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Dienstag^den 26. Januar 1892.

• 19. Jahrgang

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I.. Fachorganisationen innerhalb der Kath. Arbeitervereine.

Dem Streben der heutigen Arbeiterwelt nach ge­werkschaftlicher Organisation hat der katholische Arbeiterverein Aachen durch besondere Be­stimmungen in seinem neuen Statute Rechnung ge­tragen. „Zur Förderung der Fachinteressen der Mit­glieder gliedert sich der Verein nach den in ihm ver- vertretenen Gewerken in Werkgenossenschaften (Fachsektionen)". Deren sind bisher sechs eingerichtet: für die Weber, Spinner, Appreteure, Nadler, Bau­arbeiter, Metallarbeiter, je mit Einschluß der ver­wandten Branchen. „Sind im Verein mindestens 30 Mitglieder eines anderen Gewerkes vertreten, so haben sie das Recht, von dem Vorstande die Einrichtung einer Fachsektion zu beantragen." „Die Werkgenossen­schaft sucht die Lage der Fachgenossen zu verbessern durch fachgemäße Belehrung, durch Vermittlung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, durch Mitwirkung der Arbeiterschutzmaßregeln rc." Jede Werkgenossenschaft wählt aus den Fachgenossen einen eigenen Vorstand von 3 Mitgliedern; 2 derselben (Ordner und Vice­ordner) sind zugleich Mitglieder des Vereinsvorstandes. Es muß wenigstens allmonatlich eine Fachsitzung ge­halten werden. Die Fachsitzungen leitet der Ordner. Die Beschlüsse der Fachsektion unterliegen der Ge­nehmigung des Vereinsvorstandes. In der wenigstens alle Monate stattfindenden Vereinsvorstandssitzung be­richten die Ordner und Vizeordner über die einzelnen Fachsitzungen.

Wegen dieser Einrichtung von Fachsektionen für die verschiedenen Gewerkschaften erklärt das erzbischöfliche Generalvikariat zu Köln in seinem durch die Ueber- reichung der neuen Statuten veranlaßten Schreiben an den Präses die Thätigkeit des katholischen Arbeiter­vereins für besonders wichtig. In demßüben Sinne hebt das Schreiben auch die Einrichtung von Kom­missionen für Rechtsschutz und Unterstützung besonders hervor. Die Rechtsschutzkommission besteht aus 8 auf Vorschlag des Vorstandes vom Vereine ge­wählten Mitgliedern. Sie hat die Aufgabe, „den Mitgliedern des Vereins bei ihren berechtigten An- sprüchen behülflich zu sein durch Abfassung von Ein­gaben an die Behörde; für die Wahl tüchtiger Ar­beitervertreter in den Versicherungsanstalten zu sorgen; bei vorkommenden Streitigkeiten, sei es wegen Kranken­unterstützung oder von den Berufsgenossenschaften zu­erkannten Renten oder Invaliden- und Altersrenten, die Geltendmachung der berechtigten Ansprüche der Mitglieder auf Kosten der Vereinskasse zu übernehmen und, wenn die Kommission es für nothwendig er­achtet, einen Rechtsanwalt zur Vertretung des Klägers zu stellen".

Die Unterstützungs - Kommission setzt sich zusammen aus dem Präses und drei vom Vereine auf Vorschlag des Vorstandes zu wählenden aktiven Mit­gliedern, welche durch Handschlag zum Stillschweigen über die Namen und persönlichen Verhältnisse der Bitt-

Ein Gpfer der Pflicht.

Roman nach dem Französischen des Xaver Didier von H. von Remagen.

(10. Fortsetzung.)

„Nun, mein theurer Lehrer, als sich meiner Seele ein neuer, weiterer Gesichtskreis öffnete, da war ich glücklich, sehr glücklich. Daß das Glück so schnell ver­geht! Es fiel mir wie ein Stein auf's Herz, als ich eines Tages plötzlich mich erinnerte, daß ich, ohne Vermögen, tote ich bin, das Aussehen eines Mttgift- jägers habe, gleich den zahllosen Andern, die um Grange-Verte herumlaufen."

Eine kleine Bewegung der Befriedigung entschlüpfte dem alten Pfarrer.

„Recht so!" sagte er.

Francis blickte ihn erschrocken an.

„Also," sagte er, „auch Sie halten es eines recht­lichen Charakters unwürdig, den Plan einer Vereini­gung zweier so ungleicher Vermögen zu verfolgen?"

„Ein Zartgefühl, wie das Deinige, mein Sohn, müßte wirklich vor diesen Gedanken zurückschrecken; die falschen Auslegungen sind so naheliegend und sie ge­fallen am besten."

„Ein Audebrand hat nie Anlaß zu Argwohn dieser Art gegeben und ich wollte nicht der Erste sein."

