ZnteMgenz-WIatt der freien Madi Frankfurt, /3S^
- ' verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. "
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthansgaffe 21.)
M 267. Samstag den 12. November 1859.
Ueberblick -er Greignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 12. November. Wir lesen in der »Weserzeitung", wie es scheint aus gut unterrichteter Quelle: „Obgleich die Anfeindung Preußens in gewissen öffentlichen Blättern, als hätte es an Rußland, um auf der Conferenz in Warschau ein Zusammen- geben mit demselben auf dem italienischen Congreffe zu ermöglichen, beeinträchtigende Concessionen in der orientalischen Frage gemacht, von Jedem, der die Tendenz jener Blätter kennt, von vornherein richtig gewürdigt sein wird, jo wird es doch nicht überflüssig sein, einiges Thatsächliche um so mehr zu berühren, als Vertheidiger der preußischen Politik mehr guten Willen als Sachkcnirtntß verrathen haben. Nicht richtig ist es nämlich, daß von der orientalischen Frage auf der Warschauer Conferenz überhaupt nicht die Rede gewesen sei; sie ist allerdings zur Sprache gebracht worden, jedoch nur in aller Kürze und lediglich in der weisen Absicht, die weitere Behandlung derselben bis nach Erledigung der italienischen Frage auszusetzen. Wenn Preußischer Seils hierdurch jede« Mißtrauen, wel ches daS englische Cabinet Hälte fassen können, zur Unmöglichkeit gemacht worden ist, so hat sich Preußen seinerseits nicht das Geringste vergeben, indem es sich für die Zukunft völlig freie Hand behalten hat. Was nun den italienischen Eongreß selbst anlangt, jo hört man von unterrichteter Seite zunächst, daß Paris durchaus nicht als der dazu bestimmte Ort feststehe; wie allgemein angenommen, wird Brüssel im Gegentheil mindesten« noch eben so viel Chancen haben. Die Zeit desselben anlangend, darf man sich nicht zu kühnen Hoffnungen hingeben, wenn man sich nicht hinterher getäuscht sehen will, und es stütz' sich die betreffende Ansicht auf den langsamen Gang, den die vorbereitenden Nerhandlu«-- im Lande nehmen werden. Das englische Volk ist einem Congreffe im Ganzen und Großen nicht günstig; um in denselben nicht auf eigne Verantwortung hin einzutreten, werden die englischen Minister sich nicht übereilen, damit sie sich vorher mit dem Parlamente in Einvecständniß setzen können. Unter diesen Umständen liegt eS auf der Hand, daß vom Zusammentritte des Congreffe« schon in diesem Jahre auch dann nicht die sim könnte, wenn auch die Arbeiten in Zürich schon geschloffen wären. Allein guten Nachrichten zufolge fehlt es dort nicht an neuen Erschwerungen, die erst noch erledigt Asien. Als gewiß kann aber betrachtet werden, daß in London der Anfang zu gutem Einverständnisse mit Preußen und Rußland gemacht worden ist, und zwar ist man dort ^,den Vorschlag dieser beiden Mächte darauf eingegangen, daß demPabste di« Romagna verbleibe, natürlich unter dem Vorbehalte, daß dieser daselbst liberale Institutionen einführe, wozu er sich auch bereits willig gezeigt haben soll.