Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz Blatt

der freien Stadt Frankfurt. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

.««M<ll>»0*«*»-

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

M 140.

Donnerstag den 16. Juni

1859

Neberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 16. Juni. (Zur Situation.) Aus gut unterrichteten Kreisen kommt die Kunde, daß bereits ein Einverständniß zwischen den deutschen Mtttelstaaten und Preußen sich angebahnt habe; natürlich steht zu hoffen, daß die Mittel« staaten sich mit ihrer Ansicht den Intentionen der Großstaaten anschließen, wie sich das auch von selbst versteht; eine unmittelbare Folge davon wäre die Verständigung zwischen Preußen und Oesterreich, so daß sich jeder Freund des Vaterlandes nur Glück wünschen kann, daß noch in der letzten Stunde die beiden großen, im Bunde vertre­tenen Regierungen im Geiste der Eintracht sich die Hand zum gemeinschaftlicben Han­deln bieten wollen. Die russische Depesche an die Mittelstaaten, in welcher die Neutrali­tät Rußlands von der Aufrechthaltung der Defensivstellung des deutschen Bundes abhängig gemacht wird, dürfte wohl zu einer schnelleren Annäherung beigetragen haben. Deutschland glaubt sich bedroht, da ist vor Allem eine einheitliche militärische Leitung durch Preußen allein, das nicht im Kriege verwickelt ist, wie der andere deutsche Großstaat, behufs einer bewaffneten Mediation das dringendste Bedürfniß. — Die Denk­schrift, welche Herr v. d. Pfordten dem Bundesmtlitârausschuffe übergeben, soll das Werk des bayerischen Generals Fürsten von Thum und Taxis sein. — Nachdem Frank­reich die Oesterreicher hinter den Ticino zurückgedrängt und der Verpflichtung, Sardinien gegen Angriffe Oesterreichs zu schützen, genügt hat, wird die preußische Regierung sich schon in den nächsten Tagen darüber entscheiden müssen, welche Schritte zur Wieder­herstellung des Friedens zu thun sind. Es liegt zu Tage, daß dieser bevorstehende Frie­dens und Vermittelungsversuch sich wesentlich von den früheren, die den Ausbruch des Kriegs nicht zu hintertreiben vermochten, unterscheiden wird. Er ist sehr kostspielig, wie die Emission der Anleihe beweist, und wird im Auslande nur in dem Falle als ein Vor­läufer des Friedens betrachtet werden, wenn man der friedfertigen Absichten Frankreichs sicher ist; im andern Falle würde die bewaffnete Mediation, eingeleitet durch Preußen, durch die bereits verfügte sofortige Mobilmachung von sechs preußischen Armeecorps, denen die gesammte deutsche Macht zur Seite stânde, als das Zeichen des allgemeinen Krieges gelten; übrigens scheint es nach allen Anzeichen, daß Napoleon einem Congresse zur Anbahnung des Friedens gerne die Hand bieten würde. — Der „Mainzer Zeitung" schreibt man, wie es scheint, aus unterrichteter Quelle: „Sehr möglich ist es, daß das Fortschreiten der Armeen Frankreichs gegen den Mincto neue Mediationsversuche hervorrufen könnte. Wohlunterrichtete Personen