Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, zfT|k verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

—..................... — w

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

JS 258, Dienstag den 1. November 1859.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 1. November. (Das Katserthum Marokko.) Das Kaiserreich Marokko ist unter den mohamedanischen Reichen an der afrikanischen Nordküste dasjenige, welches bis jetzt die europäische Cultur vollständig von sich abgewiesen hat, doch gerade dieses Reich wäre der reichsten Entwickelung fähig. Es ist größer wie Frankreich, da es 10,500 Quadratmeilen hat und der größte Theil des Gebiet« ist fruchtbar; an Gebirgen durchziehen es der Rif und der Atlas, dann hat es großen Reichthum an Flüssen und Bächen und ein sehr gesundes Klima, da die Wärme in der heißen Jahreszeit selbst im Süden selten 28° R. übersteigt. Was der sehr fruchtbare Boden zu leisten vermag, sieht man an den paradiesischen Gärten beim Schlosse des Sultan« zu Meknas (Mequinez) und an ähnlichen Anlagen der europäischen Consuln in Tanger. Da jedoch die Wälder der Ebene meist vernichtet sind, so bietet die Fläche nur noch während der nassen Jahreszeit, mm October bis März, einen lachenden Anblick dar, da dann Alles sich mit einem grünen Teppich schmückt, aus dem Lilien, Narcissen und andere unserer schönsten Blumen zu Tau- fenden hervorblicken. Dagegen liegt in der trockenen Jahreszeit der Boden wie verbrannt da, in einem eintönigen gelben Schimmer. Zu den Zeiten der Römer war dieses Land eine der Kornkammern des Reiches und seine unterirdischen Schätze an Gold, Silber, Blei, Eisen und Kupfer wurden eifrig ausgebeutet; aus diesen Zeiten stammen die noch vorhan­denen Trümmer von Wasserleitungen. Dann unter der Herrschaft der Vandalen, der by- èânlinischen Griechen erschöpfte sich die fremde Cultur im Kampfe gegen die Ureinwohner und Marokko wurde im 7. Jahrhundert nach Christi Geburt eine leichte Beute der Araber. Durch diese geschichtlichen Ereignisse hat die Bevölkerung einen gemischten Charakter erhalten; die Ureinwohner sind die Berber, die beiden Stämme der Amazirghen und Schilluks die klei­nere Hälfte der Bevölkerung, die anderen sind Mauren und Araber. Die SchtllukS woh­nen im Süden, haben feste Wohnsitze, treiben Ackerbau oder Gewerbe, sind schlank, nicht eben kräftig und haben dunkle Hautfarbe. Die Amazirghen wohnen im Rif und im nörd- Irchen Theil des Atlas, sie sind schöne, lebhafte Menschen, kühn und stolz, aber auch ge- waltthâtia und rachsüchtig, man findet unter ihnen oft eine weiße Hautfarbe und europäische Desichtszüge, auch blondes Haar. Sie bilden kleine Republiken oder leben unter einzelnen Häuptlingen, sie setzen die alte Barbarei der nordafrikanischen Stämme fort, und plündern jedes Schiff, das durch ungünstige Winde oder anhaltende Windstille in ihren Bereich gebracht wird. Die Araber rühmen sich ihrer reinen Abstammung, wogegen die Mauren sich mit andern mischen, beide haben feste Wohnsitze, treiben Ackerbau oder Viehzucht. Die Mauren nehmen in fitt-