JM 24
Samstag, den 30. Januar 1892.
19^Iahrgang
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-77- Afrika-Verein deutscher Katholiken.
Die sechste Sitzung des Centralvorstandes des Afrika- Vereins, welche am 25. Januar im Erzbischöflichen Palais stattfand, wurde durch den Ehrenpräsidenten des Vereins, den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof, eröffnet.
Außer sämmtlichen Mitgliedern des Verwaltungsausschusses waren Vertreter der Diözesan-Bereine Köln, Trier, Münster, Paderborn, Limburg, Osnabrück anwesend.
Der Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Herr Justizrath Sieger, berichtete über die Lage des Vereins. Derselbe besteht gegenwärtig aus zehn Diözesan-Bereinen: Köln, Münster, Trier, Paderborn, Limburg, Fulda, Osnabrück, Hildesheim, apostolisches Vikariat Sachsen, Rottenburg. In den Diözesen Freiburg, Straßburg, Bamberg, Breslau, Culm bestehen Zweigvereine, die noch nicht zu einem Diözesan-Bereine zusammengeschlossen sind. Trotz des Minimalbeitrags von einer Mark jährlich hat der Verein in den drei Jahren seines Bestehens eine Summe von ca. 700,000 Mark aufgebracht. So groß diese Summe auch erscheinen mag, so ist sie doch angesichts der großen Bedürfnisse der Missionen in den deutschen Schutzgebieten noch viel zu klein. Es gebe noch viele Hunderte von Pfarreien, die bis jetzt dem Werke des Afrika-Vereins vollständig fern geblieben feien. Eine Vermehrung der Einnahmen sei dringend nothwendig, da mit den heutigen Bewilligungen über den größten Theil der Einnahmen verfügt sei. Es seien, die 100,000 Mark eingerechnet, welche den deutschen Bischöfen zur Gründung eines Missionshauses zur Verfügung gestellt seien, im Ganzen ungefähr 600,000 Mark für die Zwecke des Vereins verausgabt worden.
Der Schatzmeister, Herr Horten (Köln), erstattete hierauf den Bericht über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins im Jahr 1891. Die Einnahmen sind auf derselben Stufe geblieben wie im Jahre 1890; die Ausgaben sind aber durch die Vermehrung der Missionsstationen und der Missionskräfte stetig gewachsen. Das Vermögen des Afrika-Vereins betrug am 1. Januar 1892 die Summe von 222,733 Mark. Davon gehen ab 100,000 Mark für den obengenannten Zweck; somit bleiben verfügbar 122,733 Mark.
Auf Bericht der vom Centralvorstand ernannten Kassenrevisoren Landgerichtsrath Reichensperger (Köln) und Banquier Pi stör ins (Hildesheim) wurde dem Schatzmeister unter dankbarer Anerkennung der großen, selbstlosen Mühewaltung Decharge ertheilt.
Hierauf erstattete Herr Kanonikus Hespers den Bericht über die Fortschritte der Missionen in den deutschen Schutzgebieten und über die Anträge der Missionsgesellschaften.
I. Apostolisches Vikariat Dord-Sanübar. In den Missionen der Väter vom hl. Geist waren im letzten Jahre 57 Europäer beschäftigt: 1 Bischof, 21 Priester, 17 Brüder und 18 Schwestern. Das apostolische Vikariat zählte in Deutsch-Ostafrika sieben Hauptstationen, dazu eine General-Prokura in Sansibar mit einer Knaben- und Mädchenschule, einem Hospital, einer Buchdruckerei und einem Hospiz, außerdem noch drei Stationen im englischen Küstengebiet: Mombassa, Malindi und Lamu.
Die Hauptstationen haben sämmtlich Schulen (Knaben- und Mädchenschulen, Handwerker- und Ackerbauschulen), ferner von ihnen gegründete christliche Dörfer. Mehrere Stationen haben
Em Gpftr der Pflicht.
Roman nach dem Französischen des Xaver Didier von H. von Remagen.
(14. Fortsetzung.)
Daß bloße Wort „Gericht" hatte dieGewalt, Charbonneau im Schach zu halten, da er alle Ursache hatte, sich mit dieser furchtbaren Korporation nicht auf Kriegsfuß zu stellen.
„Ja — wenn das ist —" sagte er, indem er den Kopf hängen ließ.
„Wenn Ihr meinem Rathe folgen wollt, so kommt nach Vienne."
„Ist das in dem Polizeiaufsichts-Bezirke, in dem ich mich aufhalten muß?"
