Mittwoch Den 6. Januar 1892.
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Weqen des Festes der hl. drei Könige wird die nächste Nummer d. Bl. erst am Donnerstag ausgegeden.
* Das hl. Dreikönigen-Fest.
Das Fest der Erscheinung des Herrn oder das hl. Dreikönigen-Fest ist, wie schon die vielen Benennungen anzeigen, ein Kollektiv-Fest, weil es an mehrere Ereignisse aus dem Leben des Herrn erinnert. Am Weihnachtsfeste erblicken wir den Herrn in seiner Armuth; die Kirche beeilt sich, seine erhabene Natur zu enthüllen. Diese ist überaus doppelte Weise bezeugt worden, durch die Wunder, welche der Heiland wirkte, und durch das Zeugniß, welches Gott der Vater vom Himmel gab. Epiphanie erinnert somit an das erste Wunder desHerrn auf der Hochzeit zu Kana und an die Taufe Jesu, bei welcher seine Gottheit von dem Vater selbst verkündet wurde. An diese beiden Ereignisse schließt sich das Andenken an die Anbetung der Weisen an. Die Juden erwarteten einen Messias nur für ihre Nation; aber im Rathschlusse Gottes lag, alle Menschen an der Erlösung Antheil nehmen zu lassen. Diesen seinen Beschluß hat Gott durch die Berufung der drei Weisen kund gethan. Wie die frommen Hirten als die Stellvertreter des Judenthums angesehen werden können, so kamen die Weisen aus dem Morgenlande als die Erstlinge des Heidenthums, um den neugeborenen Heiland anzubeten.
Ueber die heil, drei Könige enthält die christliche Ueberlieferung manche schöne Legenden. Ein wunderbarer Stern, dessen Ankunft der Prophet Balaam vor mehreren Jahrhunderten ihren Völkern geweissagt hatte, und dessen Erscheinen ihnen nun vom hohen Himmel herab zurief: „Der Stern aus Jakob ist aufgegangen, aufgesproßt der Zweig aus Israel, geboren der $err== scher, desseu ErLtpeik Jdumäa und alles Heidenvolk sein wird." Dieser Stern zeigte ihnen dm Weg bis nahe zur Königsstadt Jerusalem. Ueber dm Stern sind die mannigfachsten Vermuthungen aufgestellt worden. Einige verstehen darunter einen Kometen, den die Chinesen in ihren astronomischen Tafeln verzeichnet haben. Kepler hält ihn für die große Konstellation, den „großen Stern" der Morgenländer, die dreimalige Konjunktion der beidm Planeten Saturn und Jupiter im Zeichen der Fische, verbunden zugleich mit einem seltsamen Lichtgestirn von fixsternähnlichem Glanze. Der heil. Augustin hält ihn für einen wunderbaren Stern, und der hl. Chrysosto- mus meint, daß ein Engel in Gestalt eines leuchtenden Sternes der Führer gewesen sei.
Nach einer alten Ueberlieserung sollen die drei hl. Könige sich auf dem Kalvarienberge zusammengefunden haben an der Stelle, wo der Heiland, den sie suchten, deremst am Kreuze die Welt erlösen wollte, und ihre drei getrennten Karawanen vereinigten sich. Ihre Unterhandlung mit Herodes, ihre Ankunft zu Bethlehem, ihr Gebet und ihr Opfer an der Krippe des göttlichen Kin
Am Feste der hl. drei Könige.
Singet, preiset Gott mit Freuden, Seht die Güte uns'res Herrn, Sendet für die blinden Heiden Einen hellen Wunderstern
Diesen sahen die drei Weisen: Sie bemerkten seinen Lauf, . „Lasset, sprachen sie, uns reisen, Jakobs Stern geht leuchtend auf."
Sieh', der Stadt der Bethlemiten, Gnadenreich, doch arm und klein, Nahen sie mit schnellen Schritten, Folgen treu des Sternes Schein. „Wie? ein Stall?" — Ihr zweifelt wieder? „Wie? ein Kind ein Bölkerhaupt!" Ja, kommt her und werft euch nieder Hier vor Gott im Kinde, glaubt!
Da sie ihm den Weihrauch streuten. War ihr Herz von Lieb' entzünd't; Myrrhen, Gold und Kostbarkeiten Opfern sie dem lieben Kind: Den, der kam sein Volk zu retten, Beten Sie mit Ehrfurcht an.
Lernet, Christen, Gott anbeten, Wie die Weisen hier gethan.
Auch von uns will Gott als Gaben Herzen voll von Reu' und Schmerz, Herzen voll der Liebe haben; Ihm gefällt ein reines Herz.
