Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, , verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, â und den Frankfurter Nachrichten als Extrabellage.
(Expeditton: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 142. Samstag den 18. Juni 1859.
UebcrbliÄ der Greègnrffe im Gebiete der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, 18. Juni. Das bestimmte Ergebniß, zu welchem die Conseilberathungen in Berlin am Ende der vorigen Woche geführt haben, liegt nun vor Augen. Sechs Armeecorps sollen mobil gemacht werden, und die dazu erforderlichen Befeble sind vom Kriegsminister schon vor einigen Tagen erlassen, so daß es nur kurzer Zeit bedürfen wird, um die Preußische Landwehr unter die Waffen treten zu sehen. Dieser Schritt muß als entscheidend angesehen werden. Ganz ungehörig wäre es aber, daraus folgern zu wollen, daß ihm, sobald die vermehrte Streitmacht beisammen ist, eine Kriegserklärung nachfolgen müßte. In diesem Augenblicke liegt dazu keineVeranIassung, keine Nothwendigkeit vor. Dessen ungeachtet verliert der Schritt dadurch nichts an seiner außerordentlichen Tragweite; er gewinnt an Wichtigkeit dadurch, daß er als Vertheidigungsmaßregel ausgeführt wird. Zwar hat der Kaiser Napoleon ernstlich und wiederholt die Versicherung abgegeben, jein italienischer Krieg bezwecke keine Eroberungen für Frankreich, und wenn man die äußerliche Veranlassung, wenn man den Anfang desselben nach dec Lage der Dinge ins Auge faßt, so führt Napoleon mit seinem Alliirten lediglich einen Defensivkrieg. Wohl aber nöthigt sich die Frage auf, wie lange und wann der Krieg diesen Charakter bewahren werde. Niemand wird etwas dagegen einwenden können, daß ein errungener Sieg gesichert, daß ein besiegter Feind zur Behauptung gewonnener Entscheidungen verfolgt werde. Aber eben so klar ist es, daß der siegreiche Feind aufhört, einen Defensivkrieg zu führen, wenn er im Verfolgen weder Maß noch Ziel zu halten wüßte und sich durch keine Schranke zurückhalten ließe, um Terrain über Terrain zu ergreifen. Dann ist der Eroberungskrieg in voller Blüthe, und Niemand hat Bürgschaften, wo er aufhören werde. Eine „Sicherungsmaßregel" ist unter solchen Umständen unerläßlich. Worauf sie sich erstrecken werde, zeigt das Programm der Preußischen Politik, wenn auch in allgemeinen, so doch in sehr bestimmten Zügen. Nach allen Kundgebungen wird sich Frankreich hüten, sich durch Verletzung des deulschen Bundesgebietes einen zweiten Feind aufzubürden; allein es kommt auch die europäische Rechtsfrage nebst dem Gleichgewicht in Betracht, und was nicht minder in die Waagschale fällt, der Fürst Gortichakoff hat sich in seinem Rundschreiben als Interpret der Bundesartikel gerirt, als ob Deutschland erst von Rußland die Parole erwarten müßte, nach der es zu handeln hat. Die Ereignisse werden nicht auf sich warten lassen, an benen sich der Beruf Preußens zu manifeststen hat.