viel mächtige Feinde hat, wenn selbst Herr Richter und v. Bennigsen Arm in Arm marschiren. Die Theorien des Liberalismus sind Lug und Trug. Wahrheit aber besteht und Lüge vergeht. (D. Rchsztg.)
y. Die neuesten liberalen Schlagwörter!
1. Richt majorisieren!" So mahnte Herr Richter- Hagen, "so klang es aus dem Munde des fre,konservativen von Kardorff. - Wenn doch die Herren Liberalm nur selber die schöne Mahnung befolgt hätten, oder auch nur jetzt befolgen wollten. Was war denn der ganze Kulturkampf anders als die ärgste Majorisierung der Katholiken durch den Liberalismus. Oder haben etwa die Katholiken selber ihre Orden vertrieben, selber die Klöster aufgehoben, die Bestellung und Ausbildung der Priester hintertrieben, die Sperrung der Einkünfte angeordnet, den „kirchlichen Gerichtshof" eingefetzt und was dergleichen schöne Dinge mehr waren? Die folgenschwersten und in die bisherigen katholischen Verhältnisse einschneidendsten Gesetze, wer hat sie in dem gesetzlich kürzesten Zeiträume förmlich durchgepeitscht? Da war es „eine Lust zu leben , schrieb die Nationalzeitung, für die Liberalen, aber böse, bitterböse Tage für die im Glauben so hartbedrängten Katholiken. Da war kein Richter, kein von Kardorff, der zugerufen: „Nicht majorisieren!" Und jetzt, wo noch neun Zehntel der Bevölkerung Gott sei Dank gläubige Christen sind, und auch für ihre Kinder christgläubigen ReligionS-Unterricht beanspruchen, da verlangt der Liberalismus, daß dieser gerechten Forderung nicht entsprochen werde: simultane, religionslose Schulen sollen mit dem „Wust des Dogmenglaubens", mit der positiven Religion aufräumen, der
„Was haben sie Ihnen dmn gethan, Fräulein, daß sie diesen Vorzug verdienen?" fragte er, indem er jene Versuchung von sich wies. ,
Sie haben mich gezwungen, aus mir selbst heraus zu gehen und zu ihnen zu kommen und haben nur durch ihr Beispiel, wie sie pflichtgemäß ihre traurige Existenz tragen, gezeigt, wie das Pflichtgefühl das beste Mittel ist, um das Herz mit der täglichen Bürde zu versöhnen, die das Leben uns zugedacht hat."
Florence sprach diese Worte mit so viel Entschiedenheit und Sicherheit, daß Francis ahnte, sie müsse aus Erfahrung sprechen und es lag so viel Melancholie in dieser vertraulichen Eröffnung ihres Herzens, wie selten eine Unterhaltung zwischen zwei jungen Leuten eine solche bekundet haben dürfte. , , w
„Eine Bürde des Lebens!" wiederholte Francis; „aber mein Fräulein, haben Sie eine fo schlechte Meinung von Ihren zwanzig Jahren?"
Mit großer Willenskraft unterdrückte sie die Fluth bitterer Gefühle, die in ihr aussteigen wollten, und freundlich lächelnd erwiderte sie ihm:
„Ich weiß nicht, warum die Dichter dem zwanzigsten Jahre so viel Glück und Schönheit nachsagen.
„Es ist 'das' schönste Jahr des Lebens!' „ „Durchaus nicht, es ist das abscheulichste. .
„Aber, Fräulein Raymond, ich bitte Sie, wie kon-
Blödsinn darwinistischer und atheistischer Aufklärung, wie er an den Universitäten die deutsche Jugend anfrißt, oll als „echte Wisfenschaft" an die Stelle des „ver- modertm Kirchenglaubens" treten. Das ist dann natürlich keine „Majorisierung, keine GewisieEnech- tunq " Gott bewahre, das ist lautere Freiheit, Wissen- chast, Bildung, Toleranz und wie all die Harlequws- lappen heißen, womit man den Unglauben verbrämt. Gerade der Liberalismus sollte sich des ihm so verhaßten Ausweges der Privatschule freuen; dort konnte er seine Kinder ruhig in dem Wasserbrei der „konfessionslosen Moral" ä la Frankreich weiter unterrichten lassen. Aber freilich, dann müßte er, tote die Katholiken in der Diaspora, persönlich Geldopfer bringen; es ist aber immer angenehmer, auf Kosten des Staates und der gläubigen Majorität reugionslose oder simultane Schulen für sich unterhalten lassen! Was schadet es, wenn dabei die „dummen Katholiken und Christgläubigen zu kurz kommen, zum Bezahlen sind sie immer gut genug! .
