ZnteMgenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, zSl^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,
. ’■ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
- "^**8*^*"* — (Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^R 262. Samstag den 5. November 1859.
Ueberblick der Greignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
' Frankfurt, 5. November. (Ein Brief Napoleons III.) Die „Times" bringt folgenden Brief Napoleons III. an Victor Emanuel: „Herr Bruder I Ich schreibe heute an Ew. Majestät, um Ihnen die gegenwärtige Lage der Dinge auseinander zu setzen, Sie an die Vergangenheit zu erinnern und mich mit Ihnen über das in der Zukunst zu befolgende Verfahren zu verabreden. Die Umstände sind ernst; es thut noth, daß man Illusionen und unfruchtbares Bedauern bei Sette setze und die wirkliche Lage der Dinge sorgfältig prüfe. Es handelt sich mithin jetzt nicht darum, ob ich wohl oder übel daran gethan habe, daß ich den Frieden von Villafranca schloß sondern vielmehr darum, aus dem Vertrage die für den Frieden Italiens und die Ruhe Europa's günstigsten Ergebnisse zu erzielen. Ehe ich mich aus eine Erörterung dieser Frage einlasse, ist es mir darum , zu thun, Ew. Majestät nochmals an die Hindernisse zu erinnern, welche jede endgiltige Unterhandlung und jeden endgiltigen Vertrag in so hohem Grade erschwerten. Fürwahr, der Krieg hat oft weniger Verwicklungen als der Friede. In jenem stehen sich nur zwei Interessen gegenüber, nämlich Angriff und Vertheidigung; in diesem hingegen konimt es darauf an, eine Menge sich häufig widerstrebender Interessen mit einander zu versöhnen, und gerade das fand im Augenblicke des Friedensschlusses wirklich Statt. Es war noth- wendig, einen Vertrag zu schließen, welcher auf die bestmögliche Weise die Unabhängigkeit Italiens sicherte, Piemont und die Wünsche des Volkes befriedigte und doch die Gefühle der Katholiken und die Rechte der Souveräne, woran Europa Antheil nahm, nicht verwundete. Ich glaube daher, daß, wenn der Kaiser von Oesterreich zu einem freimüthigen Einverständnisse mit mir zu kommen wünschte in der Absicht, dieses wichtige Ergebniß zu erzielen, die Ursachen des Widerstreites, welcher Jahrhunderte lang diese beiden Reiche gespalten hatte, Wegfällen würden, und daß die Wiedergeburt Italiens durch gemeinsames Ueberètnkommen und ohne weiteres Blutvergießen erzielt werden würde. Ich will nun anführen, was meines Erachtens die wesentlichen Bedingungen dieser Wiedergeburt sind: Italien soll aus verschiedenen unabhängigen Staaten bestehen, welche durch eine Bundesgemeinschaft mit einander verknüpft sind. Jeder dieser Staaten nimmt ein besonderes Repräsentativ-System und heilsame Reformen an. Der Bund ratificirt das System der italient'chen Nationalität. Er hat nur Eine Flagge, Ein Zoll- und Ein Münz System. Das leitende Centrum befindet sich zu Rom. Es besteht aus Vertretern, die von den Herrschern ernannt sind, jedoch rtrit Zugrundelegung einer von den Kammern aufgesetzten Liste, damit in dieser Art Reichstag der Einstuß der Herrscherhäuser, die einer Hinnergung