„Das wird sich schon in Ordnung bringen lassen. Vienne ist eine Industriestadt, wo Eure zwei Arme einen Tagelohn von acht bis zehn Franken einbringen rönnen; mittlerweile werde ich Fräulein Raymond davon in Kenntniß setzen, daß Ihr da seid und sie Euch ein besseres Loos schaffen müsse."
Der Züchtling riß freudig seine häßlichen, schielenden Augen auf.
„Das lasse ich angehen. Können Sie mir Arbeit in einer Fabrik verschaffen, mein Herr?"
„Ich will's versuchen."
„Ja, aber sehen Sie, das muß sicher sein; denn
Krankenhäuser für die Eingeborenen. In den Waisenhäusern und Erziehungsanstalten befanden sich im Jahre 1891 über 700 Kinder (Knaben und Mädchen). Die von den Missionaren ausgebildeten Zöglinge werden als Katecheten in die Dörfer der Landschaft geschickt, um Schüler um sich zu sammeln und den Missionaren vorzuarbeiten.
Die int Jahre 1891 gegründete Missionsstation Kilema am Kilima-Ndscharo entwickelt sich kräftig. Unter den Zöglingen der Missionsschule befindet sich auch der älteste Sohn des Sultans von Kilema. Außerdem haben noch zwei andere Häuptlinge der Nachbarschaft der Mission einige von ihren Kindern anvertraut.
Zwei Stationen int Süden des Vikariates schienen eine Zeit lang aus's äußerste bedroht: La Longa und Tununguo. Diese beiden Missionen sind den wilden Wahehe am nächsten, welche die Expedition Zelewski auftieben und zahlreiche Gewehre, sowie große Vorräthe an Munition erbeuteten. Man setzte die Stationen so schnell wie möglich in Bertheidigungsstand. Glücklicherweise haben die Befürchtungen sich bis jetzt nicht erfüllt.
Da der apostolische Vikar die Absicht hat, auch im südwestlichen Theile des Kilima-Ndscharo eine neue Station zu gründen, so bewilligte der Centralvorstand den Vätern vom heiligen Geist weitere 15,000 Mark.
II. Apostolische Präfektur von Süd-Sanstbar. Ueber die Thätig- keit der St. Benediktus-Genossenschast berichtet ausführlich der St. Ottilien-Kalender für 1892. Seit zwei Jahren wurden von dem Mutterhause 'in St. Ottilien 26 Missionare und Missionsschwestern für Süd-Sansibar ausgerüstet und ausgesandt. In Dar-es Salaam wurden zwei Missionsklöster für Brüder und Schwestern gebaut. Außerdem wurden zwei Asyle mit großen Werkstätten für Knaben und Mädchen errichtet, zugleich für die 145 Einwohner der Mission eine kleine Kirche "erbaut. Der apostolische Präfekt erwarb in der Nähe von Dar-es-Salaam ein Grundstück von 13 Hektar, auf welchem er ein kleines Dorf für die neubekehrten Familien anlegte. Leider hatte die Mission schwer von der Malaria zu leiden. Nicht weniger als sieben Mitglieder der Ge: v>nschaft erlagen in Dar-es-Salaam dem tropischen Fieber. L-, Arzt des Gouvernements schreibt diese auffallend große Sterblich..:: den Wohnungsverhältnisseu zu und hält es für dringend nothwendig, hier Abhilfe zu schaffen. Daher bewilligte der Centralvorstand der Präfektur Süd-Sansibar die Summe von 30,000 Mark, insbesondere für eine schleunige Verbesserung der Wohnungsverhältnisse.
Das Mutterhaus von St. Ottilien steht in erfreulicher Blüthe. Die Männer-Kongregation zählt gegen 100, diaSclMiestern- Genossenschaft gegen 90 Mitglieder.
Für Letztere wurde ein neues, geräumiges Schwesternhaus gebaut und int August 1891 bezogen. Außerdem wurde der Bau eines neuen Männerklosters mit Missionskirche in Angriff genommen. Der Rohbau ist nunmehr vollendet. Die Genossenschaft betreibt als Vorübung für den afrikanischen Missionsdienst Ackerbau und Garteuwirthschaft, ferner Handwerke jeglicher Art. In St. Ottilien befindet sich die Missionsschule, in Dillingen das Scholastikat für die Studirenden der Philosophie und Theologie. Die Schwestern haben im vorigen Jahre zu Tutzing am Starnbergersee eine Waisen-Austalt eröffnet zur Vorübung für die Jugenderziehung im Missionslande.