2. Zum großen Gaudrum des Hauses rref em nationalliberaler Redner dem Lande zu: „Wachet und betet'" Daß die Liberalen wachen werden, wollen wir ihnen schon zutrauen; wie sie aber „zu ihrem Gott" beten werden, das vermögen wir uns trotz aller Anstrengung der Phantasie kaum auszumalen. Mm denke sich nur diese mehr oder weniger ungläubigen „Mannesseelen" des Abends auf den Knieen, gar den Rosenkranz in der Hand, zu Hause, oder im „Tempel der Natur", wie sie flehen und beten: Baal erhöre uns. Baal erhöre uns! Vielleicht kommt der „Ulk" oder die Fliegenden Blätter" unserer Phantasie 'mal zu Hilfe.
3 Abgeordneter Richter meinte, die Lehrer, denen die Kirche wegen ihres Abfalles vom Kirchenglauben die Befähigung zum Religions-Unterrichte entzöge, seien dadurch zu Lehrern II. Klasse gestempelt, denen ein Verbleiben im Amte unmöglich sei. Mag s-w, aber wir fragen, kann ein Lehrer, der berufen war, etwa in katholischer Schule den Kindern einer gläubigen Schulgemeinde den ReligionS-Unterricht zu er- theilen, kann ein solcher Lehrer, der nun tm Glauben wankend oder abfällig geworden, kann er es noch nut seinem Gewissen, mit seinem Charakter vereinen, solchen Kindern den von Religion getragenen Schulunterricht weiter zu ertheilen? Wäre das nicht entweder eine fortgesetzte Schädigung der gläubigen Schulgemeinde, die keinen anderen Unterricht will, oder aber eine eminente Heuchelei und Charakterlosigkeit. Da muß er wie jeder ehrliche Mann, seiner Ueberzeugung das Opfer bringen, wie es die Katholiken im Kulturkampf hundertmal gethan haben. Aber freilich, vom Liberalismus Opfer erwarten, der fo gern mit seinem Wissen, Gewissen, Ueberzeugung prunkt, das ist eben zu titel verlangt: Charakterstärke und Opfermuth sind eine schöne Zier, doch kommt man weiter ohne ^chr^__
Deutsches Keich.
Berlin, 3. Februar.
* Beim Staatssekretair des Reichspostamts D r. v. Stephan fand am Montag Abend ein größeres Par- nen Sie das sagen? Das ist ein Glaubensbekenntniß, das man mit Fug und Recht ein Attentat gegen die Jugendzeit nennen könnte!"
Sie bestand mit einer gewissen Lebhaftigkeit darauf und fuhr fort: ,
„Zwanzig Jahre! Das ist das Alter, wo man beginnt, nachzudenken, zu verstehen und zu furchten, es ist das Alter, in welchem man, je nach seiner Stellung, sich entweder eine Saniere schaffen, oder eme Verbindung eingehen muß; es ist das Alter, wo man da Recht verliert, an dm schonen Traumen und Einbildungen festzuhalten: man muß anfangen, zu leben, zu handeln und zu ertragen, wie die anderen Menschen.
Sie hatte sich bei diesen Worten, die mit einer, bei einem jungen Mädchen seltenen durchdrungenen^Ueber- reugung gesprochen waren, aufgeregt, fo daß Francis dachte: „Sie muß viel erfahren und gelitten haben.
Florence war aufgestanden und FranciS folgte ihrem Beispiele; sie gingen die lange Allee hinab, m deren hohen Bäumen der Herbstwind spielte. Wahrend ewiger Minuten gingen sie neben einander und schienen nur dem Säuseln des Windes zu lauschen. Vielleicht hörten . sie ihren beiden Herzen zu, bis Francis mit Wurde das Wort ergriff: .. .,
„Mein Fräulein," sagte er, „ich weiß nicht, ich habe kein Recht, zu fragen, welcher Art die bösen Ver-