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Letzte Beobachtung 10'/, Uhr Morgens Luftdruck — 734,4 mm. — Lufttemperatur — —
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Meteorologische Beobachtung«»
der hiesigen Wetterwarte.
Wilderer plötzlich um und gab auf Herrn Eisner aus unmitrelbarer Nähe einen Schuß mit groben Schroten ab, sodaß bissen rechter Arm von der Handwurzel bis zum Schultergelenk von 16 Schroten getroffen, sogar theils durchbohrt wurde. Nur mit vieler Mühe und unter starkem Blutverluste erreichte Herr Eisner die Spitalmühle, von wo aus er mit dem Fuhrwerk des Btsitzers alsbald nach Hause geschafft wurde. Derselbe befindet sich in ärztlicher Behandlung. Ein Theil der Schrote konnte noch am selben Abend aus dem Arme entfernt werden. Die Recherchen nach dem Thäter wurden sofort eingeleitet und als der Thäterschaft verdächtig noch im Laufe der Nacht ein Burfche aus Burglauer verbaftet.
i der so viele Jahre einen so enormen Fremdenzuzug hat, i sinkt jedoch nicht so leicht in die Vergessenheit zurück. > Ein Beispiel haben wir an Gräfenberg, wo Prießnitz seinerzeit wirkte; heute nach vierzig Jahren seit dem । Tode Prießnitz' zählt Gräfenberg jährlich über 2000 ! Kurgäste. Freilich ist die Lage eine günstigere, doch ; dies verschlägt nicht viel, wenn andere, wichtigere Mo- ; mente mitwirken.
Pfarrer Kneipp hat erst in diesem Jahre sein neues : Kurhaus eröffnet, das in seiner Ausstattung allen Anforderungen. die man an eine geschloffene Anstalt zu stellen pflegt, vollkommen entspricht. Es erübrigt nur ' noch, daß ein tüchtiger, sympathischer Arzt dem alten Herrn zur Seite steht, der durch langjährige Praxis in Wörishofen im Stande ist, dereinst das Erbe Kneipp's anzutreten unh in seinem Geiste weiter zu arbeiten. Leider ziehen alle Bade-Aerzte, wenn sie ein bis zwei Jahre in Wörishofen gearbeitet, dem dortigen Aufenthalte für die Dauer einen verlockenden und gewinnbringenden Antrag in einer Stadt vor; Niemand kann es ihnen verübeln, wenn sie bei der Wahl zwischen Land- und Stadtpraxis letztere wählen.
Doch daran ist »och nicht so bald zu denken; noch steht der alte Pfarrherr, trotzend dem Alter und der koloffalen Anstrengung, die er zu tragen hat, fest wie eine Eiche mitten im Sturme. Noch mancher Sturm kann über dieses greise Haupt Hinwegbrausen, bis es endlich, widerstandsunfähig, gefällt wird. Wir Alle hoffen und wünschen dem greisen Wohlthäter der Menschheit noch langes Leben zum Wohle seiner Mitmenschen.
Kaum ist das Dorf im Stande, die Schaaren der täglich ankommenden Fremden aufzunehmen und zu beherbergen ; da mußte sich noch vor einem Jahre manch' vornehmer Herr, der daheim eine Reihe von prunkvoll ausgestatteten Zimmern bewohnt, mit dem dürftigsten Stübchen, baar jeder Bequemlichkeit, begnügen und konnte noch froh sein, überhaupt Unterkunft gefunden zu haben. Bald erkannten die Wörishofener, daß von den Fremden viel zu holen sei; eine Bauthätigkeit zeigte sich allüberall und kaum war das Haus unter Dach, so war es auch schon in allen seinen Räumen besetzt.
So steht Wörishofen gerüstet für den Verkehr heute da, die Wohnungsnoth und mit ihr die primitiven Zustände sind vorüber; aber auch die goldene Zeit, wo man für wenige Silbergroschen eine Stube bekam. Am Eingänge des Torfes steht ein stattliches Gebäude, Urban's Kurhotel, und beginnt den Reigen der schier zahllosen Restaurationen, in denen für mäßiges Geld eine gute Kost verabreicht wird.
Wörishofen selbst liegt in weiter Ebene, eine Stunde von der Bahnstation Türkheim, der Strecke Buchloe- Memmingen im Kreise Schwaben-Neuburg; die Gegend ist ziemlich fruchtbar für den Feldbau, während Öbst- und Weinbau wegen der bedeutenden Höhenlage und dem rauhen Klima nur wenig gedeihen. Die Bevölkerung scheint von früher hier in gewisfem Wohlstände zu leben, wenigstens beuten die älteren, gut gebauten und reinlichen Häuser und der schöne Viehstand darauf hin. Was der Gegend einen besonderen, aber leider auch den einzigen Reiz verleiht, sind die schönen Lanb- und Nadelwaldungen, die einzigen Zielpunkte für Spaziergänger.