Wisset, daß wir Christi Glieder, Daß wir Tempel Gottes sind. Gläubig werft vor Gott euch nieder, Tief anbetend vor dem Kind! —
des - das Alles wird in der hl. Schrift erzählt und bezeugt. Sie opferten ihre Gaben, Gold, Weihrauch und Myrrhen, die eine so reiche sinnbildliche Bedeutung hatten. „Man würde," sagt Stolberg in seiner Geschichte der christlichen Religion V. S. 44, „die Fruchtbarkeit der hl. Schrist und der Führungen Gottes verkennen, wenn man glaubte, daß sie ohne leisen oder kräftigen Antrieb eben diese Gaben brachten; wir müssen vielmehr glauben, daß Gott die Wahl dieser Geschenke leitete, um darin ein Geheimniß anzudeuten, das sich auf seinen neugeborenen Sohn und dessen Eigenschaften bezieht." Dieses Geheimniß aber erklären die hl. Väter also: das Gold bedeute die Königs würde, der Weihrauch die Gottheit, die Myrrhen die Menschheit Jesu Christi.
In der Kirche, welche die hl. Kaiserin Helena über dem Stalle zu Bethlehem hat erbauen lassen, und die im Laufe der Jahrhunderte erweitert und immer neu ausgeschmückt worden ist, befindet sich noch heute ein in den weißen Marmor eingelassener goldener Stern. Nach der Legende kamen die hl. drei Könige aus ihren entfernten Reichen alljährlich einmal in einem Tempel zusammen, welchen sie gemeinschaftlich zu Ehren des neugeborenen Gottmenschen erbaut hatten. In diesem Tempel wurden sie 33 Jahre später, als die Sendboten des gekreuzigten, glorreich auferstandenen und wunderbar zum Himmel aufgefahrenen Heilandes in alle Welt hinausgezogen, um seine frohe Botschaft allen Völkern zu bringen, vom hl. Thomas, dem Apostel des Morgenlandes, getauft. Aus seiner Hand empfingen sie die hl. Kommunion und schlossen sterbend ihr Auge. „Die Erstlinge des Heidenthums" beteten nun vor seinem himmlischen Throne den König an, den sie früher als armes Kind im Stalle zu Bethlehem angebetet hatten. Ihre Leiber wurden neben jenem Tempel in ein gemeinschaftliches Grab gelegt, zu welchem die Völker des Ostens häufig pilgerten, dünn von der hl: Helena nach Konstantinopel und von dem hl. Bischof Eustorgius nach Mailand gebracht. Dort ruhten sie, bis Kaiser Friedrich Barbarossa ihre Häupter nach Köln am Rhein übertragen ließ, wo sie in dem herrlichsten Dome der Welt, der ihnen zur Ehre erbaut worden ist, noch heute der Gegenstand frommer Verehrung sind. An dem Reliquienschreine sind ihre Namen mit Rubinen geschrieben. Der berühmteste Dichter des Mittelalters, Walther von der Vogelweide, nennt darum die Kölner Erzbischöfe „die Kämmerer dreier Könige".
Neben den Märtyrern der Thebaischen Legion (St. Gereon) und der heil. Ursula mit ihren Gefährtinnen wurden die hl. drei Könige zu Köln und in den Rheinlanden die viel verehrten Schutzheiligen. Das Kölnische Wappen erinnert noch an diese alte Verehrung. Die elf Flammen (Funken) in dem Wappen deuten auf das Stadtpatrocinium der hl. Ursula und ihrer Gefährtinnen hin; später wurden die drei Kronen, das Symbol der heil, drei Könige, hinzugefügt. Außer dem Feste der Erscheinung des Herrn wurde der 23. Juli, der Tag
6 Das Wettengiöcklein.
Bon Erich Krafft.
(Nachdruck verboten.)
Es war am 24. Dezember des Jahres 1831. Das Gymnasialstädtchen M., das tief im Eifelgebirge versteckt liegt, sah recht winterlich aus: die Dächer der einfachen Häuser bogen sich fast unter den schweren Lasten des gefallenen Schnees; zu beiden Seiten der engen und holperigen Straßen lagen große Haufen von derselben kalten, weißglänzenden Masse, die aus den Wegen zusammengeschaufelt waren. An den Dachenden und Wasserrinnen hingen tausende von großen und kleinen Eiszapfen, die sich wie ebensoviele Krystallge- bilde ausnahmen.
Trotzdem muthete das Städtchen nicht übel an. Bläuliche Rauchwölkchen wirbelten aus den Kaminen in den klaren, sonnenbeglänzten Aether empor und deuteten auf behagliche, warmtraute Zimmer hin; auf den Gesichtern der Bewohner, die in großer Anzahl die Straßen des Städtchens durchschritten und ihren Berufsarbeiten nachgingen, spiegelten sich bereits die frohen Gedanken an die nahen Festfreuden merklich ab, lachende Kindergesichtchen lugten hinter den blendendweißen Vorhängen der Fenster hervor.
Vor dem stattlichen Posthause auf dem Marktplatze spielte sich ein reges Leben ab. Es sollten eben die Postwagen in die verschiedenen Landesgegenden abgehen. Da es dermalen noch keine Bahnverbindungen gab, so
der Erhebung der Reliquien, als kirchlicher Gedenktag begangen.