III. Die apostolischen Dikariate Anyanyembe, Diktoria-AyLnza und Tanyanyika. a) Unyanyembe. Am 30. November 1890 war eine neue Missionsexpedition der „Weißen Väter", bestehend aus acht Patres, vier Brüdern und zwei schwarzen Aerzten, in Bu- kumbi am Südufer des Viktoria-See's eingetroffen. Während ein Theil derselben über den See nach Uganda fuhr, konnte eine zweite Abtheilung unter Führung des P. Gerboin die schon länger geplante Station in Ushirombo (zwischen Viktoria-See und Tanyanyika) gründen.
Der Weg führte mitten durch die gefürchteten Wangoui. Die Missionare mußten auf ihrer Hut sein; doch bald erfuhren sie, daß die Wangoni bei der Kunde von dem Anmarsch der Weißen geflohen feien, wahrscheinlich in Erinnerung an die blutige Niederlage, welche sie einige Monate früher von einer deutschen Expeditionskolonne erlitten hatten. Die Missionare wurden von den Washirombo sehr gut ausgenommen und erbauten ihre neue Missionsstation auf einem vom Könige Ndego geschenkten vortrefflich gelegenen Landstücke,
mit leeren Versprechungen lasse ich mich nicht abspeisen, um Fräulein Raymond aufzugeben."
Mit Schrecken sah sich der Advokat ertappt; Charbonneau witterte, ohne zu wissen weßhalb, das persönliche Interesse des Advokaten, und das bei solchen Menschen so natürliche Mißtrauen mahnte ihn, auf seiner Hut zu sein.
„MeinKousin ist Tuchfabrikant; kommt!" sagte er, sich kurz entschließend.
Wie konnte Charbonneau dieses „kommt" anders verstehen, als daß er mit dem Advokaten sich zu dem am Rande des Gehölzes immer noch wartenden Wagen begeben sollte? Gustav hatte vorab nicht daran gedacht ; aber in solcher Weise greifen falsche Situationen in einander, daß es in diesem Falle besser war, den so wenig angenehmen Gesellschafter mitzunehmen, als Gefahr zu laufen, ihn zu verlieren.
Zum Glück für Fabries begann es bereits zu dunkeln und so verbarg denn der Zufall der Jahreszeit der Bewohnerschaft von Vienne dieses erbauliche Schauspiel, wie ein junger Advokat Seite an Seite mit einem eben entlassenen Galeeren-Sklaven zu Wagen an seine Wohnung gelangte.
VI.
Schnell hatte Fabries den neuen Plan entworfen, der ebenso seiner Rache als seiner Gier nach dem Vermögen von Grange-Verte dienen sollte.
b) Viktoria - Nyanza. Bekanntlich hatte P, Schynfe von Buknmbi aus eine Forschungsreise um das Südwest-Ufer des Viktoria-See's nach Uganda unternommen. Zweck der Reise war, geeignete Landschaften für die Gründung von Missions-Stationen zu suchen. Ueber diese Reise, sowie über die erforschten Landschaften ist eine interessante Karte in Petermann's Mittheilungen veröffentlicht worden. In nächster Zeit soll an der Westseite des See's, int Lande der Baziba, eine neue Station angelegt werden.
Für diese Neugründung bewilligte der Centtal-Vorstand 15,000 Mark. Inzwischen macht das Christenthum in Uganda höchst erfreuliche Fortschritte. Biele Tausende sind dort bereits bekehrt, und der Andrang zum Unterrichte der Missionäre ist so groß, daß viele vorläufig abgewiesen werden müssen. Am Pfingst- feste wurde unter vielen Anderen eine Schwester des Muanga, Tochter des ftüheren Königs Miesa, getauft. Denselben Fortschritt macht die Verbreitung des Christenthums in den Provinzen Uganda's, in Bnddu und in Usoga, wo ebenfalls im vorigen Jahre Missions-Stationen gegründet wurden.
c) Tanyanyika. Von den an diesem See gelegenen Stationen, insbesondere von Karema, Mpala und Kibanga, wurden uns erschütternde Nachrichten über die Fortdauer der Sklaveu-Jagden und des Sklavenhandels mitgetheilt. Die ersteren finden hauptsächlich im westlichen Gebiete des Tanyanyika statt, der letztere auch ncch auf dem östlichen Ufer, also in der deutschen Jnter- essen-Sphäre. Daher hat die Ausführungs-Kommission der Antisklaverei-Lotterie in ihrer letzten Sitzung beschlossen, möglichst bald eine starke Expedition mit einem Dampfer auf dem Wasserwege Sambesi - Schire - Nyassa, bann auf dem Landwege zum Tanyanyika zu schicken, um den Greueln des Sklavenhandels über den See ein Ende zu machen.