Doch alles das interessirt den Fremden erst in zweiter Linie. „Wo ist der Herr Pfarrer?" fragt ein Jeder, und beeilt sich nach erhaltenem Bescheide so bald als möglich in die Sprechstunde zu kommen. Er hätte nicht zu fragen gebraucht und nur sehen dürfen, in welcher Richtung die Meisten gehen. So gelangt er in das Kurhaus, das Sebastianeum, wo Kneipp seine Sprechstunden abhält. In den Tagen des alte» Burgtheaters in Wien herrschte kein größeres Gedränge vor der Eingangsthüre, wie hier vor der Thüre des Pfarrers. Jeder erhält von dem Wache haltenden Cerberus, der von einem Spaßvogel den Beinamen König von Wörishofen" erhielt, wegen des K. v. W. (Kneipp-Verein von Wörishofen) auf feiner Kappe eine Nummer und muß nun ruhig warten, bis er an die Reihe kommt. Wehe ihm, wenn er dem grimmigen Wächter ein Trinkgeld zustecken will, um früher vorgelasien zu werden. Er erhält nicht nur sein Geld wieder, auch einige gut deutsche Püffe von dem Einen ober Anderen, der schon länger wartet, können ihm zu Theil werden. Endlich kommt an ihn die Reihe. Ruhig hört ihn zumeist der alte Herr an, wenn er nicht „zu viel schwätze" thut; da kann er gar wild werden, besonders dem schönen Geschlechte gegenüber, das in seiner Leidensgeschichte meist weit ausholt und dann doch nicht gehorcht. Einer solchen Dame, die ihm mit großer Zungenfertigkeit erklärte, sie habe einen Klappenfehler am Herzen, ob er sie heilen könne rc., antwortete er: „den einen schon, aber der" — damit zeigte er auf ihren Mund — „ist unheilbar." Kneipp schickt alle die Kranken, die Herzoder lungenkrank sind und überhaupt solche, von denen es zweifelhaft ist, ob eine Kur von Vortheil sei, zuerst zu einem Arzte behufs Untersuchung, von der es abhängt, ob der Patient in Behandlung genommen wird oder nicht.
Was nun die Kurmethode Kneipp's betrifft, so ist sie theils diätetisch, theils hybriatisch. In seinen populären Vorträgen belehrt er seine Gäste, wie sie sich fleiben sollen unb welche Nahrung bie beste sei. Bezüglich ber Kleider eifert er besonders gegen bie zu
warmen, bie nur verweichlichen; bem Schnürleib ist er ein abgesagter Feinb, dagegen lobt er bas Tragen von Leinwanb für Unterkleiber, nicht J)er feinen, sondern ber ganz groben Bauernleinwand.
Wem diese jedoch zu grob ist, empfiehlt er die Tricotleinenwäsche, bie zwar theuer aber angenehmer zu tragen ist. Unter ben Nahrungs- unb Genußmitteln tabelt er mit Recht bie reine Fleischkost, empfiehlt einfache gemifchte Kost unb nicht zu stark gewürzt, und fchwarzes Brod, sogenanntes Kraftbrod, welches nach dem Recept des Klosters der Dominikanerinnen aus zwei Theilen Weizenmehl, einem Theile Roggenmehl und einem Theile Weizenkleie mit ein wenig Hefe und Salz zu einem Teig angemacht unb gebacken wirb. Von ben Genußmitteln haßt Kneipp besonbers ben Bohnenkaffee unb stellt ihn nicht mit Unrecht als bie Ursache so mancher Störungen im Organismus hin, währeudbem das aus gemalzter Gerste bereitete Surrogat nicht nur wohlschmeckenb, sonbern auch nahrhaft unb — billig ist. Eine Spezialität ist bie sogen. „Kraftsnpp", Fleischsuppe ober Milch mit geriebenem Kraftbrob vermischt; Feinschmecker können Geschmack unb Nährwerth verbessern durch Hineinrühren eines Eies. Gemeiniglich wird den Patienten Bier und Wein- genuß ganz verboten ober nur auf ein geringes Quantum beschränkt; teiber schmecken verbotene Früchte am besten, wie bie Sünder in ber „Sonne" meinen; was können sie bafür, daß ber Sonnenwirth so gutes Bier verzapft? Pfarrer Kneipp, um feine Ansicht gefragt, was man trinken solle, antwortet meist: „Der Wein ist mir zu theuer, bas Bier zu schlecht, bas Wasser zu naß."
