Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchcn, Schlachthansgasse 21.)
J£ 271. Donnerstag den 17. November 1859.
Ueberblick der Greignisfe im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 17. November. (Zur Situation.) Wir lesen in der „Berliner Nationalzeitung": „Vor drei Monaten bemühten sich alle Federn, zu beweisen, daß die Verhandlungen von Zürich ein eitles Unternehmen seien, und daß das Friedens- we k nothwendiger Weise scheitern müsse. Die englische Presse, anstatt die bedeutenden Errungenschaften der italienischen Freiheit mit dem Gefühle zu würdigen, das einem freien Britten angeboren sein sollte, bemühte sich nur, um Frankreich den Vorrang an Einfluß in Italien abzugewinnen, die Italiener zu überhastigen Uebertreibungen anzu- spornen , und lieferte auf solche Weise aufs Neue einen Beweis, wie weit der englische Speculationsgeist von jeder uneigennützigen Gesinnung entfernt ist, und stets nur zuerst sich selbst denkt. Und dennoch ist jetzt der Friede zwischen den beiden großen Kaiserreichen hergestellt und die Verabredung getroffen, daß die vertriebenen Fürsten von Cen- rralitalikn durch keine fremde Intervention wieder in ihre Länder zurückgeführt werden können. In der Wirklichkeit sieht sich also Italien vom fremden Einflüsse befreit und durfte künftig sein glückliches oder unglückliches Schicksal nur seiner eigenen Weisheit oder Thorheit zuzuschreiben haben. Ein solches Ereigniß wird nicht durch die Verhandlungen eines Europäischen Congresses erschüttert oder verringert werden. Außerdem ist es in ganz Europa bekannt, daß die italienischen Zustände nothwendiger Weise eine Reform verlangten; trotz alles Leugnens von gewisser Seite wußte man, daß es eine italienische »rage gab, und in Berlin besonders befand sich die Meinung der Gebildeten entschieden anf der Seite der italienischen Reformisten. Vom deutschen Standpunkte aus läßt es sich gewiß nicht ableugnen, daß die Reform im Süden eine mächtige Wirkung auf die Reform im Norden machen wird, mag auch das Wie und das Wenn derselben noch unbestimmt sein. Ebenso unsicher ist es, welche Machtverhältnisse sich im Verlaufe dieser Dis- cussion entwickeln werden, daß aber die brennende Frage existirt und daß die Privat- wie me öffentlichen Interessen sich mit derselben beschäftigen, das steht nicht außer Zweifel. Ohne dieselbe hätte es kein Schillerfest gegeben. Noch ist zwar die Lösung dieser wichtigen Frage verborgen hinter dem verschleierten Bilde, dessen Mysterien der in diesen Tagen gefeierte Dichter in so schönen Worten geschildert, aber diese Lösung wwd nicht auf sich warten lassen und hoffentlich dem auf Frieden harrenden Europa willkommen sein." — âuch die noch lange nicht überwundene Abneigung des päbstlichen Stuhles gegen den Kongreß wird unfehlbar den ernstlichen Vorstellungen der ihm nahe stehenden Mächte Raum geben, wobei bemerkt werden mag, daß die umlaufenden Gerüchte über kriegerische