„Du hast Recht, mein Sohn. Die gesellschaftlichen

steller verpflichtet werden. Sie kann eine nach Gutbe­finden festzusetzende einmalige Unterstützung aus der Vereinskasse an Rekonvalescenten bewilligen, „welche durch Wiederaufnahme der Arbeit das Anrecht auf Unterstützung aus der Krankenkasfe und aus anderen öffentlichen Kassen verlieren."

Erwähnenswerth ist auch die Einrichtung eines Arbeitsnachweisbureaus Dasselbe wird ge­bildet aus dem Vicepräses und sechs auf Vorschlag des Vorstandes gewählten aktiven Mitgliedern. Dasselbe „erläßt von Zeit zu Zeit eine öffentliche Aufforderung an die Arbeitgeber und an die Werkführer, von offenen Stellen Mittheilung machen zu wollen; alle Vereins­mitglieder sollen diesem Büreau jede offene oder bald offen werdende Stelle bekannt geben."

Es genügt, von den angegebenen Einrichtungen Kenntniß genommen zu haben, und man wird dieselben für höchst zweckdienlich erachten und sie allen katholischen Arbeitervereinen, in welchen dieselben nicht bestehen, zur Einführung, soweit thunlich, angelegentlich em­pfehlen. Auf jeden so hinsichtlich seiner Aufgaben er­weiterten Verein muß man aber selbstverständlich auch den Wunsch des erzbischöflichen Generalvikariates aus­dehnen, „daß mit Rücksicht auf die gesteigerten Vereins­arbeiten die Geistlichen und gleichgesinnte Laien den Präses und den Vorstand kräftig unterstützen und die Zwecke des Vereins fördern helfen."

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Januar.

* Bei dem am 1. Februar beim Generallieutenant Kriegsminister von Kaltenborn - Stachan stattfindenden Diner hat der Kaiser sein Erscheinen zugesagt.

* Im Reichstage steht eine größere Debatte über das sog. „Klebegesetz" bevor. Dieselbe dürfte sich beim des Reichsamts des Innern an die Position „Reichsversicherungsamt" knüpfen. Wie man sich er­innert, ist in Süddeutsch land, besonders in Bayern, von der freisinnigen und der Volkspartei eine lebhafte Agitation für Abschaffung bezw. Revision des Jnvali- ditäts- und Altersversicherungsgesetzes eingeleitet wor­den ; außerdem sind dem Reichstag, wie das letzte Ver- zeichniß der demselben zugegangenen Petitionen beweist, namentlich von landwirthschaftlichen Vereinen aus O st - und West Preußen eine größere Zahl von Petitionen zugegangen, welche sämmtlich um eine Revision des Klebegesetzes bitten. Es dürfte daher von rechts und links im Reichstage ein Ansturm auf dieses in den wei­testen Kreisen der Bevölkerung höchst unbeliebte Gesetz erfolgen.

* Der Reichstag setzte die 1. Berathung des Handels­vertrags mit der Schweiz fort. Gegen den Vertrag sprachen die reichsländischen Abgg. Winterer und Dr. Petri mit Rücksicht auf die Spinnerei in Elsaß- Lothringen, welcher der Vertrag geradezu verhängniß- voll sein werde, ferner Frhr. v. Münch, welcher die Gegenkonzessionen der Schweiz für zu gering erklärte. Unterstaatssekretär v. Schraut trat den Bedenken der

Regeln unseres Zeitalters bequemen sich allerdings leicht, solche Heiraths - Geschäfte gut zu heißen, wie Du sie verabscheuest; aber Derjenige, der sich den irrigen Grundsätzen seiner Zeit verschließt, ist desto größeren Lobes würdig."

Wie ist doch das Menschenherz so seltsam! Francis hatte den alten würdigen Geistlichen in sein Herz blicken lassen, um sich in seinen Grundsätzen bestärken zu lassen, wie aus erfahrenem Munde Das bestätigen zu hören, was er sich schon so oft gesagt hatte, daß seinen Ab­sichten schmutzige Habgier von der Welt untergeschoben werden könnte, und siehe da, kaum hatte der väterliche Freund seine Gedanken gebilligt, da zürnte er ihm dieserhalb!

Er konnte sich nicht dagegen wehren, seine Gereizt­heit in dem Tone und in den Worten durchklingen zu lassen, womit er antwortete:

„Sie rathen mir mit der Unbeugsamkeit der Grund­sätze, die Ihr Stand zu den Ihrigen gemacht hat; die Welt urtheilt weniger hart. Ganz gewiß würde diese es mir verzeihen, mich durch die freiwillige Zustimmung einer liebenden und hingebenden Frau bereichert zu haben."

„Aber hast Du die Gewißheit, diese Zustimmung zu erlangen?"

Francis erröthete vor Ungeduld.

