Intelligenz-Blatt
her freien Stadl Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. '
........»“»MW»»«»»«"-- (Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthansgasse 21.)
Jg 244, Samstag den 15, October 1859,
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Ueberblick der Greigniffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 15. October. (Fine russische Stimme über die deutsche Bewegung.) Die deutsche Bewegung veranlaßt den „Russischen Invaliden" zu folgen- dnl verständigen Bemerkungen: Nach einem Schlaf von elf Jahren erwacht die deutsche Reformbewegung und findet sogleich wieder dieselben Anhänger und dieselben Feinde. Sie entsteht aus dem Bedürfniß, den gegenwärtigen zerstückelten und vermoderten Zustand Deutschlands gegen einen mehr dem Fortschritt angepaßten zu vertauschen; statt wie 1848 in den Clubs berathen zu werden, wird sie nun in Versammlungen ruhig und gesetzlich besprochen. Der Herzog von Gotha hat auf die ihm in geordneter Weise vorgetragenen Wünsche günstig geantwortet und sich dadurch einen scharfen Verweis des Herrn von Rechberg zugezogen. Hat cs aber in der Welt je Gesetze gegeben, die keiner Verbesserung bedurft hätten? Vollkommen ist nichts in dieser Welt; Menschen find fehlbar, Gesetzgeber noch mehr als andere. Die Gesetze entsprechen in der Regel dem Bedürfniß der Zett, in welcher sie entstanden. Veränderte Umstände, neuer Fortschritt, machen Verbesserungen nöthig , und die Forderung der Bürger, die solche Veränderungen verlangen, ist ganz natürlich und verdient Berücksichtigung. Die Note Rechbergs beweist, daß Oesterreich in der Reformbewegung nur eine Tendenz zu den Ideen von 1848 und den Bruch seiner Verträge mit den deutschen Höfen erblicken will. Immer dieselbe Berufung auf ältere Verträge! Es ist aber mit den Verträgen, wie mit den Gesetzen; auch sie sind der Ausdruck der Bedürfnisse ihrer Zeit und sie müssen einer Revision unterzogen werden, wenn die Umstände sich verändert haben. Es wäre Zeit, daß man Manches lerne und Anderes vergesse, und endlich aufhöre, der Gegner jeder Reform und jeder Verbesserung zu sein. Was heute veraltet ist, kann seiner Zett ganz vortrefflich gewesen sein; das Neue kann manchmal weniger gut fein, allein das Zeitalter und die fortgeschrittene Civilisation erfordern es. Nach hundert Jahren erscheint wieder veraltet, was heute neu ist, es werden dann neue Aenderungen erforderlich, vas ist die Geschichte der Menschheit; nur Unsinnige können versuchen sie aufzuhalten. Ver folgung und Zwang geben den Ideen nur um so größere Schwungkraft, und machen «ne