Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,/^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. K
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachchausgasse 21.)
Jg 144. Dienstag den 21. Juni 1859.
Ueberblick der GreignMe im Gebiete der politische« und materiellen Interessen.
Frankfttrt, 21. Juni. Die „Preuß. Ztg." bringt folgenden Artikel: „Es ist un- nöthtg, die Anstrengungen aufzuzählen, welche die preußische Regierung gemacht hat, den Ausbruch des gegenwärtigen Krieges in Italien zu verhüten. Als diese Bemühungen gescheitert waren, erklärte die Staatsregierung den beiden Häusern des Landtags in der Denkschrift vom 4. Mai: „daß es Preußens Aufgabe sei, wie früher zur Erhaltung, so jetzt zur Wiederherstellung des Friedens thätig zu sein; daß es indeß nunmehr einer bewaffneten Stellung zur Unterstützung seiner diplomatischen Action nicht entbehren könne." Die Antwort des Landtags war die vollständige Billigung der bisher eingehaltenen Politik der Regierung und die einstimmige Bewilligung der zur Mobilmachung der Armee erforderlichen Geldmittel in beiden Häusern. Die Bestimmung des Zeitpunktes, in welchem Preußen für den Frieden einzutreten habe, erwartete der Landtag von dem hohen Willen, welcher Preußens Geschicke lenkt, mit dem vollsten Vertrauen. Nicht eine Stimme der preußischen Landesvertretung empfahl der preußischen Regierung, dm Weg.unbedingter Neutralität zu gehen. Nicht eine Stimme der LandesvertretuNg muthète Preußen zu, den Augenblick abzuwarten, wo die Pflicht des Bundesverhältnisses, der Buchstabe des Bundesvertrags fèihé Action fordern oder vielmehr auferlegen würde. Jedes Mitglied der Landesvertretung fühlte, daß Preußen nicht darauf verzichten könne und werde, seine Stimmen als selbstständige Macht in seinem Namen und im Interesse Deutschlands im Rathe der europäischen Mächte abzugeben. Seit der Gründung des gegenwärtig in Europa bestehenden Rechtszustandes haben die Großmächte jeden internationalen Conflict als einen Gegenstand ihrer gemeinsamen Sorge angesehen. Preußen würde sich selbst aus der Reihe dgr Großmächte streichen, wenn es auf seinen Antheil bei der Ordnung der italienischen Verhältnisse verzichten wollte. In dem Stadium, zu welchem die italienische Frage gelangt ist, kann jeder Tag Ereignisse bringen, welche Preußen nicht wehrlos finden dürfen. Wenn England und Rußland in diesem Sinne mit großem Eifer rüsten; wie viel dringender liegt Preußen diese Pflicht ob, welches der gegenwärtigen Verwicklung viel näher steht. In dem Augenblicke, in welchem der in Italien entbrannte Kampf eine für die maßgebenden Grundsätze des europäischen Völkerrechts und für die Aufrechthaltung des europäischen Gleichgewichts, welches auf diesen Grundsätzen beruht, bedenkliche Wendung zu nehmen droht, rorinte die Staatsregierung Preußens sich der Erwägung nicht verschließen, daß der Moment gekommen sei, für die Herstellung des Friedens einzutreten. Die Politik Preußens witd in keinèr der fernerhin nothwendig werdenden Maßnahmen de» Charakter verläugnen,