„Ist man überhaupt jemals in solchen Angelegen­heiten gewiß?"

reichsländischen Abgeordneten entgegen. Abgg. Schippe! (Soz.) und Dr. Bamberger (dfr.) sprachen als prin­zipielle Gegner der Schutzzölle, Abgg. Frhr. v. Huene ((Str.) und Graf zu Stolberg-Wernigerode (kons.) und Fürst Ferdinand Radziwill (Pole) vom schutzzöllneri- schen Standpunkte für den Vertrag, wobei mehrfach der gestrige Appell des Abg. v. Bennigsen bezüglich einer Wiederannäherung aller liberaler Elemente be­rührt wurde. Abg. Dr. Bamberger ertheilte darauf Seitens der freisinnigen Partei eine förmliche Absage. Die Freisinnigen könnten sich unmöglich mit dem, waS die Verträge an Zollermäßigungen brächten, für zu­friedengestellt erklären. Wünsche Herr v. Bennigsen, daß künfüg beiderseits der Kampf mit nicht mehr Schärfe, als zur sachlichen Erörterung nöthig, geführt werde, so könne er ein solches Versprechen für seine Partei ab­geben. Abg. Richter (frs.), welcher später in das Haus trat und die Rede Bamberger's nicht gehört hatte, äußerte sich in ähnlichem Sinne, gab aber zu, daß es für die beiden Parteien, namentlich im preußischen Landtage, gemeinsame Arbeitsgebiete gebe, so die der Schule und der Kommunal-Angelegenheiten. Er schloß mit der Hoffnung, daß die beiden Parteien in der Ablehnung des Schulgesetzes zusammenstehen würden. Abg. v. Bennigsen erwiderte, er sei weit entfernt davon gewesen, Herrn Bamberger und seinen Freunden zu- zumuthen, daß sie sich mit dem, was die Handelsver­träge bieten, für vollständig befriedigt erklären sollten; er habe nur gesagt, daß die durch die Verträge ge­schaffene Stabilität naturgemäß dazu führen müsse, daß die Gegensätze zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern auf lange Zeit minder scharf zum Ausdruck kommen. Frhr. v. Huene (Ctr.) erwiderte den gesttigen Appell Bennigfen's an die Liberalen mit einem Appell an alle konservativen Elemente, zum Schutze der idealen Güter sich aneinander zu schließen. Nachdem noch von den Konservativen Abg. Menzer und Abg. Dr. Hartmann gegen den Vertrag gesprochen) wurde von einer Kom­missionsverweisung desselben abgesehen. Der Vertrag kommt am Montag zur 2. Berathung.

* Die Bild gettommisfion des Reichstags berieth gestern den Gesetzentwurf über die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen eingezogenen Mann­schaften. Es wurde beschlossen, auch die Ersatzreservisten für die zweite und dritte Uebung einzubeziehen. Die Höhe der Unterstützungen wurde für die Ehefrau auf 30 pCt., für die anderen Personen auf 10 pCt. des ortsüblichen Tagelohns normirt, (die Vorlage hatte 20—30 Pf. für die Ehefrau und 10 Pf. für jede der sonst unterstützungsberechtigten Personen beantragt), im Ganzen sollen aber nicht mehr als 60 pCt. gezahlt werden. In der heutigen Sitzung berieth die Budget­kommission den 2. Nachtragsetat über 11,529,336 M., welche Forderung bewilligt wurde. Auf eine Anfrage des Abg. Richter wegm des sog. „Caprivi-Brodes" wurde vom General von Funk mitgetheilt, daß sich dasselbe bewährt habe und weiter gegeben werde. Auch die Forderungen von 1,211,000 M. zur Beschaffung von Feldmaterial wird bewilligt, wie auch die Forde-

„Jch habe hoffen dürfen — ich habe glauben müssen; fitzt aber, nachdem ich mich so und so lange zurückgehalten habe, habe ich alles Recht verloren, irgend etwas Bestimmtes noch vorauszusetzen."

Pfarrer Gelis hatte während dieses Ueberströmens von Unlogik, wodurch am besten die wahren Gefühle des jungen Mannes zu Tage getreten waren, sich wieder zu sammeln Zeit gehabt.

„Mein lieber Francis," sagte er mit edler Würde. „Du befindest Dich unter dem Eindrücke von Einbil­dungen, die umso ehrenhafter sind, als sie ihre Quelle im besten Theile Deines Herzens haben. Du möchtest den Eingebungen Deines rechtlichen Herzens folgen und Du suchst unfreiwillig jetzt schon die Verzeihung für eine mögliche Schwäche gegenüber Deinem Grundsätze. Ich bin überzeugt, daß ein Mann Deines Charakters und Deiner Herkunft, auch für den Fall, daß er arm wäre, eine reiche Frau heirathen darf, wenn die Ver­hältnisse es so mit sich bringen. Wenn ich soeben nicht in diesem Sinne sprach, so geschah es, weil ich hoffte, Du seiest noch nicht so sehr in den Händen der Leiden­schaft. Aber, mein armer Sohn, es ist nicht das Ver­mögen von Fräulein Florence, das ein unübersteigliches Hinderniß für Dich sein könnte; es existirt ein anderes, weit größeres."

„Ein Hinderniß?" stotterte Francis.

„Und zwar eines solcher Natur, daß die Klugheit