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Sonntag, dc» .,'mnmr 1892.

Gesetzes für Elsaß-Lothringrn betreffend die Rechts­verhältnisse der Lehrer zugegangen.

* Die Konferenzen , weiche zum Zweck gena .er Ermittelungen über die äußeren Verhältnisse der Bolks- fchullkhrrr in den verschiedenen Provinzen der Monarchie unter Betheiligung von Mitgliedern der Unterrichts- Verwaltung abgehalten werden, sollen kurz vor Zu­sammentritt des Landtags zum Abschluß gebracht wer­den. Am 9. Januar ftndet noch eine solche Konferenz in Danzig und am 11. in Königsberg statt. Das ge­wonnene reichhaltige Material dürfte dem Landtag m einer Denkschrift zugänglich gemacht werden.

* In Sachen des Buchdruckcrstrikes hat der Minister für Handel und Gewerbe Frhr. von Berlepsch den streitenden Parteien seine Vermittelung angeboten, der­selbe empfängt die Vertreter der Buchdruckereibesitzer in Audienz. Ebenso sind die Vorsitzenden der Lokal­ausschüsse der Berliner Buchdruckereibesitzer zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengetreten, um ihre Be­dingungen zu formuliren. ,

* Der portugiesische Gesandte am hiesigen Hose, Marquies de Penafiel, ist am Mittwoch hier an der Influenza gestorben; er bekleidete den hiesigen

Posten seit 1881. u

* Die Nachricht von der Hintansetzung der deutschen Katholiken bei den Eingangsfeierlichkeiten des neuen Erzbischofs Msgr. v. Stablewski beruht, wie der .Dzienni! Pozn.' unter dem 29. v. M- dargethan hat, auf Unwahrheit und tauchre zuerst in der, freisinnig- protestantischen .Posener Zeitung' auf. Die gestrigen Depeschen bringen bereits Die Namen derjenigen deut­schen Mitglieder, welche, wie der ,Dziennik' schreibt, gleich beim Zusammentreten des Komitees gewählt worden sind. Es sind dies die Herren Ober- landesqerichtsrath Weitzenmiller und Gymnasialdirektor Dr. Meinertz, beide in Posen.

* Bochum, 31. Dez. Oberbürgermeister B illmann ist heut? Markt ay der 5tntlnenzo aefto.rben.

Eine schottische Heldin.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

* (Schluß.)

Die letzten Worte Lady Mac Edwins machten dem Könige und Patrick, welcher ehrfurchtsvoll hinter ihm stand, Alles Aar.

„Ja, Sire/ fuhr sie fort, „am letzten Tage, welchen er hier zubrachte, hat mein Vater mich in die Geheiwniffe dieses alten Schlosses eingeweiht. In diesem Versteck befindet sich eine Steinplatte, welche den Eingang zu einem Souterrain verdeckt, welches sich durch den Park hinzieht und welches am Fuße der MeereSdünen, dicht am Ufer, nicht weit von der Stelle mündet, wo die Barke sich befindet, von welcher wir heute Abend sprachen."

„Aber mit dieser Barke kann ich die Reise nach Holland nicht machen", meinte der König.

„Hat man nicht ein Schiff aus hoher See be­merkt ?" hob das junge Mädchen wieder an.

„Ja, ja, richtig," versetzte Patrick.

„Nun wohl," fuhr Lady Mac Edwin fort, „der Kolonel wird Sie begleiten, während ich mit dem Lichte vorauSgehe und den Weg zeige. Wenn wir, das heißt, der Herr Oberst und ich, zurückgekehrt sein »erben, o werden Eure Majestät in Sicherheit sein, noch ehe Jemand hier die Augen geöffnet hat."

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Dezember.

* Die Neujahrs-Feier am kaiserlichen H- fe verlies heute in der gewöhnlichen Weise. Um 10 Uhr war Gottesdienst in der Kapelle des königlichen Schlosses, dem der Kaiser und der gesammte Hof beiwohnten. Dryander hielt die Predigt. Nach Beendigung des Gottesdienstes begab sich der Hof durch den Weißen Saal nach den inneren Gemächern. Hierauf folgte im Weißen Saale die große Cour, welche der Reichskanzler eröffnete. m ,

♦ Für den in Berlin verstorbenen englrschen Bo>.- schafter in Konstantinopel, Sir William White, fand heute das feierliche Requiem in der St. Hedwigskirche statt. Die Kaiserin Friedrich erschien persönlich Lei der Feier, zugleich in Vertretung der Königin von Großbritannien. Der Kaiser hatte den Generaladju­tanten, Generallieutenant v. Wittich entsandt. Anwesend waren ferner der Reichskanzler Graf v. Caprivi, der Siaatssekretair des Auswärtigen, Frh. v. Marschall rc. Vom diplomatischen Korps wohnte die Mehrzahl der z. Z. hier anwesenden Botschafter und Gesandten der Feier bei.

