Anzeichen begründeten Mißtrauen gegen die Absichten Frankreichs für jetzt in der Auffassung der Regierung keinen Grund bilde, unter Entfremdung der beiden anderen Großmächte (nämlich Englands und Rußlands) mit Waffengewalt auf die Seite Oesterreichs gegen Frankreich zu treten. Noch weniger glaubt sie befürchten zu dürfen, daß die Bestrebungen der italienischen Staaten für eine stärkere nationale Verbindung und für eine beffere Staatsverwaltung auch dann, wenn diese Bestrebungen in bedenklichen revolutionären Formen sich geltend machen, an und für sich für die preußische Regierung ein Motiv bilden werden, sich aus bloßen Gründen des Prinzips und ohne Rechts-rtigung durch ihre eigenen nationalen Jn- tereflen an dem Kriege thatsächlich zu betheiligen. Je mehr sich Preußen durch die bestehende Einigkeit zwischen König und Volk stark fühlt, je weniger kann es sich bewogen finden, in anderen Ländern, in welchen diese Harmonie nicht besteht, mit seinen Waffen einzuschreiten. Die Commission entnimmt aus den Erklärungen der königl. Regierung, aus ihren jüngsten Maßnahmen, insbesondere der bereits verfügten Marschbereitschaft der sechs übrigen Armeecorps und aus der durch die gegenwärtigen Gesetzvorlagen ungebahnten Erweiterung der militärischen Maßregeln die Ueberzeugung, daß die königl. Staatsregierung, wenn sie auch jede Provocation zum Kriege, so lange er nicht geboten, vermeidet, sie doch im richtigen Moment unverzagt den Entschluß fassen wird, für die Sicherheit und die Ehre Deutschlands zu den Waffen zu greifen und zugleich in der Lage sein wird, zu bewirken, daß auch die Wehrkraft Deutschlands alsdann für die gemeinschaftlichen Interessen gegen den Feind geführt werden kann. In dieser letzteren Beziehung wurde in der Commission die begeisterte Stimmung in dem übrigen Deutschland, namentlich in Süddeutschland, allgemein als ein erfreuliches Symptom erstarkten Gememsinns anerkannt und nur beklagt, daß diese Begeisterung sich nicht blos gegen den äußern Feind, sondern auch in schwer erklärlicher Verblendung gegen Preußen richte. Es stehe zu brffen, daß die inneren Maßregeln der preußischen Regierung und die bei den gegenwärtigen Vorlagen beabsichtigte größere Machtentfaltung Preußens auch in Süddeutschland das Gefühl der Sicherheit nach Außen und damit zugleich das der Nothwendigkeit der innigen Verbindung mit der zur Bekämpfung des änßern Feindes stärkeren deutschen Macht erwecken, und daß sich dadurch die innerhalb einer aufgeregten Stimmung gebildeten irrigen Ansichten berichtigen werden. In dieser Beziehung sprach im Schoße der Commission ein Mitglied der königl. Staatsregierung ebenfalls die Hoffnung aus, daß die That besser als Worte das in Süddeutschland bestehende Mißverhâlt- niß hinsichtlich der Haltung Preußens aufklären werde; man habe die preuß. Regierung zu dederiklich gefunden; er spreche die Ueberzeugung aus, daß die Regierung fortfahren werde, mit allem Bedacht vorzugehen, und sollte man noch nicht überall die Erkenntniß haben, daß die preuß Regierung sich der großen und schweren Verantwortlichkeit, die auf ihr laste, bewußt sei, so werde man doch, wenn die Zeit dazu kommen sollte, finden, daß auch für die geringste Verletzung preußischer und deutscher Ehre Preußen ein stehen werde."
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