—y 5 . Freitag, den 8. Januar 1892. 19. Jahrgang
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,Rathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. w.uusun.unr
jetzige noch viel mehr. Niemand begegnete ihm, nirgends war eine Spur in den Schnee getreten. Der junge Mann begann schon müde zu werden. Trotzdem verfolgte er unverdrossen seinen Weg. Oft sank er tief in den Schnee ein und hatte Mühe, fich daraus emporzuarbeiten. Der Schweiß brach in Hellen Perlen auf ferner Stirne hervor, seine tiefen Athemzüge sprachen deutlich von der immer größer werdenden Ermüdung; allein nichts konnte ihm den Humor und den frohen Hoffnungsmuth rauben. In der Ferne winkte ihm fein trautes Heim und hohe Weihnachrsfreude; die geliebte Mutter und Schwester harrten seiner mit Sehnsucht — dies Alles mußte ihn aufrecht halten und seine Kräfte zu den letzten Anstrengungen stählen.
Einigemal war er auch schon vom rechten Wege abgekommen und hatte kleine Strecken wieder rückwärts machen müssen. Es war in der That schwer, sich zurecht zu finden. Soweit das Auge reichte, erblickte er eine endlose Schneefläche, die nur zuweilen dnrch kleine Erhöhungen, Bäume und sonstige erhabene Gegenstände unterbrochen wurde. Die abgrenzenden Vertiefungen zwischen Feld und Weg waren verschneit und boten keine Anhaltspunkte mehr.
Der Gymnasiast war schon beinahe 4 Stunden unter Wegs und noch immer zeigte sich sein Heimats
Umbildung ganzer alter Nationen in Asien und Afrika. I fing der Erde, der wechselnde Mond am Himmel - Je klemer uns die Vergangenheit erscheint, desto hängt. Aehnlich steht es mit dem Dünkel der großer wird die Aussicht für die Zukunft. So weit Wissenschaft. Sokrates sprach schon das große wir mit unserer schwachen Vernunft uns ein Bild von * <m—— = -■ 11 m •- ■’ "
dem Schöpfungs- und Heilsplane Gottes machen können, muß man es für wahrscheinlich halten, daß die Menschheit sich noch im Frühling ihrer Entwickelung befindet, daß bis zum jüngsten Tage noch viel, viel mehr Jahre verfließen werden, als seit Erschaffung Adams verflossen sind. Wenn nicht Wunder geschehen, so wird es trotz der fortwährenden Beschleunigung des Verkehrs noch sehr lange dauern, bis die ganze Welt christlich geworden ist. Die äußeren Bedingungen der Missionsthätigkeit sind freilich bester geworden, aber dagegen macht sich die störende Einwirkung der Kirchenspaltung seit 300 Jahren geltend und neuerdings fällt die Nothwendigkeit der Abwehr des Wissenschaftfichen und des sozialdemokratischen Unglaubens schwer in's Gewicht. Die Kirche Gortes bedarf zahlreicher Kräfte zur Vertheidigung ihres alten Besitzstandes; das schwächt natürlich die gegen das barbarische Heidenthum vorrückende Angriffsarmee. Neben der Eroberung der heidnischen Völker läuft noch die zweite schwierige Aufgabe der Wiederherstellung der christlichen Einheit, der Wiedergewinnung der Irrenden und Schismatiker. Wenn nun nach vielen Hunderten von Jahren diese Aufgaben gelöst und die Kirche Christi über alle Völker ausgebreitet ist, dann muß nach menschlicher Berechnung erst noch eine ausgedehnte Periode der B e r w e r t h u n g dieser mühsam begründeten Organisation eintreten. Es gibt große Gebiete auf der Erde, wo von Anfang der Besiedelung an, vielleicht mehr als 5000 Jahre hindurch, das Dunkel des heidnischen Irrwahnes geherrscht hat. Wenn nun nach I tausendjährigem Warten und Ringen dort das Licht der Offenbarung angezündet und der Same des göttlichen Wörter Msgesneui wvMn ist, die Vorbedingungen einer gedeihlichen Entwicklung der Nationen endlich gegeben sind, wird dann der Herr plötzlich abbrechen und durch ein frühzeitiges Weltende den Erfolg der Heilsthätigkeit vereiteln wollen?
