Intelligenz-Blatt der freien Sadt Frankfurt, ^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frairkfuüer Nachrichten als Extrabeilage. [ ..««»»<ti>ii>»»»»
(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 102. Samstag den 30. April 1859
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Ueberblick -er Ereignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. April. (Das germanische Museum.) In Nürnberg, dem Reliquienkästchen von mittelalterlicher Schönheit und Kunst, lebt ein Mann, der sich zum Lebenszweck gesetzt hat, der Hüter und Pfleger derselben zu sein. Es ist der Freiherr Hans von Aufseß. Seine Schöpfung trägt den Namen „Germanisches Museum/ weil eigentlich alle deutschen Lande durch Alterthümer und Kunstschätze darin vertreten sein sollen. Herr v. Aufseß bewohnt eins der alten hübschen Häuser Nürnbergs, welches unter dem Namen „das Schlöffel" bekannt ist. Es sieht selbst ganz so aus wie ein lebendiges Ritterbild, und in seiner Häuslichkeit herrscht noch mittelalterliche Sitte; seine blondgelockten Töchter tragen nicht die Moden unserer Tage, sondern die wohlkleidenden Schneppenhäubchen und die gestickten Settentaschen am Gürtel, wie Goldschmieds Töchterlein oder die schöne Philippine Welser. Sie fitzen am Spinnrad oder lesen lateinische Urkunden und walten mit dem Schlüffelbund im Hause. Die zahlreichen Reisenden, welche alljährlich nach Nürnberg wallfahrten, finden eine gastliche Aufnahme im Schlöffel des Freiherrn v. Aufseß, wenn sie sich ihm vorstellen und um seine belehrende Gesellschaft bitten beim Besuch des germanischen Museums. Die Schätze desselben sind jetzt im Karthäuserkloster untergebracht, in einer schönen Ruine, die dem Verfall entrissen und einem Neubau übergeben ist. In den oberen Räumen find mit unendlichem Fleiße die Bücher, Urkunden. Inkunabeln rc. geordnet. In großen Glaskasten sind die Stammbäume der berühmtesten Adelsgeschlechter aufgestellt, sowie überhaupt die Wappenkunde ganz besonders gepflegt wird in dem germanischen Museum. Die Reichhaltigkeit desselben in dieser Hinsicht laßt alle anderen ähnlichen Institute weit hinter sich. In den unteren Räumen befindet sich ein Waffensaal, eine Gemäldesammlung, die freilich mehr historischen, als künstlerischen Werth hat, eine Kirche, geschmückt mit aller Ornamentik des Mittelalters, und ein Saal voll der interessantesten Curiositäten. Letzterer wird namentlich den Damen wichtig erscheinen, denn alle Gegenstände des weiblichen Costüms der frühesten Culturepoche sind hier ausgestellt. Ebenso kann man ein vollständiges Bild von der häuslichen Einrichtung aller Zeiten sich entwerfen, wenn man diese Sammlungen betrachtet. Die Sessel und Truhen finden so viel Beifall, daß bereits mehrere Kunsttischler in Nürnberg beschäftigt sind, nach