Intelligenz Blatt der freien MM Frankfurt, z^T verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expeditton: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
JS 128. Dienstag den 31. Mai 1859.
UeberblLâ! der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 31. Mai. Bei dem Interesse, welches Europa gegenwärtig der italienischen Frage zuwendet, dürften einige historisch-genealogische Notizen über die bisherigen Herrscherfamtlten Italiens nicht am unrechten Platze sein. In Toskana, welches schon 1569 durch Pabst Pius V. zu einem Großherzogthum erhoben worden, regierte bis zum Jahre 1737 das Haus der Mediceer. Noch bevor der Letzte dieses Stammes, Johann Gaston, mit Tode abgegangen war, wurde über den Besitz seines Landes and-rweitig verfügt. Zuerst wurde durch die Quadruple-Allianz von 1718 dem Jnfanten Don Carlos, zweitem Sohne des Königs Philipp V. von Spanien die Erbfolge auf Toscana eröffnet. Als dieser jedoch später auf den sicilianischen Thron gelangt war, gingen durch den am 3. October 1735 zu Wien abgeschlossenen Prâliminar-Frieden seine Rechte auf den Herzog Franz Stephan von Lothringen — den nachmaligen Kaiser Franz I. — über, welcher hingegen die Herzogtümer Lothringen und Bar an den vertriebenen Polcnkönig Stanislaus Lesczinskt, den Schwiegervater' Königs Ludwig XV. von Frankreich, abtrat. Seitdem ist das Großherzogthum Toscana eine Secundogenitur des Hauses Habsburg-Lothringen. Dem Kaiser Franz I. folgte in der Regierung desselben (1765) sein zweiter Sohn Leopold, und als dieser nach dem kinderlosen Absterben Kaisers Joseph II. 1790 zum deutschen Kaiser gewählt war, erhielt wiederum sein zweiter Sohn, Ferdinand (III.), die toscanische Krone. Der Friede zu Luneville (1801) beraubte diesen Fürsten seines Landes und verlieh ihm als Entschädigung zunächst das Kurfürstenthum Salzburg, später das Großherzogthum Würzburg. Toscana wurde unter dem Titel eines „Königreichs Hetrurien" an den spanischen Jnfanten Ludwig von Bourbon, Sohn des Herzogs von Parma, gegeben, nach dessen schon 1803 erfolgtem Tode cs auf seinen Sohn, den noch jetzt lebenden Jnfanten Carl von Bourbon (nachmaligen Herzog von Lucca und von.Parma) unter mütterlicher Vormundschaft über- Èg. Allein schon 1807 machte Napoleon diesem Königreich ein Ende, indem er Toscana i französischen Kaiserreich einverleibte. Später kehrte der Großherzog Ferdinand zuruck und regierte noch bis 1824. Ihm folgte sein einziger Sohn, der jetzt regierende Groß- Herzog Leopold II., Erzherzog von Oesterreich, Prinz von Ungarn und Böhmen-c., geboren 1797, welcher in zweiter Ehe seit 1833 mit Antonte, Schwester des Königs beider ©feilten, vermählt ist. Der Erbgroßherzog Erzherzog Ferdinand, geb. 1835, hatte sich 1856 mit der Prinzessin Anna, Tochter des Königs Johann von Sachsen, vermählt und verlos diese erst vor wenigen Wochen durch den Tod. Außer ihm hat Großherzog Leopold noch 3 ^öhne und drei Töchter. —Seit dem Jahre 1847 ist das Herzogthum Lucca mit Toscana vereinigt.