Die Menschheit darf also noch auf eine lange Lebensdauer hoffen. Wie weit sie es in den künftigen Jahrtausenden in der weltlichen Kultur, in den Wissenschaften und Künsten noch bringen wird, läßt sich natürlich nicht im Voraus ermessen. Die menschliche Forschung macht jetzt sehr schnelle Fortschritte; wenn auch zeitweilig em Stillstand eintreten ollte, so ist doch ein beschleunigtes Anwachsen des babylonischen Thurmbaues der irdischen Weisheit zu erwarten. Aber wird der Thurm in den Himmel ragen, wird die menschliche Wissenschaft die Geheimnisse Gottes ergründen? In dieser Hinsicht werden die Gelehrten um so bescheidener, je mehr sie gelernt und e mehr besser sie es verstanden haben. In grauer Vorzeit konnten die Leute wirklich glauben, daß sie einen Thurm zu bauen vermöchten, der bis in den Himmel reichte; jetzt weiß schon jedes wohlunterrichtete Schulend, daß alle Kraft und aller Stoff und alle Kunst auf Erden nicht einmal ausreicht, um die kleine Höhe zu erreichen, in der unser nächster Nachbar, der Spröß-
I Wort aus, es sei die höchste Weisheit, zu erkennen, daß man nichts weiß. Der Halbwisser ist aufgeblasen über das Bischen was er weiß, weil er nicht fähig ist, die großen Mängel seines Wissens zu erkennen. Dringt er aber weiter vor in seiner Forschung, so eröffnet sich ihm bei jedem einzelnen Schritt vorwärts die Aussicht auf ein weiteres unerforschtes Gebiet von hundert und tausend Schritt. Wie geht es z. B. in der Astronomie zu? Als man noch kein Fernrohr hatte, konnten sich die Sternforscher leicht vermessen, die Sterne zu zählen. Als das Fernrohr erfunden war, wurde die Zählung nicht leichter, sondern schwerer; denn nun stellte sich das kleine Pünktchen, das man früher für ein kaum sichtbares Sternchen erachtete, als einen Haufen von Sonnen dar. Und wenn man die Fernrohre vergrößert und verbessert, um sich in diesen Nebelflecken zurecht zu finden, dann tauchen ringsumher wieder neue Sterne und Sternhaufen auf und im Hintergrund wieder schwache Fleckchen, die vermuthlich aus Hunderten von bisher ungeahnten Weltsystemen bestehen. Je schärfer und weiter wir sehen, desto klarer wird, daß da gar kein Ende zu finden ist, daß die Schöpfung für uns unermeßlich ist.
Der grüne Jüngling, der sein Zeugniß für den einjährigen Dienst in der Tasche hat, schwadronirt kühn darauf los von der Thorheit des Glaubens, der Allmacht der Forschung und der Alleinherrschaft des Wisfens. Der hochberühmte Berliner Profefsor aber, der als bahnbrechender Forscher in der ganzen Welt gilt, sagt auf der Höhe seines Ruhmes und seiner Erfolge: ignoramua et ignorabimua! Unser Wissen ist Stückwerk und unser Wissen bleibt Stückwerk. Er gesteht das nicht etwa auS freiwilliger Ehrfurcht gegen den Glauben, sondern auf Grund seiner wissenschaftlichen Erfahrungen. Seine Forschungen haben ihm gezeigt, daß der menschliche Geist niemals dahin gelangen wird, die Räthsel der Natur zu lösen und wissenschaftlich den Anfang und das Ende des Seins zu ergründen. Und mag die Reihe der Forscher noch Tausend und Millionen von Jahren ununterbrochen weiter arbeiten, der letzte wird trotz des riesig vermehrten Schatzes immer noch sagen müssen: Ignoramua; etwas weiß ich, aber es ist nichts im Verhältniß zu dem, was ich vergebens zu ergründen suchte.
Das Wissen ist Stückwerk; es kann das Herz nicht befriedigen, die Welt nicht beglücken. Glaube und Religion müssen der Schwäche des menschlichen Erkennens und Wollens zu Hülfe kommen. Bei dieser Jahreswende dürfen wir im Gegensatz zu manchen betrübenden Zeichen der Zeit als eine erfreuliches hervorheben, daß trotz allem Lärm des Unglaubens doch die Werthschätzung der Religion, die lieber» zeugung von ihrer Unentbehrlichkeit, bedeutend gestiegen ist.
ort nicht. Er wurde unruhig und spähte scharf umher, um sich zu orientiren. Die stärker werdende Kälte trieb ihn jedoch gleich wieder vorwärts. Allein als die Sonne im Westen in ihren letzten Funken glühroth versprühte und allmählich die Nacht ihre dunklen Schwingen um die Erde flocht, da ward er inne, daß er sich verirrt hatte. Es fiel ihm heiß auf'S Herz, daß er diesen und jenen Punkt, der auf dem Wege zu seiner Heimath lag. noch nicht wahrgenommen, daß er das Dorf, das zwischen Dem Gymnasialstädten und seinem Vaterhause sich befand, noch nicht passirt hatte.
Was nun thun? Wieder rückwärts eilen? Der Weg war viel zu weit, und seine Kräfte fehr reduzirt. Also vorwärts, stracks vorwärts! Irgendwo in der Nähe mußte doch eine menschliche Wohnung sein, wo er sich Auskunft holen konnte.
Schon hatte der Mond mit seinem blassen Lichte und dem funkelnden Sternengefolge am Himmel seinen Sitz aufgeschlagen; der Wind pfiff eisig über das Land und verbreitete eine sol he Kälte, daß die Schweißtropfen, die von Wilhelms Stirne auf seinen Rock gefallen waren, im Nu zu Eis geronnen.
