Intelligenz-Matt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(EMedttton : am Getstpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 110. Dienstag den 10. Mai 1859
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UeberbNck der Ereignisse im WebLete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 10.Mai. (Zur Situation.) Die Manifeste, die Proclamationen und die Circulardepeschen wurden der bangen, erregten Welt in der leß'en Woche von drei Seiten zugleich mitgetheilt, alle von dem nämlichen Gedanken eingegeben, die Verantwortlichkeit für das Blutvergießen auf das Haupt deS Gegner« zu wälzen. Darüber, daß es so ist, braucht man sich nicht zu wundern. Man kann alle Tage im gewöhnlichen Leben bei unsern Gerichten dieselbe Erfahrung machen; alle Tage nennt Casus weiß, was Titus schwarz nennt, und das Seltsamste ist, daß sehr oft beide vollkommen überzeugt scheinen, sie hätten Recht. Es ist erstaunlich, mit welcher Geschicklichkeit die Menschen alles das vergessen und übersehen, was zu ihrem Nachtheile zeugen könnte, und alles da« behalten, was für sic günstig aussagt. Die diplomatischen Schriftsteller sämmtlicher streitenden Parteien haben nur eine neue Probe dieser Kunst abgelegt, und es bleibt dem Richter überlassen, auS den einseitigen Darstellungen der hadernden Anwälte sich ein Bild des wahren Sachverhalts zu entwerfen. Für diese schwierige Arbeit sind aber gegenwärtig die Acten schwerlich schon spruchreif: in den großen Processen, in denen die Weltgeschichte zu Gerichte sitzt, pflegt die Wahrheit leider erst dann ermittelt zu werden, wenn über den Gebeinen der Parteien längst das Gras wächst und über den Acten sich der Staub der Archive ge
sammelt hat. Und doch kann die Mitwelt eines, wenn auch nur provisorischen Urtheils nicht entbehren. Sie muß, wenn nicht mit den Waffen, doch mit ihren Wünschen und Hoffnungen für die eine oder für die andere Seite Partei nehmen; weder der Verstand noch das Herz kann neutral bleiben, wenn in der Mitte Europas ein völkererschütternder Kampf entbrennt. In den meisten Fällen entscheidet dann freilich daS Interesse, wirkliches oder vermeintliches, oder die Richtung der Sympathien, — aber es ist nicht gut, daß nur Zweckmäßigkeitsgründe die Mitlebenden leiten, und die großen Fragen der Sittlichkeit und des Rechts der Nachwelt vorbehalten bleiben. Wem es um einen wirklichen, innerlichen Fortschritt der Völker und der Staaten zu thun ist, der wird am allerwenigsten jener ohnehin mächtigen Neigung der Menschen, nur ihren augenblicklichen Vortheil als Maßstab gelten zu lassen, Vorschub leisten. Er wird stets bemüht sein, auch über die moralische Bedeutung der Ereignisse, so gut es eben gehen wiL^_M_M__iu__LinLr__