Bezüglich bes Essens pflegt er scherzweise zu sagen: „Nicht wenig, aber gut."
Noch wäre unter die diätarischen Vorschriften zu rechnen — das Barfußgehen. Es ist nicht, wie Spötter meinen, das Wichtigste der ganzen Kur, wohl aber wirkt es unterstützend; begeisterte Lobredner hierfür gibt es in Menge, wer es einmal probirt, bleibt nicht beim ersten Versuch, sondern übt es fleißig. Es kann in verschiedenen Abstufungen geübt werben ; im Zimmer, auf nassem Gras unb im Schnee, aber auch hier gilt die Regel: Nicht übertreiben!
Die Wafferanwendungen unterscheiden sich von denen der anderen Methoden durch die kurze Dauer unb burch das Nichtabtrocknen nach denselben und bestehen in Begießungen, die je nach ber Körperpartie, bie sie treffen, passende Namen führen, wie Schenkelguß, Rückenguß, Gesichtsguß rc.
11 Unterstützend wirken bei geroiffen Krankheiten bie Heublumen, bie entroeber angefchwellt ober nur im Absub verwenbet werben, zu ganzen Einpackungen unb theilweifen Einwickelungen. Es würbe zu weit führen, bas ganze System zu zergliebern, uns genüge die Thatfache, baß bas Buch „Mein e W aff er kur" unzählige Auflagen erfahren hat unb Ueberfetzungen in fast allen Sprachen Europas bereits vorliegen. So wirb bie Methobe ein Gemeingut ber ganzen gebilbeten Welt unb ber Aerzte werden, die sich ^Neuerungen gegenüber, auch wenn sie nicht von fachmännischer Seite kommen, nicht verschließen können, unb Pfarrer Kneipp wirb einst mit bem Tröste von hinnen scheiben können: Hon omnis moriar.
Vermischtes.
* Bauern-Regelu für Januar. Die Neujahrsnacht still und klar, deutet aus ein gutes Jahr. Ist der Januar nicht naß, füllet sich des Winzers Faß. Wenn'sIGras wächst im Ja- nuar, wächst es schlecht durch's ganze Jahr. Auch heißt es: Falls im Januar die Krähe krächzt, kein Grashalm auf dem Felde wächst. Weiter heißt es: Sankt Paulus (10.) schön mit Sonnenschein, bringt Fruchtbarkeit dem Korn und Wein. Sankt Pauli klar, bringt gutes Jahr, hat er Wind, regnet es geschwind. Biel Frost und Schnee im Januar, verspricht ein reich gesegnet Jahr. Ist im Januar dick das Eis, gibt's im Jahr ein üppiges Reis. Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte gut soll sacken.
M * Amerikanische Schuldmahnung. (Aus dem Anzeigen- theil eines Blattes.) „Ein junger Freund von uns, Namens Bacon, früher in La Crosse, neuerdings in New-Jersey ansässig, ist tobt. Er borgte vor 4 Wochen fünf Dollars von uns, und versprach, sie in einer Woche zurückzuzahlen, wenn'er am Leben bleibe. Da er ein Gentlemann und Mann von Wort war und seitdem nichts von sich hören ließ, muß er natürlich gestorben sein."
* Zu uninteressant. „Waren Sie in der Gerichtsverhandlung, gnädige Frau?" — „Ja aber nur einige Minuten; es war mir zu uninteressant. Der Präsident forderte nicht einmal die anständigen Damen auf, sich zu entfernen."
Suftbrutf noch langsam fteigenb. Die Lufttemperatur sank in vergangener Nacht bis 18,0,° C. unter ben Gefrierpunkt!
_______ _____ . 13 90 c __ Luftfeuchtigkeit — 91o/0. — Wolkenzug 0. — Windstille' — — Himmelsansicht v. heiter.
Wörishofen im Dezember.
(Nach dem ,Wiener Vaterland').
Station Buchloe! Wagenwechfel nach Memmingen! rufen bie Schaffner unb Jeder, der in dieser Richtung fahren will, beeilt sich, feine Habseligkeiten zusammenzuraffen unb ben anberen Zug zu besteigen. Die Glücklichen, bie nicht umsteigen müssen, haben Zeit sich zu stärken unb vom Coupee aus bas bunte Menschenge- woge zu betrachten.