* Das preußische Abgeordnetenhaus wird am 14. Januar mit folgender Fraktionsstärke zusammmtreten: 126 Konservative (einschließlich v. Köller, der bis zur Präsidentenwahl hier rangirt), 98 Mitglieder des Centrums, 67 Freikonservative, 84 Nationalliberale, 27 Freisinnige, 14 Polen, 11 keiner Fraktion Ange­hörige, zusammen 427. Erledigt sind 6 Mandate (ein freikonservatives, 3 nationalliberale, 1 freisinniges, 1 polnisches und zwar für 1. Merseburg, 3. Osna­brück, 4. Hannover, 11. Wiesbaden, 2 .Berlin und 7. Posen.

* Die Nachricht ist noch unverbürgt, daß die in Rußland lebenden Deutsche» von dort auSgewiesen werben soLrn. Aber »ach dem, man bisher in Rußland erlebt hat, wird man sich nicht wundern dürfen, wenn die Bestätigung noch nachkommt. Unsere Regierung wird voraussichtlich Sorge tragen, daß den zurückkehrenden Landsleuten eine Unterkunft ermöglicht wird, was für die landwirthschaftlichen Elemente der Ausgewiesenen nicht schwierig sein dürfte.

* Bon deutscher Seite ist, wie die .Kreuzzertung' mittheilt, eine Expedition nach dem Norden Europas abgegangen, um sich mit dem Polarlichte zu beschäf- tigen. Dr. Brandet, Privatdozent in Greifswald und der Berliner Meteorologe O. Baschin, welch' letzterer schon den Dr. v. DrigalSki auf seiner diesjährigen Borexpedition nach Westgrönland begleitete, haben sich nach Bossekop in Lappland begeben, um während der Wintermonate wissenschaftliche Forschungen über die Natur des Polarlichtes anzustellen. Andere Nationen haben bereits früher solche Untersuchungen angestellt, so 1838/39 eine französische Expedition unter Lottin und BravaiS und 1882/83 eine norwegische Expe­dition.

* Dem Bundesrath ist der Entwurf eines

eben »/«- Jahren der Tod kein Opfer unter dem Diö zesanklerus gefordert hat (der am 25. März d. I. in Fulda verstorbene pens. Pfarrer Kobel gehörte der Diözese Speier an). Es konnten im Jahre 1891 fünf und in 1890 ebensoviele neue Priester geweiht werden. Diese Zahl reichte indeß nur hin, um den im gleichen Zeitraum entstandenen Ausfall zu decken. Wenn man aber in Betracht zieht, daß erft jüngst wieder 2 neue Seelsorgestellen errichtet wurden, fo ist thatsächlich der Zuwachs dem Abgang nicht einmal gleich geblieben. Immerhin herrscht wie in manchen anderen Diözesen, so auch bei uns noch großer Priestermangel. Müssen doch manche Pfarrer in großen, mehrfach nach Taufen­den von Seelen zählenden Pfarreien sich unter den schwierigsten Berhältniffen allein ohne Hilfspriester be­helfen. Möge daher dies Jahr gleich dem vergangenen und auch in dieser Beziehung ein gnädiges sein, damit wenigstens in nicht allzu ferner Zeit die vorhandenen Lücken ausgefüllt werden.

* Die Frist zur Anmeldung von Ansprüchen auf Bewilligung aus den Sperrgeldern läuft vom 30. Dez. bis zum Ablaufe der im Gesetze vom 24. Juni d. I. vorgesehenen 3monatlichen Frist am 30. März nächsten Jahres (1892). Die Anträge auf Bewilligungen sind bei dem Vorsitzenden der Kommission (in der Diö­zese Fulda bei Herrn Oberlandesgerichtsrath Herz zu Kassel) unter Angabe der beanspruchten Beträge anzumelden, nicht bei Mitgliedern der Kommission; die Beschlußfassung darüber, ob und zu welchem Be­trage die Anträge zu berücksichtigen sind, erfolgt durch die ganze Kommission nach freiem Ermeßen unter Ausichluß des Rechtsweges.

* Die Sylvesternacht ist hier im Allgemeinen ruhig verlaufen. .

