Anteliigenz-Blatt
der freien SM Frankfurt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, MââM und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 139. Dienstag den 14. Juni 1859.
UeberbliS der EreLgnMe im Gebiete der politischen und materieRen Znteresten.
Frankfurt, den 14. Juni. (Zur Situation.) Die offizielle „Preußische Zeitung" sagt, es sei das Gerücht von einer Mobilistrung der ganzen Armee und der nahen Betheiligung Preußens an dem ausgebrochenen Kampfe verbreitet. Sie glaube indessen nicht zu irren, daß ein derartiger Beschluß weder bereits gefaßt, noch unmittel* bar bevorstehend sei. Wenn sich Preußen veranlaßt sehe, in der Entfaltung seiner Wehrkraft wettere Schritte zu thun, so bezwecke dies nur, den bisherigen Standpunkt mit größerem. Nachdruck geltend zu machen. — Nach einer Pariser Korrespondenz der Jndependance," die sich eingehend und, wie es scheint, auf Grund bestimmterer Informationen über die Verhältnisse in Deutschland verbreitet, wurden am Schluffe der durch den General v. WIllisen in Wien eingeleiteten Verhandlungen von Oesterreich Vorschläge aufgestellt, die in einer Note des Grafen Rechberg prâcisirt sind. Danach soll Preußen sich verpflichten, „das Mögliche zu thun, um den Territorialbestand in Italien aufrecht zu erhalten," wogegen Oesterreich die verlangten Zugeständ- niffe in Beziehung auf die vorläufige Leitung der deutschen Angelegenheiten machen würde. Auf einer eigentlichen Garantie des italienischen Gebiets würde also Oesterreich nicht bestehen, auch die vielbesprochenen Spezialverträge fallen lassen. — Der „Weserzeitung" wird aus Berlin geschrieben: „Es wird in unterrichteten Kreisen ziemlich rückhaltslos zugestanden, daß die jüngsten Ereignisse sehr lebhafte Berathungen in Berlin veranlaßten, welche die Aufstellung des für Preußens auswärtige Politik mit Rücksicht auf die neueste Wendung des zu befolgenden Programms zum Gegenstände haben. Das wesentliche Motiv dieses Programms möchte sich in dem Gedanken aussprechen lassen, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, wo die Preußische Regierung die Tendenz der außerordentlichen militärischen Vorbereitungen, mit welchen sie sich seit Monaten beschäftigt, bestimmt zu formuliren habe. Man darf mit den betreffenden Berathungen auch die Anwesenheit des Herzogs von Braunschweig als verbunden betrachten. Zuverlässigen Angaben zufolge handelte es sich bei der Anwesenheit desselben nicht um einen bloßen Familienbesuch. Der Herzog gab bet seiner schleunigen Herreise einer telegraphischen Einladung Gehör und widmete seine ganze Zeit der Mitwirkung an den erwähnten politischen Berathungen. Was nun das festzustellende Programm selbst anbetrifft, so.darf als Ausgangspunkt desselben die Erklärung bezeichnet werden, welche preußischerseits schon in einem früheren Stadium der italienischen Verwickelung bei allen Großmächten Europa's abgegeben wurde, dergemäß