Intelligenz-Blatt der freien Fta-t Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
â 124.
Donnerstag den 26. Mai
1859.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 26. Mai. (Zur Situation.) Die „Elberfelder Zeitung" sagt in einem längeren Leitartikel über die schwebende Frage am Bunde und den Hannoverschen Antrag unter Andcrm: „Wollte ein Theil der Regierungen Deutschlands, nach Abschluß eines Separatbündnisses, feindlich schon jetzt gegen Frankreich vorgehen, würde er alle Gefahren, welche die Zukunft als Möglichkeiten in sich trägt, in's Leben heraufbeschwören, ohne die Kraft zu besitzen, dieselbe zu bekämpfen und zu besiegen. Er würde sich muth- willig den französischen Krieg auf den Hals ziehen und vielleicht die Armeecorps der Russen in Marsch setzen. Was würde er hiermit erreichen? Er würde den Franzosen und Italienern den Kampf in Italien sehr erleichtert, und sich wahrscheinlich nutzlos geopfert haben. Nehmen wir nun den Fall an, Hannovers Antrag gehe durch und die Mehrheit führe ihren Beschluß mit der Aufstellung einer Observationsarmee von 150,000, selbst 200,000 Mann aus; was will sie denn mit derselben beginnen? Soll es ein Verthei- dtgungs- oder Angriffsheer sein? Soll es warten, bis die Franzosen über die Grenze kommen, oder soll sofort eine Kriegserklärung gegen Frankreich erlassen und seine Grenzen überschritten werden? Aus den ersten Fall würde die Majorität vergebens warten, denn die Franzosen werden nicht so gedankenlos, so leichtsinnig und dumm sein, daß sie, welche jetzt beide Hände voller Arbeit in Italien haben, sich noch einen neuen Feind auf den Leib holen sollten. So lange der Krieg in Italien dauert, hat Süddeutschland durchaus keinen Grund, sich von der Angst vor den Franzose« befallen zu lassen. Man wird keine zu sehen bekommen, wenn man sie nicht selbst in ihren Grenzen aufsucht. Werden die süddeutschen Staaten dieses thun? Woher wollen sie einen gerechten und stichhaltigen Grund zu einem Kriege nehmen? Süddeutschland ist nicht verletzt worden, es wird nicht einmal bedroht; im Gegentheil, Frankreich vermeidet mit Aengstlichkeit Alles, was die Deutschen herausfordern könnte. Um einen Grund zu finden, müßte man gerade in den Fehler verfallen, den man in der deutschen Presse dem französischen Kaiser und seinem Verbündeten zum Vorwurf macht, und frischweg behaupten, daß man das Schmerzensgeschrei der despotisch unterdrückten Franzosen nicht mehr aushalten könne; jeden Augenblick sei deshalb auch in Frankreich der Ausbruch einer Revolution zu besorgen, welche die Sicherheit und Ruhe von Europa in Gefahr bringen werde; man fühle aber den Beruf und die Pflicht in sich, die Welt von einer solchen furchtbaren Eventualität zu bewahren. Wäre das aber die Sprache, die unserer deutschen Regierungen würdig wäre, bei denen bis jetzt Ruhe, Besonnenheit, Recht