Viele Jahre finb verflossen, seit wir zuletzt diese Route befahren, es hat sich nicht viel veränbert; noch erfreut sich das bayerische Bier desselben Zuspruches, nur ist der Konsum mit dem wachsenden Verkehre gestiegen, noch ziehen sich bie Schaffner knapp vor der Abfahrt ins Schauklokal zurück, was sie aber da drinnen thun, ist schwer zu ergründen; doch muß es sehr wichtig und angenehmer Natur sein, denn bald erscheinen sie wieder mit vergnügten Gesichtern und wischen behaglich ihre Schnurrbärte.
Daß in den Zug nach Memmingen doch gar so viele merkwürdige Gestalten einsteigen. Dicke, wandelnden Fässern vergleichbar, daneben wieder Leute, so dünn und durchsichtig wie ein Zwirnfaden, Bucklige und Hinkende, Taube unb Blinbe. Sieh', ba schleppen sie eine alte Bauersfrau herbei unb heben bie Gelähmte in ben Wagen hinein, woselbst schon eine bunte Gesellschaft beisammen sitzt, Stabt- unb Lanbvolk. Alle aber haben das gleiche Reiseziel.
Mitten durch Krüppel und Presthafte schreitet stolz ein Kolporteur mit dem Rufe: „Kneipp-Blätter, Wörishofener Blätter, Führer durch Wörishofen gefällig?" Er macht gute Geschäfte, denn so Mancher kauft eine Reiselektüre oder bewaffnet sich mit dem „Führer", um sich nur ja in Wörishofen zurechtzufinden. Wir kaufen dem Manne die ganze Kneipp-Literatur ab und erfahren daraus ganz merkwürdige und neue Dinge, zunächst, daß es in Schwaben ein „Nest" gibt, Namens Wörishofen, wohin die Hilfesuchenden pilgern und der Pfarrer daselbst, Sebastian Kneipp, nicht nur ein guter Seelenhirte, sondern auch ein gewaltiger Wasserdokior vor dem Herrn ist, den alljährlich Tausende aufsuchen, Hoch unb Nieber, Arm unb Reich, aus Nah unb Fern. Seit ber Zeit, wo Kneipp fein Buch „Meine Wasserkur" in bie Welt hinausgesandt, hat Wörishofen aufgehört, ein Nest zu fein, weithin bekannt ist sein Name und eng verknüpft mit feinem Pfarrherrn. Er ist die Sonne, um die sich Alles dreht, fo lange bis sie — untergeht. Bei Gott liegt es, ob die Wörishofer dann jammern müssen, tuimus Troes, ober ob Wörishofen noch ferner von Fremden besucht sein wird. Ein Ort,
Geplauder der Schulkinder hatte, daß die Neugierde des jungen Mannes sehr erklärlich war, zu erfahren, von wem die Stimme herrühre.
Es war eine Spaziergängerin, deren Gesicht er wegen des breiten Randes ihres Strohhutes nicht wahrnehmen konnte, die ihm jedoch durch ihren graziösen Wuchs unb ihre, wenngleich einfache, so boch gewählte Toilette eine wahre Ueberrafdjung bereitete. Er sagte sich, baß er in Estrablin, bem Dorfe, in welchem Grange-Berte unb la Milliote die vornehmsten Häuser waren, nie einen solch' zarten Wuchs, einen so zierlichen Fuß und ein fo geschmackvolles Kleid gesehen hatte.
„Die Blume ist auf diesem Boden nicht gewachsen", dachte er.
Er hörte, wie sie mit jenem frischen, melodischen Accente, den man in einem Dorfe ber Dauphinee nicht kennt, mit einer älteren Person sprach, bie ihr langsam folgte unb zu ber sie sich im Weitergehen halb umwendete. Von Letzterer konnte er ohne Mühe das knochige, pergamentfarbige Gesicht beobachten, in welchem Zwei kleine, graue, mißtrauische Augen leuchteten. Sie hatte für ihren gaüfarbigen Teint die Sonnenstrahlen wchl zu scheuen unb fo trug sie beim ihren gelben Sonnenschirm, besten unverhältnißmäßig großen Stock «ne bürre Hanb hielt, nachlässig auf ber spitzigen Schulter, welche bie alte Jungfer verrieth.
. 3n biefem Augenblicke hob bas junge Mädchen let^t ben mit Bändern geschmückten Rand ihres Hutes auf, was Francis erlaubte, bas lieblichste Lächeln emes^ jungfräulich schönen Mäbchenantlitzes zu erblicken.
sie hatte die halb offene Thür von la Milliöte erreicht unb gewahrte sofort ben alten Diener, an helfen aufgeregter Miene sie erkannte, baß etwas Ungewöhnliches vorgegangen fein mußte; sie blieb baher fragenb stehen.
(Fortsetzung folgt.)
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