M Da man allgemein dem hiesigen Grsellenverei« viel Sympathie Seitens der Bürgerfchaft entgegenbringt, dürfte für Manchen eine kleine Statistik aus dem verflossenen Zähre nicht uninteressant sein, welche wir M'Nachfolgenden rurz wieoergeven." §F'"r«itste»t wäh­rend des Jahres 1891 aus anderen Brudervereinen zu 180, welche freie Nachtherberge, Abendesfen und Mor­genkaffee erhielten; die wenigsten Zugereisten kommen auf den Januar (5), die meisten auf den August (3b). Von diesen 180 bekamen 45 hier Arbeit und schlossen sich dem hiesigen Vereine an; zur Aufnahme meldeten sich 67, wovon 59 ausgenommen wurden; abgereist sind im Laufe des Jahres 49, welche fast sämmtlich mit dem Vereinswanderbüchlein versehen waren, welches ihnen in allen Brudervereinen freundliche Aufnahme sichert; zu den Ehrenmitgliedern traten 4 über, sodaß deren Zahl auf 95 angewachsen ist; aus verschiedenen Ursachen wurden ausgeschlossen 7, ausgetreten sind 3, ge­storben find und zum Militär kamen je 2. Die lau­fende Nummer der Mitgliederliste ging bis 175 und beträgt die augenblickliche aktive Mitgliederzahl 107. Die einzelnen Handwerke waren (unter den Mitgliedern) wie folgt vertreten: Schlosser 27, Schreiner 26, Schuh­macher 20, Maler und Lackirer 10, Schriftsetzer und Schneider je 9, Bäcker und Maurer je 6, Dreher, um sich derselben als Hebel zu bedienen. Nicht ohne große Mühe gelang es ihnen, die schwere Platte in die Höhe zu heben und bei Seite zu schieben, worauf einige zwanzig Stufen, die zu dem Souterrain hinab­führten, sichtbar wurden.

Abermals faßte Arthur an feinen Degen und sagte dann: „Morgen werde ich wieder der Oberst der re­publikanischen Truppen sein, aber heute, Sire, stelle ich mich dem König zur Verfügung, und es soll Ihnen Niemand ein Leid zufügen, so wahr ich Arthur Nick- ,leby heiße!"

„Erlauben Sie, Sire," sagte bann Lady Mac Ed­win "in vollendeter Anmuth, „daß ich voraufgehe!" Sich tief vor Karl II. verbeugend, ergriff Sie eine Fackel und stieg zuerst hinab.

„Komm', mein lieber Patrick", wandte sich der König an seinen Diener, welcher hinter seinem Herrn einherhing, während Arthur, den gezückten Degen in der Hand, den kleinen Zug schloß..

Das Souterrain, in welchem die erwähnten Per­sonen jetzt dahinschritten, war eine ziemlich enge Gallerie, welche verschiedene Oeffnungen besaß, die schließlich unter allerlei Gestrüpp versteckt, in den zerklüfteten Strandfelsen, dem Uneingeweihten gänzlich unauffällig und verborgen, mündeten. Der König und seine Be- ' gleiter waren unter Führung der Lady schweigend etwa zwanzig Minuten dahingeschritten, als ein frischer,

idiElayrnyer Mthg-ber für Landwirthschast, Gartenbau und Hauswesen' in ffulda und auswärts l Mark M. 'Mennig.

Ausland.

* Paris, 31. Dez. Die Polizei will eine große Verschwörung entdeckt haben, welche die russische Botschaft in die Luft fprengen wollte. Die ganze Nacht fanden zahlreiche Verhaftungen statt und sofortige Ber- nehmrGgen russischer Flüchtlinge und französischer Anar­chisten wurden vorgenommen. Sämmtliche Geheim­brigaden waren mobilisirt und die Polizei verweigerte jede nähere Auskunft.

* Venedig, 1. Jan. Kardinal Agostini, Patriach von Venedig, ist gestern Abend gestorben.

Stadt, Provinz and Nachbargebiet

Fulda, 2. Januar.

• Wenn wir heute einen Rückblick werfen auf das eben verflossene Jahr, so dürfen wir es als eine tröstliche Erfcheinung für die Katholiken der Diözese Fulda be­zeichnen, daß im Laufe des Jahres 1891 kein Priester bet Diözese verstorben ist, wie benn überhaupt seit

Die drei gleich starken unb muchigen Männer konnten eine Bewegung der Bewunderung nicht unter­drücken beim Anblicke des jungen, zarten Mädchens, welches in diesem Augenblicke ihr Geschick in seinen Händen hielt. Es war inzwischen, ohne auch nur einen Augenblick sich zu besinnen, an'S Fenster geeilt und schob rasch die schweren Vorhänge auseinander. Der Sturm hatte sich etwas gelegt, der Wind jagte die Wolken vor sich und der Mond goß wieder einige Streifen seines milden Lichtes auf die ruhig daliegende See, nur schwach die schaumbedeckten Wogen beleuch­tend. Das Auge konnte, wenn eS genau zusah, in der Ferne einen schwarzen Punkt entdecken, welcher auf der weißen Fläche wie ein großer Flecken auf einem Her­melinmantel lag. Dieser schwarze Punkt war das holländische Schiff.

„Sire", sagte Lady Mac Edwin, „dort befindet sich das schwarze Schiff!"

Alle drei traten neugierig ans Fenster heran. „Gut, gehen wir", bemerkte der König.

Alle drei schritten wieder auf das Versteck zu, welches sie jetzt betraten.

„Wo ist benn eigentlich bie Steinplatte?" frug ber König.

„Hier!" antwortete die Gräfin, inbem sie auf die linke Ecke des Versteckes deutete.

Der König und Arthur griffen nach ihren Degen,