ZNteilt MNz - Blatt
der freien Stadt Frankfurt, /^T^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,
und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. s
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Ji 299. Dienstag den 20. December 1859.
^^° Inserate, welche den folgenden Tag nach der Aufgabe im Jntelligenzblatte erscheinen sollen, werden, bei herannahendem Weihnachtsfeste, Vormittags von der Expedition erbeten.
Ueberblirk der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 20. December. (Zur Situation.) In der Politik so gut wie im gesellschaftlichen Leben giebt es Leute, die immer und überall zu spät kommen. Zu diesen gehören in der Regel Diejenigen, welche von lange ausgebeuteten Vorrechten etwas herausgeben sollen. Sie pflegen hartnäckig zu widerstreben, so lange Nachgeben noch ein Verdienst sein würde, und «eben dann plötzlich nach, wenn die Welt nicht mehr in der Stimmung ist, ihre Opfer fâhigkeit lobpreisend und dankbar anzuerkennen. Mit aller schuldigen Hochachtung vor den Staatsmännern, die vor kurzem in der heitern Btschofs- stadt am Mainstrom getagt haben, können wir doch nicht umhin, jene alte Beobachtung auf sie einigermaßen anwendbar zu finden. Wie hätte Deutschland es den Mittelstaaten danken wollen, wenn sie sich zur Zeit der Wiener Mintsterconfcrenzen und der Karlsbader Beschlüsse, statt halb unwillig oder gelassen mitzuspielen, gegen das dazumal sehr schädliche Uebergewicht der engverbundenen beiden deutschen Großmächte zusammengethan und die bedrohte Fahne deS Verfassungslebens tapfer hochgehalten hätten! Das hätte ihnen eine Bürgschaft für ihren Besitzstand eingetragen, wie sie sich nicht besser wünschen konnten, die Anhänglichkeit und Vorliebe des deutschen Volks. Aber damals gab es in Dresden keinen Minister v. Beust, und kein Fröbel begegnete sich mit dem bayerischen Bundestagsgesandten in der Anwerbung konstitutioneller Triarier. Was damals leidig vernächläßigt wurde, das wird jetzt plötzlich hervorgcholt, wo die Sympathien der ungeheuren Mehrzahl unserer Landsleute mit der Richtung sind, die die eine Großmacht in ihren inneren Verhältnissen einzeschlagen hat, und wo die eigenthümlichen Zustände des Welttheils Hinzukommeu, um diesen Sympathien eine Bedeutung zu geben, daß sie beinahe jedes andere politische Gefühl für den Augenblick in den Hintergrund drängen. — Die „We- serzettung" bringt folgenden bcmerkenswerthen Artikel aus London: „Wir haben Gelegenheit gehabt, zu bemerken, wie die orientalische Frage immer und immer wieder zum Vorschein kommt, und wie unter geringer Modifikation ihrer äußeren Form dieselbe stets die Aufmerksamkeit von Europa auf sich zu ziehen geeignet ist. Die Frage der Canaltsi- rung des Isthmus von Suez mahnt unwillkührltch an die Wichtigkeit der orientali-