Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien Ksdt Frankfurt, /^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und dm Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition:am Geistpfèrtchen, GchlachthauSgaff« 81.)

â 228. Dienstag den 2 7. September 1859.

Abonnements auf das Intelligenz- und Amtsblatt und die Frankfurter Nachrichten werden täglich oder vom L. October beginnend, zu ermäßigtem Semester - Preise von der Expedi­tion angenommen.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politische« un- materiellen Interessen.

Frankfurt, 27. September. (Rußland im Kaukasus.) Die Gefangenneh- mung Schamyl Bey 'S, des Propheten und Kriegsherrn der lange für unbezwingbar gehaltenen Stämme des Kaukasus, ist ein Ereigniß von größerer Bedeutung für Europa, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Mit diesem letzten entscheidenden Erfolge schließt sich allmâhlig die Wunde, aus welcher Rußland ein Vierteljahhundert lang ge­blutet, und die unbestrittene Herrschaft zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meere, ist erlangt. Nicht umsonst hat Rußland so furchtbare Blutströme vergossen, nicht umsonst hat es ein Heer nach dem andern, einen Feldherrn nach dem andern in den Kaukasus gesen­det und die unglaublichsten Anstrengungen gemacht, den ungeheuren Felsendamm zu durch­brechen, den die Natur seiner Machterweiterung auf dieser Seite entgegengestellt zu haben schien. Was es bei Sebastopol und an den Mündungen der Donau verloren, daS hat eS mit der Gefangennehmung Schamyls wieder gewonnen, und mit der Eroberung des Kaukasus nimmt es Stellung im Rücken des osmanischen Reiches. DaS Werk, welches Rußland hiermit vollendet hat, und dessen militärische- Verdienst dem Stadthalter der transkaukasischen Provinzen, dem Fürsten Baiyatinèki, gebührt, ist Epoche machend für die Welistellung de« russischen Reiches, und jetzt, wo das Ziel erreicht ist, muß man die Ausdauer und Lonsequenz bewundern, mit welchen es fünfundzwanzig Jahre lang erstrebt wurde. Noch mehr aber ist die Tapferkeit zu bewundern, mit welcher die Stämme des Kaukasus, eine Handvoll undiSciplinirter Männer, so lange Jahre hindurch den Anprall auszuhalten vermochten. Schon in der zweiten Hälfte de« vorigen Jahrhundert« hatten die Russen festen Fuß im Norden de« Kaukasus gefaßt und schoben ihr« schon unter Peter dem Großen angelegte befestigte Linie mehr und mehr vor gegen die Vormauern, wodurch die Eifersucht der in ihrer Unabhängigkeit bedrohten Berzstâmme geweckt wurde. Diese machten zahlreiche Ausfälle auf ruisisches Gebiet, bis endlich der regelmäßige Krieg seinen Ank^n^ unh im -weiten Decentum dieses Jahrhundert- die Unterwerfung des gan-