Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Gcistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Donnerstag den 3. November
1859
Ueberblick der Creigttisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. November. Nicht ohne einige Spannung folgte man in den letzten Tagen dem Verlauf deS spanisch-marokkanischen Streits. Gleichzeitig mit Spanien hat bekanntlich Frankreich selbst mit den Marokkanern einen Strauß auszufechten. In den Wirren, welche dem Thronwechsel in Marokko gefolgt sind, hatte das unruhige, fanatische Volk auch die französische Grenze nicht respectirt; algierisches Gebiet war überfallen, die Bewohner waren ausgeplündert, ermordet worden; hinweggeführte Gefangene sollen, wie jüngst eine Depesche berichtete, lebendig verbrannt worden sein. Wenn Frankreich sich nun anschickt solche Frevel auf das nachdrücklichste zu ahnden, so thut es nur seine Pflicht ge- gen sich selbst und niemand, am wenigsten England, das um viel geringerer Ursachen willen mit den Chinesen angebunden hat, wird ihm das verargen können. Auch ist cs England nicht eingefallen hiergegen Reclamationen zu erheben. Was in England, und nicht ohne Grund, Bedenken erregt, ist nur die Gleichzeitigkeit der beiden projectirten Expeditionen, der spanischen und der französischen. Auch Spanien hat zwar vollkommen Grund mit den Marokkanern ein ernstes Wort zu sprechen, aber seine Beschwerden dati- ren nicht etwa erst von heute; seit einer langen Reihe von Jahren hatte es sich über die Feindseligkeiten der dortigen Küstenbewohner fortwährend zu beklagen und zu jeder Zeit hätte es Anlaß gehabt, sich Genugthuung und Ruhe zu verschaffen. Bekanntlich besitzt Spanten an der marokkanischen Küste mehrere feste mit Garnisonen versehene Punkte — Prestdios —; nämlich außer dem in einem unserer jüngsten Ueberblicke besprochenen Ceuta noch Melilla, Penon de Velez, Alhucemas und die Zafarincn. Nur die beiden ersteren sind von Bedeutung, die letzteren sind überaus klein, zählen durchschnittlich nicht hundert Mann Besatzung und müssen von Spanien aus verproviantirt, zum Theil selbst mit Trinkwasser versehen werden. Namhafte Vortheile haben diese Prestdios bisher Spanien durchaus nicht gebracht, vielmehr nur Geld und Menschen gekostet. Keines derselben ist vor Belästigungen der eingeborenen Bevölkerung sicher; einige befinden sich vielmehr in permanentem Belagerungszustand gegenüber den wiloen Rifinos, die sich bekanntlich neuerdings auch außerhalb Spaniens einen Namen gemacht haben, und die Küstenschifffahrt ist trotz jener Besatzungen noch immer unsicher. Hin und wieder ist man in Spanien nun allerdings bemüht gewesen diesen Uebelftânden mit be-
Hand ein Ende zu machen, indeß geschah dies bisher in so lässiger ungmügen- ,daß selten viel und auf die Dauer nichts erreicht wurde. Gegen diese frühern -cerjudje sticht nun die gegenwärtig vorbereitete Expedition ganz gewaltig ab; sie ist tn