Eine namenlose Angst bemächtigte sich des Jünglings. Wie toll rannte er von dannen. Tausendmal glaubte er in dieser ober jener Erhöhung Menschen-
Also die Menschheit hat noch eine lange Zukunft vor sich und für sie ist ein einzelnes Jahr eine Kleinigkeit. Ader für uns, für den einzelnen Men-° fchen, ist die Zukunft kurz und unsicher, das Jahr
5 Das Mettenglöcklem.
Bon Erich Krafft. (Fortsetzung.) jubelnd klang die sonore Stimme Wilhelms über die schweigenden Schneefelder dahin. Das Auge des Jünglings, in dem sonst wohl noch die Träume der Jugend weich und warm sich abspiegelten, glänzte in mannhafter Begeisterung, seine Wangen, welche der kalte Wind und der anstrengende Marsch schon etwas geröthet hatten, glühten und blüthen wie purpurne Rosen.
Die leblose Natur ober schien mit ihm in seinen Ehrtstgesang einstimmen zu wollen: Traut und ver- nehmlich plätscherte das Bächlein, das in seinem krystall- geränberten Bette frohmüthig längs ber Fahrstraße emherzog, zu seinen frommen Weisen; leise bewegten sich die Bäume zur Rechten und Linken im Winde und ließen dabei Schnee- und Reifstäubchen zur Erde rieseln, gleich als ob sie dem kommenden Heiland ihre Huldigung ans seine Pfade streuen wollten.
Wilhelm schritt rüstig fürbaß. Die große Fahrstraße hatte er mittlerweile mit engen Nebenwegen vertauschen müssen. War der frühere Theil seines Marsches schon einsam und beschwerlich gewesen, so war es der
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Bald wird wohl ein Zahlendeuter auftauchen, ber aus biefen vier Ziffern allerhanb Seltsamkeiten heraustüftelt. Z. B. die Quersumme ist gleich 20. die Quersumme von Ziffern 1 unb 3, Ziffer 2 unb 4 je 10. 1X9 gibt bie Quadratzahl von 3, 8X2 gibt die Quadratzahl von 4, beides zusammen die Quadratzahl von 5. Aehnliche „Geheimnisse" kann man bei jedem Häuflein Ziffern entdecken, wenn man sie nur tüchtig durcheinander wirbelt. Gehen wir von dieser Spielerei zu einer ernfteren Betrachtung ber Jahreszahl über.
1891 Jahre sind seit Christi Geburt verflossen. Immerhin eine stattliche Reihe; denn wenn man in der Minute bis 60 zählt, so braucht man über eine halbe Stunde, um die Zahl dieser Jahre abzuzählen. Aber wenn man die Sache von einer andern Seite betrachtet, so nimmt sich der Zeitraum verhältmßmäßic, kurz aus. Was ist seit Christi Geburt nicht Allei geschehen! Wie hat sich das Amlitz der Erde erneuert! Heberjliegen wir in Gedanken die Zeiten der Christenverfolgungen, der Völkerwanderung, des fränkischen Reiches, des deutschen Kaiserreiches mit ganzen langen Reihen von Herrschern, der Entdeckung der neuen Welt, der Reformation und Gegenreformation, des dreißigjährigen Krieges, des siebenjährigen Krieges, der französischen Revolution und des inhaltreichen neunzehnten Jahrhunderts, und machen wir uns dann klar, daß diese ganze Fülle von Ereignissen und Leistungen, dieser ungeheure Entwicklungsprozeß von nur 63 Generationen (Geschlechtern) zu je 30 Jahren geleistet worden ist. Man schlägt eine Generation gewöhnlich auf 30 Jahre an; ein großer Theil jedes Menschen- Jahrgangs bringt es aber zu 60 bis 70 und noch mehr Jahren in voller geistiger Leistungsfähigkeit und rn sruchlburer Wechfekw trfinrg mic dem Nachwuchs, der nm mehr als ein halbes Jahrhundert zurück ist. Rechnen wir mit einer solchen Generationsdauer von 50 bis 60 Jahren, so ergeben sich seit Christi Geburt nur 30 bis 40 Geschlechtswechsel. Wenn wir nun auch für die alttestamentliche Zeit doppelt so viel Schichten der Menschheit in Anrechnung bringen, so stellt sich doch immer noch die Menschheit als sehr jung dar.
Diese Betrachtung ist keine müßige Zahlenspielerei. Indem sie uns vor einer Überschätzung der Zeiträume warnt, sichert sie uns etwas mehr Verständniß für bie Zeitrechnung Gottes. Wie konnte bie Erbarmung Gottes ganze 4000 Jahre roaiten mit ber Entsenbung des Erlösers? Weil bie „ganzen" 4000 Jahre nur ein kleiner Zeitraum finb, eine mäßige Vorbereitungszeit, auf bie kaum 100 Generationen gerechnet werden können. Und warum umfaßt jetzt, nach fast 1900 Jahren, das Christenthum noch nicht die Hälfte der bewohnten Erde? Weil Gott Men- f ch e n zu Verkündern seiner Lehre herangezogen hat, deren Thätigkeit nur langsam und mit häufigen Störungen vor sich geht, und weil die bisherige Zeit von kaum 60 Generationen, namentlich in Anbetracht der 1 Verkehrshindernisse während des Mittelalters, sehr ge- i ring ist im Verhältniß zu der Größe der Aufgabe, der ;