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Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

Jg 126. Samstag den 28. Mai 1859.

UeberbLie? Ler GTeignLjfe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 28. Mai. (England und die schwebende Frage.) Um das gegenwärtige Verhalten Englands dem am Po ausaebrochenen Kampfe gegenüber rich­tig beurtheilen und die etwa daraus für die Zukunft sich ergebenden Folgerungen einiger­maßen berechnen zu können, hat man sich zunächst der Aufregung zu entäußern, wie sie jetzt in einem großen Theile von Deutschland vorherrscht. Weist man aber wirklich jene auf- und abwogenden Gefühle bestimmt zurück, dann dürfte gerade eine vorurtheilsfreie Betrachtung der heutigen auswärtigen Politik Großbritanniens am ersten geeignet sein, auch in Deutschland einer ruhigeren Anschauung Raum zu gönnen. Wenn auch die heutige Aufre­gung Deutschlands zum Theil die nothwendige Folge unserer seltsam verworrenen Zustände ist, man darf von ihr aus nicht die Stellung von St. James zu der Kriegsfrage bemessen wollen. Jenseits des Kanals erscheint diese vielmehr einzig und allein in der Nacktheit ihres internationalen Wesens, und demselben gegenüber trifft England seine Maßregeln und Entscheidungen nicht etwa nachSympathien oder Antipathien, sondern natur­gemäß blos nach seinem Interesse. Es mag zwar immerhin gern eingeräumt werden, daß für den Augenblick, W toexc Parteigetriebe die Geschlossenheit Großbritanniens nach Außen in weniger scharfen Linien hervortreten läßt, zumal da die gestimmte Sachlage England noch nicht zum unmittelbaren Handeln nöthigt. In der Presse zum mindesten fahren auch auf dem Jnfelreiche die Stimmen bunt durcheinander; je nachdem die allge­meinen Parteiprincipien den Stimmführern die Parole geben. Greift doch die schwebende Reformbill gar zu tief in den Kern des britischen Staatslebens ein, als daß nicht die verschiedenen kämpfenden Schichten der Gesellschaft Alles aufbieten sollten, ihre Zwecke zu fördern. So haben die Tories in der letzten Zeit, ehe die Wahlen entschieden waren, es sich ungeheuere Summen kosten lassen, um die Majorität im Parlamente zu erlangen, und ihre Gegner dafür ängstlich jede Aeußerung vermieden, welche ihnen ihrerseits die Gunst der großen Menge entziehen könnte. Nachdem jedoch gegenwärtig die Wahlagitation be­endigt ist, welcher vorübergehend die äußere Politik wenigstens den Worten nach zum Mittel dienen mußte, steht England wieder in seiner einheitlichen nationalen Gestalt den Vorgängen auf dem Festlande gegenüber, mögen nun die Tories im Mmisterium verblei­ben oder die Whigs an's Ruder kommen. Denn seit den Tagen von Pitt und Fox ist es ja längst kein Geheimniß mehr, daß wenn auch vielleicht die Whigs der internationalen Politik Großbritanniens hie und da einen anderen Ausdruck verleihen als die Tones, ro-y bleibe Parteien in den letzten entscheidenden Grundsätzen derselben stets Übereinkommen,