HKteMgenz-Blatt
her freien MM Frankfutt^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, M und den Frankfutter Nachttchte» als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachchausgass« 21.)
â 236. Donnerstag den 6. Octoder 1859.
Ueberblick -er (Ereignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 6. October. (Zur Situation.) In Paris ist man, wie die „Kölnische Zeitung" sagt, fest der Ueberzeugung, daß die Unterzeichnung des Friedens-Instrumentes in Zürich alsbald vor sich gehen und derselben der brüffeler Kongreß auf dem Fuße folgen werde, um sofort die im Hotel Baur ungelösten mittel-italienischen Fragen zu erledigen. Auch in Wien spricht man seit einigen Tagen davon, daß der Kongreß in Brüssel zu Stande kommen und von den Großmächten nicht durch ihre gewöhn- l'chtn Bevollmächtigten vertreten sein werde. Oesterreich würde durch den Erzherzog Ferdinand Max Frankreich durch den Prinzen Napoleon, England durch den Herzog von Chamkridge vertreten sein; eben so würden Preußen und Rußland Angehörige der regierenden Häuser nach Brüssel senden. Was die Ernennung des Erzherzogs Max zum Gouverneur von Venetien betrifft , so soll dieselbe, wie der Wiener Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" derselben schreibt, unmittelbar nach Unterzeichnung des Fiiedens-Contracus erfolgen; ebenso gilt es in Wien als gewiß, „daß man den ernsten Willen hat, die nationâlen Brdürfnisse der Venetianer, soweit es mit den Interessen des Kaiserstaates verträglich ist, zu berücksichtigen; begreiflicher Weise wird sich aber diese Berücksichtigung nicht auch aus das militärische Gebiet erstrecken. Die Besatzungen der vier Festungen, so wie der Stävte in Venetien werden nicht auS italienischen Truppen bestehen; die letzteren werden im Gegentheil, so w!e bisher, in dem Innern der Monarchie verwandt w.rden." Diese Verwendung der italienischen Truppen jenseit der Alpen ist bekanntlich eine der Hauptbeschwerden der Italiener gegen die Fremdherrschaft. Auch dem „Nord" wirb übrigens aus Paris mttgelh-ilt, „daß Erzherzog Max bei der neuen Oidnung in Italien eine Rolle spielen wird, und daß die österreichische Regierung sich der französischen mehr nähern zu wollen scheint." Di« Kandidatur de« Grafen von Flandern hat in österreichischen Blättern, als sie zuerst auftauchte, großes Befremden erregt, findet dagegen neuerdings Vertheidiger. Je länger die Vorverhandlungen zum Gongreffe verhandelt werden, desto schwerer wird es halte i, den Verschmelzungs-Proceß in Mittel-Italien wieder rückgängig zu machen oder durch einen Federkrieg alS nicht geschehen zu erklären. Die Liga rüstet mit aller Macht, um der bewaffnet auftretenden Restauration die Ueberschrettung der Grenze zu wehren. Jn Pgrma und Modena entfaltet man eine ehrenvolle und kräftige Energie, wie dieselbe während deS Durchmarsches des Armee-Eorp« vom Prinzen Napöleon nicht vorhanden war, und in Toscana drangen nunmehr auch die