Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, ^^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, â^^^MÄ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 135. Donnerstag den 9. Juni 1859.
LeberbliÄ der Ereignisse im WedieLe der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 9. Juni. (Zur Situation.) Das blutige Drama, das sich auf den Gefilden Italiens abwickelt, naht dem Ende seines ersten Actes; schaudernd steht das Publikum vor der Blutlache, die sich vor ihm ausbreitet, und die Spannung wächst von Minute zu Minute, aber mitten unter den schwarzen Fahnen des Todes, mitten unter dem Krtegsgeschmetter der Schlachttrometen sehen wir in der Ferne das weiße Banner des F r t e d e n s blinken, und hoffen fetzt mehr als je auf einen baldigen Kongreß, auf eine friedliche Vermittlung seitens Preußens und Englands. Nun, wo der Schlachtengott hinlänglich mit so viel Opfern von allen Seiten versucht worden, werden vielleicht ernste und gewichtige Worte des Friedens nicht vergebens an das Ohr der Kämpfer schlagen. Europa wird Dem mit Freuden zujauchzen, der der geängstigten Welt den Frieden wiederbringt. — Eine interessante und wichtige Broschüre wird soeben ausgegeben. Sie führt den Titel: „Die Politik Preußens. Eine Stimme aus Süddeutsch- land." Die Broschüre ist sehr geschickt und elegant geschrieben, und legt in ihrer ersten Hälfte die Verschiedenheiten in der Auffassung der Lage und der anzuwendenden Mittel in Norddeutschland und Süddeutschland sowohl in der Presse, in der Volksmeinung und in den deutschen Cabinetten dar, und kommt dann zu dem Schlüsse, daß Preußen, das als Staat allen andern Staaten Deuschlands gleichwiege, in der auswärtigen Politik Deutschlands als Führer auftreten oder gar nichts thun müsse, daß es ein Drittes für Preußen nicht gebe. Dazu bedürfe es aber des Vertrauens, und zwar jenes würdigen und männlichen Vertrauens, wie das die preußische Abgeordnetenkammer der Regierung bewiesen habe. Allerdings müsse Preußen das Bündniß Englands suchen; es könne seine Action indeß nicht davon abhängig machen. Es würden sich drei Stadien des Kampfes unterscheiden lassen,das italienische, das deutsche und das europäische, welche schon jetzt mannigfaltig durcheinander spielten. So lange der Kampf im ersten Stadium sich befinde, sei die bloße Demonstration von Seiten Deutschlands vollkommen ausreichend. In seinem Besitzstände sei Oesterreich erst durch den Verlust der Minciolinie und durch den Fall von Mantua, bedroht. Erst dann sei für Preußen und Deutschland der Augenblick da, die Waffen zu ergreifen, denn dann habe der Kampf das deutsche Stadium erreicht und der Sieg werde nicht zweifelhaft sein, weil die gesammte deutsche Macht der frapzöstschitalienischen überlegen sei, und Rußland nach den ungeheuren Verlusten ist der Krim, nach den innern Reformen, nach den großen Beurlaubungen und