Intelligenz-Blatt der freien MM Frankfurt verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
............
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 170. Donnerstag den 21. Juli 1859.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Eiyrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
VeberblE der Ereignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 21. Juli. (Zur Situation.) Da bet dem gegenwärtigen Friedens- schlufie die Lombard et ihren Herrn gewechselt hat, so dürfte ein Rückblick auf die Schicksale der Lombardei nicht ohne Interesse sein: Das Mailändische fiel nach den langen Kämpfen der Gibellinen und Guelfen unter die Herrschaft der Familie Visconti, die ihm mehrere Herzoge gab. Die letzte Erbtochter dieses Hauses, Valentine, hetrathete den Herzog von Orleans und wurde so Großmutter des Königs Ludwig XII. von Frankreich. Da Ludwig XI. auf alle Prinzen von Geblüt eifersüchtig war und sie verfolgte, unterließ es der Herzog von Orleans, seine Rechte auf dies Land zu verfolgen, in dessen Besitz sich Franz Sforza setzte. Vergebens bemühten sich später die Könige Ludwig XII. und Franz I. das Mailändische wieder zu erhalten. Als die Familie Sforza ausstarb, belehnte Kaiser Karl V. als Oberlehnsherr seinen zweiten Sohn, Don Philipp II., mit dem Herzogtbum, der bei Vermählung seiner Tochter mit einem Herzoge von Savoyen diesem das Versprechen gab, Mailand seinem ältesten Sohne zu übergeben. Dieser Erbe starb aber ohne Nachkommen, worauf sich Philipp seines Versprechens entbunden glaubte. Der Herzog von Savoyen protestirte vergebens dagegen und das Herzogthum blieb bei der spanischen Krone bis zum Jahre 1713, wo der Frieden von Utrecht die italiänischen Länder von Spanien trennte und dem deutsch-österreichischen Hause zuschied, das vom Lünevtllcr Frieden bis zum Frieden von Paris zwar Mailand verlor, nachher aber wieder erhielt. — Mantua, dessen Gebiet ebenfalls Theile der Lombardei bildet, kam nach der erwähnten Anarchie an die Familie Gonzaga. Ein Mitglied derselben erbte das Herzogthum Nevers in Frankreich und bildete dort eine französische Linie, welche später das Herzogthum Mantua erbte, aber erst 1631 im Frieden von Chierasco den Besitz bestätigt erhielt. Der letzte Herzog von Mantua ergriff im spanischen Lrbfolgekriege Partei für Frankreich und wurde daher von Kaiser Joseph 1. in die Reichsacht erklärt, seine confiscirten Staaten aber mit der österreichischen Monarchie vereinigt, seit welcher Zeit sie dasselbe Schicksal theilen wir Mailand. — Nach den neuesten statistischen Erhebungen zählt die aus neun Provinzen bestehende Lombardei (Provinz Mailand, Pavia, Lodi, Bergamo, Como, Sondrio, Brescia, Cremona, Mantua) 2,725,740 Einwohner und umfaßt einen Flâchenraum von 375