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Zntelligenj-Blatt der freien Stadt Frankfurts ^T verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

â 116. Dienstag den 17. Mai 1859.

UeberMicf der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 17. Mai. (Alexander von Humboldt.) SLon in gewöhn» ltchen Zeiten, was bedeutet das Leben eines einzelnen Menschen! Selbst die hervorragen­den, wenn sie nicht zu den einsamen Giganten ihres Geschlechts gehören, sind wie Tropfen, welche in den Ocean fallen, welche auf einige Sekunden einen Kreis beschreiben und dann spurlos verschwinden, als wären sie nie gewesen. Je nachdem ihr Wirken hienieden auf vieler oder weniger Menschen Schicksal unmittelbar eingewirkt hat, sind es Viele oder Wenige, die sich ihrer noch eine Zeitlang erinnern, die vielleicht ihren Kindern erzählen: Der hat einmal gelebt, und die zweite Generation schon erinnert sich kaum mehr des Na­mens, der ihr von den Eltern vorgesagt worden ist. Höchstens in den Chroniken und in den Werken gelehrter Forscher lebt das Gedächtniß an sie fort; das Volk, die Welt ver­gißt fie, und „ihre Stätte kennet sie nicht mehr." Und wenn dies schon in stillen, fried­fertigen Tagen der Fall ist, wo der Gedanke Zeit hat, sich zu sammeln und das Herz Muse, der Trauer und Erinnerung nachzuhängen, um wie viel unbedeutender noch erscheint Leben und Sterben des Einzelnen da, wo Sturme und Erschütterungen über die Welt dahin ziehen, wo das Schicksal ganzer Reiche von wenigen Stunden entschieden wird, wo ein weltbewegendes Ereigniß das andere drängt, wo der Schlachtentod den Anblick menschlicher Vergänglichkeit massenhaft concentrirt und Auge und Gefühl stumpf werden für die Trauer deS HauseS, für den Schmerz der Wittwe und die Verlassenheit der Waisen? Von sel­tenster Größe muß der Sterbliche sein, dessen Hinscheiden einen tiefen Eindruck auf eine Welt macht, die in athemloser Spannung den fernen Donnern eines beraufziehenden Völ- kerkrieges entgegenlauscht I Und doch, nicht Deutschland allein, nicht Europa allein, son­dern der ganze E.dball, so weit man eine Ahnung von Civilisation und Bildung hat, er­lebte in diesen Tagen ein Beispiel so großartigen Sterbens. Die Nachricht, daß Alexan­der v. Humb'oldt's hoher Geist nicht mehr unter den Lebenden weilt, hat in allen fünf Theilen der bewohnten Erde, in Indien, wie am Fuße der Cordilleren, auf den Inseln Polynesiens- wie am Cap der guten Hoffnung, überall ein gleich mächtiges Echo dankbarer Trauer, bewundernder Erinnerung und ehrfurchtsvoller Rührung erweckt. Diese Botschaft ist ^lbst in den stürmisch bewegten Mittelpunkten des ausgebrochenen Kampfes, in ParlS, in Turin, in Mailand und in Wien mit Empfindungen vernommen worden, wie fie nur in feierlichen Augenblicken die Herzen der Völker anwandeln. Uns aber vor Allen, die wir mit berechtigtem Stolze sagen: Er war unser! uns Deutschen geziemt es, des großen Todten mit der Ehre zu gedenken, welche seiner die würdigste ist, mit dem