Aber auch ganz Deutschland freute sich des Erwerbs dieses kostbaren Schatzes, welchen Konstantinopel und Mailand besessen, aber nicht zu bewahren gewußt hatten, und welchen ein Chronist nun „magnus ille Germaniae thesaurus“, „den großen Schatz Deutschlands", nennt.
An vielen Orten sind diesen Heiligen Kapellen, Altäre und Benefizien gewidmet worden. Als Patrone der Pfarrkirchen kommen sie dagegen selbst in den Rheinlanden seltener vor. Die Uebertragung ihrer Reliquien fiel nämlich in eine Zeit, als die wichtigeren Gemeinden schon ihre Gotteshäuser mit bestimmten Patrocinien besaßen. Auch galten die hl. drei Könige gewissermaßen als allgemeine Patrone in der Erzdiözese Köln, ja in ganz Deutschland; besonders mag auch der Umstand in Betracht kommen, daß das hl. Dreikönigen-Fest ohnehin ein hohes Kirchenfest ist, und daß es als Fest des Herrn süglich kein Gedächtnißtag hl. Schutzpatrone werden konnte.
Deutsches Keich.
Berlin, 4. Januar.
* Das Abgeordnetenhaus wird voraussichtlich bald nach seiner Konstituirung die ersten Lesungen der wichtigsten Vorlagen, also des Etats und des Volksschulgesetzes rc. erledigen, dann aber zunächst den Schwerpunkt der Arbeiten in die Kommissionen verlegen, um so eine möglichst ungestörte Fortführung der Reichstagsarbeiten zu ermöglichen. Umgekehrt gedenkt der Reichstag in der Zeit der angedeuteten wichtigen Plenarsitzungen des Landtages seine noch recht umfangreicheren Kommissionsarbeiten sortzusetzen. Bei dieser Arbeitstheilung. wie sie in Regierungskreisen gedacht wird, würde sich das unter allen Umständen lästige Zusammenarbeiten beider parlamentarischen Körperschaften in Etwas erträglicher gestalten. Im Reichstag werden die bevorstehenden Berathungen über Militär- und Marine-Etat besonderes Interesse in Anspruch nehmen. In beiden Etats werden bekanntlich sehr umfangreiche Mehrforderungen erhoben. Die Budget- Kommission hat über diese Position noch nicht be- rathen und die Fraktionen haben auch noch keinen Anlaß gehabt, sich im Einzelnen damit zu beschäftigen. Indessen ist, wie die ,N. L. C.' meint, mit Sicherheit zu erwarten, daß hierbei wesentliche Abstriche gemacht werden, vielleicht noch weniger im Militär-Etat, dessen Neuforderungen sich größtentheils auf verbesserte Ausrüstung und Bewaffnung namentlich auf artilleristischem Gebiete, beziehen, als im Marine-Etat. Hier sind umfangreiche Neuforderungen für eine bedeutende Verstärkung des Personals und vermehrte Indienststellung von Schiffen, für Ausrüstungs- und Befestigungsbauten für die weitere Durchführung des Flottenbauplanes und selbst für Vorarbeiten zum Bau neuer Schiffe erhoben. Die Schiffsbauten können zum
waren die Postkutschen die einzigen Vermitleiuugsob- jekle zwischen den näherliegenden Ortschaften. Die Wagen standen zum Abfahren bereit. Die Insassen derselben waren fast ausnahmslos Knaben und angehende Jünglinge, Gymnasiasten, die während der hl. Christtage ihre fernen Angehörigen sehen und sich mit ihnen freuen wollten. Helle Freude blitzte aus den Augen der Schüler, Ausrufe des Entzückens tönten von hübm und drüben her, „Adieu" und „Auf Wieder- sehen" waren fast die einzigen Worte, die gesprochen wurden.
Aber nicht alle anwesenden Schüler nahmen theil an dem hier herrschenden Freudenräusche. Verschiede«« hatten leider keiüe Plätze mehr in den Postk? '-v-n bekommen und konnten somit ihre Reise nicht dufteten. In den Augen der kleineren Knaben glänzten die Hellen Thränen ob eines solchen Mißgeschickes, und auch auf den Geffchtern der älteren Schüler war tiefe Verstimmung und Trauer deutlich wahrzunehmen.
„Na, geduldet Euch nur bis morgen," tröstete der Posthalter die Betrübten, während die Pferde sich in mäßigen Trab setzten. „EureWeihnachtsgeschenke gehen Euch doch nicht verloren, wenn Ihr auch einen Tag später nach Hause kommt. Ich werde schon dafür sorgen, daß Ihr morgen alle mitfahren könnt."
Die meisten der zurückgebliebenen Gymnasiasten be-^ schieden sich mit diesem Tröste und kehrten in ihre Logirhäuser zurück; einige dagegen machten Miene, den Heimweg zu Fuß anzutreten.