Inzwischen ist Hauptmann Jacques, der eine belgische Expedition zum Schutze des von den Sklavenhändlern bedrängten Kapitän Joubert nach Mpala führt, am 10. November v. I. in Karema am See angekommen.
Am 12. Juni 1891 reifte eine neue Missionskarawane der Weißen Väter nach Ostafrika ab, acht Priester und Brüder, die für den Viktoria-Nyanza bestimmt sind. Diesen folgte am 12. Juli wiederum eine neue Expedition, bestehend aus fünf Priestern, drei Brüdern und einem in Malta ausgebildeten schwarzen Arzte, die sämmtlich in die Mission am Tanyanyika gehen.
Während der Sitzung des Centralvorstandes wurde das eben eingetroffene Telegramm mitgetheilt, daß der hochverdiente P. Schynse, einer der tüchtigsten Missionare der Genossenschaft, gestorben sei. Der Afrika-Berein wird dem muthigen und opferwilligen Missionar ein bleibendes Andenken bewahren.
iV. Apostolische Präfektur Kamerun. Als bie' zweite Missionsexpebition int Juli 1891 in Marienberg (Tokotown) am Sannaga angekommen war, konnte ber apostolische Präfekt P. Bieter baran benfen, bie Missionsthätigkeit weiter auszu- dehn^n. Da wegen ber Verbindung mit Europa eine Küsten- ftation durchaus nothwendig erschien, gründete er zunächst eine neue Mission in Kriby an der Küste. Um ferner ein Verbindung mit dem Hinterlande Kamerun's herzustellen, wurde Edea an den großen Fällen des Sannaga zur Anlage einer dritten Mifsionsstation gewählt. Ueber diese Neugründungen sowie über die Arbeiten und Schicksale der ersten Station Marienberg liegen zwei ausführliche Schreiben des apostolischen Präfetten (Kriby, 25. Oktober) und P. Georg Walter (Marienberg, 7 November) dem Centralvorstande vor.
Die Station Marienberg besteht jetzt aus einem in Fachwerk errichteten Wohnhause für die Missionare, einem großen Gebäude für Schule und Kapelle, aus Werkstätten für Schreiner, Schlosser und Schuster und einer großen Arbeitshalle. Ein großer Theil des Urwaldes um die Station ist gelichtet und in Garten und Feld verwandelt. Die Schule zählt bereits 50—60 Negerkinder. Von Tokotown gehen die Missionare regelmäßig in die benachbarten Dörfer, um dort Unterricht zu ertheilen. Die beiden neuen Stationen befinden sich noch in den ersten Anfängen. Zum Ausbau derselben bewilligte der Centralvor- stand der Präfektur Kamerun die Summe von 20,000 Mark.
Schließlich wurden weitere 20,000 Mark zur Ausbildung deutscher Missionare für die deutschen Schutzgebiete bestimmt.
Ueber den letzten Punkt der Tagesordnung, über die Mittel und Wege, das Interesse am Vereine lebendig zu erhalten und
Um die Eiligkeit dieses Entschlusses verstehen zu können, muß man wissen, daß die Hypotheken, mit denen sein väterliches Erbtheil belastet war, in der allernächsten Zeit abliefen, und daß dieselben nicht mehr erneuert werden konnten, so daß also der öffentliche Verkauf seines Grundeigenthums nicht zu vermeiden war; Fabries konnte den Gedanken nicht ertragen, daß eines frühen Morgens ganz Vienne wissen sollte, daß er ebensoviele Schulden als Vermögen besäße, während man bisher des Glaubens gewesen war, daß er in gutem Wohlstände lebe.
Dazu kam noch etwas Schlimmeres, was seine Mutter nicht wissen konnte: während seiner Studienzeit in Paris hatte der Unglückliche bei gewissenlosen Wucherern fast sein ganzes mütterliches Erbe diskon- tirt und verjubelt. Kurzum, zur Stunde, da die Be- gegnug mit Charbonneau dem Advokaten einen neuen Horizont eröffnete, war sein Vermögen verschlungen, und sein Name stand in Gefahr, dem Vermögen zu folgen, da seine Stellung unhaltbar geworden wäre, wenn das Publikum in Erfahrung gebracht hätte, daß seine Schulden derart waren, daß dieselben nicht einmal in Folge des Todes seiner Mutter gedeckt werden könnten.
Frau Fabries hatte in gutem Glauben zn Fräulein Raymond gesagt, daß das Vermögen ihres Gustav hundertfünfzigtausend Franken betrüge,' und sicherlich